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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 01. Dezember 2015 als Spotlight vorgestellt.

Als Dolch bezeichnet man eine messerartige Stoßwaffe mit Griff und zwei-oder dreischneidiger Klinge. Er wurde in älterer Zeit auch beim Militär und in der Renaissance zum Kostüm getragen. [1]

Beschreibung

Der Dolch ist eine Blankwaffe mit kurzer Klinge, die vorrangig auf den Stoß ausgelegt ist (Stoßwaffe). Es ist eine Waffe für den Nahkampf und seiner Wirkung nach für eine kurze, rasche Entscheidung berechnet; nicht selten wurde sie mit Hinterlist gebraucht. Im Mittelalter erscheint der Dolch als Hilfswaffe, um den bereits durch eine andere Waffe kampfunfähig gewordenen Geger vollends zu töten. Aus dieser Bestimmung erstanden die Bezeichnungen it. misericordia und gnadgott für die Waffe und im Deutschen das Wort „Gnadenstoß” für deren Gebrauch.

Mit dem Dolch wurde es möglich, zwischen die Fugen des Harnisches (Hauberts, Lentners) einzudringen und selbst die Maschen des Panzerhemdes zu durchstoßsen (Fig. 330). Im Gegensatz zu den übrigen Blankwaffen wird der Dolch in der Regel so in der Hand geführt, dass der kleine Finger an der Parierstange oder dem Ansatz, und der Daumen am Knauf liegt.

Arten und Formen

In den Querschnitten der Klingen finden sich alle denkbaren Formen; sie erscheinen mal kreisrund, mal drei- und vierschneidig, blattförmig mit Grat und gerippt mit Blutrinnen, Giftzügen und komplizierten Hohlschliffen. Die ältesten Dolche, die in Nordeuropa gefunden wurden, haben größtenteils breite, blattförmige, kolbige Klingen (Fig. 336). Zu den Dolcharten bzw. anderen Bezeichnungen der Dolche gehörten u.a:

Etymologie

Dolch, Gnadgott 14.Jh. handbuchderwaff00collgoog, Fig330.

Fig. 330: Sog. „Gnadgott“, mit Griff aus schwarzem Horn (Deutschland, 15. Jh.)

Die deutsche Bezeichnung "Dolch" (franz. poignard, dague; engl. dagger, ital. pugnale von lat. pugione) leitet sich von lat. dolequinus ab und steht mit dem fränkischen daga in Zusammenhang. Diese Waffe wurde bis ins 16. Jh. üblicherweise als Degen bezeichnet.

In der Erinnerung an die alten Gottesgerichte erhielt er im 14. Jh. den Namen gnadgott, eine Übersetzung des italienischen misericordia (frz. miséricorde). Erst im 16. Jh. finden wir in Deutschland diese Waffe unter der Bezeichnung „Dolch“. Unter dem Einfluss Italiens wurden die dortigen Bezeichnungen teils übersetzt, teils in der originalen Bezeichnung auch in Deutschland und Frankreich üblich.

Griffe

Ebenso wie bei den Schwertern finden sich auch an den Dolchen die vielfältigsten Griff-Formen. Die ältesten Dolche besitzen entweder gar keine oder nur kurze Parierstangen, dafür aber starke Stichblätter, erst im 14. Jh. bildet man die Griffe den Schwertern ähnlich, anfänglich mit kurzen, abwärts gerichteten, später mit oft langen, geraden Parierstangen und einfachen oder doppelten Parierringen, die zuweilen irreführend auch als 'Daumenringe' bezeichnet werden.

Aus den Maureskenstaaten kommen jene zweiflügeligen Knäufe (frz. pommeaux à oreilles), die wir von den orientalischen Handschars her kennen. An Dolchen in Italien und Frankreich werden diese noch bis ins 16. Jh. erzeugt (Fig. 352).

Klingenverzierung

Die Kunst des Klingenschmieds zeigt sich an Dolchklingen genauso wie an den übrigen Blankwaffen. So finden sich gerade am ausgehenden Mittelalter Klingen mit Giftzügen von außerordentlicher Feinheit in der Ausführung. Gerade orientalische Dolchklingen zeigen minutiöse und kunstreiche Ausführung mit Einzelstücken von meisterlicher Verzierung.

Aus Indien kommen die damaszierten Klingen, die bei kräftiger Textur schwarz erscheinen. Aus Indien und Persien die in Tauschierung (Tausia) verzierten, bei denen sich auch Tierfiguren in Silber und Gold mit Niello-Verzierung finden. Aus Damaskus, Bagdad und von den syrischen Rüsten stammen exquisite Dolchklingen aus damasziertem Stahl mit Flachreliefs und auch angeschlagener Tausia an den Ansätzen, in die zuweilen kleine Korallen gefasst sind. Solche Verzierungen trifft man häufig auch an Handschars (Krummdolch) und Yatagans (osmanischer Säbel) (s.a. Fig. 339, Fig. 340).

Geschichtliches

Der Dolch kommt seit seinem ersten Auftreten in der Steinzeit, in allen Nationen unter verschiedenen und wechselnden Bezeichnungen vor. In Nordeuropa bildete sich der Dolch aus dem gewöhnlichen Messer heraus, das sich auch für den Kampf als zweckmäßig anbot.

Steinzeit

Fischschwanzdolch von Hindsgavl DNM A33093

Fischschwanzdolch von Hindsgavl (Dänemark, Jungsteinzeit)

Der Dolch, in einfacher Gestalt (spitzer Stein oder Knochen) ist die Hauptwaffe der jüngeren nordischen Steinzeit. Das fast ausschließlich benutzte Material für seine Herstellung war der Feuerstein. Diese Feuersteindolche sind längliche Blätter mit symmetrisch gebogenen Seiten, zweischneidig mit scharfer Spitze, die am Bahnende entweder spitz zulaufen oder in einen kurzen Griff von ovalem oder rautenförmigen Querschnitt enden, der sich (bei den jüngeren Varianten) am Ende wieder verbreitert (Fischschwanzdolch).

Da die Schäftung fehlt, so bleibt bei den älteren Fundstücken die Möglichkeit offen, dass sie vielfach langgeschäftet waren und als Speerspitzen dienten (vgl. Speerspitze). Seltener, nur aus Nordeuropa bekannt, ist eine dolchartige Stoßwaffe aus Bergsteinarten. Sie läuft in eine stumpfe oder breite Schneide aus und ist mit einem Handgriffe versehen [2].

Frühbronzezeit

Die wichtige Rolle, die der Dolch am Ende der Jungsteinzeit spielt, behält er auch in der Frühbronzezeit (2200 bis 1600 v. Chr.), der „Dolchzeit". Die Kupfer- und Bronzedolche dieser Epoche bestehen aus einer länglich schmalen und spitzen Klinge mit leichter Wölbung oder flachem Grat. Sie schließen oben am Klingenende entweder in gleichmäßig flacher Rundung ab oder bilden stark ausbiegend eine unregelmäßig trapezoide Griffzunge.

Die Griffe sind aus Holz, Bein und Horn und werden durch Nietpflöcke mit der Klinge verbunden. Daneben tritt der sog. trianguläre Dolchtypus auf, der seine Heimat im Terramarengebiet Oberitaliens hat. Die Klinge hat eine kräftige dreieckige Form und ist mit feinen Ornamenten verziert. Der Griff ist ebenfalls aus Bronze hergestellt und mit dem Blatt durch Niete verbunden, später mit ihm aus einem Stücke gegossen.

Späte Bronzezeit

Die Dolchklingen der späteren Hälfte der Bronzezeit mit Griffen aus vergänglichem Material sind Weiterbildungen der frühbronzezeitlichen Typen. Sie sind von länglich dreieckiger Form, fast immer mit leicht nach außen gebogenen Rändern; in der Mitte läuft ein rundlicher, meist ziemlich scharf absetzender Grat. Das Griffende schließt halbrund mit zwei oder drei Nietlöchern ab, oder ist trapezoid, oft stark ausgezogen bis zu einem länglichen Dreieck. Häufig fand man solche Dolche in Frauengräbern [3], im Gürtel steckend. Es sind meist kleinere Exemplare.

Die übrigen bronzezeitlichen Dolchtypen mit gegossenem Griff stehen den Schwertern sehr nahe. Sie unterscheiden sich nur durch die wechselnde Länge, nicht durch charakteristische Unterschiede in Klinge und Griff (vgl. Schwert). Eine Trennung ist daher schwer durchführbar. In der jüngeren Bronzezeit tritt die Dolchwaffe mehr und mehr zurück, seit dem Beginn der Eisenzeit fehlt sie völlig. An ihre Stelle tritt das einschneidige Kampfmesser. Erst seit dem 11. / 12. Jahrhundert n. Chr. im Hochmittelalter wird der Dolch wieder verstärkt gebraucht.

Antike

Im antiken Rom galt der Dolch als vielfach Prunkwaffe und Hoheitszeichen, so z. B. beim Kaiser, dem Praefectus praetorio, den Kriegsobersten etc. als Zeichen der Macht über Leben und Tod. Die Tribuni militum trugen das Parazonium am Gürtel, meist allerdings nur als Auszeichnung.

Frühmittelalter

Vor allem im nordeuropäischen bzw. skandinavischen Raum war im Frühmittelalter hauptsächlich das einschneidige Messer, das Sax, in Gebrauch. Der Dolch der Merowinger (siehe Sax) bildet den Übergang zum einschneidigen Kurzschwert (Skarasax).

Hochmittelalter

Auch wenn der Dolch, von der Steinzeit an in Europa und dem Orient in Gebrauch stand, so erhielt er erst im 13. Jh. eine systematische Verwendung als bestimmtes Ausrüstungsstück. Von dieser Zeit an führten zunächst die Adligen, neben dem Schwert auch den Dolch. So wurde er nach und nach eine allgemeine Kriegswaffe, während er vorher über Jahrhunderte hinweg nur in einzelnen Fällen als solche diente.

Im Hochmittelalter war ein zwei- oder dreischneidiger Dolch von 12–18 Zoll Länge ein wesentliches Stück der Bewaffnung der Ritter, die ihn 'Gnadegott' bzw. 'Gnadgott' nannten. Der Dolch steckte im Gürtel oder wurde an der rechten Brustseite an einer Kette hängend getragen. Diese wiederum war oberhalb der rechten Brust befestigt, um die Waffe im Handgemenge nicht zu verlieren (Fig. 331, Fig. 332).

Er wurde gebraucht, wenn im Handgemenge oder Zweikampf der Feind niedergeworfen war, um dem Unterliegenden "den Gnadenstoß zu versetzen", wenn er nicht um Gnade bat. Mit dem Rittertum hörte auch der Dolch auf, eine kriegerische Waffe christlicher Völker zu sein.

Spätmittelalter

Nicht immer wurde der Dolch mit einer Scheide getragen, besonders dann nicht, wenn die Kette am Knauf befestigt war. Von der Zeit um 1340 an wurde von Adligen ein breiter Gürtel an den Lenden getragen, der gewissermaßen als Würdenzeichen eines ritterlichen Stammes anzusehen war, und der im Deutschen „Dupsing“ genannt wurde. Daran wurde dann der Dolch gehängt (Fig. 333, Fig. 334).

Vom 14. Jh. an gehörte der Dolch in Italien zur festen Ausrüstung des Mannes; dort trug man ihn an der rechten Seite oder auch vor der Mitte des Leibes an einem Riemen herabhängend.

Im 15. Jh. trugen die Ritter den Dolch anfänglich an der rechten Seite der Bauchreifen, wo er an Eisenringen hing; später an derselben Seite am Gürtel hängend. In den Städten war es in Deutschland und Burgund fast ausnahmslos in üblich, den Dolch, um dessen Herumschlenkem zu vermeiden, in Verbindung mit der üblichen Ledertasche zu tragen (Fig. 335).

Von Spanien aus verbreitete sich am Ende des 15. Jhs. der Gebrauch, den Dolch am Rücken mit dem Griff nach unten zu tragen - Eine Mode, die auch von den deutschen Landsknechten und in der Schweiz angenommen wurde (s.a. Landsknechtdolch). In Europa wird hauptsächlich der Dolch mit gerader Klinge gebraucht, nicht selten auch das einschneidige Dolchmesser, das in Frankreich im 15. Jh. von Fußtruppen geführt wurde, wovon der Name frz. coustilliers stammt. Vom 15. Jh. an finden sich auch Dolche mit geflammten Klingen.

Die Dolche des 14. und 15. Jhs. besitzen zumeist drei- oder vierschneidige, starke Klingen. Die Scheiden jener Zeit sind aus Elfenbein oder aus Holz gefertigt oder mit Leder überzogen, welche häufig in schönen gotischen Dessins getrieben oder gepresst sind; an vielen findet sich ein Besteck für ein kleines Messer, oder auch für einen Pfriemen. Auf reichgezierte Dolche wurde im ganzen Mittelalter ein besonderer Wert gelegt (Fig. 342: Kamphues-Dolch, Fig. 343).

Italien

In Italien werden zuerst die kleinen Dolche getragen. Man findet solche bereits im 14. Jh.; im 14. und 15. Jh. genossen die in Bordeaux erzeugten, frz. burgalaise oder bordelaise genannten, kleinen Dolche einen großen Ruf. Sie besaßen die gewöhnlichen italienischen Formen. Eine eigene Art von Dolchen mit dreiseitigen Klingen, sehr langen Griffen und kreisrunden Parierringen war im 15. Jh. als Sieneser (vgl. Reiterdolch) bekannt.

In großen Massen für den venezianischen Markt wurden die Dolche in Belluno, für den französischen Markt in Brescia erzeugt. Von dort aus gelangen die sogenannten Fussetti nach Venedig, bei denen eine numerierte Gradeinteilung auf den Klingen eingeschlagen ist.

Renaissance

Am Ende des Spätmittelalters und mit dem Beginn der Renaissance (16. Jh.) entwickelten sich Klingenformen, sie sich vom Langdolch deutlich unterschieden. Es waren kleine Dolche mit kurzen, schlanken Klingen, die besonders von Italien ausgehend in Mode kamen und in Dimensionen auftraten, die sie eher als Spielzeug und Gegenstand der Koketterie erscheinen ließen, wie die Damendolche, die it. stiletti (Stilett) und die it. Fussetti.

Besonders das Stilett mit seiner schmalen, dreischneidigen Klinge, wurde als berüchtigtes Instrument der Meuchelmörder berühmt. So z.B. in Italien, wo man vergiftete und gläserne Dolche anwendete, die durch Abbrechen der Spitze höchst gefährliche Wunde verursachten. In der Neuzeit verschwand der Dolch dann mehr und mehr; von regulären Truppen trug als letzte die venezianische Artillerie den Dolch.

Eine besondere Verwendung hatten die Degenbrecher, die sich am Beginn des 16. Jhs. von Spanien aus verbreiteten (Fig. 341). Im 16. Jh. kommt in Spanien auch eine neue Fechtmethode im Zweikampf auf, bei der der Fechtdegen (span. espada de matador) in der Rechten zum Ausfall, der Fechtdolch aber mit der Spitze nach abwärts zur Parade geführt wird (s.a. Springklingendolch, Linkehanddolch).

Neuzeit

In den europäischen Ländern verliert sich der Dolch mit der Militarisieung des Heerwesens als der Taktik nicht entsprechend. Nur in der italienischen und speziell venetianischen Artillerie wird er noch im 18. Jh. getragen. In der Marine bildet der Dolch noch in der Moderne einen Gegenstand der Ausrüstung als vorteilhafte Waffe im Nahkampfe am Bord und in dem meist sehr kurz währenden Entergefecht.

Fundstücke

  • Der sog. Kamphues-Dolch ist ein kunsthistorisch bedeutender, gotischer Dolch mit Elfenbeingriff aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon: Dolch, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 446.
  2. Aarbeger for nordisk Oldkyndighed og Historie. Sophus Müller. Kjobenhavn. 1907.
  3. Korrespondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellsch. 1889. H 50.

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