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Glasherstellung

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Glas wird seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und Ägypten geschmolzen und verarbeitet. Die Römer brachten dieses Kunsthandwerk zu einer ersten Blüte. Sie verbreiteten die Glasmacherei in ihrem Reich rund um das Mittelmeer bis nach Galatien und ins Reinland.

Geschichte

Mit dem Untergang des Römischen Reiches geriet das Glashüttenwesen in Europa weitgehend in Vergessenheit und wurde erst zu Beginn des Hochmittelalters im Raum nördlich der Alpen wieder städtisches Handwerk.

Frühmittelalter

Bild - 820.jpg

Schautafel im Museum "Haithabu".

Spärliche handwerkliche Kenntnisse und einige wenige antike, lateinische Schriten halfen den Glasmachern in der fränkisch-merowingischen Zeit weiter.

Viele Fundumstände (z.B. aus Haithabu) deuten darauf hin, dass man importiertes Rohglas bzw. Glasbruch verarbeitete. Gefundene Perlen aus Glas vermitteln einen Eindruck von der virtuosen Beherrschung vielfältiger Verarbeitungstechniken. [1] [2]

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter entstanden dann in den waldreichen Gegenden Nordeuropas Glashütten, die meist zu großen Klosteranlagen gehörten. Es war charakteristisch für diese Hütten, dass ihre Öfen nur für durchschnittlich drei Monate betrieben wurden. Nach Abholzung der in der Nähe wachsenden Bäume und nach dem Verschleiß der Keramikhäfen suchten sich die Glasleute einen neuen Werkplatz.

Für die Farbe der Glasmasse bevorzugten die Glasmacher Grüntöne, die durch den natürlichen Eisenoxidgehalt der Rohstoffe entstehen. Daraus stellten sie vor allem Butzenscheiben, Tafelglas, Apothekengläser und Vorratsflaschen her. Nicht nur Adel und Klerus, sondern auch wohlhabende Bürger in den Städten und reiche Bauern leisteten sich kostbare Gläser, um ihre Tafel zu schmücken.

Renaissance

Im 16./17. Jh. entfaltete sich das Handwerk der Glasmacher zu voller Blüte. Die wichtigsten Glashütten lagen hauptsächlich im Spessart, in Hessen, im Thrüinger Wald, im Fichtelgebirge, im Ergebirge, im Bayrischen Wald, im Böhmischen Wald, in Lothringen, in Belgien und in Schlesien. Das einfache Gebrauchsglas unterschied sich kaum voneinander und landschaftlich bedingte Eigenheiten fielen - auch wegen der Mobilität der Glasmacher - weitgehend fort.

Glas aus Thüringen

Eine der bedeutenden Glasregionen in Mitteleuropa ist der Thüringer Wald, wo nachweislich seit dem 12. Jh. Glas hergestellt wird. Hier fanden die Glasmacher alle Materialien, die sie für ihr Metier benötigten: Das Holz aus dem Wald zum Feuern der Öfen, Quarzsand als Hauptbestandteil des Glases, Kalkstein zum Härten und Buchenholz zum Sieden der Pottasche als Flussmittel zum Absenken des Schmelzpunktes der Glasmasse.

Rodungen und Aufforstungen, Sandgruben und Wassermühlenanlagen wurden so prägende Elemente der Landschaft. Natur und Glaskultur sind hier untrennbar miteinander verwoben. Die ersten Glashütten waren Klöstern beigeordnet, die vor allem Fensterglas für ihre Kirchen und Fläschchen für Arznei benötigten. Es waren Wanderhütten, die nur kurze Zeit bestanden und ihren Standort wechselten, wenn der Wald rings herum abgeholzt war.

Erst im 16. Jh. entstanden um Glashütten herum Ortschaften. Langenbach und Fehrenbach waren die ersten dieser Gründungen. Etwas nach ihnen, 1597, kam Lauscha hinzu, das mit den Gemeinden in seinem Umland dann unter den zahlreichen Glasstandorten eine zentrale Rolle für das Thüringer Glas einnahm. Erst im 19. und 20. Jh. gesellten sich Jena und Ilmenau als bedeutende Zentren für optische und technische Gläser sowie für hitzebeständiges Haushaltsglas (Jenaer Glas) hinzu.

Am Anfang stand in der Thüringer Region das Waldglas. Vor allem Butzenscheiben, Apothekerfläschchen und einfaches Gebrauchsglas wurde seit dem Spätmittelalter in den Glashütten im Thüringer Wald hergestellt. Mit dem klaren Kristallglas begann die Glasveredelung: Mit Emaillemalerei, Glasschnitt und -schliff versehene Gläser und Pokale zierten seit Renaissance und Barock die Prunkräume bei Adel und reichem Bürgertum. Auch der gläserne Christbaumschmuck wurde in dieser Region, in Lauscha, erfundenen.

Glasherstellung

Für die Glasproduktion im Mittelalter mussten die Handwerker nicht nur das komplizierte Herstellungsverfahren, sondern auch die schwierige Chemie der Zuschlagstoffe für die Schmelze beherrschen. Daher sind Glasmacher heute wie damals Spezialisten. Die gezielte Färbung der Glasmasse ist bereits seit der Antike bekannt. Metalle oder metallische Verbindungen, oft Oxide, Sulfide, Selenide, Chromate, Nitrate u.a., die mit dem Gemenge geschmolzen werden, färben die Masse ein.

Element Zeit der Entdeckung Farbe
Antimon 1500 - 400 v.Chr. gelb, braun (opak)
Eisen 1500 - 400 v.Chr. gelb, grün, braun
Kupfer 1500 - 400 v.Chr. blau, grün, rot
Kobalt 1500 - 400 v.Chr. blau, grün
Mangan 1500 - 400 v.Chr. violett
Zinn 1500 - 400 v.Chr. weiß (opak)
Uran 1500 - 400 v.Chr. (1789) gelb
Gold 400 - 18. Jh. (1595) rot
Silber 400 - 18. Jh. (1595) gelb
Später kamen dann hinzu:
Element Zeit der
Entdeckung
Farbe
Nickel 1751 gelb, grün, blau
Titan 1791 violett
Chrom 1797 gelb, grün, blau
Vanadium 1801 grün, braun
Cer 1803 braun, gelb
Cadmium 1817 gelb, braun
Selen 1817 rosa, rot

Perlen - Herstellungsverfahren

  • Vorglühen des Hefteisens: Im Feuer eines Kuppelofens wir eine Eisenstenge, die sogenannte Heftstange zum Glühen gebracht.
  • Aufnahme des Rohglases: Mit der Spitze des glühenden Hefteisen nimmt der Handwerker ein Stück Rohglas auf, das in einer EisenPfanne angewärmt wurde.
  • Erhitzen des Glases: Das Glas wird im Zentrum des Ofens erhitzt bis es zähflüssig ist.
  • Aufwickeln des Glases: Auf dem Perldorn, einem Eisenstab mit konischer Spitze und Holzgriff, wird die zähe Glasmasse aufgewickelt. Schließt sich der Glasring um den Dorn, trennt ihn der Handwerker vom überstehenden Glasstrang ab.
Bild - 167.jpg

Perlen mit Rippen

  • Formen der Rohperle: Die Rohperle wird erneut erhitzt und auf einem glatten Stein durch Rollen in die gewünschte Form gebracht.
  • Verzieren der Perle: Mit einem Messer werden in die noch formbare Perle beispielsweise Rippen eingeschnitzt.
  • Warmhalten der Perle: Der Eisenstab des Perldorns zieht sich beim Abkühlen schneller zusammen als das Glas. So kann die Perle leicht abgestreift werden. Damit sie durch zu schnelles abkühlen nicht zerspringt oder Risse bekommt, wird sie in einem Tongefäß in der Glut eines Kohlefeuers warmgehalten.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Haithabu:Schaufenster einer frühen Stadt und Handels und Gewerbezentrum der Wikingerzeit, Hildegrad Elsner
  2. Corvus-Monedula: Fibeln und Perlen der Wikinger

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