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Fruchtbarkeitsritus

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Der Fruchtbarkeitsritus oder auch Furchtbarkeitskult gilt als Erscheinungsform des Aberglaubens, bzw. Volksglaubens.

Beschreibung

Der Mensch beobachtete an der sich jedes Jahr verjüngenden Natur die schaffende Kraft des Erdbodens. Die Erde war ihm die Mutter, alles Lebens. Sollte daher ein neugeborenes Kind Lebenskraft erhalten, so wurde es auf die Erde gelegt (vgl. Mutter Erde). In dieser Überzeugung wurzelte auch der Volksglaube, dass Kinder aus Gewässern und Bäumen, die in das Innere der Erde führen, kommen oder Tote dorthin gehen.

Ei-Opfer

Den Keim jungen Lebens beobachtete man vor allem beim Ei, weshalb auch dieses (z.B. als Oster-Ei) beim Fruchtbarkeitszauber in Sitte und Brauch eine so wichtige Rolle spielt. Die Fruchtbarkeit der Erde (siehe Erdenmutter) bezweckte ferner das Eiopfer bei der Aussaat. Noch bis in die Gegenwart wird mehrfach beim ersten Pflügen ein Ei in die Erde gesenkt; meist allerdings essen es die Pflüger, aber die Schalen müssen auch dann dem Erdboden übergeben werden, und über sie muß der Pflug hinweggehen.

Fruchtbarkeitsbrote

Auf Analogiezauber gehen auch die Fruchtbarkeitsbrote zurück, die man in Gestalt der weiblichen Vagina den Äckern weiht und die sich bis heute in mannigfachem Gebäck, das zu bestimmten Jahreszeiten und bei Hochzeiten (siehe Festzeiten) genossen wird, in der alten Form erhalten haben [1].

Lebensrute

Ferner erkannten die Menschen die sprossende Kraft der Sträucher im Frühjahr. Für die Gewächse, Tiere und Menschen ist die Mutter Erde Quell allen Lebens, aller Kraft. Bäume und Sträucher vermitteln diese. In diesem Glauben wurzelt der überall verbreitete Brauch des Schlags mit der Lebensrute, durch die die junge Kraft der Erde auf Dinge und Geschöpfe übergeht. So pflegte man im Frühjahre die Äcker, das junge Vieh beim Austrieb, heiratsfähige Mädchen und junge Frauen mit dieser Lebensrute zu schlagen, um sie dadurch fruchtbar zu machen, was man auch vielfach am Hochzeitstage an der Braut vornahm (vgl. Baumkult; Erdenmutter).

Maibaum

In engem Zusammenhange mit der Lebensrute steht das Aufstellen des Maibaumes zum Beltane-Fest, was ebenfalls besonders bei heiratsfähigen Mädchen und bei Brautleuten geschah.

Phallischer Kult

Auch Vorgänge übertrug man aus dem menschlichen Leben, aus eigener Erfahrung auf die Außenwelt. Die Veranlassung zu neuem Leben gibt das männliche Glied. Damit die mütterliche Erde auf gleiche Weise befruchtet wurde wie das Weib, errichtete man 'Heilige Steine', Nachbildungen des männlichen Phallus, die man besonders zahlreich in Skandinavien fand (vgl. Phallischer Kult).

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Quellen

  • Wald- und Feldkulte. Johann Wilhelm E . Mannhardt. 2 Bände. Berlin 1875-77. Band I, S. 290 ff.

Einzelnachweise

  1. vgl. die zahlreichen Abhandlungen Max Höflers über Kultgebäcke, besonders Weihnachtsgebäcke (1905); Ostergebäcke: Eine vergleichende Studie der Gebildbrote zur Osterzeit (1906) und Gebildbrote der Hochzeit (1911)

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