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Färben von Stoffen

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Im Mittelalter wurden Stoffe meist durch Pflanzen gefärbt. Mineralische oder tierische Farben wurden eher selten eingesetzt. Besonders wertvoll waren die importierten Farbstoffe.

Allgemeines

Je nach Herstellungsart und Preis der Farben wurden sie in edle und unedle Farben differenziert, was unmittelbar auch damit zusammenhing, ob sie importiert werden mussten. Im Reich Karls des Großen (747-814 nach Chr.) z.B. besaß der Anbau und Handel mit Färberwaid, Krapp und Reseda große wirtschaftliche Bedeutung.

Herstellung

Es wurde gesponnenes Garn und das fertige Tuch gefärbt, sowie die gewaschene Wolle. Das Farbergebnis hing allerdings von vielen oft unwägbaren Faktoren ab, so z.B. der Wasserhärte und dem Mineralstoffgehalt. Das gleiche Färbekraut konnte bei verschiedenen Wasserhärten völlig unterschiedliche Farbsättigungen ergeben. Mit Naturfarben konnten auch nur Naturstoffe gefärbt werden, wie Wolle, Seide und Leinen.

Beizen

Osnabrück Rathausmarkt 2012-06-23 05.JPG

Färberin bei der Arbeit (Historischer Rathausmarkt Osnabrück 2012)

Damit Farbstoffe dauerhaft auf den Textilgeweben haften, müssen die Stoffe vor dem eigentlichen Färben vorgebeizt werden. Beizmittel wie Alaun machen die Stofffaser beim Beizen erst aufnahmefähig für Farbstoffe.

Die Beize beeinflußt die Färbung allerdings auch direkt und je nach verwendetem Beizmittel ergeben sich verschiedene Farbtönungen: z.B. intensiviert Chrom die Farben, Eisen hingegen lässt sie matter erscheinen. Als Beize wurde früher Essig und Ammoniak in Form von Urin verwendet, heute benutzt man Chrom, Eisen, Zinn, Weinstein und Alaun, besonders oft letztere beiden. Als Ersatz für Alaun eignet sich auch z.B.: Bärlapp und Vogelmiere. Hierbei wurden die Stoffe in eine heiße Alaun- oder Weinstein-Lösung getaucht.

Für den Beizvorgang wurden die Beizmittel in etwas heißem Wasser aufgelöst. Dem wurde dann die gewaschene zu einem lockeren Strang gebundene Wolle zugegeben, die noch Wollfett enthielt, um die Farbe besser anzunehmen. Das Färbegut wurde eine Stunde in der Beize gekocht und anschließend sanft ausgedrückt.

Färbebad

Zum Färben wurden bestimmte Pflanzenteile zunächst gesammelt, getrocknet und zerkleinert. Dann kochte man sie in einem großen Kessel oder Topf mit Wasser, die sogenannte Küpe. Dabei lösten sich die Farbstoffe im Wasser. Danach filtrierte man ab und erhielt einen Farbstoffextrakt, in den die vorgebeizten Stoffe (das Färbegut) hineingetaucht wurden. Das ganze ließ man eine halbe bis eine ganze Stunde kochen. Wenn die Wolle abgekühlt war, nahm man sie heraus und spülte sie mit kaltem Wasser ab. Damit die Farbe noch besser hielt, konnte man nach dem Färben nochmals beizen. Eine intensive Farbe erzielte man nicht, indem man die Wolle lange im Färbebad liegen ließ, sondern indem man sie mehrfach mit derselben Farbe überfärbte.

Blautöne

Wolle gefärbt mit Pflanzen.jpg

Wolle, gefärbt mit Pflanzen

Im Europa des Mittelalters gewann man Indigo, den „König der Farbstoffe“ lange Zeit aus Färberwaid. Indigopflanzen wie der Echte Indigo oder der Färberwaid enthalten in ihrem Saft einen gelben Farbstoff, der durch Gärung zu einem blauen Farbstoff umgewandelt werden konnte. Beim Eintrocknen der Gruben enthielt man eine feste blaue Masse, die zu Blöcken für Handel und Transport verarbeitet wurde.

  • Hellviolett: Koschenille
  • Türkis: Ritterspornblüten, Rotkraut
  • Violett: Alkanna (mit Alaun), Blauholz (mit Alaun/ Weinstein)

Einzelpflanzenliste

Brauntöne

Um Braun zu erhalten, konnte man z.B. mit Hilfe von Nussschalen färben.

  • Braun: Erika/Heide (mit Chromkali), Möhre (mit Alaun/Eisensulfat), Ampferwurzel, Walnuß, Schwarz-Tee
  • Hellbraun: Attichwurzel, Avocadoschale (mit Chromkali), Faulbaumrinde (mit Alaun/Essig), Henna (mit Alaun), Quebrachorinde (mit Alaun), Rhododendronblätter (mit Alaun), Iriswurzel, Dost

Einzelpflanzenliste

  • Walnuss - Walnussblätter färben goldbraun. Kalt gefärbt ohne vorheriges Beizen ergeben grüne Walnussschalen ein Dunkelbraun mit leichtem Rotstich.

Gelbtöne

Siglind ton Höcht Rheine 2012-06-30 1131.JPG

Handgefärbte Wolle der Brettchenweberei Siglind ton Höcht.

  • Dunkelgelb: Eichenblätter (mit Alaun), Eichenrinde (mit Alaun), Möhre (mit Chromkali), Annattosaat (mit Alaun/Weinstein)
  • Goldgelb: Färberwau (mit Kupfersulfat), Kurkuma (mit Alaun/Weinstein), Island-Moos, Rhabarber (mit Alaun), Saflor (mit Alaun), Sonnenblume (mit Alaun), Tagetes (mit Alaun),

Einzelpflanzenliste

  • Birke - Birkenrinde ergibt eine sanfte, weiche, warme Gelbfärbung. Die Färbung mit Birkenblättern ist allerdings intensiver.
  • Färberkamille - Zusammen mit anderen Kamillenarten in Mitteleuropa zum Färben von Gelbtönen eingesetzt. Sie war aufgrund ihrer gelben Farbstoffe sehr begehrt.
  • Granatapfel - Zum Färben von Gelb- und Schwarztönen auf Wolle verwendet. Der Farbton entstand je nach Vorbeize.
  • Rainfarn - Für zitronengelbe bis bräunliche Färbungen.
  • Reseda / Färberwau - Durch das ganze Mittelalter hindurch in Europa einer der wichtigsten gelben Farbstoffe, angebaut vor allem in England, Frankreich und Deutschland.
  • Ringelblume - Ergibt eine hellgelbe Färbung. Im Mittelalter dienten die Blüten zur Fälschung des teuren Farbstoffes Safran.
  • Safran - Durch das Färben mit teurem Safran wurde eine Goldgelbe Färbung von Stoffen erzielt, sodass diese Farbe der Oberschicht zugehörig war.

Grüntöne

Osnabrück Rathausmarkt 2012-06-23 03.JPG

Gefärbte Wollstoffe

Grüntöne ergaben sich in der Regel durch Weiterentwickeln der Gelbfärbungen mit Eisen. Je nach Gelbton erhielt man so Grüntöne von einem hellen Lindgrün (mit Birkenblättern) bis zu einem dunklen Khaki. Eine weitere Möglichkeit war, bereits gelb gefärbte Stoffe mit Indigo zu überfärben.

  • Graugrün: Efeublätter, Schachtelhalm (mit Alaun/Eisensulfat)
  • Grün: Birke (mit Chromkali/Eisensulfat), Brennnessel (mit Chromkali/Eisensulfat), Goldrute (mit Alaun/Eisensulfat), Schafgarbe (mit Alaun/Eisensulfat)
  • Hellgrün: Färberginster (mit Alaun/Eisensulfat), Rainfarn (mit Chromkali), Tagetes (mit Alaun/Eisensulfat),
  • Lindgrün: Ringelblume (mit Alaun/Eisensulfat), Stiefmütterchenkraut, Kornblumenblüten
  • Mintgrün: Efeubeeren
  • Olivgrün: Rhabarber (mit Alaun/Eisensulfat), Sonnenblume (mit Alaun/Eisensulfat),

Einzelpflanzenliste

Rottöne

Die Farbe Rot war schon im alten Rom die Farbe der Kaiser und des Adels. Ein feuriges Rot konnte damals nicht aus Pflanzen erhalten werden. Man verwendete einen Saft aus der Drüse von Purpurschnecken, der einen gelbroten Farbstoff enthielt. Der rote Purpur wurde jedoch allmählich durch das Scharlachrot der Kermeslaus verdrängt.

  • Altrosa: Waldmeister (mit Alaun), Brasilholz/Rotholz (mit Zinnsalz/Weinstein)
  • Hellrot: Koschenille (mit Alaun), Krapp (mit Alaun)
  • Rosa: Faulbaum (mit Chromkali/ Pottasche), Hibiskusblüten (mit Alaun), Heidelbeeren (mit Alaun), schwarze Johannisbeeren (mit Alaun), Preiselbeeren (mit Alaun), Sandelholz (mit Alaun)
  • Rot: Koschenille (mit Weinstein), Krapp (mit Kupfersulfat),
  • Weinrot: Krapp (mit Chromkali), Malve (Blüten)

Einzelpflanzenliste

  • Färberdistel: Saflor - Die Blütenblätter der Färberdistel Saflor ergaben eine karminrote Färbung. Dies war jedoch ein aufwendiger Prozess. Um das Rot zu erhalten musste zunächst der gelbe Farbstoff aus den Blüten herausgewaschen werden.
  • Färberflechte - Aus der Färberflechte Rocella tinctoria konnte ein roter Farbstoff (Orseille) gewonnen werden.
  • Färbermeister - Der Färbermeister diente oft als Ersatz für die Krapp-Pflanze. So konnte man bei Ausgrabungen der Römersiedlung Vindolanda in Britannien (ca. 100 n. Chr.) Spuren der rot-orangen Farbstoffe aus diesem Kraut nachweisen.
  • Felsenkirsche - Aus dem Fruchtfleisch der Felsenkirsche (Steinweichsel) läßt sich ein roter Farbstoff gewinnen, während die Blättern und die Rinde dieser Pflanze einen gelben, wasserlöslichen Farbstoffe ergeben.
  • Kermes-Schildläuse - Das Scharlachrot (Cochenille) wurde aus getrockneten weiblichen Kermes-Schildläusen hergestellt, welche als Saftsauger die Scharlacheichen des Mittelmeergebietes besiedeln. Die Kermesschildläuse wurden zum Johannistag von Leibeigenen gesammelt, daher wird deren Farbe auch Johannisblut genannt. Diese Farbe stand im Mittelalter als teurer Import nur dem Herrscher, dem Hochadel und dem hohen Klerus zu.
  • Krapp-Pflanze - Krapp ist neben Indigo einer der ältesten Pflanzenfarbstoffe. Das Rot aus dieser Pflanze war den Bauern als Farbe des Festgewandes erlaubt.
  • Purpurschnecke - Das aus der Purpurschnecke gewonnene Purpurrot stand auch im Mittelalter als teurer Import nur dem Herrscher, dem Hochadel und dem hohen Klerus zu. Um 1 Gramm Purpur zu gewinnen, mussten ca. 8000 Schnecken getötet werden. Dies erklärte auch, warum nur der römische Cäsar Purpurgewänder tragen durfte. Ein römischer Senator musste sich dagegen mit einem roten Streifen auf der Schulter begnügen.
  • Sumach - Blätter und Kernholz des Sumachs wurden in der Wollfärberei für eine orange oder Scharlach-Färbung verwendet. Auch Leder konnte man damit nach einer Alaunbeize orange färben.

Schwarztöne

  • Grau: Brombeeren (mit Eisensulfat), Eichenblätter (mit oder ohne Eisensulfat), Eichenrinde (mit oder ohne Eisensulfat), Rhododendron (mit Alaun/Eisensulfat), Galläpfel (mit Alaun/Weinstein),
  • Grau-schwarz: Erlenrinde (mit Alaun/ Eisensulfat); Kreuzdornrinde u. -Beeren (mit Alaun/Eisensulfat), Wolfstrapp (mit Alaun/Eisensulfat), Holunderrinde (mit Alaun/Eisensulfat), Iriswurzel (mit Alaun/ Eisensulfat)

Einzelpflanzenliste

  • Granatapfelbaum - Mit einem Extrakt aus der Wurzel des Granatapfelbaumes können mit Hilfe einer Eisenbeize tief dunkelblaue Farbtöne zum Färben auf Wolle erzeugt werden.

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