Fandom

Mittelalter Wiki

Färberwaid

2.464Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Kommentare0 Teilen

Der Färberwaid (Isatis tinctoria L.) war im Mittelalter die bedeutendste Pflanze zum Färben von Stoffen. Im Reich Karls des Großen (747-814 nach Chr.) z.B. besaß der Anbau und Handel damit große wirtschaftliche Bedeutung. Das aus den Waidblättern gewonnene Indigoblau durfte selbst das Festgewand der Bauern schmücken.

Bedeutung als Färberpflanze

Der Färberwaid wächst im Mittel- u. Südeuropa sowie im Orient und wurde schon im Altertum von den alten Griechen und Römern als Färberpflanze kultiviert und als Farbematerial für Gewebe etc. benutzt. Auch die Gallier und Germanen gebrauchten den Waid zum Färben; die alten Britannier (Pikten) färbten sich mit Waid blau (schwarz, grün). Im Mittelalter war der Waid die bedeutendste Färbepflanze und wurde bis ins 17. Jh. viel angebaut. Er bildete in Deutschland das wichtigste Material zum Blaufärben.

Im 13. Jh. entstanden in Thüringen bedeutende Färberzentren für den Waidanbau. Erfurt war schon 1290 wegen seines Waidbaues berühmt, später erwarben auch noch Gotha, Arnstadt, Langensalza und Tennstedt das Recht, Waid zu bauen, und im Anfang des 17. Jh. beschäftigten sich damit außer den Bewohnern dieser fünf Waidstädte noch die von mehr als 300 thüringischen Dörfern. Die besten Sorten stammten allerdings aus der Provence, dem Longuedoc und der Normandie. Erst im 17. Jh. wurde der Färberwaid zugunsten des stärker färbenden, indischen Indigos verdrängt.

Praktische Anwendung

Im Juni / Juli werden die Blätter eingesammelt und danach sofort abgewaschen, möglichst schnell getrocknet und in Nassmühlen zu einem Brei zermahlen. Das Produkt wird auf einen etwa ein Meter hohen Haufen geschichtet und beginnt darin zu gären. Nach zwei Wochen werden die Haufen vermischt und zu kleinen, runden Ballen, sogenannten „Waidkugeln“ geformt und getrocknet. Die vollständig zerfallene Masse stampft man schließlich in Fässer ein, in denen sie noch reicher an Farbstoff wird. Im September erntet man zum zweiten Mal.

Die Waidkugeln wurden früher von den Angestellten der Färber, den Waidknechten, mit Urin angefeuchtet und einer erneuten Gärung ausgesetzt. Nach einer Lagerzeit von etwa zwei Jahren kam der vergärte Waid in die Färbehäuser. Dort wurde er nochmals mit Urin und Pottasche bei 60°C verrührt. Erst nach drei Tagen entstand eine Brühe, die Küpe, welche zum Färben geeignet war. Die Textilien wurden für eine Stunde in die Küpe getaucht. Beim Herausziehen der gefärbten Stoffe waren diese zunächst gelb eingefärbt. Erst an der Luft entwickelte sich auf den Textilien durch eine Oxidation die blaue Farbe.

Quellen

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki