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Vom Fieber hatte man die Auffassung, es sei ein dämonisches Wesens, das den halb bewußtlos Daliegenden schüttelt. Dieser Alpgeist kam rasch und verschwand bald wieder, erfaßte den Kranken und führte ihn in seinen Fieberphantasien von dannen.

Etymologie

Die Fieberhitze heißt im Gotischen heito und brinno und wurde im Angelsächsischen ádl (v. ád - 'Brand'), bryne-ádl, vom Hauptsymptom für das Ganze genommen. Aus der Anschauung des Fiebers als Alpgeist heraus, der den Kranken 'reitet' bzw. entführt oder gegen ihn loszieht, entwickelten sich die Ausdrücke ahd. rito, ritto (ahd. ritan), mhd. rite rittes, mnd. red, mnld. ridde, rijde, anord. riða und ags. hridádl für Fieber.

Das lateinische Wort drängte diese persönlichen Bezeichnungen zurück als ags. Maskulinum se fefor, se fefer, ahd. Neutrum (von daz kalt) thaz fiehar und mhd. biver, biever (von 'Beben', z. B. mit dem biever oder mit dem riten).

Schüttelfrost

Der Fieberfrost (Schüttelfrost) ist zufällig erst später bezeugt: mhd. daz kolde, kalt, kaltwee, dy kalte, kolde, kolde suke und friesen, der frörer, frorer, frerer, mnd. dat vresent, dat frisen, norw. ristekolla (Schüttelkälte).

Behandlung

Balds angelsächsisches Læceboc v. 900-950 (I, 62) spricht von feferádl und unterscheidet, nach antikem Brauch und da auch im germanischen Altertum und Mittelalter die Fieber vorwiegend Malariafieber waren, die Tertiana, Quartana und Quotidiana als þriddan daeʒes fefer, feorþan daeʒes fefer, ælces daeʒes fefer [1], die mit Tränken und (christlich gefärbten) Beschwörungen behandelt werden, wie es auch aus althochdeutscher Zeit im Baseler Fieberrezept aus dem 8. Jh. und in manchen Fiebersegen, besonders in den angelsächsischen überliefert ist.

Gegen Fieber wurde in Pesttraktaten der Verzehr von Fasanen empfohlen [2], oder Eisenhut in geringen Mengen verabreicht. Daß Malariakranke ihr Fieber in Höhelagen verlieren, soll den Germanen schon bekannt gewesen sein; dafür sprechen auch die Vorstellungen von sonnenbeschienenen Heilbergen, die in Fjölsvinnsmal (36) zum Ausdruck kommen:

„Hyfiaberg (Lyfjaberg) heißt er, Heilung und Trost
Nun lange der Lahmen und Siechen.
Gesund ward jede, wie verjährt war das Übel,
Die den steilen (Hügel) erstieg.“

Ältere Edda: Fjölsvinnsmal, 36 [3]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Leechdoms, Wortcunning, and Starcraft of Early England (Internet Archive). Thomas Oswald Cockayne. London 1864-66. Bd. II 334 f.
  2. Wikipedia: Fasan: Mythologie und Kulturgeschichte
  3. Wikisource: Ältere Edda (Simrock 1876) - Fiölsvinnsmâl

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