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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 19. März 2013 als Spotlight vorgestellt.

Das altgermanische Haus hatte noch keine Fenster im modernen Sinne, sondern Wandöffnungen und Dachluken, die dazu dienten, Luft und Licht in die Stube zu führen und dem Rauch des Herdes Ausgang zu verschaffen.

Geschichtliches

Aus der Stein- und Bronzezeit sind Fenster nicht nachweisbar, da nirgend ein Aufbau erhalten ist. Allerdings werden sie angegeben, und zwar auffallend dicht beieinander, in der bemalten Hausurne in Stockholm und sind auch hier und da in den Darstellungen der markomannischen Hütten auf der Mark-Aurels-Säule zu erkennen. Sie wurden mit Holzklappen geschlossen, Fensterglas gab es vor dem Mittelalter nicht.

Im Mittelalter finden sich an Palästen und Kirchen frühzeitig Fenster mit zierendem Verschluß; zunächst meist mit durchbrochenen Steinplatten ausgefüllt, nicht nur in Italien und Spanien, sondern auch in Frankreich, England und Deutschland. Gerade die germanischen Kirchen zeichneten sich hier durch reiche und feine Musterungen aus; die in Deutschland meist verschwundenen ältesten Beispiele haben an romanischen Turmfenstern noch manche Spätlinge solcher Platten hinterlassen, insbesondere solche mit Kreuzdurchbrechungen. In Dänemark werden sehr frühe aus Holzplatten mit Durchbrechungen bestehende Beispiele erwähnt.

Vermutlich wurden diese Durchbrechungen bald durch kleine Glasscheiben geschlossen, wie das im Orient lange üblich war. Bei Gregor von Tours (* 538/539; † 594) wurde von bronzenen Fenstern mit Glasausfüllung gesprochen. Ähnliche Glasfenster wurden bekanntlich bereits in Pompeji aufgefunden; doch blieb solcher Luxus später nur Kirchen vorbehalten. Farbige Glasfenster werden aber schon bei Bischof Venantius Fortunatus von Poitiers (* um 540; † zwischen 600 und 610) an einer Kirche zu Lyon gerühmt mit der Bezeichnung versicoloribus figuris, worunter vielleicht nur Ornament zu verstehen sein wird. Ähnliches wird von der Kathedrale zu Paris erwähnt. Ausnahmsweise aber um jene Zeit an der Abtwohnung zu Tours.

Dagegen ist anzunehmen, daß der Fensterverschluß an Profanbauten, selbst an Königshallen, im Allgemeinen nur durch hölzerne innere Läden oder Teppiche bewirkt wurde, da wir auch im Frühmittelalter hier nichts Besseres kennen. Äußere Fensterläden an Kirchen ergaben sich dagegen früh, wohl schon deshalb, weil gläserne Fensterverschlüsse meist mangelten, also für die Zeit, da die Kirchen nicht benutzt wurden, ein Verschluß gegen Regen und Sturm nicht wohl entbehrt werden konnte. Selbst steinerne finden sich noch vor (Torcello), vor allem sind häufig die durchlochten Steine für die Aufnahme der Angeln außen neben den Fensteröffnungen. [1]

Tempel und Kirchen

St Cuthbert At The Sea - Stained Glass

Fenster der St. Cuthberts Kirche in Edenhall, Carlisle (12. Jh.)

Fenster kamen in den vor-christlichen Tempeln nur als kleine, wahrscheinlich im Dach angebrachte Löcher vor. Auch in den Stabkirchen finden sich diese gluggar in runder Form, etwa 1/2 Fuß im Durchmesser, in der Oberwand des Mittelschiffes als die einzigen Lichtquellen der Kirche. Ebenfalls im Giebeldreieck kam ein gluggr in der Form eines Fensters mit Rundbogen bisweilen vor (Urnes, Hopperstad in Sogn.).

Auch in den Steinkirchen waren die Fenster nur klein und dazu sparsam angebracht, ein oder zwei in der Südwand, um der Sonne Eintritt zu gewähren, und zugleich, um Zugluft durch die Kirche zu vermeiden; denn die Eingangstür befand sich eben an dieser Wand. Zuerst waren die Kirchenfenster offen; später wurden sie mit einem durchscheinenden Stoff und später mit Glas gedeckt (glergluggr). [2]

Nordeuropa

Die kleineren Zuglöcher führten im Altnordischen die Namen gluggr, vindgluggr, vindauga (von auga in der Bedeutung "Lichtöffnung, besonders rundliche"), die größere Licht- und Rauchöffnung hieß ljōri (vielleicht mit lat. lura = "Öffnung am Sack" verwandt). Die kleineren Zuglöcher waren in den Wänden oder der unteren Seitenfläche des Daches angebracht. Die größere Licht- und Rauchöffnung hatte in der Dachfirst ihren Platz und wurde mit einem Brett (speld, fjöl) oder einem mit einer dünnen, durchsichtigen Tierhaut überspannten Rahmen (skjagrind, von skjar = "die dünne Haut, die das neugeborene Kalb umgibt") mittels eines Schiebers verschlossen. Mit Glas versehene Wandöffnungen (glergluggr, vindauga) werden zum erstenmal in Dänemark im Jahre 1086 erwähnt, blieben aber noch lange den öffentlichen Gebäuden vorbehalten. [3]

Britische Inseln

Obgleich die Glasmacherkunst schon im 7. Jh. in England geübt wurde - nach Beda Venerabilis [4] kamen im Jahre 676 fränkische Glasmacher nach England, um für die St. Peter's Church, Monkwearmouth (Durham) Glasfenster herzustellen —, blieb die Verglasung der Fenster mehrere Jahrhunderte hindurch auf Kirchenbauten beschränkt. Erst im 13. Jh. kennt sie die Königshalle. Ob das angelsächsische Haus ein dem anord. ljóri entsprechendes verschließbares Rauchloch besessen hat, ist unsicher.

Die Tatsache, daß das Mittelenglische dafür ein französisches Wort (lover) benutzt, scheint gegen eine solche Annahme zu sprechen. Dagegen waren unverglaste Licht- und Luftöffnungen allgemein verbreitet, teils von viereckiger (eagduru, vgl. dänisch. dial. dor = "Dachfenster"; norweg. dial. anddor = "Luftloch in der Scheunenwand"), teils vielleicht von runder Form (eagthyrel, von thyrel Loch). Die Benennungen dieser Öffnungen scheinen sie als Gucklöcher zu bezeichnen, die in den Seitenwänden angebracht waren.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Kirchliche Baukunst des Abendlandes. Dehio und v. Bezold. Stuttgart 1892 ff. Band I, S. 109 f.
  2. De Norske Stavkirker: studier over deres system, oprindelse og historiske udvikling ; et bidrag til Norges middelalderske bygningskunsts historie. Lorentz Dietrichson. Cammermeyer, 1892. Neuauflage 2008. ISBN/EAN: 978-1-273-58248-6.
  3. Ethnographische Beiträge zur germanisch-slawischen Altertumskunde. K. Rhamm. Band II. Kommissions-Verlag von F. Vieweg, 1908
  4. Historia ecclesiastica gentis Anglorum: Vita quinqué abbatum Wirmuthensium. c. 5

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