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Friesland (Magna Frisia), das Siedlungsgebiet der Friesen erstreckt sich entlang der niederländischen und deutschen Nordseeküste, zwischen den Mündungen des Rheins, Ems und der Weser, also in den heutigen Niederlanden, Ostfriesland und Oldenburg, wo man noch in einzelnen Gegenden ihre Nachkommen findet.

Geschichte

Im 8. Jh. traten die Friesen im Krieg mit dem fränkischen Major Domus Pippin von Herstal (s. Frankenreich) auf, unterlagen jedoch der fränkischen Oberherrschaft. Nach dem Tod des friesischen Königs Radbod im Jahre 719 wurde Utrecht zum ununterbrochen Bischofssitz für die friesischen Lande.

Radbods Sohn, Poppo wurde 734 von Karl Martell besiegt, der die Heiligen Haine der heidnischen Friesen verwüstete. Seitdem gab es keinen Herzog über das gesamte Friesland mehr. Karl dem Großen gelang es, im Anschluss an die Sachsenkriege auch Friesland zu verwüsten und sie vollständig dem Christentum und dem Frankenreich zu unterwerfen. 785 schlossen sie Frieden mit ihm und blieben seitdem ruhig.

In diesem Jahr ließ Karl der Große auch ihr Volksrecht in der "Lex Frisionum" (Friesisches Recht) aufzeichnen. Im allgemeinen wurde die Organisation der karolingischen Verfassung auch in Friesland durchgeführt, doch erhielten sich manche Institutionen aus altgermanischer Zeit.

9. Jahrhundert

Ab 834 wurde Friesland von dänischen Wikingern schwer verwüstet. Walcheren, die blühende Handelsstadt Dorestad usw. wurden mehrmals geplündert und verwüstet. Es zeigte sich allerdings auch, dass die Friesen den Befehlen des Kaisers (Ludwig der Fromme) nicht immer Gehorsam leisteten, ja, dass sie sich sogar an den Raubzügen der Normannen an der englischen Küste beteiligten.

Nach der Schlacht bei Fontenoy im Jahre 841 gab Kaiser Lothar I., um seine geschwächten Streitkräfte zu stärken, dem früheren König von Dänemark und jetzigen Wikingerführer Harald Klak (ca. 800–846) und dessen Bruder Rörek die Insel Walcheren u. a. benachbarte Gebiete zu Lehen. Harald Klak starb kurz nach 842. Rörek wurde des Verrats bezichtigt und verlor seine Lehen.

Durch den Vertrag von Verdun 843 kam Friesland an Kaiser Lothar I., bildete später einen Teil von Lothringen. 845 wurden sowohl Hamburg wie auch Friesland von dänischen Wikingern furchtbar verwüstet. 850 kam Rörek mit seinem Neffen Gotfried wieder nach Friesland. Kaiser Lothar I. sah sich außerstande, Widerstand zu leisten, und trat mit Rörek in Verhandlungen ein, die dazu führten, dass der Kaiser ihn von neuem mit Duurstede und andern benachbarten Grafschaften belehnte und ihm den Herzogstitel verlieh.

Friesland blieb zwar in der folgenden Zeit auch nicht von Plünderungen verschont - so wurde z.B. Dorestad 863 völlig zerstört -, die hauptsächlichsten Angriffe richteten sich jedoch gegen das westfränkische Reich. Während des Streites zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen wußte Rörek bis zu seinem Tode, am Ende der 870er Jahre, seinen Besitzstand in Friesland, trotzdem er sich von Zeit zu Zeit in Dänemark aufhielt, zu behaupten.

Durch den Vertrag zu Mersen 870 wurde es zwischen Frankreich und Deutschland geteilt. Der dänische Wikingerkönig Gotfried bekam 882 die ehemaligen Besitzungen Röreks als Lehen mit der Verpflichtung der Grenzwacht, wurde aber schon 885 ermordet. Eine dauernde Bedeutung für Friesland (wie es in Irland und Northumberland der Fall war) hat dieses Wikingerreich nicht. 888 fiel es ganz an Deutschland. [1]

10. Jahrhundert

Als sich im Jahre 911 Lothringen nach dem Tode Ludwigs des Kindes von Deutschland lossagte und den westfränkischen König Karl anerkannte, blieb Friesland Konrad I. treu und löste sich von dem Verband der Länder, an denen der Name Lothringen haften blieb. In der Folge hatte Westfriesland ein besonderes Geschick, denn die Landeshoheit der Grafen von Holland, deren Geschlecht sich bis zum Ausgang des 9. Jh. zurückverfolgen läßt, und die des Bischofs von Utrecht entwickelte sich hier: so hörten die spätern Provinzen Holland, Seeland und Utrecht auf, als Teile Frieslands zu gelten.

Hochmittelalter

Friesland bildete während des ganzen Mittelalters eine besondere Landschaft, deren Grenze gegen Sachsen die Weser, ein Nebenfluß derselben, die Wapel, und eine Linie von da westlich nach der Ems zu waren, während es im Süden gegen Lothringen sich bis zur Mündung der Maas und des Rheins erstreckte. Sie behielten ihre eigenen Gesetze und erhielten sich bis ins 15. Jh. unabhängig.

Spätmittelalter und danach

Westfriesland unterwarf sich 1457 dem Schutze des Kaisers; Karl V. vereinigte es mit Burgund. 1492 erhielten die Friesen einen Herrn an Albrecht von Sachsen, der die inneren Streitigkeiten benutzte, aber nur Ostfriesland behaupten konnte. Im 16. Jh. schloß sich der westfählische Teil des Landes bis zur Ems den holländischen Provinzen an und bildete die beiden Staaten Gröningen und Westfriesland.

Danach bezeichnete der Name Ostfriesland nur noch das Land östlich der Ems. Es kam zum Teil an Oldenburg, teils blieb es unter einem eigenen Fürsten vereinigt, der allerdings durch die Landtage sehr beschränkt war. Das ostfriesische Haus starb 1690 aus und 1744 erlosch deren Stamm mit dem Grafen Karl Edgard von Ostfriesland vollständig. Das Land fiel gemäß eines Erbvertrags an Preußen, 1814 an Hannover. [2]

Beschreibung

Handelswesen

→ Hauptartikel: Friesenhandel

In karolingischer Zeit beherrschten die Friesen den Rheinhandel. Eine ihrer wichtigsten Handelswaren bildeten neben dem Wein auch Tuche, die häufiger erwähnt werden. Die bedeutendsten Handelsplätze an diesem Fluss waren Mainz und während der Blütezeit des Friesenhandels Dorstat (Wijk bij Duurstede) bei der Abzweigung des Kremmen Ryn vom Lek. Doch nahmen auch einheimische Kaufleute an ihm teil.

Dorstat wird als der am meisten hervorragende Handelsort (emporium) der Friesen erwähnt. Hier lag der Hauptausfuhrhafen des Rheins nach dem Norden und auch nach England, daher war er die Hauptzollstätte des Reiches für den Nordseeverkehr und Mittelpunkt des vom Rhein und von der See her zusammenströmenden Handelsverkehrs. Neben Dorstat blieb der Bischofssitz Utrecht (Wiltaburg) nur von zweitrangiger Bedeutung.

Außer Dorstat werden in den Niederlanden noch andere Handelsplätze genannt: Deventer, Witla a. d. Maas, weiter aufwärts Maastricht, als Übergangsstelle und Zollstation wichtig... Weiterlesen.

Nordischer Handel der Wikingerzeit

→ Hauptartikel: Nordischer Handel der Wikingerzeit (in Westeuropa)

Friesland war auch ein wichtiges Zentrum für den Nordischen Handel der Wikingerzeit (ca. 800-1030). Doch an der Nordsee, wo die seekundigen Friesen bisher unbestritten geherrscht hatten, wurden im Laufe des 9. Jhs. Dänen und Norweger die Herren. Die Friesen schlossen sich nicht selten den Normannen an und verstanden es oft, neben ihnen den Platz zu behaupten. Im Großen und Ganzen wurde jedoch durch die Wikingerzüge das Handelsdverkehrsleben der Niederlande außerordentlich beeinträchtigt, und es ging für lange Zeiten zurück. [3]

Friesische Sprachen

Die Friesische Sprachen ist eng mit dem Angelsächsischen verwandt. Das Altfriesische (bis 16. Jh.) kennen Forscher aus Rechtsquellen wie dem Asegabuch um 1200, den Brokmerbrief, den Emsiger Domen nach 1200 und dem Recht der Rüstringer aus dem 14. Jh.

Das Neufriesische wird im niederländischen Westfriesland noch vereinzelt gesprochen (Bauern- oder Landfriesisch), während es in Ostfriesland im 17. Jh. durch die plattdeutsche Sprache verdrängt wurde (nur im Saterland wurde noch friesisch gesprochen). Lebendig ist auch noch das Nordfriesische an der Küste zwischen Tondern und Husum, auf den Halligen und auf Helgoland, Amrum, Föhr und Sylt.

Verwandte Themen

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 536 ff. Art. Wikinger § 19+20.
  2. Vgl. Winkler, »Oud Nederland« (1888); Blok, »Friesland im Mittelalter« (1891); von Richthofen, »Untersuchungen über fries. Rechtsgeschichte« (3 Bde., 1880-86)
  3. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 428 (Art. Nordischer Handel, § 28.)

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