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Die Gnomische Dichtung ist eine Gattung der Dichtung und kann in ihren einfachen Formen als gemeingermanisch vermutet werden. Diese kurzen Sinnsprüche sind im Allgemeinen für Einzelvorträge und Sprechstimme berechnet.

Beschreibung

Die gnomische Dichtung teilt sich in drei Unterkategorien:

  • a) Begriffs- und Gedankenformeln (auch Gesetzesverse)
  • b) Sprichwörter
  • c) Rätsel

Begriffs- und Gedankenformeln

Die kleinsten Einheiten der gnomischen Dichtung sind die Begriffs- und Gedankenformeln. Sie sind der Form nach metrisch geprägt und stabend. Sie durchziehen Prosa und Poesie, besonders reichlich im Altnordischen. Beliebt sind sie auch in manchen Rechtsquellen ('Gesetzesverse').

Nordische Beispiele zur Veranschaulichung der vielfältigen Spielarten sind u.a.:

  • liúft eða leitt (hvárki liúft né leitt usw.);
  • gefa ok gialda; vargr í veúm;
  • í heyranda hlióði;
  • sem faðir við son | eða sonr við foður;
  • niót heill handa!
  • meðan mold er | ok menn lifa.

Die beiden ersten und mehrere anderen Zwillingsformeln sind allen mittelalterlichen Quellen der gnomischen Dichtung gemeinsam.

Sprichwörter

Sprichwörter (anord. orðskviðr, málsháttr) bestehen aus einem oder zwei Kurzversen mit zum Teil freier Stabsetzung. Sie erscheinen im nordischen Raum in großer Menge, meist einzeln in Prosa, auch in Gedichten. Endreime sind dagegen verschwindend selten. Das Altenglische ist viel ärmer an solchen Sprichwörtern, und die wenigen deutschen stabenden Gnomenverse sind meist jung. Ein gemeingermanischer Bestand ist kaum vorhanden; vgl. wider gift sal man gábe warten mit Havamal (423, 1453); Wolfdietrich (A 374, 2) zwéne sint eines her mit Havamal (731); Havamal (761) deyr fé usw.

Sammelhaufen von Sprüchen, Lebensregeln usf. wie die altenglische Gnomica (darin auch ein paar Dutzend echte Sprichwörter, zum Teil metrisch verbogen) sehen buchmäßiger aus (wie der mittelhochdeutsche Freidank). Aus Nordeuropa kennen wir einzelne Sprichwortstrophen, die einen gnomischen Kern erläutern (ähnlich den mittelhochdeutsch Hergersprüchen), sowie größere, durchgeformte Spruchweisheitgedichte von wesentlich vorkirchlicher Haltung (Havamal I ff, 112 ff; Sigrdrifumal), zum Teil mit volkstümlicher Kehrreimgliederung: "das rat ich als erstes, ... als zweites" usw. Priameln zeigt zuerst von den mittelalterlichen Literaturen die eddische Spruchdichtung.

Rätsel

Rätsel (ahd. rátussa u. ä, as. rádisli, ae. rædels; anord. gáta) in stabreimenden Versen bilden die dritte Art der gnomischen Dichtung. Die zwei umfänglichen altenglischen Sammlungen sind nach Form und zum Teil auch Inhalt von der schlichten volkstümlichen Art weit abgerückt. Die wahren Vertreter vorliterarischer, außerkirchlicher Rätselkunst sind die drei Dutzend altisländische Strophen, die spruchhaft knappen Heidreksrätsel und manche richtige stabendem Volksrätsel. Das einzige, das im Süden formale Gegenstücke hat, das Kuhrätsel, weist auf eine nicht mehr rein stabreimende Grundgestalt.

Das deutsche Rätsel vom "Vogel federlos", das man stabend herzustellen versuchte, ist in lateinischer Umschrift aus dem 10. Jhd. bewahrt. Die Verbindung der Rätsel zur sagenhaften eristischen Szene, wie bei Heiðrek, ist etwas Jüngeres und hat mit heidnischen Priesterliturgien nichts zu schaffen; am jüngsten sind Rätselgedichte mit durchversifizierten Lösungen, wie das altdeutsche Traugemundslied.

Quellen

Einzelnachweise

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