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„Aus einem Esel wird nimmermehr ein Reitpferd, magst ihn zäumen wie du willst.“

Sprichwort [1]

Der Esel war im europäischen Mittelalter vor allem ein geduldiger Träger von Lasten, gelegentlich allerdings auch eines Menschen. In der prähistorischen Zeit spielte er kaum eine Rollen, wenn auch ein paar Eselzähne aus dem Pfahlbau in Wismar (Bronzezeit) angegeben werden [2]

Beschreibung

Esel stammen von dem afrikanischen Wildesel ab. Die Domestikation von Eseln begann ca. 4.000 v. Chr. im Nahen Osten, Ägypten und Mesopotamien.

  • Maultiere (eine Kreuzung aus einer Pferdestute und einem Eselhengst) wurden bereits um 2000 v. Chr. im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes (Mesopotamien)gezüchtet. Briefe belegen, dass bereits im 10. Jh. Maultiere auch aus dem Westen Frankreichs exportiert wurden.
  • Poitou-Esel stammen aus der Region um die Stadt Poitiers im Westen Frankreichs, jedoch liegt der Ursprung dieser Rasse im Norden Afrikas. Diese Esel dienten in erster Linie der Zucht von Maultieren. [3]

Sprachliches

Die etymologische Forschung zeigt, dass der Esel den nordeuropäischen Völkern erst durch die Römer bekannt wurde: sein Name geht überall direkt oder indirekt auf das lat. asinus zurück.

Bedeutung

Im Mittelalter erlangte der Esel eine gewisse Bedeutung und war überall eine bekannte Erscheinung, wenn auch von einer Zucht wenig die Rede ist. So war er das Reittier der bescheidenen Leute, besonders also für Mönche und allerlei ärmeres fahrendes Volk; vielleicht kam er so zu der Bedeutung des Strafreittiers in allerlei Spottaufzügen. In südlichen Ländern wurde der Esel auch zum Pflügen benutzt.

Aus ihrer dicken Haut wurden Trommelfelle, Pergament, Schuhwerk u.s.w. gefertigt. Das Fleisch jung geschlachteter Esel war in Italien und Spanien sehr beliebt. [4] Die Fellhaare konnten gesponnen werden; der Mist diente zur guten Düngung.

Eselsmilch galt bei Schwindsucht und anderen Krankheiten als Heilmittel und wurde bereits von den Römerinnen als Schönheitsmittel gebraucht. Poppäa, die Gemahlin des Nero, nahm Brotteig in Eselsmilch angefeuchtet und belegte sich damit Abends vor Schlafengehen das Gesicht, um die Haut weich und zart zu erhalten; Plinius behauptet sogar, sie habe sich auf ihren Reisen große Herden von Eselinnen nachkommen lassen, um sich in deren Milch zu baden. [5]

Christentum

Auch bei mehreren Festen der christlichen Kirche spielte der Esel eine wichtige Rolle. Dies ging darauf zurück, dass Christus seinen Einzug in Jerusalem auf einem Esel hielt, ein Esel mit an der Krippe des Jesuskindes stand, auch die Jungfrau Maria auf einem solchen nach Ägypten floh. Es wurden zum Andenken dieser Flucht in Spanien, Italien und Frankreich bis ins 16. Jh. am 14. Januar Eselsfeste begangen, bei denen ein geschmückter Esel, auf dem eine Jungfrau mit einem Kinde saß, in Begleitung der Geistlichkeit und des Volks in die Kirche geführt und neben den Altar gestellt wurde.

Während des gehaltenen Hochamtes kniete der dazu abgerichtete Esel mit der ganzen Gemeinde, die ein Lied sang und nach jedem Vers, sowie am Schlusse der Priester anstatt des Segens »ia« rief und statt Amen mit »ia« antwortete. Ebenso wurde zur Feier des Einzugs des Heilandes in Jerusalem am Palmsonntag ein Esel und zwar in Deutschland meist ein hölzerner, in Prozession unter Läuten mit allen Glocken umhergeführt und man drängte sich oft dazu, ihn zu ziehen, weil man dies für ein verdienstliches Werk hielt.

Noch im 18. Jh. wurde in Verona der heilige Esel verehrt, auf dem Christus in Jerusalem einzog und dem, wie erzählt wird, er dann die Freiheit gab, zu gehen, wohin er wollte, ohne einem Menschen untertan sein zu dürfen. Der Esel durchstreifte das gelobte Land, schwamm übers Meer nach Zypern, Sizilien und kam nach Verona, wo er starb, ausgestopft und ihm zu Ehren jährlich ein Fest gefeiert wurde. [4]

Mülleresel

Der Esel war auch das Lasttier der Müller zum Transport von Getreide und Mehl. Der Mülleresel ist bis in die Bilderbücher der Neuzeit eine bekannte Erscheinung. Der Esel eignete sich für die Mühlen, solange sie Kleinbetrieb blieben, und der Mülleresel war seinem Besitzer bei weitem sicherer als das Pferd, sowohl vor Diebstahl, wie vor Heeresdienst. Allerdings läßt sich nur schwer sagen, wie sich diese herkömmliche Vorstellung mit der Wirklichkeit der älteren Zeit deckt. [6]

Dass der Esel im Müllergewerbe schon bei den Angelsachsen genutzt wurde, deutet das altenglische esul-cweorn = 'Mühle, die durch einen Esel getrieben wird' an. Doch tritt das Wort nur in zwei miteinander verwandten Glossen auf und ist möglicherweise eine reine Übersetzung des lateinisch (mola) asinaria. [7]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867. Simrock, 8426; Körte, 1199; Reinsberg IV, 38.
  2. Mecklenburger Jahrbücher 30, 69; 1865.
  3. Esel - Arche Warder; Zentrum für alte Haus- und Nutztierrassen e.V. Langwedeler Weg 11, 24646 Warder.
  4. 4,0 4,1 Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 696-697.
  5. Conversations Lexikon, Band 3. 1835, S. 500-501.
  6. Die Haustiere und ihre Beziehungen zur Wirtschaft des Menschen. Eine geographische Studie. Mit einer chromolith. Karte: Die Wirtschaftsformen der Erde. Von Eduard Hahn. Verlag Duncker & Humblot Leipzig 1896. S. 169 bis 75.
  7. Die Althochdeutschen Tiernamen V1: Die Namen Der Saugetiere (1899). Hugo Palander. Kessinger Publishing, 2010. ISBN 1168532205. S. 97.

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