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Germanische Glaubenswelt

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Die Glaubenswelt der Germanen als Weltanschauung ist im eigentlichen Wortsinne eine Kosmologie, die sich aus der Überlieferung des alten Nordens, insbesondere der Lieder-Edda offenbart. Für das hohe Alter dieser Vorstellungsmasse spricht ihre Verwandtschaft mit der altpersischen und altgriechischen Kosmologie, auch mit derjenigen der Kelten, die ebenso einen künftigen Weltuntergang fürchteten. Das religiöse Weltbild der Germanen wird in den Liedern der Edda, vor allem der Völuspa und Snorris Skaldenlehrbuch überliefert. [1]

Allgemeines

Unter Germanischer Mythologie versteht man die Mythologien der verschiedenen germanischen Kulturen der Eisen- und Völkerwanderungszeit. Die germanische Mythologie war mündlich überliefert, wurde aber durch die Einführung der Schrift durch christliche Missioniare zum Teil aufgeschrieben. Da eine ausgeprägte Schriftkultur erst mit der Christianisierung folgte und die Schriftlichkeit vom Klerus getragen wurde, der, außer in Island und Irland, wenig Interesse an der Überlieferung der vorchristlichen germanischen Überzeugungen hatte; ist über die Mythologie der Germanen nur wenig bekannt. Die Glaubensvorstellungen der germanischen Völker gingen mit der Christianisierung verloren oder im jeweiligen Volksglauben auf.

Historische Quellen

Die frühesten bekannten Fragmente der germanischen Mythologie finden sich um etwa 2000 v. Chr. in alten Felsritzungen wie den bronzezeitlichen von Buhlän sowie in Runeninschriften und Bildsteinen. Ebenso fand man sie in späthistorischen Gräbern und Zeichnungen, vorallem an heiligen Stätten. Allerdings sind diese Petroglyphen oft mehrdeutig und gewähren keinen festen zeitlichen Anhaltspunkt, und lassen sich auch nicht immer, zumal auf südgermanischem Boden, sicher als Zeugnisse der germanischen Mythologie feststellen.

Erst nach Berührung der Römer mit den Germanen erhielten antiken Geschichtsschreiber wie Caesar, Tacitus und Plutarch bestimmte Nachrichten über deren Religion. Sie überlieferten in ihren Schriften die wichtigsten Berichte über die Glaubensvorstellung der Germanen. Allerdings sind auch sie, abgesehen von den Bemerkungen Cäsars und Tacitus', nur gelegentlich eingestreut. Das meiste verdanken wir Tacitus in seiner Germania. Doch auch andere Historiker wie Walahfrid Strabo (809-849), Ammianus Marcellinus, Dio Cassius, Prokop u. a. berichteten über die germanischen Glaubensvorstellungen.

Votivsteine, die nach römischem Vorbild errichtet wurden, erwähnen öfter heimische Lokalgottheiten. Nach der Völkerwanderungszeit setzen auf südgermanischem Gebiet die Lebensbeschreibungen der Missionare ein, die vielfach altes Heidentum berühren, bald darauf auch die Geschichten germanischer Stämme und die kirchlichen und weltlichen Satzungen, die gegen heidnischen Brauch eiferten [2].

England

Für die Angelsachsen bietet Beda Venerabilis reichen Stoff. Dazu kommen literarische Erzeugnisse wie der 2. Merseburger Zauberspruch, Beowulf, oder einzelne Inschriften, wie auf der Nordendorfer Spange. In der späteren Volksdichtung lebte vielfach altes Heidentum fort, heidnischer Ritus erhielt christliches Gewand oder vererbte sich in volkstümlicher Sitte und Brauch durch die Jahrhunderte bis zur Gegenwart weiter. Zuweilen wurden diese überlieferten Traditionen durch andere (wie z.B. keltische) Elemente beeinflußt oder bildeten sich in Anlehnung an alte Bräuche weiter.

Skandinavien

Um einiges reichhaltiger als bei den Westgermanen finden sich historische Quellen zur germanischen Mythologie in Skandinavien. Hier sind es vor allem die Islandsagas, die häufig ein lebendiges Bild vom nordgermanischen Heidentum im 9. und 10. Jh. geben. Die meisten Kenntnisse über die germanische Mythologie wurden durch die altnordische Literatur (Island, Norwegen) gewonnen, die von christlichen Historikern aufgezeichnet wurde. Ergänzt werden diese Zeugnisse durch die Kommentare des dänischen Historikers Saxo Grammaticus und die Schriften des Chronisten Adam von Bremen dar, der um 1100 lebte. [3] Auch Runeninschriften, Orts- und Personennamen liefern Stoff.

Zu diesen direkten Zeugnissen gesellt sich die reiche isländisch-norwegische Dichtung, die Eddalieder und die Skaldengedichte, die neben den mythologischen Darstellungen in ihren poetischen Bildern, den Kenningar, eine Fülle religionsgeschichtlichen Stoffes bieten. Dazu zählen z.B. die Prosa-Edda (Snorra-Edda), die Lieder-Edda und spätere Sagen. Die Prosa-Edda aus dem 13. Jh. enthält die erste systematische Darstellung altnordischer Religion und Mythologie (vgl. Gylfaginning, Mythologie). Wie auf südgermanischem Gebiet eiferten auch bei den Nordgermanen häufig gesetzliche Bestimmungen gegen die Überreste alten Heidentums, die trotzdem in den Sitten und Bräuchen, in Volksliedern und Sagen bis zur Gegenwart noch vielfach fortleben.

Glaubenswelt

Ursprünglich waren die Glaubensvorstellungen der Germanen eng mit einem ausgeprägten Ahnen- und Totenkult verbunden. Auch die Verehrung der Naturgewalten war von herausragender Bedeutung im Weltbild dieser Gesellschaften. Die germanische Mythologie kennt Zwerge, Alben und die Nornen, welche das Schicksal der Sterblichen bestimmten. Ferner gab es persönliche Geister, wie z. B. die Fylgjur und die Hamingja.

Die Germanen glaubten, dass die beiden Göttergeschlechter Asen und Vanen untereinander Krieg geführt und sich dann zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hätten. Odin war ursprünglich der Herrscher der Asen, die sich aus mindestens zwölf Göttern zusammensetzten. Alle Götter lebten zusammen in Asgard. Neben Odin waren die Hauptgottheiten der germanischen Mythologie:

  • Seine Gemahlin Frigg, Göttin des häuslichen Lebens;
  • Thor, Gott des Donners, welcher die Menschen und die anderen Götter vor den Riesen beschützte und bei den germanischen Kleinbauern besonders beliebt war
  • Freyr, Gott des Wohlstandes; und
  • Freyja, Schwester des Freyr, Göttin der Schönheit und der Fruchtbarkeit, die mit einem Katzengespann dargestellt wurde.

Andere Götter waren Baldr, Hermodt, Tyr, Bragi und Forseti sowie die Göttinnen Idun, Nanna und Sif. Das Prinzip des Bösen unter den Göttern wurde durch Loki verkörpert. Viele dieser Gottheiten scheinen keine speziellen Funktionen innezuhaben. Sie tauchen lediglich als Gestalten in Mythen auf.

Spezielles

Der Kult des Götterherrschers und Kriegsgottes Odin, der auch mit Gelehrsamkeit, Weisheit, Dichtkunst und Magie in Verbindung gebracht wurde, war von Westgermanien bis nach Skandinavien bekannt. Lokale Götter, wie der Fruchtbarkeitsgott Njörd, sowie Ull und Heimdall, verloren im Lauf der Zeit an Bedeutung. Ihre Stellung nahm Odin ein.

Viele Helden galten als Nachkommen der Götter. Es sind u. a. Sigurd der Drachentöter, Hadding, Starkad und die Walküren. Die Walküren, eine Gruppe jungfräulicher Kriegerinnen, zu denen auch Svava und Brunhild zählten, wählten dem Odin die in der Schlacht gefallenen Krieger aus und brachten sie nach Walhalla. Tagsüber übten sich die Krieger im Kampf, abends versammelten sie sich zum gemeinsamen Mahl bis zum Ragnarök. An diesem Tag sollte es zur letzten Weltschlacht kommen, welche den Untergang der Götter und die Errichtung einer neuen Herrschaft des Friedens und der Liebe zur Folge haben würde. Gewöhnliche Sterbliche wurden nach ihrem Tod von der Göttin Hel in einer unterirdischen Welt aufgenommen, in der es keine Freude gab.

Schöpfungsmythos

Die Nordgermanen glaubten an die Schöpfung des Kosmos durch die Götter aus dem Urriesen Ymir. Sie erschufen ebenso die der Menschen, Ask und Embla. [Anm. 1], als drei an der Küste entlangwandernde Asen dort zwei angetriebene Baumstämme mit menschenähnlichem Aussehen fanden und beschlossen, ihnen die Farben des Lebens, Stimme und Atem zu geben. In der Glaubensvorstellung der Nordgermanen war allerdings ebenso der Ragnarök, der Weltenuntergang verankert, in dem Asen und Riesen den letzten großen Kampf ausfochten. Doch war es kein Ende im eigentlichen Sinn, denn aus den Wassern würde sich schließlich eine neue Erde erheben.

Aufteilung der Welten

Die Edda-Lieder beschreiben die neun Welten des Weltenbaumes Yggdrasil. Sie bestehen aus einer jeweils dreifachen Gliederung:

Literatur

Die wichtigsten literarischen Quellen der germanischen Mythologie sind:

  • Lieder-Edda aus dem "Codex Regius". Die Lieder-Edda geht zurück auf eine alte Handschrift, den Codex Regius. Diese in das Jahr 1270 datierte Handschrift, wurde um 1640 aufgefunden und enthält Dichtungen und die Lieder-Edda.
  • Chroniken antiker Autoren: Tacitus (Annalen, Historien, Germania), Plutarch, Jordanes und Procopius (De bello Gothica), Caesar (De bello gallico), isländische Sagaliteratur

Die Verfasser dieser Literatur sind anonym. Zumeist waren isländische Mönche vom 9. Jh. bis ins 13. Jh. an der Niederschrift, regionaler mythologischer Überlieferungen beteiligt. In den erhaltenen Überlieferungen mischen sich Mythen, Rechts- und Sprichwörter, Gebete und magische Formeln. Der größte Teil dieser schriftlichen Überlieferungen geht auf die Nordgermanen zurück. Die Mythen der Kontinentalgermanen sind nur in Resten überliefert, da die große Bibliothek des kontinentalgermanischen "Heidentums", die Karl der Große sammeln ließ, von seinem Sohn Ludwig dem Frommen verbrannte wurde. Damit wollte er die Christianisierung der Germanen vorantreiben.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Altgermanische Weltanschauung, Prof. Dr. Gustav Neckel,
  2. Indiculus superstitionum; Burchard von Worms, Die Bußordnungen
  3. Kunstwissen.de: Germanische Mythologie

Anmerkungen

  1. Dass am Anfang der Menschheit als solches, ein Paar stand, kommt in mehreren alten Glaubensvorstellungen rund um die Welt vor. Vgl. dazu auch die Bibel: Adam und Eva, die Dogon-Legende aus Afrika: Amma und Nommo, oder Chinesischen Mythologie: Nüwa und Fuxi / Ying und Yang

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