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Disambig Dieser Artikel beschäftigt sich mit der separaten Betrachtung des westgermanischen Donar. Für die gemeinsame Betrachung von Thor / Donar siehe Hier.

Der westgermanische Donar bzw. gemeingerm. *þunraz entspricht in der germanischen Mythologie dem Gott Thor (s.d.), anord. þōrr, der allen germanischen Stämmen gemeinsam war und der bei den Nordgermanen besondere Verehrung genoß.

Beschreibung

Der Name Donar wurzelt in der Gewittererscheinung, er ist also von Haus aus eine atmosphärische Gottheit, der Gott des Donners. Dass man sich bei Gewittern an ihn wandte, bezeugen außer Adam von Bremen (um 1075) die Quellen allerdings nicht. Er ist der Sohn des Odin und der Jord (Erde) und genießt unter allen Asen das höchste Ansehen. Von ihm hat der Donnerstag (Thorstag) den Namen. [1]

Das Bild, das deutsche Quellen von dem altgermanischen Gewittergott geben, ist ziemlich farblos. Gleichwohl spielte er in der altgermanischen Göttertrias eine hervorragende Rolle, auch in Deutschland. Im Westgermanischen begegnet sein Name auf der Nordendorfer Spange (þonar wigi - 'Donar weihe sie' [2] ), im sächsischen Taufgelöbnis, als altengl. þunor [3] und in dem über das ganze germanische Gebiet verbreiteten Donarestac (ahd.), Thunresdey (fries.) bzw. Thunresdaeg (ags.) - dem Donnerstag.

Seiner Etymologie nach ist Donar (zur skr. Wurzel tan-, lat. tonare - 'Donner') die im Gewitter sich zeigende höhere Himmelsmacht, die aber nach der Personifikation auch in Deutschland bereits von ihrem Ursprungsgebiet losgerissen, zu einer wirtschaftlichen Gottheit wurde und in verschiedenen Gegenden in den Mittelpunkt des Kultes trat. Ein ungleich lebendigeres Bild vom germanischen Donar enthalten die Quellen der Nordgermanen von deren... Thor.

Verehrung

Die römischen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte geben Donar mit Herkules wieder. Seine Stärke, sein Kampf gegen die dämonischen Scharen, die Waffe, die er führte, mögen zu dieser Übersetzung Anlass gegeben haben. Auch in den Steinen, die germanische Hilfstruppen am Rhein ihren Göttern setzten, oder auf den Votivtafeln der batavischen Reiter in Rom heißt er Herkules. Hier erscheint er mit großem Bart (barbatus), als der Kraftstrotzende (magusanus) und Unbesiegte (invictus). [4]

Seit dem 6. Jhd. geben ihn die lateinischen Quellen mit 'Jupiter' wieder. Unter diesen Namen erfahren wir aus Tacitus' Germania über ihn, dass ihm die Germanen Tieropfer brachten: "Den Jupiter (Herkules) und Mars besänftigen sie durch erlaubte Tieropfer." (Tac. Germ. 9) [5]. Auf dem rechten Weserufer war ihm ein Hain geweiht [6] und bei Geismar in Hessen stand eine ihm heilige Eiche (s. Donarseiche). Tacitus berichtet weiter, dass die Germanen seine Stimme nachahmten, wenn sie in die Schlacht zogen und aus deren Widerhall von der Schildwand den Ausgang des Kampfes prophezeiten (Germ. 3). [5]

Als die römische Wocheneinteilung nach Germanien kam, wurde sein Tag heilig gehalten, wogegen der heilige Eligius und zahlreiche Synoden eifern [7]. Aber noch bis in die Gegenwart galt im Volke der Donnerstag als heiliger Tag, an dem vor allem feierliche Handlungen, Gerichtssitzungen und dgl. vorgenommen, an dem die Seelen der Abgeschiedenen gespeist und die Glocken zum Gottesdienst geläutet wurden [8]. In Mitteldeutschland wurden ihn Berge und Brunnen geweiht und führten nach ihm den Namen.

Als Fruchtbarkeitsgott

Offenbar war Donar in Deutschland auch der Gott der Fruchtbarkeit (s.a. Fruchtbarkeitsritus). Durch seinen Hammer, den schon die Obernburger Inschrift (Hercules Malliator) bezeugt, bewirkte er die Fruchtbarkeit der Erde und der Geschöpfe. Wie es noch heute nach norwegischem Volksglauben der Tordenkile - 'der Donnerkeil' tut, so bezeugen mittelhochdeutsche Marienlieder den Glauben daran auch für das mittelalterliche Deutschland; so Frauenlob (im Frauenleich):

Der smit ûz Oberlande (aus dem Himmel)
warf sínen hamer in míne schoz
und worhte siben heiligkeit.

oder im Liederbuch der Clara Hätzlerin:

Der schmid warff seinen hammer
von oben ab zu tal.

Petrus

Die Überlieferung sagt, dass Bonifazius nachdem er die heilige Donarseiche bei Geismar gefallt hatte, er statt ihrer eine Peterskapelle zur Ehren von Petrus errichtete. Der deutsche Germanist und Altphilologe Oskar Dähnhardt (1870-1915) sah in diesem historischen Zeugnis die beste Beglaubigung der aus den Sagen hervortretenden Tatsache, dass Petrus in der Bekehrungszeit den germanischen Donar ersetzte.

So sei es auch keine scherzhafte Spielerei, wenn man noch heute beim Gewitter sage: "Petrus schiebt Kegel", sondern der letzte Rest aus der Zeit, wo das Walten des Gewittergottes auf den Apostel übertragen wurde. Auf dieselbe Zeit weist der Brauch, dass man am Peterstag (22. Februar) das Ungeziefer mit dem Werkzeug Donars, dem Hammer, aus dem Hause klopft.

Fischsagen, die sich scheinbar aus Petrus' Fischerberuf erklären lassen, beruhen ebenso auf der Tatsache, dass Fische und Gewitter in Zusammenhang gebracht wurden. Schon in der germanischen Mythologie spielte das eine Rolle. Fische erscheinen während des Gewitters, versetzen Schläge und künden Verderben. Diese mythischen Tiere waren u.a. einäugig und von ungeheurer Größe. Der Gewittergott Donar (Thor) konnte Loki leicht fangen, als dieser sich in einen Lachs verwandelte, und die Sage von Petrus, der den Schellfisch greift, beruht auf denselben mythologischen Vorstellungen.

Um diesen Rollentausch zwischen Donar und Petrus zu verstehen, kann man z.B. das altsächsische Heliand-Gedicht heranziehen. An keiner Stelle verweilt der Dichter mit so anschaulicher Breite, an keiner Stelle erhebt sich seine Kraft zu so dröhnendem Klang wie in jener lebendigen Schilderung, wo Petrus dem Knecht Malchus das Ohr abschlägt. Als ein Feuergeist, rasch zufahrend in ungestümer Kraft, als der beste der Degen, so sollte Petrus die Herzen der trotzigen Sachsen gewinnen. Und in eben dieser Kraft glich er dem Donar.

Wenn also die Kirche darauf aus war, die heidnischen Sagen nicht einfach zu zerstören – es wäre ihr nie gelungen! –, sondern sie in christliche umzuwandeln, so konnte sie nichts Klügeres tun, als Donar mit Petrus vertauschen. Diese Gleichsetzung des Gottes mit Petrus hat die volkstümliche Charakteristik des Apostels nicht unbeeinflußt gelassen. So wies schon J. Grimm nach, dass der Feind und Verfolger der Riesen, der selbst etwas Plumpes und Riesisches hat und den Christen leicht gar als Tölpel erschien, vielfach mit dem Teufel vertauscht wurde. Ja er erhielt die Rolle des dummen Teufels, der anfangs natürlich nur statt des dummen Riesen einzutreten hatte.

Von hier aus vollzog sich eine höchst sonderbare Sagenentwicklung. Da Petrus gleich Donar und Donar gleich dem Teufel ist, so folgt, daß Petrus auch dem Teufel und selbst dem dummen Teufel gleich ist. In der Tat, Petrus macht oftmals dieselbe possenhafte Figur wie dieser und ist der Lächerlichkeit unbarmherzig preisgegeben. [9]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 500.
  2. Henning, Deutsche Runendenkmäler. S. 102
  3. The Saxons in England - Vol. I (Internet Archive). Kemble. London, B. Quaritch, 1849. Bd. I, S. 284
  4. Brambach, Corp. inscript. Rhen. 130, 653, 654
  5. 5,0 5,1 Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  6. Tacitus, "Ab excessu divi Augusti (Annales)". Digitalisat auf Wikisource (lat). Bd. II 12
  7. J. Grimm. D. Myth. aaO. Bd. III, S. 402 ff.
  8. vgl. Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch. Bd. II, S. 28 ff.
  9. Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007803729

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