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Die Fibeln mit umgeschlagenem Fuß (Almgren Gruppe VI) sind eine Variante der Armbrustfibeln und entwickelten sich während der Spätantike, bzw. zu Beginn der Völkerwanderungszeit gegen etwa 200 — 400, 450 n. Chr.. Diese neue Fibelkonstruktion war zweigliedrig, d.h. mit dem Bügel und der Nadel aus zwei Stücken gegossen, meistens mit unterer Sehne, wovon auch der Name Armbrustfibeln kommt.

Beschreibung

Die Herkunft ist in Südrußland zu suchen, wo die dort wohnenden Germanen durch Nachahmung gewisser provinzialrömischer Fibeln die neue Form ausbildeten (Abb. 34, aus der Krim). Durch den Kultur und Völkerstrom des 3. Jhs. gegen Nordwesten wurde der neue Fibeltypus über ganz Nordeuropa verbreitet. Die ostpreußische mit Silberperldraht verzierte Lokalform der Armbrustfibel mit umgeschlagenen Fuß (siehe Abb. 39) hatte einen gewissen Einfluß auf die Nachbargebiete. Im 5. Jh. entwickelte sich daraus die sog. Sternfußfibel (siehe Abb. 40).

Eine in Südrußland entstandene Variante der Fibel mit umgeschlagenem Fuß hat ein breites, rhomboidisches Fußstück und eine halbrunde Scheibe am Kopfende (Abb. 41). Eine Weiterentwicklung dieses Typus mit doppelten, langen Rollen wurde in Sackrau in Schlesien gefunden: Eine filigranverzierte goldene Rollenkappenfibel mit umgeschlagenem Fuß vom Beginn des 4. Jhs. (siehe Abb. 43). Eine spätere Stufe der Fibel mit umgeschlagenem Fuß vom Ende des 4. Jahrhunderts wurde u.a. aus Silberblech verfertigt und erhielt ein rechteckiges Kopfstück (Abb. 42). Aus solchen Typen entstanden später im 5. Jh. die gegossenen Bügelfibeln. Die organischen Fortsetzungen der "Fibeln mit umgeschlagenem Fuß" sind die Bogenfibeln der Völkerwanderungszeit. [1]

Metallblechfibeln

Die südrussische Metallblechfibel mit umgeschlagenem Fuß (Abb. 41) war der Prototyp der folgenden südrussischen Fibeln. Diese bekamen am Ende der Völkerwanderungszeit eine lange Rolle mit Endknöpfen, wobei auch die halbrunde Kopfscheibe mit einem Endknopf verziert wurde (Abb. 50). Aus den Metallblechfibeln der spätrömischen Zeit, die sogar in Italien und Frankreich vorkamen, entstanden im 5. Jh. die gegossenen Dreiknopffibeln und Fünfknopffibeln als Varianten der Bügelfibeln.

Kreuzfibeln

Die provinzial-römischen sog. Kreuzfibeln des 4. Jhds. finden im 5. - 6. Jh. südgermanische Nachbildungen mit einem breitem, rektangulärem Fuß; Abb. 62 zeigt eine solche Kreuzfibel aus dem Grabe Childerichs († 481) bei Tournais in Belgien. Eine auffällige Mischform derselben und der Fünfknopffibel ist der Typus Abb. 63, der sehr allgemein in Deutschland, Frankreich und Belgien vorkommt. Gewisse Varianten haben einen Tierkopf am Ende des Fußstückes wie gewöhnliche Fünfknopffibeln, andere zeigen Vogelknöpfe wie Abb. 60 oder eine Reihe von Knöpfen wie die Vielknopffibel in Abb. 59.

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Quellen

  1. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 2. Von Johannes Hoops. 1918—1919. S. 35ff.

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