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Die Friesen (Frisii, Frisiones, Frisones, in ihrer eignen Sprache Frisan) waren ein nordwest-germanischer Volksstamm, der während der Römischen Kaiserzeit den Römern bei ihren Einfällen ins nördliche Magna Germania bekannt wurde. Sie wohnten an der Nordseeküste zwischen den Mündungen des Rheins, Ems und der Weser, also in den heutigen Niederlanden, Ostfriesland und Oldenburg, wo man noch in einzelnen Gegenden ihre Nachkommen findet.

Geschichte

Zuerst waren die Friesen Bundesgenossen der Römer in den Feldzügen des Germanicus (15 v. Chr. - 19 n. Chr.). Sie wurden von Drusus bei seiner Fahrt an der nordwestlichen Küste Deutschlands den Römern zinspflichtig gemacht und leisteten diesem wie Germanicus bei deren Unternehmungen in Magna Germania großen Vorschub.

Als Centurio Olennius bei Eintreibung des Tributs Gewalttätigkeiten verübte, empörten sich die Friesen und rissen sich um das Jahr 27 / 28 n. Chr. durch die Habsucht der Römer erbittert von dieser unwürdigen Verbindung los und hängten diejenigen Römer, die den Zins eintrieben, auf. Zwar zogen die Römer zur Unterwerfung herbei, aber sie wurden aus dem Land gejagt. So wurden die Friesen frei.

Im Jahre 47 n. Chr. traten sie erneut wieder mit den Römern in Verbindung, wurden unterworfen und ließen sich von ihnen Gesetze und Obrigkeit geben. Aber auch diese Abhängigkeit dauerte nicht lange. Schon Kaiser Claudius (10 v. Chr. - 54 n. Chr.) zog die römischen Besatzungen wieder aus dem Land.

Danach erscheinen sie nachmals wieder als freies Volk, obgleich die Geschichte ihrer in den folgenden Jahrhunderten wenig erwähnt. Nach 58 werden die Friesen nur gelegentlich als kühne Seeräuber genannt. Teile des Stammes gründeten neben Angeln und Sachsen in Britannien Niederlassungen.

Frühmittelalter

Seit dem 6. Jh. waren die Friesen mit den Franken in feindlicher Berührung und zerstörten die von Dagobert I. im Grenzkastell Utrecht erbaute Kirche. 40 Jahre später erhielt der Sachse Wilfried, Erzbischof von York, von ihrem Herzog Aldgisl I. die Erlaubnis zu Predigt und Mission. Dessen Sohn und Nachfolger Radbod verlor 689 nach der Schlacht bei Wykte Duerstede Westfriesland an Pippin.

Im 8. Jh. traten die Friesen im Krieg mit dem fränkischen Major Domus Pippin von Herstal (s. Frankenreich) auf, unterlagen jedoch der fränkischen Oberherrschaft. Damals war Radbods ihr König, zu dem fromme Geistliche aus England kamen, um den Friesen das Christentum zu predigen.

Der berühmteste war der heilige Willibrord, der zwar viele Friesen für das Christentum gewann, aber Radbod zur Taufe nicht bewegen konnte. Willibrord gelangte bis zu der durch ein altes Heiligtum berühmten Insel Fositesland (Helgoland), doch nach Pippins Tode (714) befreite sich Radbods von der Herrschaft der Franken, zerstörte die Kirchen und stellte den heidnischen Kultus wieder her.

Nach Radbods Tode im Jahre 719 verlor sein Nachfolger Aldgisl II. Westfriesland wieder, und Willibrord, während des Krieges flüchtig, kehrte nach Utrecht zurück, das von nun ab ununterbrochen Bischofssitz für diese friesischen Lande war. Radbod's Sohn und Aldgisls Nachfolger Poppo wurde 734 von Karl Martell, Pipin's Sohn, besiegt, der die Heiligen Haine der heidnischen Friesen verwüstete. Seitdem gab es keinen Herzog über das gesamte Friesland mehr.

Beschreibung

Die Friesen galten als emsiges, auf die Ausbeutung des Meeres wie auf Viehzucht und Ackerbau bedachtes Volk. Insbesondere Handel und Schifffahrt wurden im 8. Jh. als Beschäftigung der Friesen erwähnt. Ihre Schiffer fuhren in slawische Lande (einmal die Elbe hinauf bis zur Havel), und friesische Kaufleute finden sich überall im Frankenreich, aber auch in England etc.

Handelswesen

In karolingischer Zeit beherrschten die Friesen den Rheinhandel. Eine ihrer wichtigsten Handelswaren bildeten neben dem Wein auch Tuche, die häufiger erwähnt werden. Die bedeutendsten Handelsplätze an diesem Fluss waren Mainz und während der Blütezeit des Friesenhandels Dorstat (Wijk bij Duurstede) bei der Abzweigung des Kremmen Ryn vom Lek. Doch nahmen auch einheimische Kaufleute an ihm teil.

Dorstat wird als der am meisten hervorragende Handelsort (emporium) der Friesen erwähnt. Hier lag der Hauptausfuhrhafen des Rheins nach dem Norden und auch nach England, daher war er die Hauptzollstätte des Reiches für den Nordseeverkehr und Mittelpunkt des vom Rhein und von der See her zusammenströmenden Handelsverkehrs. Neben Dorstat blieb der Bischofssitz Utrecht (Wiltaburg) nur von zweitrangiger Bedeutung. Außer Dorstat werden in den Niederlanden noch andere Handelsplätze genannt: Deventer, Witla a. d. Maas, weiter aufwärts Maastricht, als Übergangsstelle und Zollstation wichtig... Weiterlesen

Friesische Sprache

Die friesische Sprache ist eng mit dem Angelsächsischen verwandt. Das Altfriesische (bis 16. Jh.) kennen Forscher aus Rechtsquellen wie dem Asegabuch um 1200, den Brokmerbrief, den Emsiger Domen nach 1200 und dem Recht der Rüstringer aus dem 14. Jh.

Das Neufriesische wird im niederländischen Westfriesland noch vereinzelt gesprochen (Bauern- oder Landfriesisch), während es in Ostfriesland im 17. Jh. durch die plattdeutsche Sprache verdrängt wurde (nur im Saterland wurde noch friesisch gesprochen). Lebendig ist auch noch das Nordfriesische an der Küste zwischen Tondern und Husum, auf den Halligen und auf Helgoland, Amrum, Föhr und Sylt.

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Quellen

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