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Verschiedene Enzian-Arten (Gentiana) wurden im Mittelalter vor allem offizinell verwendet, zur Herstellung von Heilmitteln. Ihre Nutzung als Arzneipflanze geht wohl im Wesentlichen auf den griechischen Arzt Pedanios Dioscurides [1] (1. Jhd.) zurück. In Norwegen wurde die Wurzel nicht nur zum Hausgebrauch eingesammelt, sondern auch verkauft und exportiert.

Geschichtliches

Im Norden gilt für den Purpur-Enzian (Gentiana purpurea L.) seit dem 13. Jhd. der scherzhafte Name søtæ 'Süße' wegen des bitteren Geschmacks der Wurzel, die offizinell verwendet wurde. Die Wurzel des Gelben Enzians (Gentiana lutea, Bitterwurz) galt als eines der kräftigsten magenstärkenden Mittel. Der dänische Arzt Henrik Harpestreng († ca. 1244) beschreibt die Pflanze unter dem Titel: "Basilisca seu genciana, skaersøtæ" und gibt eine ausführliche Darstellung ihrer medizinischen Eigenschaften [1].

Schon seit dem Anfang des 15. Jhds. wird über Ausfuhr von Enzianwurzeln von Norwegen nach Schweden berichtet, wo die Pflanze bis auf den heutigen Tag baggsöta, dh. 'norwegische Süße', genannt wird. In Norwegen ist sie unter dem Namen søte, skjærsøte, søtrot noch heute ein beliebtes Heilmittel bei Krankheiten von Menschen und Tieren [2]; aber infolge des jahrhundertelangen Einsammelns ist sie vielerorts selten geworden.

Etymologie

Für die Enzian-Arten (Gentiana), die im Mittelalter in Deutschland nur sehr zerstreut auftraten und in vielen Gegenden ganz fehlten, gibt es keine gemeingermanische, sondern nur einzelsprachliche Benennungen. Das Deutsche kennt allerdings einen altertümlichen Namen aus dem 10. Jhd.: ahd. mádalgér 'basilisca' [3], mhd. mádelgér 'basilisca' [4], nhd. obd. modelger, mödlgeer, magdalger 'Gentiana cruciata' [5]; aber er ist auf Oberdeutschland beschränkt. Das Angelsächsische hat die Bezeichnung feldwyrt 'gentiana', die in heutigen englischen Dialekten allerdings keine Fortsetzung findet.

Quellen

Einzelwachweise

  1. abgedruckt von Jens Holmboe in Nyt magazin for naturvidenskaberne - Band 43 (Internet Archive); Christiania [Oslo]: Johan Dahl; 1904. S. 3
  2. Die Kulturpflanzen Norwegens (Internet Archive). F. C. Schübeler. Christiania: Gedruckt bei Brøgger & Christie; 1862. S. 88
  3. Die althochdeutschen Glossen (Band III) (Internet Archive): gesammelt und bearbeitet von Elias Steinmeyer u. Eduard Sievers. Berlin: Weidmann, 1879. Band III, 602, 39
  4. Björkman in Zeitschrift für deutsche Wortforschung, Ausgabe 3 (Internet Archive). Friedrich Kluge. Karl J. Trübner, 1907. S. 271
  5. Bayerisches Wörterbuch (Band 1) (Google Books). Johann Andreas Schmeller. Neuauflage Oldenbourg Verlag, 2008. ISBN 3486585207, ISBN 9783486585209. S. 1567

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