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Die Gemeine Fichte oder Rottanne (Picea excelsa L.) wanderte in postdiluvialer Zeit (nach der Eiszeit) erheblich später als die Birke, Espe, Kiefer, Eiche, Erle und als die meisten anderen Waldbäume in Norddeutschland und Skandinavien ein.

In Nordwestdeutschland erschien sie, wie die Untersuchungen von C. A. Weber im Füchtorfer Moor bei Sassenberg in Westfalen, im Bremer Blockland und im Großen Gifhorner Moor südlich von Celle ergeben haben, zuerst in der Eichenzeit; ihre Reste nehmen in den Moorschichten dieser Periode von unten nach oben an Häufigkeit allmählich zu. [1]

Verbreitungsgebiet

In das nordostdeutsche Tiefland zwischen Elbe und Weichsel, nach Schleswig-Holstein, Jütland und den dänischen Inseln drang die Fichte bei ihrer postglazialen Ausbreitung nicht vor. Die Fichtenreste in den jetzt vom Meer und von Marschklei bedeckten Mooren an der Westküste Schleswig-Holsteins sind nach C. A. Webers Untersuchungen der letzten Jahre nicht postglazialen (Holozän), sondern diluvialen Alters (Pleistozạ̈n).

In Ostpreußen war die Fichte zur Anzyluszeit noch nicht vorhanden. Die Schichten des Augstumalmoors, in denen ihre Pollen zuerst auftreten, sind beträchtlich jünger. Auch in Finnland scheint sie erst nach Schluß der Anzylusperiode eingetroffen zu sein; in finnischen Mooren aus dem Ende dieser Epoche finden sich noch keinerlei Spuren von ihr, während sie in der Folgezeit dann häufig auftritt.

Von Finnland aus verbreitete sich die Fichte als einer der jüngsten unter den Waldbäumen nach Skandinavien. Sie dehnte ihr Wachstumsgebiet einerseits über die Bergpässe westlich nach Norwegen, andererseits südwärts in die mittleren und südlichen Provinzen Schwedens aus, erreichte aber die Westküste von Schonen und Halland nicht und gelangte nicht nach Dänemark hinüber. In Skandinavien wurde die Fichte dann zur Konkurrenz Kiefer und Eiche, die bis dahin den Wald beherrschten.

Nordgrenze

Die Nordgrenze der raschen Verbreitung der Fichte verlief in frühhistorischer Zeit in Nordwestdeutschland etwa von Münster (Westfalen) zum Dümmer See hin und weiter über Diepholz-Ehrenberg-Rethem an der Aller-Walsrode-Fallingbostel-Ebstorf (nordwestl. von Ülzen) nach Dannenberg. Im Euchtorfer Moor bei Sassenberg (Westfalen), östlich von Münster, fanden sich Fichten und Kiefernpollen mit großer Regelmäßigkeit in allen Lagen. Der Name des Ortes selbst, der in der Freckenhorster Heberolle im 10. Jh. als Fieht-tharpa (dat. sgl.) belegt ist, scheint auf die Fichte hinzuweisen. Auch in dem heutigen Vechtrup (Kreis Telgte), das in der Freckenhorster Heberolle gleichfalls Fieht-tharpa heißt, liegt der Name Fichte vor.

Zum Material der angeblich römischen Bohlwege im Aschener Moor bei Diepholz wurde u. a. auch Fichtenholz verwendet. Und im ganzen Gebiet der Lüneburger Heide wurde die Fichte sowohl fossil in den obersten Moorschichten als auch urwüchsig lebend nachgewiesen: so im Steller Moor (14 km NO. v. Hannover), im Bannetzer Moor (zwischen Celle und Walsrode), im Krelinger Bruch (südl. von Walsrode), in der Umgegend von Hermannsburg usw. und eine Reihe von Ortsnamen mit Dan- , Dannen- weist gleichfalls auf das Vorkommen der Rottanne in diesen Gegenden hin.

Norddeutschland

Im Laufe des Mittelalter scheint die Fichte in Nordwestdeutschland bis auf wenige Ausnahmen eingegangen zu sein. Nach Osten überschritt der Baum die Elbe nicht, sondern wich von Dannenberg (Wendland) etwa über Diesdorf in der Altmark-Knesebeck-Gifhorn in den Harz zurück, um von hier zum Nordwestende des Thüringer Waldes bei Eisenach und von dortaus ostwärts nach Breslau überzuspringen.

Im Frühmittelalter verlief die Fichtengrenze von Eisenach am Nordrand des Thüringer Waldes entlang über Arnstadt und Berka nach Jena und weiter über Zeitz-Colditz-Leisnig bis südlich von Meißen, wo sie die Elbe überschritt. Von dort verbreitete sie sich weiter nordwärts über Großenhain nach Liebenwerda, und dann in nordöstlicher Richtung über Dobrilugk durch die Niederlausitz.

Die Ausbreitung lief zwischen Luckau und Kalau hindurch auf den Oberen Spreewald zu und anschließend weiter bis Tauer nördlich von Cottbus. Von dort südöstlich über Sorau nach Schlesien bis in die Gegend von Trebnitz nördlich von Breslau. Von dort wieder nach Nordosten, über Ostrowo und Posen nach Russland. Südlich von Orteisburg traf sie wieder auf die deutsche Grenze, und verbreiterte ihr Wachstumsgebiet von Altenstein nach Elbing, wo sie die Küste erreichte.

Jenseits der Ostsee setzte sie an der Südküste Schwedens ein, ließ hier einen schmalen Saum, der vom südschwedischen Buchengebiet eingenommen wurde, unberührt und folgte dann der schwedischen Westküste nach Norwegen. Von der norwegischen Südküste wendete sie sich landeinwärts und lief zwischen den Stiftern Kristiansand und Bergen einerseits, Kristiania und Hamar anderseits hindurch nordwärts nach Stift Throndhjem, wo sie eine kurze Strecke weit der Küste folgte, um sich dann wieder ins Landesinnere zurückzuziehen und auf den Höhen des Gebirges an der norwegisch-schwedischen Grenze entlang nach Norden zu laufen, bis sie am Enare-See in Lappland etwa unter dem 69. ° n. Br. ihren nördlichsten Punkt erreichte. [2].

Die dänischen Inseln, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Pommern, Westpreußen, Brandenburg außer der Niederlausitz, und Posen mit Ausnahme des Südostzipfels liegen somit außerhalb des Bereichs der ursprünglichen Verbreitung der Fichte. In Dänemark und Schleswig-Holstein kommt sie in prähistorischen Funden nirgends vor. In Mecklenburg sind Spuren der Fichte bisher nur ein einziges Mal in einem Moor, und zwar in der obersten Schicht, nachgewiesen; in mittelalterlichen Gräbern und Ruinen wurden Fichtenreste bis jetzt überhaupt nicht gefunden.

Preußen

Im Osten Deutschlands war die Fichte seit der eigentliche Charakterbaum Ostpreußens, wo sie prähistorisch im Augstumalmoor und historisch seit 1300 durch Urkunden bezeugt ist. Im späteren Mittelalter war die preußische Fichte im Holzhandel sehr begehrt und wurde viel nach England exportiert, wo ihr Name spruce fir - preußische Föhre noch heute ihre Herkunft verrät.

Mittel- u. Süddeutschland

Südlich von ihrer Nordgrenze fehlte die Fichte im Mittelalter in vielen Gegenden, wo die Laubwälder ursprünglich sind, wie z.B. auf dem Solling und Deister, auf den nördlichen und südlichen Vorbergen des Harzes, im Braunschweigischen, im Gebiet der Thüringer Saale nördl. vom 51 ° mit dem anschließenden Unstrut-Helme-Bezirk, auf dem Kyffhäuser, ferner im böhmischen Kessel und vorallem im größten Teil des westdeutschen Mittelgebirges, im ganzen unteren Maingebiet, im Odenwald, Neckarland und in der Oberrheinischen Tiefebene, die zur Römerzeit und im Frühmittelalter ausgesprochene Laubwaldgebiete waren.

Dagegen waren die Höhen des Harzes von jeher mit Fichten und Kiefern bestockt. In den Brockenmooren wurden beide in allen Schichten; beide tauchen vom Beginn der literarischen Überlieferung im 14. Jh. an sehr häufig in Urkunden, sowie in Orts-, Flur- und Familiennamen auf. In den Städten an und vor dem Harz wurde beim Bau der ältesten Häuser durchweg Fichtenholz verwendet.

Auch im Thüringer Wald östlich vom Inselsberg ist die Fichte von alters her heimisch. Im Fichtel- u. Erzgebirge war sie, wenigstens in der obersten Zone von etwa 600 m an, vermutlich stets der vorherrschende Baum. In den mittleren Lagen des Erzgebirgs waren die Waldungen in früheren Zeiten vielleicht mehr aus Fichten und Buchenbeständen gemischt, wie es noch jetzt auf der böhmischen Seite der Fall ist.

Im Schwarzwald hat die Fichte schon im Mittelalter und in vorgeschichtlicher Zeit die obersten Lagen bestockt, während in den mittleren Regionen die Tanne die Alleinherrschaft hatte. Das urwüchsige Vorkommen der Fichte in den Vogesen ist umstritten. Auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, einem alten Laubwaldgebiet, fehlt die Fichte fast ganz, während sie in dem angrenzenden fränkischen Waldgebiet neben Kiefer und Tanne von alters her stark hervorgetreten ist.

Ortsnamen, wie Fichten, Hohenflehten, Fichtenhof, Fichtenherg weisen hier auf sie hin; am rhätischen Limes entlang sind außer Resten von Eichen und anderen Laubhölzern zahlreiche Pfähle aus Kiefernholz sowie Fichtenstangen und -zweige gefunden worden. Besonders im untern Altmühl-Gebiet scheint sie den Hauptbestand der Wälder gebildet zu haben. Aus Oberschwaben liegen einige Moorfunde vor, die das frühzeitige Vorkommen der Fichte in diesen Gegenden beweisen. Im Buchauer Ried und in den Torfmooren der Reviere Tettnang, Hirschlatt, Amtzell und Leutkirch wurden vorwiegend Fichten und Kiefernreste gefunden.

Alpengebiet

Daß die Fichte in der Schweiz schon in vorgeschichtlicher Zeit heimisch war, zeigen zahlreiche Funde von Fichten resten aus den steinzeitlichen Pfahlbauten von Steckborn und Wangen am Bodensee, Robenhausen am Pfäffikersee, Meilen am Züricher See, Moosseedorf im Berner Mittelland und St. Blaise am Neuenburger See sowie aus der bronzezeitlichen Niederlassung von Bodmann am Bodensee. Aus den österreichischen Alpen stammen prähistorische Fichtenfunde vom Mondsee und vom Hallstatter Salzberg. [3]

England

Den Angelsachsen war die Fichte in ihrer kontinentalen Heimat unbekannt, und sie lernten sie auch in England nicht kennen. Die Fichte wurde weder in postglazialen noch in rezenten Schichten der Britischen Inseln nachgewiesen, und es gibt keinen alt- oder mittelenglischen Koniferennamen, der sich auf sie deuten ließe. Noch im 16. Jh. war der Baum in England unbekannt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Fichte wurde nicht nur als Holzlieferant, sondern auch als Heilpflanze verwendet; so z.B. in Form von Fichtenspiritus - einem Mittel zum Einreiben gegen Rheuma, Hexenschuss und Gliederschmerzen

  • Fichtenspiritus: 2 Teile feingehackter Fichtensprossen, 1 Teil Wacholderbeeren, 1 Teil Lavendelblüten, 70%iger Alkohol (aus der Apotheke) Glas mit Zutaten füllen, mit Alkohol übergießen, 3 Wochen in die Sonne oder an einen warmen Platz stellen. Dann in eine dunkle Flasche füllen.

Etymologie

Unser Wort "Fichte" ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt: ahd. fiuhta, flehta f. mhd. viehte f; and. fiuhta f., mnd. vuhte f.. [4] Das Fehlen des Namens im Friesischen, Englischen und Nordischen erklärt sich sehr einfach dadurch, daß der Baum im Küstenland der Nordsee, in Schleswig-Holstein, auf den dänischen Inseln und in einem Teile Südschwedens in spätprähistorischer und mittelalterlicher Zeit nicht vorhanden war. Auch bei den Alemannen scheint das Wort "Fichte" zu fehlen. Diese Tatsache erklärt sich wahrscheinlich dadurch, daß im norddeutschen Stammland der Alemannen die Fichte schlichtweg nicht vorhanden war. [5]

Quellen

Einzelnachweise

  1. s. Hoops, Waldbäume. 54 f.
  2. Drude, Deutschlands Pflanzengeographie. Bd. I, S. 263 f.
  3. s. Neuweiler, Prähistorische Pflanzenreste. S. 41 f.
  4. Vorstudien zu einem altniederdeutschen Wörterbuche (Google Books). Johan H. Gallee. E. J. Brill (1903). Reprint HardPress, 2013. ASIN: B009MPMTZ8. S. 75
  5. Kauffmann. Deutsche Altertumskunde. Bd. I. S. 33, A. 6

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