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Als Feldgemeinschaft bezeichnet man den Zustand des Gemeinbesitzes (im Gegensatz zum Sondereigen) an Grund und Boden mit periodischer Verteilung der Äcker oder ohne solche, wie er sich insbesondere bei der altgermanischen Mark oder Allmende vorfand und später meist durch Gemeinheitsteilungen, Übergang in den Besitz der politischen Gemeinde etc. beseitigt wurde (siehe Gehöferschaften) [1].

Mittel- u. Südeuropa

Die Feldgemeinschaft ist die älteste genossenschaftliche Form des Wirtschaftsbetriebs. In der Zeit der strengen Feldgemeinschaft, die auf dem Kontinent vor der Völkerwanderung liegt, wurde dem einzelnen Genossen zwar ein bestimmtes, jedes Jahr wechselndes Stück des Ackerlandes zur Nutzung zugewiesen, aber die Bewirtschaftung des ganzen Ackerlandes, also aller Anteile der Genossen, erfolgte in kollektiver Zusammenarbeit. An die Stelle dieser Art der Feldgemeinschaft trat ist in der fränkischen Zeit die sog. laxe, bei der dem einzelnen Genossen ein immer gleiches Stück Ackerland in jedem Gewann zur Nutzung und selbständigen Bewirtschaftung zugewiesen war, später auch in sein Sondereigentum überging und nur noch im Flurzwang die frühere Form fortlebte [2] [3] [4] [5] [6].

Nordeuropa

Eine Feldgemeinschaft im Sinne einer Ackerbaugemeinschaft kennen von den Skandinaviern nur die festländischen Stämme; den Isländern ist lediglich eine Weidegemeinschaft und eine Waldgemeinschaft bekannt. Jene aber stehen sich keineswegs gleich, indem sich bei den ostnordischen Stämmen, den Dänen und Schweden, die Feldgemeinschaft weit verbreitet findet, bei den Norwegern aber, als einem nach dem Einzelsystem angesiedelten Volk, nur in beschränktem Umfange. Hier ist gemeinschaftliches Bebauen von Ackerland im wesentlichen auf zwei Fälle zurückzuführen, auf die Gemeinschaft der Pächter, die das gleiche Land sich verpachten lassen, und auf die Gemeinschaft der Erben eines Hofbesitzers. Dabei kann die letzt-erwähnte Gemeinschaft unter allmählicher Ausbauung des ursprünglichen Einzelhofes zu einem Dorf sehr lange dauern.

Fraglich ist, wie weit in Dänemark und Schweden die Feldgemeinschaft zeitlich zurückreicht, ob sie mit der Ansiedlung oder erst später eingetreten ist, fraglich, ob dort nur laxe oder auch strenge Feldgemeinschaft zu finden ist. Beide Fragen sind unmittelbar aus den Quellen nicht zu entscheiden, da diese viel jünger sind als die hierfür in Betracht kommende Zeit. Da aber die Gesetze nicht nur gemeinschaftliche Nutzung der Allmende, sondern auch der Brache und der Wiesen kennen, ist nicht anzunehmen, daß die Entwicklung bei den Ostskandinaven nicht von der strengen Feldgemeinschaft ausgegangen sein sollte. Diese in die Zeit der Ansiedlung zurückzuverlegen wäre allerdings weniger begründet, wenn man im dänischen bōl und im schwedischen Attunger selbständig bewirtschaftete Einheiten sehen müßte, deren Aufteilung erst zu einer gemeinschaftlichen Bewirtschaftung geführt hat (siehe: Hufe).

Die Entstehung von Feldgemeinschaft aus dem norwegischen Einzelhof brachte es mit sich, daß das gemeinschaftliche Gut ein ererbtes, also ōdal war, die Gemeinschafter ōdalsnautar, in ihrer Gesamtheit ein ōdalsneyti. Hier war das zunächst gegebene die strenge Feldgemeinschaft, die aber unter Aufteilung der einzelnen Äcker meist in laxe Feldgemeinschaft übergeführt wurde, die sich in dem Einhalten offener und geschlossener Zeit des Ackers hinsichtlich des Viehtriebs und in Zaunpflicht äußerte. Gemeinsamer Benutzung unterworfen blieben Wiese, Weide und Wald. Doch war es gerade bezüglich der beiden letztgenannten bei den norwegischen Allmendeverhältnissan sehr leicht, eine Ausdehnung herbeizuführen. Die Gemeinschaft konnte aufgeteilt werden (ōdalsskipti), nach gesetzlich genau bestimmten Regeln.

Analog gebildet sind die Bestimmungen für den andern oben erwähnten norwegischen Fall. Die bezüglich der isländischen Hochweiden (afrettir) sich bildenden Gemeinschaften bedurften besonderer Regeln nur hinsichtlich des Auftriebs und Abtriebs des Vieh, hinsichtlich der Zahl der aufzutreibenden Tiere und dgl.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 397.
  2. Deutsche Rechtsgeschichte. 2. Bände. (i. Bd. in 2. Auflage). Heinrich Brunner. Leipzig, 1906. Band I, S. 87, 280.
  3. Lehrbuch der Deutschen Rechtsgeschichte. 5. Auflage. Richard Schröder. Leipzig 1907. S. 54 ff, 216 f.
  4. Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum. Johannes Hoops. Straßburg 1905. S. 518.
  5. Siedlung und Agrarwesen der Ostgermanen und Westgermanen. Meitzen. Berlin 1895. Band III. S. 574 ff.
  6. Zeitschrift für deutsches Altertum. Karl Müllenhoff. Berlin, 1841. Ausgabe II, S. 362 ff.

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