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Die Germanen als solche wurden von Gaius Iulius Caesar (100-44 v.Chr.) als kategorisierende Kennzeichnung in die Geschichtsschreibung eingebracht. Als er 58 bis 51/50 v. Chr. mit seinen römischen Legionären die Völker und Länder nordwestlich der Alpen erobert hatte, schrieb er darüber seinen Bericht vom "Gallischen Krieg" an die Daheimgebliebenen. Dort benannte er erstmals jene Germanii, die fortan Rom zu einem Problem werden sollten. [1]

Allgemeines

Die germanischen Stämme bildeten (der Überlieferung nach) in Dänemark, in Süd- u. Mittelschweden, im Norden und Westen des heutigen Deutschlands in Sprache, Sitte und Religion im 2. Jh.v.Chr. einen einheitlichen Kulturkreis. Einer Verbreitung über größere Gebiete standen die Kelten im Wege. Über die Jahrhunderte vermischten sich die Germanen mit Kelten, römischen Siedlern und Slawen. Ihr Siedlungsgebiet wurde von den Römern auch Magna Germania genannt.

Die Wurzeln der deutschen Kultur liegen in der Tradition der Germanenstämme, im Christentum, dem Judentum, der griechischen Kultur der Antike und der römischen Staats- und Rechtslehre. Das Wort "deutsch" entstand später aus dem Namen des germanischen Stammes der Teutonen.

Benennung

Ursprünglich nannten die Kelten (Gallier) die nicht-keltischen Stämme "Germanen"; diese Bezeichnung wurde von den Römern für alle Völker nördlich und östlich von Gallien (östlich des Rheins sowie nördlich der Donau) übernommen. Man nannte sie auch "Barbaren", weil sie den Römern und Griechen unkultiviert erschienen.

Vor allem jene Völker östlich des Rheins, die unter dem Suebenkönig Ariovist gegen G. I. Caesar mobil gemacht hatten, bekamen von ihm das Attribut Germanen angeheftet. Ihre westlichen Nachbarn indes gingen als Gallier in die Geschichte ein. Als gleichermaßen blond, schön, hünenhaft und wild wurden sie nach Caesar beschrieben. Wie wenig der von Caesar geschaffene Sammelname den damit Ausgestatteten selbst gefiel zeigt sich in der Tatsache, dass keiner der so Bezeichneten sich jemals selbst als Germane bezeichnete.

Dieser Begriff war und blieb ein von außen aufgesetztes Attribut der römischen Sieger- und Herrschaftssprache. Selber war man stets Semnone, Cherusker, Sueve, Sachse, Langobarde, Hermundurer, Franke oder Alamanne. Einige von diesen wurden später auch "Deutsche". Dies gilt auch für die Goten. [2]

Christianisierung

Die Christianisierung der Germanen innerhalb des Römischen Reiches beginnt ab dem 4.Jh. mit dem Arianismus (nach dem Priester Arian aus Alexandria): Das ist eine Form des Christentums, in der Christus nicht wesensgleich zu Gott ist und die die Dreifaltigkeit ablehnt. Unter den Goten, Langobarden und Vandalen ist sie bis ins 6.Jh. die bestimmende Religion. Sie basiert auf der Mitte des 4.Jh. gefertigten gotischen Bibelübersetzung von Bischof Wulfila, die zudem bedeutend zur Entwicklung der gotischen Sprache beiträgt. Für die weitere Entwicklung ist wichtig, dass die Franken unter Chlodwig I. 498 Im Gegensatz zu den anderen Germanen katholisch werden, damit sind sie ein vertrauenswürdiger Partner für die Kirche.

Gesellschaft

Die einzelnen Volksstämme werden nach ihren Siedlungsgebieten in Gaue unterteilt und diese wiederum in Sippen (gemeinsame Abstammung). Die Gesellschaft bestand aus Freien, Halbfreien und Sklaven. Die Freien besaßen politische Recht und waren zum Wehrdienst verpflichtet. Aus deren Führung entwickelte sich der Adel der religiöse, kriegerische und richterliche Autorität bestitzt und die Basis des germanischen Königtums bildet. Halbfreie waren Unterworfene, die persönlich frei, aber an die Scholle gebunden sind. Die Kriegsgefangenen sind Sklaven, deren Kinder können aber freigelassen werden. Die Germanen kennen eine Volksversammlung (Thing). In der sie Ihre Führer wählen und in der Recht gesprochen wird.

Insgesamt herrschte in den römisch besetzten Gebieten größerer Wohlstand als in den freien Gebieten, da schon die Stationierung eines stehenden Heeres von 300.000 Mann eine Sicherung der Wirtschaft in Magna Germania mit sich brachte. Zwischen dem 5. bis 1. Jh.v.Chr. prägten auch die Kelten mit ihrer Latènekultur den südlichen Teil des heutigen Deutschlands.

Weltanschauung

Wie Eddalieder, voran die Völuspa, Snorris Skaldenlehrbuch und andere Denkmäler lehren, glaubten die Nordgermanen an die Schöpfung des Kosmos durch die Götter aus den Leibesteilen des Urriesen Ymir. Die Erschaffung der ersten Menschen, Ask und Embla, erfolgte ebenfalls durch göttliche Mächte: drei an der Küste entlangwandernde Asen, die dort zwei angetriebene Baumstämme fanden, versahen diese mit menschenähnlichem Aussehen, den Farben des Lebens, Stimme und Atem.

Die Germanen nahmen weiterhin an, dass Ymir von Odin und seinen Brüdern, den aus dem Gestein der Schlucht Ginnungagap von der Kuh Authumla herausgeleckten ersten Göttern, erschlagen worden sei. So war es auch ihre Überzeugung, daß die überwältigten und an den Rand des Universums zurückgedrängten Riesen in ferner Zukunft für diese Demütigung Rache nehmen und Götter, Welt und Menschen verderben werden.

Dies erfolge in einem großen Kampf, den beide Parteien dann miteinander ausfechten: der großen Katastrophe des Ragnarök. Für das hohe Alter dieser Vorstellungsmasse spricht ihre Verwandtschaft mit der altpersischen und altgriechischen Kosmologie sowie mit derjenigen der Kelten, die ebenso einen zukünftigen Weltuntergang fürchteten.[3]

Territoriale Entwicklung

Um 71 v.Chr. überschritt der Heerkönig der Sueben, Ariovist († 54 v.Chr.), mit Unterstützung weiterer germanischer Stämme (ca. 120.000 Mann) den Rhein, besiedelte Elsass, Pfalz und Rheinhessen - das Gebiet der keltischen Gallier. Diese riefen nun die Römer zu Hilfe, aber gelangten dadurch (Sieg Caesars 54 v.Chr.) unter römische Herrschaft. Römische Vorstöße durch Drusus und Tiberius zwischen 12 und 8 v.Chr. führten zur Unterwerfung der Germanenstämme bis zur Elbe (die durch die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. beendet wurde). Die Markomannen wurden unter ihrem König Marbod 8-6 v.Chr. nach Böhmen geführt.

Römische Kaiserzeit

Die Romanisierung der durch die Römer besetzten germanischen Gebiete begann mit der Gründung der Bürgerkolonie Colonia (Köln), dem Bau der Wehranlagen Abusina (Eining), Regina Castra (Regensburg), Sorviodurum (Straubing) und der Errichtung des Limes (befestigte Reichsgrenze um 83-145). Das Gebiet des heutigen Deutschlands ist eingeteilt in die Provinzen Germania interior (Nordwestdeutschland), Germania superior (Südwestdeutschland). Teile der Provinzen Rätia, Noricum und Belgia (s.a. Magna Germania).

Cherusker

Eine römische Offensive unter Varus wird in der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n.Chr. durch die germanischen Cherusker unter Arminius (Herrmann) siegreich abgewehrt. Damit geben die Römer ihre Expansionspolitik rechts des Rheins auf.

Goten

Die aus Schweden stammenden Goten siedelten zunächst an der Weichselmündung. Mit ihrer Abwanderung zum Schwarzen Meer lösen sie die 1. Germanische Völkerwanderung (um 150-180) aus. Dadurch werden die Burgunder nach Westen, die Vandalen nach Süden, die Markomannen über die Donau gedrängt, wo der römische Kaiser Marc Aurel sie in den Markomannenkriegen (166-175 und 177-180) besiegt.

Kimbern und Teutonen

Kimbern und Teutonen werden vermutlich aufgrund einer Sturmflut oder Klimaveränderung um 120 v.Chr. aus Jütland (Dänemark) vertrieben. Sie werden auf ihrem Zug von den Bojern (die namensgebend für Böhmen sind) abgedrängt und dringen bis nach Noricum (im heutigen Österreich) vor. In den Folgejahren verwüsten sie von Noricum bis Spanien die römischen Provinzen und gelten bald als unschlagbar. Erst der äußerst fähige römische Feldherr Marius († 86 v.Chr.) schlägt die Teutonen 102 v.Chr. bei Aquae Sextiae (Südfrankreich) und die Kimbern 101 v.Chr. bei Vercellae (Lombardei), wobei er einen Großteil dieser Völker entweder erschlagen lässt oder in die Sklaverei abschiebt. Das von den Kimbern und Teutonen verlassene Gebiet wird von den Angeln besiedelt.

Völkerwanderungszeit

Ab 375 n.Chr. beginnt die Völkerwanderungszeit: Nomadenstämme der Hunnen flüchten vor den Mongolen und lösen durch ihre Raubzüge nach Westen die Wanderung der Germanenstämme aus. Am Beginn der Hunnenkriege (375-450) werden die Ostgoten unterworfen, die in den Kämpfen die Vorteile des Steigbügels kennen lernen, diesen von den Hunnen übernehmen und damit später den römischen Reitern überlegen sind.

Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches (476 n.Chr.) zerfallen die Verwaltungsstrukturen und kulturellen Einrichtungen; die römischen Siedlungen werden verlassen und markieren das Ende von Magna Germania. Im folgenden Chaos (Raub, Krieg und Verwüstung) bleiben einzig die kirchlichen Organisationen mit ihren seit dem 4. Jh. europaweit entstandenen Klöstern als ordnende Instanz aufrecht. Daraus erwächst die neue europäische Macht: Die christliche Kirche.

Die Bildung von germanischen Herrschaftsbereichen innerhalb des Römischen Reiches führte letztendlich zu dessen Untergang. In nur 35 Jahren wurde der gesamte weströmische Besitz auf europäischem Boden von germanischen Völkern übernommen (s. Foederati).

Alemannen

Ab 234 siedeln die Alemannen im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg. Während die anderen Germanenstämme in Bewegung bleiben, erweitern die sesshaften Alemannen beständig ihr Gebiet in Rätien (heute Schweiz und Vorarlberg).

Burgunden

Die ostgermanischen Burgunden siedeln ab 413 unter König Gunther links des Rheins und gründen die Hauptstadt Worms. Der römische Feldherr Flavius Aetius (390-454) hetzt die Hunnen auf sie. Nur ein kleiner Rest, der in die Berge Savoyens flüchtet, überlebt. Der Untergang der Burgunder unter König Gunther (436) ist Thema des Nibelungenliedes. Westrom muss den Hunnen zum Dank Pannonien (Ungarn) abtreten.

Franken

Die salischen Franken dringen ab dem 3. Jh.n.Chr. in das Römische Reich ein und erobern die Gebiete im heutigen Belgien, das Mosel- und Rheingebiet. Da sie als Söldner im Römischen Heer dienen, werden sie angesiedelt. Ende des 3. Jh. müssen die Römer das nördliche Gallien an die Franken abtreten, das Kerngebiet des späteren Frankenreichs.

Ostgoten

Die Könige der Ostgoten: Odoaker setzte 476 den letzten römischen Kaiser ab. Er wurde von Theoderich 493 ermordet, der bis 526 Italien von Ravenna aus regierte und der erste bedeutende germanische Herrscher ist. Nach seinem Tod vernichtet der Kaiser des Oströmischen Reiches, Justinian I., mit Hilfe der Langobarden 552 das Ostgotische Heer. Doch Justinians Nachfolger kann Italien nicht halten, die Langobarden fallen 568 in Italien ein und gründen die Lombardei.

Vandalen

Die Vandalen (aus Jütland oder Mittelschweden) werden mit der Befestigung der nordafrikanischen Provinzen vom römischen Feldherrn Flavius Aetius (390-454) beauftragt. Sie erobern 429 das Gebiet des heutigen Marokko bis Libyen und die westlichen Mittelmeerinseln. Sie betrachten es ab 435 als germanisches Königreich (bis 534).

Westgoten

Die Westgoten flüchten aus dem Wolgagebiet ins Römische Reich. Sie besiegen 378 den oströmischen Kaiser Valens bei Adrianopel. 395 ziehen sie unter König Alarich plündernd durch das Balkangebiet. 410 erobern und verwüsten sie Rom. Sie gründen in der römischen Provinz Aquilania (Südfrankreich) 419 das Tolosanische Reich (nach der Hauptstadt Toulouse benannt), dem fast ganz Spanien angeschlossen ist. Es wird 711 von den Arabern erobert.

Unterteilungen

Germans AD50

Karte der Germanischen Stämme um 50-100 n. Chr.

Die freien germanischen Stammesverbände außerhalb des Römischen Reiches gliederten sich im 1. Jh. in Ostgermanen, Kontinentalgermanen, Nordgermanen und Westgermanen.

Ostgermanen
Kontinentalgermanen
Nordgermanen
Westgermanen


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Quellen

Einzelnachweise

  1. De Bello Gallico (Wikibooks): Liber I - Kapitel V. Gaius Iulius Caesar. Paralleltext Lateinisch–Deutsch auf Gottwein.de.
  2. Karl Heinz Stoll, Das Deutsche Sein Ursprung Und Mythos. Ein etymologisch-historischer Report.
  3. Altgermanische Weltanschauung, Prof. Dr. Gustav Neckel,

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