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Die Festzeiten bzw. Feste (dult, hōchzīt, hōchgezīt) im europäischen Mittelalter standen mit den Volksversammlungen und Gerichtstagen in Beziehung. Doch bereits zur Zeit der Germanen (Römische Kaiserzeit, Spätantike) hing die große Mehrzahl der Feste mit Vorgängen im wirtschaftlichen Leben zusammen.

Beschreibung

Bereits die Germanen begingen die Sommer- und die Wintersonnenwende auf festliche Weise. Diese Feste wurden vielfach über mehrere Tage hintereinander begangen. In Snorris Heimskringla heißt es, man solle zu Wintersanfang für ein gutes Jahr opfern, zu Mittwinter für Wachsen und Gedeihen, zu Sommersanfang für Sieg. [1] Dieselbe Sitte läßt sich u.a. aus Norwegen belegen. Das große Fest der Tamfana [2] fiel etwa in den Anfang des November, das große Opferfest in Seeland fiel in den Januar [3], das große Fest zu Upsala zur Zeit der Frühlingsnachtgleiche [4], und das große Nerthusfest fand zu Sommersanfang statt [5]. Ganz besonders festlich wurde jedoch die Zeit des Mittwinters begangen (siehe Julfest), mit dem Termin nach Beda Venerabilis die Angelsachsen und andere Germanen nach Einführung eines regulären Mondjahrs ihr Jahr begannen.

Christianisierung

Mit der Christianisierung wandelte die Kirche viele der alten heidnischen Feste zu ihren Zwecken um und behielt für die christlichen Feste mit geringer Veränderung manche der heidnischen Gebräuche bei. Nach ihrer Bekehrung übernahmen die germanischen Stämme die kirchlichen Feste. Diese zerfallen in Festa chori, die lediglich durch kirchliche Handlungen begangen wurden, und Festa fori, an denen sich das gesamte Volk der Arbeit zu enthalten und die Betätigungen des öffentlichen Lebens einzustellen hatte.

Kirchlicherseits unterschied man die Feste auch nach dem Festgrade (dignitas), dh. nach dem höheren oder geringeren Grade der rituellen Begehung. Die Feste waren nicht überall dieselben. Festa fori waren in der ganzen katholischen Christenheit neben den Sonntagen eine bestimmte Anzahl anderer Feste. Die Bischöfe machten jedoch von der ihnen erteilten Befugnis, noch weitere Feste für ihre Diözese anzuordnen, vielfachen Gebrauch. Manche dieser lokalen Festen standen den allgemeinen Kirchenfesten an Beliebtheit und Ansehen kaum nach. Die 4 Hauptfeste der abendländischen Kirche sind Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Allerheiligen. Auf deutschen Gebiet verstand man unter den vier Hochzeiten Ostern, Pfingsten, Mariae Himmelfahrt und Weihnachten.

Zeitpunkte

Wie von Tacitus (Germania. c. 11) überliefert wird, fielen die Feste und Festzeiten der Germanen auf Neu- oder Vollmondstage. Im Christentum waren die Feste entweder beweglich oder unbeweglich, je nachdem ob sie immer auf denselben Monatstag fielen oder ohne Rücksicht auf ein Monatsdatum durch den Mondlauf oder ein anderes Fest bestimmt wurden.

Unbewegliche Feste gab es im Mittelalter viel mehr als Tage im Jahr, denn jeder Heilige hatte sein besonderes Fest. Es wurden jedoch nur wenige Heilige, wie die Apostel, Johannes der Täufer und der Protomärtyrer Stephanus, überall von der Kirche verehrt; die meisten hatten nur in einzelnen Diözesen ihre Feste. Natürlich schwoll im Laufe der Zeit die Zahl der Heiligen immer mehr an, und auch die Zahl der allgemeinen Kirchenfeste vermehrte sich im Mittelalter stark. Zu beachten ist dabei, daß die Heiligentage nicht überall dieselben waren und auch in derselben Diözese mehrfach verlegt wurden. Verzeichnisse der Heiligentage liefert u.a. die Biblioteca historica medii aevi [6].

Im Christentum hieß der Tag vor einem Feste hieß Vigilia (Abend, Vorabend, Vorfest oder Bannfasten, engl. Eve). Der Tag vor der Vigilie hieß bei sehr hohen Festen Vigilia Vigiliae, Praevigilia (Vorfirabend). Der nächste gleichlautende Wochentag nach einem Feste hieß Octava oder Octavae (der achte Tag, Achtag oder Antag).

Keltischer Jahreskreis

Im Jahreskreis der Kelten orientieren sich die Zeitpunkte der Mondfeste am nächst gelegenen Vollmond, die Sonnenfeste werden jedes Jahr nach dem Sonnenstand berechnet.

Himmelsereignisse

Schon von Alters her spielten Himmelsereignisse im Volksglauben eine wichtige Rolle. Das Erscheinen von Kometen galt als Vorbote schweren Unglücks, besonders der Kriege. Unwetter, Hagel und Gewitter waren die Arbeit böser Dämonen. Unholde, später Hexen, trieben in den Wolken ihr Handwerk. Daher warf man gegen diese Steine oder schoß Pfeile. Noch heute begegnet das Wolkenschießen bei Gewittern. Aus demselben Aberglauben erklärt sich das Schießen und der Lärm, der zu bestimmten Festzeiten (wie z.B. Neujahr und Walpurgisnacht) oder bei gewissen Ereignissen (Hochzeiten) von der Volksmenge erhoben wird:

Dadurch sollen die schädigenden Dämonen für die folgende Zeit geschreckt und dadurch von den Menschen ferngehalten werden. Um sich vor dem Blitzschlag zu schützen, bewahrt man in seinem Hause den Donnerkeil, brachte an ihm den Donnerbesen oder unglückabwehrende Zweige oder Kräuter (z.B. Haselzweige oder Johanniskraut) an und pflegte die Vögel, die das Haus schirmen (Schwalbe, Storch, Rotkehlchen). Auch den Wind verstehen zuweilen die Hexen zu entfachen. Aber ungleich verbreiteter ist der Volksglauben, daß in diesem das Wütende Heer oder Der Wilde Jäger daherfahre.

Sonnen- und Mondfinsternis

Mit andern Völkern gemein hatten die Germanen den Glauben, daß bei Sonnen- und Mondfinsternissen Ungetüme in Wolfsgestalt das Gestirn zu verschlingen suchten. Deshalb pflegte man, wie es noch heute einige Völker tun, bei diesen Verfinsterungen mit den Waffen zu lärmen und ein lautes Geschrei zu erheben und glaubte dadurch dem Gestirn zu Hilfe zu kommen.

Kirchenfeste

Es lassen sich verschiedene Gruppen von Kirchenfesten unterscheiden. zum Einen jene, die sich auf Christus selbst beziehen: Ostern, Pfingsten, Allerheiligen, Weihnachten, das Fest der Beschneidung (Circumcisio) des Herrn, am 1. Januar und dem der Verklärung Christi (Transfiguratio domini), das zwar meist am 6. August, aber sonst auch am 17. März, am 26., 27. oder 31. Juli, am 4., 5., 7. oder 26. August und am 2. September begangen wurde.

Zum anderen die Gruppe der Marienfeste, die mit der seit dem 5. Jh. immer mehr zunehmenden Marienverehrungen an Zahl wuchsen. Die wichtigsten sind folgende:

Christliche Hauptfeste

Christliches Hauptfest war außer den Sonntagen zunächst Ostern. An dieses Fest schlossen sich dann die Feier des Todestages Jesu, der Karfreitag oder stille Freitag, der Karsamstag und der grüne oder weiße Donnerstag. Ein sehr altes Fest ist ferner Epiphania, der Zwölfte, die Feier der Erscheinung und Taufe Christi (6. Januar). Später kamen Pfingsten (englisch Whitsunday, wonach Pfingstsonntag, -Montag und -Dienstag zusammen Whitsuntide heißen), und Weihnachten oder Christtag hinzu, und noch später eine große Reihe anderer Kirchenfeste.

Heiligenfeste

Bei den Heiligenfesten hatten manche Heilige mehrere Feste: Gewöhnlich ihr sog. Natale, d.h. ihren Todestag als den Tag ihrer geistigen Geburt zum seligen Leben und ihre Translation oder den Tag der Übertragung ihrer Gebeine an ihren definitiven Aufbewahrungsort. Fiel ein Heiligenfest mit einem beweglichen Fest zusammen, so wurde das Heiligenfest für das betreffende Jahr auf einen anderen Tag verlegt.

Neben diesen vorübergehenden Translationen eines Festes gab es auch dauernde, die von den Päpsten für die ganze Kirche angeordnet wurden. Die wichtigsten Heiligenfeste, nach Kategorien geordnet, sind:

1. Heiligenfeste
Johannis der Täufer: Geburt am 24. Juni und Enthauptung am 29. August
2. Aposteltage
Andreas am 30. November
Bartholomäus am 24. August
Jacobus am 25. Juli
Matthias am 24. Februar.
Pauli Bekehrung am 25. Januar
Peter und Paul am 29. Juni
Petri Stuhlfeier am 22. Februar, Petri Kettenfeier am 1. August
Philippus und Jacobus am 1. Mai (volkstümlicher ist indessen die Bezeichnung dieses Tages nach Walpurgis)
Simon und Juda am 28. Oktober
Thomas am 21. Dezember
Divisio apostolorum (Aller Apostel Tag, Apostel teilung) am 15. Juli.
3. Evangelistenfeste
Matthäus am 21. September
Markus am 25. April
Lukas am 28. Oktober
Johannes am 27. Dezember
Engelfeste
Michael am 29. September

Die anderen Heiligenfeste, nach denen am häufigsten datiert wird, sind:

  • Januar: Fabian und Sebastian am 20.01.
  • Februar: Apollonia am 09.02. und Valentinus am 14.02.
  • März: Gregorius am 12.03., Joseph am 19.03., Benedikt am 21.03.
  • April: Tiburtius und Valerianus am 14.04., Georg am 23., 24., oder 25.04.
  • Mai: Mamertus am 11.05., Pancratius am 12.05., Servatius am 13.05., Urbanus am 25.05., St. Augustinus, der Apostel der Angelsachsen, am 26.05.
  • Juni: Bonifatius am 05.06., Veit (Vitus) am 15.06.
  • Juli: Die Sieben Brüder am 10.07., Margaretha am 12. 13. 14. 15. 19. oder 20.07., Maria Magdalena am 22.07., Anna am 26.07., und Olaus am 29.07.
  • August: Die Vierzehn Nothelfer am 08.08. Laurentius am 10.08.
  • Oktober: Calixtus am 14.10.
  • November: Martin der Bischof am 11.11., Martin der Papst am 12.11., Clemens am 23.11.
  • Dezember: Nikolaus am 06.12., Lucia am 13.12., Stephanus der Protomartyr am 26.12., die Unschuldigen Kindlein am 28.12., und Sylvester am 31.12.

Dazu kommen noch große allgemeine Kirchenfeste:

  • Allerheiligen am 1. November
  • Allerseelen am 2. November
  • Kreuzeserfindung am 3. Mai und
  • Kreuzeserhöhung am 14. September.

Bewegliche Kirchenfeste

Die beweglichen Kirchenfeste hingen fast sämtlich von Ostern ab, das selbst wiederum ein bewegliches, durch den Mondlauf bestimmtes Fest ist.

Die Sonntage haben bestimmte Namen, die sich nach ihrer Stellung zu den kirchlichen Hauptfesten richten, und werden außerdem vielfach nach dem Introitus missae bezeichnet, d.h. nach den Eingangsworten der Antiphon, welche an dem betreffenden Sonntage gesungen wird. Viele haben auch noch besondere volkstümliche Namen. Die Sonntage zerfallen in verschiedene Gruppen:

  • 1.) Die Sonntage zwischen Epiphania und dem 9. Sonntag vor Ostern. Ihre Anzahl schwankt zwischen 1 und 6.
  • 2.) Die 9 Sonntage vor Ostern. Der 6. Sonntag vor Ostern heißt Quadragesima. Mit dem Mittwoch vorher (Aschermittwoch, engl. Ash-Wednesday) beginnen die Osterfasten, und die folgenden Sonntage heißen Fastensonntage. Der letzte Sonntag vor Ostern heißt Dominica palmarum (Palmsonntag).
  • 4.) Die 6 Sonntage zwischen Ostern und Pfingsten.
  • 5.) Pfingsten.
  • 6.) Die Sonntage zwischen Pfingsten und dem 1. Advent. Ihre Zahl schwankt zwischen 23 und 28. Am Sonntag nach Pfingsten wird im Abendland das Festum Trinitatis oder Dreifaltigkeitsfest und am Donnerstag danach das Festum Corporis Christi (Fronleichnam) gefeiert (seit 1264; allgemein vorgeschrieben erst seit 1311). Die Sonntage danach werden als Sonntage nach Trinitatis gezählt; die heutige katholische Zählung als Sonntage nach Pfingsten ist modernen Ursprungs.
  • 7.) Die 4 Sonntage vor Weihnachten, die sog. Adventssonntage. Das Kirchenjahr, d.h., die Anordnung der Feste in den für den Gebrauch beim Gottesdienst bestimmten Büchern, beginnt mit dem 1. Adventssonntag.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Snorris Königsbuch (Heimskringla). Übertragen von Felix Niedner (1922)
  2. Tacitus: Annals I, 51; Hrsg. von William Frederick Masom, (London, 1900).
  3. Chronicon; Bischof Thietmar von Merseburg (975-1018); Hrsg. von J. A Wagner (Norimberg, Lechner, 1807). Kap. I, 9.
  4. Hamburgische Kirchengeschichte. Adam von Bremen. Buch IV, S. 27)
  5. Karl Müllenhoff in Schmidts Zeitschrift für Geschichte. VIII 266 ff.
  6. Biblioteca historica medii aevi. Wegweiser durch die Geschichtswerke des europäischen Mittelalters. August Potthast, 1896. Bd. 1, Bd. 2.

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