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Auf die Historiographien der Karolingerzeit folgte nach dem Niedergang des Frankenreiches und dem Ende der Karolinger von 911 bis 1024 die Geschichtsschreibung der Ottonenzeit.

Beschreibung

Mit dem allgemeinen Verfall des Karolingerreiches sank auch die Geschichtsschreibung im größeren Stil von der Höhe herab, die sie während der Karolingischen Renaissance gewonnenen hatte. Diese Blüte hatte sich aufgrund der Einheit des Reiches, der Macht Karls des Großen (747-814) und den durchgesetzten Frieden entfalten können.

Doch nach 843 war das Frankenreich zersplittert, wurde von inneren Kämpfen sowie den Einfällen von Wikingern, Ungarn, Dänen und Slawen geplagt. Es kursierten Seuchen, Hungersnöte und all die anderen Schrecken des Krieges. Übergriffe der Laienfürsten, Beraubungen der Kirchen, Verschleuderung ihrer literarischen Schätze, Zerstreuung, Verwilderung der Mönche und Weltgeistlichen... All diese Elemente trugen zum Schwinden der feingeistigen Kultur und mit ihr der Historiographie bei.

In einigen der alten Bildungstätten wurden die Studien in früherer Weise fortgepflegt, so daß die Fäden der Geschichtsschreibung von der karolingischen zur ottonischen Epoche nie ganz abrissen. Und z.B. im Kloster St. Gallen erschienen dem späteren Ekkehard IV. von St. Gallen eben diese Zeiten in einem von Sehnsucht verklärten Licht. Aber hier, genau wie im Kloster Reichenau, Lüttich usw. standen Grammatik, Rhetorik und Dialektik im Vordergrund der Studien, und wenn sie auch die formalen Vorbedingungen schufen, so führten sie ohne äußere Anregung noch keineswegs zur Geschichtsschreibung, sondern lenkten eher sogar von ihr ab. In der Übergangszeit vom Frühmittelalter zum Hochmittelalter fehlte solcher Anstoß völlig. In den Wirren jener Tage verkroch man sich am liebsten hinter die Klostermauern und war froh, wenn man nicht durch Ungarnüberfälle oder herzogliche Gewalttaten gestört wurde.

So war die erste Hälfte des 10. Jhds. die weitaus unfruchtbarste Epoche der deutschen Historiographie, seit die rechtsrheinischen Gebiete ins Licht der Geschichte traten. Mit einigen Verlusten war von Natur aus zu rechnen. So überdauerte z.B. von einer in Regensburg zu Lebzeiten des Herzogs Arnulf I. von Bayern (907–937) geschriebenen Chronik (921-937) nur noch ein kurzes Bruchstück mit scharfer Tendenz gegen Heinrich I. (Ostfrankenreich). Auch ein Buch des Abtes Hartmann von St. Gallen (922 bis 924) über die Geschichte seiner Zeit ging gänzlich verloren.

Besonders reichhaltig aber waren diese und andere Werke kaum; denn die kurzen annalistischen Aufzeichnungen, die vereinzelt vorgenommen wurden, in Köln und St. Maximin bei Trier, in Regensburg und Salzburg, besonders in den schwäbischen Klöstern: Weingarten, Einsiedeln, St. Gallen und Reichenau, sind von erschreckender Dürftigkeit. Diese Chroniken unterscheiden sich in ihrer Qualität stark von den karolingischen Leistungen auf diesem Gebiet! Doch bei der herrschenden Verwirrung war es anscheinend unmöglich, fortlaufende Kunde aus einem weiteren Umkreis zu erhalten.

Aufschwung unter Otto dem Großen

Auch als die ersten beiden sächsischen Herrscher, Heinrich der Finkler (876-936) und Otto I. der Große (936–973), das Reich neu gründeten, festigten und ausdehnten, gebührte ein Menschenalter lang dem Schwert der Vorrang vor der Feder. Erst um die Mitte der fünfziger Jahre des 10. Jhs. waren die Bürgerkriege eingedämmt und die äußeren Feinde niedergeworfen. Das Ostfrankenreich stand überlegen unter den anderen europäischen Staaten, und mit dem Erwerb Italiens (951) und der Kaiserkrönung Otto I. (962) stieg es als "Heiliges Römisches Reich" zur Hegemonie in Europa auf: Es gab Helden und Großtaten genug, um die Phantasie zur historischen Gestaltung wieder anzuspornen.

Zugleich weitete sich der Blick, denn mit den Ottonen als neue Herrscherdynastie war nun wieder ein Mittelpunkt geschaffen, an dem Nachrichten aus dem gesamten Abendland von Byzanz und Rußland bis Córdoba zusammenströmten, um von da durch verwandtschaftliche, amtliche oder persönliche Beziehungen zu den Bildungszentren weiterzudringen. Es war die große kulturelle Aufgabe dieser neu anbrechenden Friedenszeit, die Geisteswissenschaften neu zu beleben und an die karolingischen Überlieferungen anzuknüpfen.

Zugleich drangen sie nun auch in jene östlichen Gebiete vor, in denen sie bis dahin noch nicht festen Fuß gefaßt hatten. Dieser kulturelle Aufschwung sicherte vor allem den kirchlichen Bildungsinstituten die materielle Grundlage und erweckte den litarischen Geist aufs Neue. Unter Otto dem Großen nahm sich vor allem sein hochbegabter Bruder Brun von Köln (925-965) zuerst als Kanzler und an der Hofschule, dann als Erzbischof in Köln und als Herzog von Lothringen dieser Aufgabe an. Er zog aus Italien und Frankreich die besten Köpfe zur Hilfe herbei und auch die feingeistlich gebildeten Frauen des königlichen Hauses taten das ihrige.

Wilhelm von Mainz und Umkreis

In eine Abschrift der Reichenauer Annalen trug Erzbischof Wilhelm von Mainz (929-968), Sohn des Kaisers, eigenhändig Notizen für die Jahre 953 und 954 ein und bekundete schon dadurch sein geschichtliches Interesse. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß dieser Mann, dessen Name mit den besten Geschichtswerken seiner Zeit verbunden ist, auf historiographischem Gebiete ähnlich befruchtend wirkte, wie Brun von Köln auf demjenigen der formalen und theologischphilosophischen Studien. Auch wenn Liutprand von Cremona (920-972) seine "Antapodosis", das "Liber antapodoseos" („Buch der Vergeltung“) ohne Beeinflussung durch Wilhelm verfaßt hat, so ist doch seine "Historia Ottonis" ohne unmittelbare Beziehung zur Reichskanzlei undenkbar.

Ein naher persönlicher Vertrauter Wilhelms aber war Adalbert von Magdeburg (910-981), der Verfasser desjenigen Geschichtswerkes (Continuatio Reginonis ), das an Objektivität, Sehweite und politischem Urteil alle anderen Historien der Zeit übertrifft und einzig in der gesamten ottonischen Epoche Erinnerungen an die karolingischen Reichsannalen wachruft. Für Erzbischof Wilhelm von Mainz bestimmt war die "Gesta Ottonis" (Die Taten Ottos) der Hrotsvit von Gandersheim (um 935-973), die formale Bearbeitung eines früheren Geschichtsstoffes, der vielleicht von Wilhelm selbst verfaßt wurde.

Widukind von Corvey

Auch auf sächsischem Boden begann nun die Historiographie Früchte zu tragen. Basis waren dabei zuerst die Sagen des sächsischen Stammes. In der Widerspiegelung von deren Eigenart und der lebensvollen epischen Gestaltung eines bedeutenden Stoffes darf die Sachsenchronik des Widukind von Corvey, die "Rerum gestarum Saxonicarum libri tres", trotz aller Befangenheit als die charakteristischste und künstlerisch höchststehende historiographische Leistung der Epoche gelten. An vier verschiedenen Stellen des Reiches war so innerhalb eines Jahrzehnts (zur Abfassungszeit von Widukinds Chronik) und nicht zufällig die Geschichtschreibung zu neuem Leben erblüht, so daß die Ereignisse der fünfziger und sechziger Jahre in ganz anderem Maße überliefert wurden, als die der vorhergehenden Zeiten.

Dennoch kann von einer Hochblüte der Historiographie nicht entfernt die Rede sein. Ein Werk etwa wie das der Hrotsvit von Gandersheim würde in Epochen von reicherer Produktion historisch kaum Beachtung finden. Was die Stärke aller dieser Arbeiten als Quellen ausmacht, sind die Beziehungen zum Kaiserhof, die andrerseits auch ihre Schwäche sind, die nun viel stärker als in der reicheren und vielseitigeren karolingischen Produktion empfundene Einpoligkeit der Auffassung, die völlig dynastisch mit mehr oder weniger starker kirchlicher Färbung ist.

Der friedenschirmende Herrscher ist stets im Recht, jeder Widerstand gegen ihn verwerfliche Anmaßung, die nur bei Mitgliedern des Königshauses insofern entschuldbar ist, als sie wider Willen vom Teufel zu dieser Rolle angestiftet sind. Dadurch haftet ein stark legendarisches Moment dieser Geschichtsschreibung an, von dem Forscher sich mangels fast aller gegenteiligen Äußerungen noch heute nur schwer befreien können. Es hängt eng damit zusammen und spricht stark für den Einfluß des Wilhelm von Mainz, daß der Drang zur Reichsgeschichtschreibung weder selbständig, noch allgemeiner vorhanden war, und dass er von dem Augenblick an wieder versiegte, wo er von oben herab nicht mehr hervorgerufen und gegängelt wurde.

Aufschwung der Hagiographie

Erzbischof Wilhelm von Mainz (929-968) scheint bei Hofe keinen Nachfolger seiner historischen Interessen gefunden zu haben, und so ist es wohl nicht gänzlich Zufall, daß mit dem Jahr seines Todes (968) auch die Geschichtsschreibung im Heiligen Römischen Reich wiederum völlig erlischt. Schon die letzten Jahre Ottos I. (912-973) gingen in dieser Hinsicht fast leer aus. Unter seinem Nachfolger nahm die Allgemeinbildung zwar zu, und Otto II. (955-983) selbst war bereits ganz anders literarisch vorgebildet und interessiert, als sein Vater.

Aber unter dem Einfluß der fremden Frauen bei Hofe wie Kaiserin Adelheid von Burgund (931–999) und der Byzantinierin Theophanu (ca. 960-991), ausländischen Gelehrten wie Gerbert von Aurillac (um 950-1003) mit seiner vorwiegend philosophisch-mathematisch-astronomischen Richtung, und der wachsenden Beziehungen zu Italien konnte sich die heimische Geschichtsschreibung nicht weiter entfalten. Es kam hinzu, daß die kurze und nicht immer erfolgreiche Regierung Otto II. keine neuen Großtaten brachte. Unter seinem kindlichen Nachfolger Otto III. trat zunächst neue Verwirrung ein, dann aber verlor sich der schwärmerische Knabe zum Verhängnis des Reiches mehr und mehr in unpolitische, undeutsche Bahnen.

In solchen Zeiten schwand der kaum erwachte Sinn für die Reichsgeschichte wieder, das Interesse am Staatsleben und den weltlichen Ereignissen trat zurück, und eine andere Richtung, die seit Beginn des Jahrhunderts langsam, aber stetig Boden gewonnen hatte, gelangte zeitweilig fast zur Alleinherrschaft: es war die kirchlich-asketische Hagiographie mit dem Ziel der Weltflucht, womöglich des Martyriums. Für eine politische und dem Diesseits zugewandten Geschichtsschreibung war diese Strömung der ungünstigste Fall; denn wozu die Geschicke dieser Welt aufzeichnen, wenn man sie nur als lästiges Durchgangsstadium zu Höherem betrachtete?... Weiterlesen.

Die Zeit Heinrichs II.

Es ist bezeichnend für die bei aller kirchlichen Frömmigkeit doch realistisch-nüchterne Politik Heinrichs II., daß unter ihm wieder eine Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinne einsetzt, die nun besonderes Gewicht auf Tatsachenmaterial legte und damit ihre Aufgabe im Wesentlichen erfüllte. Ein Zusammenhang mit der Dynastie ist auch jetzt vorhanden, aber doch viel lockerer als in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts; er schließt zeitweilige Gegnerschaft gegen die Politik der Krone nicht mehr aus und gestattet dadurch gelegentlich ein tiefer eindringendes Verständnis als in der früheren Epoche. Doch obwohl Heinrich als neuer römisch-deutscher König von Bayern ausgegangen war, blieb Süddeutschland für die Geschichtsschreibung dieser Tage merkwürdig unfruchtbar, während Sachsen den Vorrang behauptete.

Die vollkommenste Widerspiegelung damaliger Ereignisse, Zustände und Stimmungen bietet die umfangreiche Sachsenchronik (die Chronicon sive Gesta Saxonum) des Bischofs Thietmar von Merseburg von 1012-1018. Sie ist für die sächsische Epoche von ähnlicher Bedeutung, wie das Werk Gregors von Tours für die frühere Merowingerzeit.

Jahrbücher

Doch während bei der Sachsenchronik des Thietmar von Merseburg das Interesse am Geschichtsstoff überwiegt, bevorzugte man anderenorts wieder die rein annalistische Aufzeichnung. So waren schon im 10. Jh. waren die Hersfelder Annalen (bis 994) entstanden, die heute zwar verloren, aber aus einer Reihe späterer Ableitungen zu erschließen sind.

Eine um 997 danach gefertigte Abschrift kam nach Quedlinburg und wurde hier im Exzerpt die Hauptgrundlage der inhaltsreichen Quedlinburger Annalen (984 bis 1025), für die aus einer glossierten Handschrift des Beda Venerabilis auch Auszüge zur deutschen, insbesondere thüringischen Heldensage gewonnen wurden (mit dem berühmten Zusatz zu Dietrich von Bern: "de quo cantabant rustici olim").

Gerade in Quedlinburg aber betrachte man eine derartige Kompilation älterer Schriften eben nur als Einleitung zu wertvolleren zeitgenössischen Aufzeichnungen, denn hier hatte man durch vielfältige höfische Beziehungen reichste Gelegenheit, Kunde von der Gegenwart zu erlangen. Das Quedlinburger Stift war eine Gründung von Heinrichs I. Witwe Mathilde der Heiligen (895-968). Die historisch interessierte Tochter Ottos I. gleichen Namens war als Mathilde von Quedlinburg (955-999) die erste Äbtissin (966-999), in ihren letzten Jahren als Vertreterin ihres kaiserlichen Neffen Otto III. geradezu Regentin des römisch-deutschen Reiches. Die schon von ihr gegebenen Anregungen wurden unter ihrer Nachfolgerin Adelheid I. von Quedlinburg, der Schwester Ottos III., zur Ausführung gebracht.

Ein Geistlicher schuf sich in der ebengenannten Kompilation einen Grundstock für eigene Zusätze und weitere Fortführung. Eine Lücke der Überlieferung, die die Jahre 961 bis 983 umfaßt, läßt sich aus den späteren Magdeburger Annalen (Annales Magdeburgenses), die die Quedlinburger Annalen benutzten, einigermaßen ergänzen. 993 redet der Verfasser bereits als Augenzeuge, und von da an führen immer reichere, bald ziemlich gleichzeitige Jahreseintragungen mit heftigen Angriffen gegen die Klosterreformpolitik Heinrichs II. bis 1016 fort. Ein Verehrer dieses Kaisers setzte nach kurzer Überleitung das Werk von etwa 1020 ab ebenso stoffreich fort. Mmit dem Jahre 1025 bricht es in der Überlieferung unvollständig ab (MGH. III 22 ff).

Man tut den Verfassern allerdings Unrecht, wenn man ihre Leistung mit den karolingischen Reichsannalen vergleicht. Wohl war in Quedlinburg beste Gelegenheit, über Reisen, Gesundheitsverhältnisse, kirchliche Feiern, Hoftage und Kämpfe der Herrscher auf dem Laufenden zu bleiben. Diese Quelle wurde sorgfältig ausgeschöpft, und bietet eine reiche, fast unbedingt zuverlässige, chronologisch genaue Nachrichtenübermittelung. Aber eine offiziöse Geschichtschreibung ist das bei aller Verehrung für das Haus der Liudolfinger nicht, vielmehr ehrliches Klostergewächs lokaler Färbung, aber ohne eigentliches Verständnis für die realen Weltverhältnisse, die Verknüpfung der Dinge, geschweige für die große Politik, in dieser Hinsicht kann man nicht einmal die Fortsetzung des Adalbert von Magdeburg (910-981) der Continuatio Reginonis als solche Geschichtschreibung ansehen.

Nur eine wertvolle Biographie, die man kaum noch eine Heiligenvita nennen kann, brachte Sachsen in diesem Zeitabschnitt hervor: Thangmars (ca. 940-1007) Vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis (das Leben des Bischofs Bernward von Hildesheim, des Erziehers Ottos III.); auch sie verrät durch die Einfügung einer längeren Schrift über den Gandersheimer Kirchenstreit jenes sachliche Interesse, das die vorher genannten Werke charakterisiert.

Lothringen

Neben Sachsen hatte damals nur Lothringen eine reichere Geschichtschreibung aufzuweisen. Die ältere Kultur dieses Gebiets, durch die Bemühungen Bruns von Köln (925-965) neu belebt, machte sich wieder geltend; aber trotz des Reichtums an historischen Schaffens, erlangten sie nur mindere Bedeutung, weil sich jene Ländereien, längst in einer Art Sonderstellung, vom politischen Zentrum in Deutschland mehr und mehr zu entfremden begannen. So kam es hier zu einer ausgeprägten lokalen Geschichtschreibung, die sich später noch weit üppiger entwickelt hat. Die niemals völlig abgebrochene Traditionen lenkten hier den Blick vielfach bis in die Merowingerzeit zurück und riefen wissenschaftliche Leistungen hervor, die an gelehrter, auf den Urkunden aufgebauter Forschung vereinzelt die zeitgeschichtlich unendlich wichtigeren Werke des östlicheren Deutschlands übertreffen.

Das gilt wenigstens von den noch dem 10. Jh. angehörenden Werken des Abtes Folcwin von Lobbes (935-990), mit denen die nur bis 667 reichende Lütticher Bistumsgeschichte (Gesta episcoporum leodiensium) seines Nachfolgers, des Abtes Heriger von Lobbes (990-1007), sich ebensowenig messen kann, wie die ältere, kurz nach 916 geschriebene Verduner Bistumsgeschichte (Gesta episcoporum Virdunensium) des Dompropstes Berthar (bis 887). Die bis 982 geführten Annalen von Lobbes stellen im wesentlichen eine Kompilation älterer Quellen dar; ihre Fortführung in Lüttich (seit 1000) ist nur noch aus späteren Ableitungen zu erkennen. Ebenso provinziell beschränkt ist die Schrift des Alpert von Metz († 1024) über den Wechsel der Zeiten (De diversitate temporum libri II) aus den letzten Jahren Heinrichs II. und die Aufzeichnung desselben Autors über Bischof Dietrich I. von Metz († 984) leitet uns wieder zur Biographie.

Wir lernten da schon die älteren Viten der lothringischen Reformäbte kennen. Auch während der Regierung Heinrichs II. (1002 bis 1024) hat es in diesen westlichen Gebieten an tüchtigen Werkchen der Art nicht ganz gefehlt. Einer der interessantesten Berichte ist die Vita Kaiser Heinrichs II. von Bischof Adalbald II. von Utrecht (1010 bis 1026), die Vita Heinrici II. imperatoris. Sie reichte ursprünglich bis 1012, blieb, wenn die Zuweisung richtig ist, jedoch nur in ihrem Anfang bis 1004 erhalten und ist bis dahin verhältnismäßig dürftig, da sie nur eine rhetorische Umschreibung der Angaben des Thietmar von Merseburg (975-1018) bringt, dem sie Schritt für Schritt folgt (MGH. IV 679 ff.). Wenn es aber zutrifft, daß Adalbald seit 1005 eine Zeitlang in der Reichskanzlei tätig war, so dürfte sie in dem verlorenen Teile wohl selbständiger und bedeutender gewesen sein.

Die legendarische Umformung von Heinrichs Leben erfolgte erst später in Bamberg. Verloren ging die Biographie des Abtes Erluin von Gembloux, die kurz nach seinem Tode (987) der Mönch Richarius verfaßt hat. Das Talent zu einem tüchtigen Biographen besaß auch Abt Konstantin von St. Symphorian in Metz, der um 1012 die kurze Vita des Bischofs Adalbero II. von Metz (984-1005) schrieb (MGH. IV 658 ff.).

Franken

Aus dem benachbarten Franken ist die Lebensgeschichte des Bischofs Burchard von Worms (1000-1025), des gelehrten Kanonisten und Erziehers Konrads II. anreihen, die Vita Burchardi episcopi Wormatiensis. Sie wurde zwischen 1025 und 1027 von einem nicht sicher nachweisbaren, für die letzte Zeit aber gut unterrichteten Verfasser niedergeschrieben (MGH. IV 829 ff.).

Werke

Verwandte Themen

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Die Werke Luidprands von Verona. Joseph Becker. 3. Aufl., Hahnsche Buchhandlung, Hannover/Leipzig 1915. In: MGH. SS rer. Germ. (Digitalisat)
  2. Rerum gestarum Saxonicarum libri tres (Sächsische Geschichte in drei Büchern). Widukind von Corvey, um 967-973. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB.
  3. Carmen de gestis Oddonis I imperatoris (Dichtung von den Taten Kaiser Ottos I.). Hrotsvit von Gandersheim, um 960-973. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  4. Chronicon sive Gesta Saxonum (Geschichte der Sachsen). Thietmar von Merseburg, 1012-1018. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  5. Vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis (Leben des Bischofs Bernward von Hildesheim). Thangmar von Hildesheim, um 1019. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  6. Gesta abbatum S. Bertini Sithiensium (Taten der Äbte von St-Berti). Folkwin von Lobbes, 962. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  7. Gesta abbatum Lobbiensium (Taten der Äbte von Lobbes). Folkwin von Lobbes, 980-985. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  8. De diversitate temporum libri II (Über die Zeitläufte, in zwei Büchern). Alpert von Metz, 1021-1025. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  9. De episcopis Mettensibus libellus (Über die Bischöfe von Metz). Alpert von Metz, 1000-1025. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB
  10. Vita Heinrici II. imperatoris, ed. Georg Waitz, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores (in folio) 4, Hannover 1841, Nachdruck 1982, S. 679–695 (Digitalisat)
  11. Vita Burchardi episcopi Wormatiensis (Leben des Bischofs Burchard von Worms).Ebbo (?), 1025-1027. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB

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