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Die Nutzung von Eisen, das aus Eisenerz gewonnen wurde, ist in Mesopotamien aus der Zeit zwischen 3000 und 2700 v. Chr. belegt. Allerdings wurde bereits vor der eigentlichen „Eisenzeit“ in den verschiedenen Kulturkreisen das seltene und damit wertvolle Meteoriteneisen genutzt. [1]

Geschichte

Die ältesten europäischen Eisenfunde, darunter Speere, stammen aus dem 9. bis 10. Jh.v.Chr. und wurden 1853 in etruskischen Gräbern bei Bologna entdeckt. Einer der ältesten Eisenfunde in Deutschland ist ein eiserner Niet als Verbindung zwischen bronzener Lanzenspitze und hölzernem Schaft, der in Helle (Ostprignitz) gefunden wurde und in die Zeit um 800 v. Chr. datiert. [2]

Germanische Eisenzeit

Auch den Germanen war das Eisen, seine Verwendung und Darstellung bekannt. So trugen die Reiter der Kimbern eisenbeschlagene Helme, eiserne Harnische, zweizackige Wurfspieße und schwere große Schwerter (Plutarch, Marius 25). Wenn Tacitus schreibt, die Germanen hätten keinen Überfluß an Eisen, wie man aus der Art ihrer Waffen sehe, so tut er dies im Vergleich mit der reichen Ausrüstung der römischen Legionssoldaten, die aus den kaiserlichen Waffenschmieden beliefert wurden.

Die Germanen mußten sich ihre Waffen selbst anfertigen, und der gemeine Mann trug meistens nur den Speer mit kurzer Eisenspitze (Framea), während die Vornehmen mit Helm, Schwertern und langen Lanzen ausgerüstet waren. Doch die Germanen schmolzen auch schon Eisen aus einheimischen Erzen und schmiedeten daraus Waffen und Gebrauchsgegenstände, längst ehe die Römer nach Germanien kamen.

Deutschland ist reich an Eisenerzen; sie finden sich in allen Gebirgen und als Rasenerzsteine im Flachland, beim Roden und Graben fand man sie. Sie wurden gesammelt und im benachbarten Wald mit Holzkohlen geschmolzen. Überall auf den Höhen wie im Flachland finden sich die Spuren solcher Schmelzstätten in Gestalt von Eisenschlacken. Ihr Alter ist unbestimmt, weil diese Art des Betriebes sich bis in das 16. Jhd. erhalten hat, aber viele davon reichen in vorrömische Zeit zurück.

Funde eiserner Waffen in bronzezeitlichen Gräbern in Deutschland legen ebenfalls Zeugnis für die frühe Bekanntschaft der Germanen mit dem Eisen ab. Solche aus der Hallstattzeit finden sich vornehmlich in Süddeutschland, in Bayern, Württemberg, Baden, im Elsaß, in Franken, Hessen, Thüringen bis in den Harz, vereinzelt in den östlichen und nördlichen Provinzen. Eisenwaffen und Geräte der Latènezeit sind mehr im westlichen Deutschland bis nach Thüringen hin verbreitet. Zur Zeit der römischen Invasion waren die Deutschen mit der Erzeugung und Verarbeitung des Eisens ganz vertraut, was die Römer für ihre Zwecke benutzten.

Römische Eisenzeit

In der Nähe der römischen Kastelle des römischen Grenzwalls finden sich nicht selten größere Ansammlungen von Eisenschlacken, die auf Schmelzbetrieb zur Zeit ihrer Besetzung schließen lassen. Besonders deutlich kommt dies bei dem großen Kastell Saalburg bei Homburg zur Erscheinung. Hier fanden sich ganz in der Nähe, aber jenseits des Limes, also auf germanischem Gebiet, außer Eisenschlacken, Eisenerze, Eisenstücke, Holzkohlen und deutliche Reste von Schmelzöfen.

Die Roteisensteine stammen aus dem Weiltal, woher sie von Germanen geholt und mit selbstgebrannten Holzkohlen in Herdöfen geschmolzen wurden. Die Wertschätzung eiserner Waffen nahm in der Zeit der Kämpfe der Völkerwanderung zu. Mit ihren Eisenwaffen bedrängten die Germanen das römische Weltreich und eroberten die Vorherrschaft in Europa.

Schmelzöfen

Nahe der Schmelzstätte von Saalburg talabwärts findet sich eine eigenartige Erdaufschüttung, "der Drusenkippel", der nur als Unterbau für eine Schutzhütte der Eisenschmelzer gedeutet werden kann und eine germanische, keine römische Anlage war. Aus den Funden am Dreimühlenborn läßt sich ein deutliches Bild der Schmelzherde und der Schmelzweise machen. Der Schmelzofen bestand aus einer kreisförmigen Steinsetzung, in deren Inneren der Schmelzherd aus Lehm hergestellt wurde.

Das Erz wurde mit Holzkohlen und künstlichem durch einen Blasebalg erzeugten Wind geschmolzen. Die Winddüsen waren aus Ton gebrannt. Das zerkleinerte Erz wurde lagenweise abwechselnd mit Holzkohlen aufgetragen. Das Ergebnis der Schmelzung war ein mit Schlacken gemengter Klumpen (massa ferri) von schmiedbarem Eisen, der durch Hämmern und eine nochmalige Behandlung im Herd gereinigt wurde, um dann weiter verarbeitet zu werden.

Abweichende Eisenschmelzöfen finden sich im schweizer Jura und in Krain. Sie haben die Form von Schachtöfen, sind an steilen, dem Wind ausgesetzten Abhängen in den Boden eingeschnitten. Nach Ansicht von Auguste Quiquerez (1801-1882) und Alfons Müllner, welche sie beschrieben haben, wurde in ihnen mit natürlichem Luftzug geschmolzen. In Deutschland sind solche Öfen allerdings unbekannt.

Schmiedewerkstätten

Auf der Saalburg bei Homburg fand man eine erstaunliche Menge von Eisengeräten aller Art, darunter große massive Blöcke von ca. 250 kg Gewicht, die wohl als Ambosse Verwendung fanden. Da keine größere Schmiedewerkstätte im Kastell entdeckt wurde, so wäre es möglich, dass auch diese Schmiedestücke am Dreimühlenborn hergestellt worden, was auf eine große Kunst der Waldschmiede schließen ließe.

Da eine Schmelzung nur 5 bis höchstens 10 kg Eisen ergab, müssen diese schweren Blöcke aus einer großen Zahl von Einzelstücken in mindestens zwei gleichzeitig betriebenen Herden zusammengeschweißt worden sein. Auch an anderen Stellen im Waldgebiet des Feldbergs wurden Eisenschlackenhalden gefunden, und in einer auch ein Ziegelstein mit römischer Inschrift. Ähnliche Reste von Eisenschmelzen finden sich an anderen Kastellen des Grenzwalls, z.B. zu Hausen v. d. H. und bei Pfünz.

Barren

Zahlreiche Funde von eisernen nach beiden Enden spitz auslaufenden Blöcken (s. Barren) machte man im Rheintal von Basel bis nach Bonn hin. Sie stammen aus römisch-germanischer Zeit und waren Rohluppen, wie sie der Schmelzer dem Eisenschmied, der sie zu Gebrauchsgegenständen ausschmiedete, verhandelte. Bei Monzenheim in Rheinhessen hat man 26 solcher Blöcke zusammen gefunden. Ihr Erzeugungsort waren vermutlich die alten Schmelzstätten bei Eisenberg in der Pfalz, die in vorrömischer, römischer und nachrömischer Zeit betrieben wurden. Die Schmelzherde bei Eisenberg waren ähnlich denen am Dreimühlenborn.

Völkerwanderungszeit

Schon seit der Römerzeit und auch während der Völkerwanderungszeit war den germanischen Schmieden die Herstellung von damasziertem Stahl, durch Zusammenschweißen und Ausschmieden von Stahl und Eisenstäbchen bekannt. So entstanden die oft erwähnten "wurmbunten" Klingen. So berichtet Cassiodor (um 480-583 n. Chr.) von einem Brief des Ostgotenkönigs Theoderich (451-526), worin dieser sich bei dem Vandalenkönig Thrasamund für das Geschenk eines herrlichen Schwertes „köstlicher als Gold" bedankte.

„Seine Klinge glänzte so hell, dass es im Anschauen das treue Spiegelbild des Gesichtes zurückwarf. Im mittleren Teil erschienen schöne Vertiefungen wie krausendes Gewürm und es zeigten sich so vielfältige Schattierungen, dass man glauben mochte, es sei das glänzende Metall mit verschiedenen Farben durchwebt." Zahlreiche Schwerter dieser Art wurden auch bereits im Nydamboot (320 n. Chr.) im Moorboden gefunden.

Frühmittelalter

Über die Eisen- und Stahlgewinnung im Siegerland sind urkundliche Nachrichten erst aus späterer Zeit vorhanden, es ist aber anzunehmen, dass die im Frühmittelalter berühmten kölnischen Schwerter aus Siegener Stahl geschmiedet wurden. Dieser bildete einen wichtigen Handelsartikel der Kölner, der besonders nach London ging, wo er in dem Kölnischen „Stahlhof" gestapelt und gehandelt wurde.

Für die Elastizität der Stahlschwerter des Frühmittelalters gibt die Chronik des Kloster St. Gallen ein Beispiel. So empfing König Ludwig der Deutsche (um 806-876) von dem Normannenkönig mehrere Schwerter als Geschenk. Der König probte die Klingen mit seiner Hand stärker als Eisen auf ihre Spannkraft. Die eine zerbrach ihm in der Hand, eine andere aber bog er bis zum Griff wie eine Weidengerte zusammen und sie sprang, als er sie losließ, in ihre ursprüngliche Gestalt zurück.

Eisenbergbau

Alter Eisensteinbergbau in Deutschland wird von dem Dichter Otfried von Weißenburg (um 790-875) am Main in der ersten Hälfte des 9. Jhds. erwähnt. Der Erzberg bei Amberg wird 931 urkundlich genannt. Insgesamt aber war der Bergbau mit Schächten und Stollen auf Eisenstein in der ersten Hälfte des Mittelalters noch selten, meist wurde der Eisenstein gelesen oder an der Oberfläche gegraben. Eine Verordnung Karls des Großen (747-814) legt dem Amtmann (judex) die Anzeigepflicht für alle in seinem Gebiet befindlichen Eisensteingruben (fossae ferrari.) auf.

Der Eisenstein fiel aber nicht unter das Bergregal (Bergrecht), sondern war freies Eigentum des Grundbesitzers, des Gutsherrn oder der Gemeinde. Diese mußten davon eine Abgabe in natura an die Landesherrschaft leisten. Die Lorscher Chronik (Traditiones Laureshamenses) meldet, dass unter König Karl und dem Abt Helmerich, der von 780 bis 785 regierte, ein gewisser Adelolt dem Kloster Lorsch den dritten Teil seiner Eisengrube in der Gemarkung Wannendorf (Kreis Wetzlar) geschenkt habe.

Von den Eisenschmelzen mußte der Gutsherr Abgaben von Eisen an den Landesherrn entrichten. So heißt es in der Lorscher Chronik (Annales Laureshamenses) vom Jahre 780: "in Weilnau gab es drei Hofbauern, die jährlich 32 Schirbel (Luppen) und ein Pfund Eisen dem Kloster erlegen mußten." [3] Dies ist ein Beispiel von vielen. Dieses Eisen, welches der Gutsherr, auf dessen Hube sich eine Waldschmiede befand, jährlich der Herrschaft zu liefern hatte, wurde dann vom Klosterschmied oder dem Burgschmied zu Bedarfsgegenständen verarbeitet.

Hochmittelalter

Im 13. Jhd. vollzog sich eine große Umwälzung in der Eisenbereitung. Man fing an, die Menschenkraft durch die Wasserkraft zu ersetzen. Wie die Wassermühlen die Handmühlen verdrängt hatten, so verdrängten die Schmelzöfen, deren Blasebälge durch Wasserräder bewegt wurden, und die Hammerwerke an den Bächen und Flüssen die alten Waldschmieden. Die Waldschmiede verließen die waldigen Höhen und bauten sich im Tal unter dem Schutz der Landesherren Eisen- und Hammerhütten.

Damit war der Anfang einer auf Maschinenkraft begründeten Eisenindustrie gegeben, deren Entwicklung bis zur Gegenwart kaum mehr ihre Entstehung aus den einfachen Waldschmieden ahnen läßt. In der Steiermark vollzog sich dieser Wechsel bereits im 13. Jhd. Im Siegerland wird zuerst 1311 eine "Maßhütte an der Weiste", dem bei Siegen in die Sieg mündenden Weißbach, erwähnt.

Diese Schmieden hießen Maß- oder Massenhütten wegen der Eisenmassel (massa ferri), dem Eisenklumpen oder „Stück", das nach vollendeter Schmelzung wie bei den Rennherden ausgebrochen wurde. Diese neue Betriebsweise hatte eine für die weitere Entwicklung der Eisenindustrie sehr wichtige Folge. Durch den stärkeren Wind entstand in den Öfen, die man der größeren Produktion wegen erhöht und zu Schachtöfen ausgebaut hatte, eine weit größere Hitze als in den alten Rennherden.

Die Folge war, dass das Eisen länger im Ofen blieb, sich höher kohlte, schmolz und als flüssiges Roheisen mit der Schlacke aus dem Ofen lief. Anfänglich erschien dies als Nachteil, weil man das geflossene harte, nicht schmiedbare Eisen als verdorbenes Produkt, als schlechten Lech ansah, der in der Steiermark deshalb graglach hieß. Bald aber lernte man zwei Vorzüge an diesem „Rauheisen" schätzen.

Erstens den, dass, wenn dasselbe zum zweitenmal ähnlich wie der Eisenstein vor dem Wind im Ofen geschmolzen wurde, es ein besseres, gleichmäßigeres Schmiedeeisen ergab, als das aus den Erzen direkt geschmolzene. Man nannte es „zwiegeschmolzenes Eisen" und das Verfahren das „Frischen". Der zweite Vorzug bestand darin, dass sich das flüssige Eisen in Formen gießen ließ; damit war eine neue Technik, die Eisengießerei, erfunden.

Spätmittelalter

Der Fortschritt zur Eisengießerei vollzog sich im Spätmittelalter, in der zweiten Hälfte des 14. Jhds. 1402 goß man bereits Kanonenkugeln und kleine Geschütze (Böller). Damit war die Grundlage der modernen Eisenindustrie gegeben. Noch heute beruht die Herstellung von Schmiedeeisen und Stahl auf dem indirekten Verfahren, dem Frischen des Roheisens, und die Eisengießerei entwickelte sich zu einem wichtigen Zweig der Eisenindustrie. Von jeher haben die Germanen das Eisen von allen Metallen am höchsten geschätzt und viele wichtige Erfindungen, aus denen der Riesenbau der modernen Eisenindustrie entstanden ist, sind in Deutschland gemacht worden.

Literarische Zeugnisse

Für die Vervollkommnung in der Kunst der Behandlung und des Ausschmiedens des Eisens und des [Stahl]s sprechen neben geschichtlichen Nachrichten auch die alten Götter- und Heldensagen in der Edda und den mittelalterlichen Dichtungen.

Dichtungen Zeugnisse

Aus den Sagen der Edda wird überliefert, wie der Donnergott Thor mit seinem kurzschaftigen Eisenhammer „Mjölnir" die feindlichen Riesen zerschmetterte und so der Blitz entstand. Der Riese Thrym stahl den Hammer und barg ihn „acht Rasten unter der Erde". Hierbei kann man an eine unbestimmte Kenntnis von Meteoreisenfällen denken.

Zahlreich sind die Überlieferungen über die Schwerter der Helden und über ihre Schmiede. Die Schwerter der Helden führen Namen wie Siegfrieds Balmung, Wielands Mimung, Beowulfs Nægling, Dietrich von Berns Naglring usw. Sie vererbten sich als kostbarer Besitz von Vater auf Sohn. Aus den Stücken des zerbrochenen Schwertes Sigmunds schmiedete der kunstreiche Schmied Regin für dessen Sohn Sigurd das Schwert Gram, mit dem dieser Regins Ambos zerschlug (Lieder-Edda, Sigurdarkvidha II).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Otto Johannsen: Geschichte des Eisens. 3. Aufl., Verlag Stahleisen, Düsseldorf, 1953, S. 40.
  2. Verein Deutscher Eisenhüttenleute: Gemeinfassliche Darstellung des Eisenhüttenwesens. 17. Aufl., Stahleisen, Düsseldorf 1970/71, S. 5.
  3. Annales Laureshamenses (Lorscher Annalen). Kloster Lorsch, 704-818. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB

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