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Als Feige (lat. Ficus) bezeichnet man die birnenförmigen, fleischigen Früchte des Feigenbaums, der aus Asien stammt, und häufig in Südeuropa angebaut wird.

Geschichte

Der Feigenbaum gelangte aus Asien nach Griechenland und Italien, von dort aus unter dem römischen Kaiser Julian nach Frankreich, und nach und nach in das übrige Europa. Die Goten kamen mit dieser Frucht wohl bei ihrem Vorrücken auf die Balkanhalbinsel in Kontakt und nannten sie smakka (swm.), den einige Forscher mit dem neuhochdeutschen Wort "Geschmack" zusammenbringen, so dass der Name etwa die wohlschmeckende Frucht bedeuten könnte. [1] [2] Andere Forscher sind der Meinung, dass smakka aus dem griechischen entlehnt sei und etymologisch zur german. Wurzel smakk- gehöre.

Im Frühmittelalter wird der Feigenbaum in der Capitulare de villis (Kap. 70) erwähnt, in einer Verordnung von Ludwig dem Frommen für Aquitanien. [3]

Angelsachsen

Bei den Angelsachsen hieß die Feige auch fīc-aeppel und der Feigenbaum fīc-beam, fīc-treow. Der Name ist eine gelehrte Entlehnung des lat. ficus, der durch das Mönchslatein eingeführt wurde. Allerdings kannten die Angelsachsen die Feige wahrscheinlich überhaupt nicht; dafür zumindest sprechen die wiederholten Verwechslungen mit der Dattel in den Glossen und Bibelübersetzungen. So z.B. an der Stelle Matthäus 7, 16 (Numquid colligunt de tribolis ficos) im Lindisfarne und Rushworth Ms. (10. Jh.): ersteres schreibt hueðer somnigas of hagad ornum fīc-beamas und ähnlich an der entsprechenden Stelle Lukas. 6, 44 Ne forðon of ðornum gesomnað fīc-beam, während der mercische Überarbeiter in Rushworth das lat. ficos stehen ließ mit dem erklärenden Zusatz vel nyte ('Nüsse'). In der westsächsischen Evangelienübersetzung aus dem 11. Jh. steht dagegen richtig fic-aeppla.

Die Feige war also im 10. Jh. jedenfalls in den Klöstern Merciens und Northumbriens, wahrscheinlich aber auch im übrigen England in natura unbekannt. Mit Baum und Frucht waren die Angelsachsen wohl nur durch die Bibel in Kontakt gekommen. [4] Erst in mittelenglischer Zeit tritt das volkstümliche Lehnwort fīge, figge, fig auf (zuerst im Plural figes in der Ancren Riwle Anfang 13. Jahrhunderts).

Wissenswertes

"Einem die Feigen weisen", d.h. einem mit geballter Faust drohen, ist ein im Oberdeutschen üblicher, vermutlich aus dem italienischen mostrar oder far le fiche ad uno, entlehnter Ausdruck, der von der Ähnlichkeit der Faust mit der Frucht des Feigenbaumes herrühren soll. Im Mittellateinischen Carpentier ficham facere und ficus facere bedeutet es jedoch auch ein Verhöhnen durch Aufhebung des Mittelfingers, weshalb es als Injurie verboten wurde. [5]

Ficus Navia

Unter König Tarquinius Priscus (616 bis 578 v. Chr.) lebte zu Rom ein berühmter Wahrsager namens Navius, der einst in Gegenwart des Königs einen Stein mit einem Scheermesser zerschnitt; auf dem Comitium, wo diess geschehen, liess Tarquinius einen Feigenbaum pflanzen an dessen Dauer das Glück der Stadt gebunden sein sollte, und der, wann er abstarb, durch die Priester mit einem neuen ersetzt wurde. [6]

Verwendung

Die alten griechischen Ärzte brauchten die Blätter des Feigenbaumes, die einen scharfen Milchsaft enthalten, zu Umschlägen bei Geschwülsten, Warzen und Feigwarzen. Desselben Milchsaftes bedienten sich ebenso die Maler als Bindemittels für Farben. Der griechische Arzt Anthimus schrieb um 500 n. Chr. in seinem Werk "De observatione ciborum" über Feigen:

„Feigen sind gut, aber müssen voll ausgereift sein. Getrocknete Feigen sind gut und zuträglich, insbesondere bei beginnendem Katarrh: man kaut sie längere Zeit im Mund; auch bei rauhem Hals oder bei Heiserkeit tut man gut daran, sie zu essen.“

Lorscher Arzneibuch: Epistula Anthimi ad Theodoricum regem (Fol. 72r-74v) [7]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Etymologisches Wörterbuch der gotischen Sprache. Uhlenbeck. 1900.
  2. Untersuchungen zur gotischen Wortkunde. Theodor von Grienberger. Wien 1900 (Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Band 142,8).
  3. Die Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit, vornehmlich in Deutschland. Alfons Dopsch. Weimar 1921. S. 26 ff.
  4. Vgl. Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum. Johannes Hoops. Straßburg 1905. S. 612.
  5. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 81.
  6. Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 205.
  7. Epistula Anthimi ad Theodoricum regem (Fol. 72r-74v) im Lorscher Arzneibuch (Digitalisat mit deutscher Übersetzung der Staatsbibliothek Bamberg; Kaiser-Heinrich-Bibliothek)

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