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Die Sage um Dietrichs Flucht aus Verona (auch Dietrichs Ahnen und Flucht genannt) entstand um 1290, am Ende des 13. Jhs. Es wurde von Heinrich der Vogler verfaßt und ist Teil der mittelhochdeutschen Heldendichtung um die Figur des Dietrich von Bern. Die Erzählung wird dem ostgotischen Sagenkreis angerechnet.

Inhalt

In der Sage "Dietrichs Flucht" tötete König Ermanarich die Söhne seines Bruders Diether und versucht ebenso den Sohn seines zweiten Bruders Dietmar (Theodemer) zu fangen, Dietrich von Bern. Ermanarich wird jedoch besiegt. Später werden Dietrichs Leute von Ermanarich gefangen; nur Dietleib von Steier entkommt und bringt Kunde an Dietrich, der Land und Gut hingibt, um die Gefangenen zu lösen und ins Hunnenland zieht (siehe: Dietrichs Exil).

Mit einem Heer kehrt Dietrich von Bern schließlich aus seinem Exil zurück, schlägt dann seinen Onkel Ermanarich vor Mailand und vertreibt ihn, worauf er heimkehrt und Herrat, die Schwester von Etzels Frau (Helche), freit. Da Raben (Ravenna) durch Wittichs Verrat wieder verloren geht und Ermanarich grausam haust, zieht Dietrich von neuem gegen ihn aus und schlägt ihn bei Raben (s. Rabenschlacht). Als Sieger zieht er in Mailand ein. [1]

Hintergrund

Das Schicksal dieses mittelhochdeutschen Dietrich von Bern hat mit seinem historischen Urbilde blutwenig Ähnlichkeit. Gleichzeitig aber enthalten die Quellen des 13. Jhds. erstaunlich viele Einzelheiten, die mehr oder weniger sicher aus der gotischen Geschichte stammen:

  • a) Zuständliches: die Namen Amelunge, Dietrich und Dietmar; dass der Vater zwei Brüder hat, Dietrich keine Söhne; die Städte Bern und Raben, Verona und Ravenna (die übrigen sind späte Zutat).
  • c) aus Theoderichs Jugend: Diether (Theodemund), Theoderichs Bruder, 479 zuletzt auftretend; Dietrich von Kriechen (Thidrekr Valdimarsson): Theoderich Strabo, ein got. Freischarenführer in oströmischem Dienst.
Dietrichs Flucht - Walhallgermanisc1888dahn p659

Dietrichs Verschwinden (J. Gehrts, 1888)

  • d) aus der Gotengeschichte vor Theoderich: Theodemers Verbindung mit Attila; daher die Vorstellung vom Hunnenhofe und die Namen Etzel, Bloedel, Helche, Erphe. Hildebrand in der Rolle als Waffenmeister, Ziehvater kann den Gensimundus fortsetzen, der nach Cassiodor dem jungen Theodemer und seinen zwei Brüdern die Krone rettete (ca. 430) und dafür "toto orbe cantabilis" wurde. Er ist also, gleich den hunnischen Beziehungen, eine Verpflanzung vom Vater auf den Sohn.
  • e) die Tötung der zwei jungen Etzelsöhne, die Hauptfabel des Epos Dietrichs Flucht. Sie kann zurückgehen auf den Fall des ältesten Attilasohnes Ellac in der Schlacht gegen Goten und Gepiden im Jahre 454 in Pannonien. Die Sage übertrug die Tat auf Witege und machte Dietrich zum Rächer.

Unsicher ist das historische Gegenbild von Witeges Genossen und z.T. Doppelgänger Heime. Allersdings preist bereits die Widsith-Dichtung (6./7. Jhd.) die Kriegstaten der beiden, Wudga (Witege) und Hāma (Heime). Da zumindest bei Witege die Gegnerschaft zu den Hunnen (bzw. Sarmaten) primär ist, wurde diese Figur vermutlich erst später an den Dietrichszyklus angeschlossen, denn Ermanarich hatte bis ins 9. Jhd. mit den Hunnen gar nichts zu tun. Mit Dietrich von Bern verbunden erscheint Widia zuerst im Waldere.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 900.

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