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Die Franken stellen einen der germanischen Großstämme dar, die durch Zusammenschluss mehrerer germanischer Kleinstämme entstanden. Sie wurden erstmals Ende der 50er Jahre des 3. Jhs. als Franci in römischen Quellen erwähnt und schufen unter Chlodwig I. das Fränkische Reich, aus dem schließlich das Ostfrankenreich (das spätere Heilige Römische Reich) und das Westfrankenreich (Frankreich) hervorgingen.

Herkunft

Die gängige Ansicht über den Ursprung der Franken war die, daß sie sich durch Zusammenschluß schon früher bekannter kleinerer Stämme in den Rheingegenden gebildet haben. Das erwies sich allerdings als Irrtum, wenn man dabei Bataver und Kugerner eine Rolle spielen läßt oder gar annimmt [1], daß die Bataver die Vorfahren der salischen Franken seien. Denn diese Völker waren zur Zeit des ersten Auftretens der Franken bereits romanisiert, und das Eindringen der Franken ins Bataverland ist ausdrücklich bezeugt.

Richtig ist, daß Forscher über die Zugehörigkeit der Chamaver, Brukterer, Ampsivarier, Chattuarier, Chatten (Hessen) zu den Franken bestimmte Kunde haben und die anderer Völkerschaften wie der Usipier, Tenkterer, Tubanten und Tuihanten erschließen können. Doch spricht schon das Beispiel der Sachsen dafür, daß auch hier von einem einzelnen Stamm der Anstoß zu der ganzen Entwicklung gegeben wurde.

Die Kräfte der Völkerschaften in der Nähe der Rheingrenze waren aber zu schwach und zu verbraucht, um als Ausgangspunkt der Bewegung gelten zu können, deren Ursprung man daher tiefer im Innern Germaniens suchen muss. Der Vorstoß gegen die römische Reichsgrenze hätte dabei Parallen an der Wanderrichtung der anderen Germanen.

Húgas / Chauken

Auf eine bestimmte Fährte führt ein alter poetischer Name der Franken als Húgas (Beowulf. 2502. 2914), Hugones (Quedl. Ann. [2]), der auch im Namen Húgdietrich, d.h. der "Franke Dietrich" im Gegensatz zum Ostgoten, und dem Gau Húgmerke östlich vom westfriesischen Óstergó vorkommt. Damit ist geographisch die Brücke zu den Chauken hergestellt, zu der auch der Name Húgas, Húgones führt, der zu dem im Namen der Chauken vorliegenden germ. hauha- im Verhältnis steht. Man darf danach vermuten, daß die Chauken, für deren Wanderbewegung gen Westen schon Anzeichen sprachen, sich an der Seite der Friesen, die sie zurückdrängten, in die Stellung vorschoben, von der aus die politische Rolle der Franken begann.

Entwicklung der Franken

Der Frankenname tauchte um die Mitte des 3. Jhds. in der Gegend über dem Niederrhein auf, wo kurz darauf daneben ein neuer Name eines Einzelstammes auf, die Salii. Die ältesten Sitze der Salii liegen in der nach ihnen benannten Landschaft, dem Salland an der unteren Ijssel (Holland). An die Salier als den Kern der Niederfranken schlossen sich Chamaver (im Maasgau) und Chattuarier (im alten kugernischen Gebiet), wobei sie ihre alten Stammsitze teilweise den nachrückenden Sachsen überheßen.

Auch die Tuihanti gehörten wohl zu dieser Gruppe. Als diese Stämme im Volk der Franken aufgingen, kam der Name der Salier allerdings bald außer Gebrauch. Hingegen sucht man in den älteren Quellen vergeblich die Flamen (Vláme, Flámingi, mhd. Vlaeminge), die nach anord. flǣma ('vertreiben') als 'Flüchtlinge' verstanden werden können und übrigens von manchen mit den belgischen Sachsen (s. Flandern) in Verbindung gebracht wird. [3]

Oberfranken

Außer auf die von Alters her am Niederrhein seßhaften Stämme, soweit sie noch nicht romanisiert waren, breitete sich der Frankenname den Rhein aufwärts aus, so daß er schließlich alle Völkerschaften zwischen Friesen und Alemannen in sich begriff. Die Alemannen, die einst teilweise auf ehemals chattischen Boden lebten, stießen nun im Norden auf eine starke Macht, vor der sie Ende des 4. Jhds. das Land nördlich vom Main räumen mussten. Ihre unmittelbaren Nachbarn, die Oberfranken, sind im wesentlichen Nachkommen der Chatten.

Mittelfranken

Die Mittelfranken, die um die Mitte des 5. Jhds. das Ubierland in Besitz nahmen und dort ein selbständiges Reich mit Köln als Hauptstadt bildetn, erschienen gleichzeitig unter dem neuen Namen Ripuarier, d.h. Bewohner der rípa, des Uferlandes. An ihnen hatten die Brukterer den stärksten Anteil. Über die Stämme, von denen die Moselfranken ausgingen, besteht Meinungsverschiedenheit.

Das Frankenreich

Die Ausbreitung der verschiedenen Frankenstämme auf dem linken Rheinufer erfolgte vorallem nach dem Tode des Aetius. Eine starke Ausdehnung des geschlossenen Siedlungsgebietes der Franken hat auch noch die Niederlage der Alemannen durch Chlodwig I. im Jahre 496-497 zur Folge. Die großen kriegerischen Erfolge gegen Römer und Westgoten führten nur mehr zur Ausbreitung einer dünnen Schicht des herrschenden Volkes in dem nach wie vor romanisch bleibenden Land. Nach Osten hin wurde der Frankenstamm zu einer Großmacht, und büßte seine Assimilationskraft ein.

Die übrigen deutschen Stämme wurden der Reihe nach dem Frankenreich einverleibt, bewahrten aber ihre Sonderart, so dass sich der Name der Franken nicht mehr auf sie übertrug, wie zuletzt noch auf die Chatten. Übrigens machten sich auch innerhalb der Franken selbst die verschiedenen Bestandteile, aus denen sie sich zusammensetzen, in der mundartlichen Entwicklung bemerkbar, die bei ihnen eine ungleichartigere ist als bei irgendeinem der deutschen Stämme, wozu auch die Ausdehnung ihres Gebietes beiträgt.

Herrschaftsgeschlechter

Zu den Herrschaftsgeschlechtern der Franken gehörten u.a.:

Name

Der Name "Franken", Franci in den lat. Quellen, später Francones, ahd. Franchun, ags. Francan, Froncan, anord. Frakkar alliteriert nicht zufälligerweise mit dem der Friesen. Er ist nicht von ags. franca, anord. frakka (eine Art Speer) abgeleitet, das nichts anderes als die fränkische Waffe ist, sondern beruht auf einem Adjektiv germ. franka, das in spät anord. frakkr ('mutig'), norw. / schw. dial. frakk ('rasch, tüchtig') fortlebt und entweder mit frech oder mit fram ('vorwärts') verwandt ist. Unser deutsches frank geht auf dem Weg über franz. franc (it. franco) auf den Volksnamen der Franken zurück, der in ihrem romanischen Herrschaftsgebiet den Begriff der 'Freien' annahm.

Beschreibung

Kleidung

Ein verhältnismäßig vollständiges Bild der fränkischen Kleidung ist in der Beschreibung von Karl dem Großen durch den Gelehrten Einhard (* um 770; † 840) überliefert. Diese Darstellung ist deshalb besonders wertvoll, weil der König die alten einfachen Überlieferungen pflegte. Als Unterkleidung werden leinenes Hemd und Hose (femuralia) genannt. Darüber kam ein Rock mit seidenen Streifen und Unterschenkelhosen (tibialia). Diese wurden mit Binden umwunden, und die Füße mit Schuhen geschützt.

Im Winter trug der König ein Pelzwams aus Otter-, Marder- oder Zobelfell. Der Mantel war von meergrüner Farbe. Ein Mönch des Klosters von St. Gallen beschreibt die fränkische Kleidung in ähnlicher Art und ergänzt das Bild durch einzelne Züge, wie Vergoldung der Schuhe und einen Mantelschnitt, der vorn und hinten bis zu den Füßen, an den Seiten aber kaum an die Knie reichte. [4]

Geschichtsschreibung

Bei den Franken des Merowingerreiches erfolgte die eigene Geschichtsschreibung bereits früher als bei den Westgoten und mit einem viel stärkeren Einschlag der germanischen Erzählkunst. Dazu trugen entscheidend bei: Die sofortige Annahme des katholischen Glaubens, die völlige staatliche Einordnung der Provinzialen und die stetige Berührung mit der germanischen Heimat. [5]

Merowingerzeit

Der Mann, der beherrschend am Anfang der fränkischen Geschichtsschreibung zur Zeit der Merowinger steht, ist Bischof Gregor von Tours (538-594). Seine Frankengeschichte (Historia Francorum) bis 591 ist nicht nur die farbenfroheste und stoffreichste Geschichtsdarstellung des gesamten germanischen Altertums, sondern besitzt durch die Übertragung des alttestamentlichen Stils auf die Historie auch Vorbildfunktion für das Mittelalter. Ein Zeitgenosse, der Bischof Marius von Avenches (530-594), setzte in den Jahren von 574 bis 594 das bis 452 reichende Chronicon imperiale bis zu seiner Zeit fort [6], doch trat er neben Gregor von Tours sehr in den Hintergrund.

Marius' kurze Annaleneinträge, besonders über burgundische Ereignisse, zeichnen sich durch ihre Genauigkeit aus und werden in einem Anhang noch bis 624 fortgeführt. [7] Für die weitere merowingische Geschichtsschreibung war es immens wichtig, daß ein Werk wie die Frankengeschichte Gregors von Tours am Anfgang stand.

Wie in einer Stadt ein edler alter Kunstbau Nacheiferung weckt, so hatte auch Gregors Werk Einfluss auf die nachfolgenden Zeiten. Diese merowingische Epoche gilt als besonders arm an historiographischen Leistungen; und absolut betrachtet ist sie das auch. Aber im Vergleich mit den anderen germanischen Staaten jener Jahrhunderte ist sie noch verhältnismäßig reich. Immerhin ging die Kontinuität der Geschichtschreibung, die das Gesamtreich ins Auge fasste, bis zur Karolingischen Renaissance nicht völlig verloren.

7. Jahrhundert

Für die Gesamtanschauung der merowingischen Historiographie sind auch die Untersuchungen über den sog. Fredegar wichtig. Es ist ein Unterschied, ob einmal ein einsamer Scholastikus auf den Gedanken kam, eine große Geschichtskompilation anzulegen, oder ob kurz nacheinander an drei verschiedenen Stellen der Reiche Burgund und Austrasien sich Männer zur historischen Aufzeichnung getrieben sahen. Und mochten sich die Verfasser auch zum Teil in die Einsamkeit columbanischer Klöster zurückgezogen haben, so hatten sie doch als frühere Notare oder Schatzbeamte genauere Kenntnis von den Höfen und zu einzelnen hervorragenderen Hausmeiern so nahe Beziehungen, daß man geradezu vorschlagen konnte, das Gesamtwerk "die Hausmeierchronik" zu taufen.

Auch wenn diesen Aufzeichnungen so manche Mängel anhaften, so wurde doch damit der Weg zu den offiziellen Reichsannalen der Karolinger gewiesen, wie der letzte Bearbeiter der Fredegarischen Chronik (um 658) bereits im Interesse des karolingischen Hausmeiers Grimoald des Älteren (um 615-662) schrieb, der für sein Haus die Krone erstrebte. Noch war diese Historiographie dem Zufall überlassen, und es gab empfindliche Stockungen; eben der Sturz von Grimoald des Älteren (662) rief eine solche hervor. Der Rest des 7. Jhds. ging leer aus.

8. Jahrhundert

Erst 727 entstand auch in Neustrien eine ähnliche, wenn auch dürftigere Arbeit, die "Taten der Frankenkönige" oder richtiger das "Buch der Geschichte der Franken" ("Liber historiae Francorum"). [8] Wieder bot Gregor von Tours in einem kurzen, interpolierten Auszug den Grundstock, an den sich aus mündlicher Überlieferung anfangs recht unbrauchbare, zuletzt zuverlässigere Berichte schlossen mit starker Hervorhebung der mehr und mehr verkümmernden Merowinger. Wieder wurde man in Austrasien sehr bald (vor 736) auf das Werk aufmerksam, bearbeitete es und gab ihm (736) eine Fortsetzung, bis man dann, abermals eine Generation später, eben dort in Anknüpfung an die Fredegarsche Chronik zu eigner Geschichtsaufzeichnung schritt; das aber geschah schon unter karolingischer Einwirkung.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Deutsche Altertumskunde, Band 4 (Internet Archive). Karl Müllenhoff. Berlin 1870-1908. S. 398
  2. siehe Wikipedia: Quedlinburger Annalen
  3. s. Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum (Internet Archive). Johannes Hoops. Straßburg 1905. S. 581
  4. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 347 ff. Art. Trachten, § 46
  5. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 205 ff. Art. Geschichtsschreibung, § 8-15.
  6. MGH. Auct. ant. XI 225 ff. (Digitalisat).
  7. MGH. Auct. ant. XI 489 ff.
  8. MGH. SS rer. Merov.. II 215 ff,; teilw. übersetzt: Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit. 92, 282 ff. u. 113, 61 ff.

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