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Goten

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Die Goten waren ein ostgermanisches Volk, das seit dem 3. Jahrhundert mehrfach in militärische Konflikte mit den Römern verwickelt war. Während der spätantiken Völkerwanderungszeit bildeten zunächst die West- und dann auch die Ostgoten eigene Reiche auf dem Boden des Imperium Romanum, die 711 bzw. 553 untergingen. [1]

Allgemeines

Die aus Schweden stammenden Goten siedeln zunächst an der Weichselmündung. Mit ihrer Abwanderung zum Schwarzen Meer lösen sie die 1. Germanische Völkerwanderung (um 150-180) aus. Dadurch werden die Burgunder nach Westen, die Vandalen nach Süden, die Markomannen über die Donau gedrängt, wo der römische Kaiser Marc Aurel sie in den Markomannenkriegen (166-175 und 177-180) besiegt. [2]

Ursprung

Ihrer eigenen Herkunftslegende zufolge entstammen die Goten der „umfangreichen Insel Scandza“ im nördlichen Eismeer. Von dort setzten sie einst zum Festland über wo sie im heutigen Polen an Land gingen. An den Ufern der Weichsel (Vistula) etablierten sie ihre zweite Heimat – Gothi-scandza [3]. Das archäologische Fundgut bestätigt die Saga.

Der gotische Umzug nach Polen steht in einer verblüffenden Zeitparallele zu jener gewaltigen Reisewelle die vor Zeiten auch die Kimbern, Ambronen und Teutonen aus dem Norden nach Süden spülte. Beide Auswanderungswellen datieren in die Zeit kurz vor dem Ende des 2. Jhs.v.Chr. Während die Kimbern von der Nordspitze Dänemarks loszogen verließen die Goten offenbar zeitgleich ihre südschwedische Heimat in Vesterund Östergotland und/oder auf der Insel Gotland. [4]

Zum Schwarzen Meer

Entlang von Weichsel und Dnjestr gelangten die Goten durch nur schwach dicht besiedelte Landschaften an den Gastlichen Pontus der Griechen, das Schwarze Meer. Wenn auch Zeitpunkt und genaue Route dieser Wanderung nicht exakt bestimmbar sind, die Präsenz der Goten am Schwarzmeer ist geschichtliche Realität. An dessen Nordküste errichteten sie zwischen Donau und Don (Tanao) eine machtvolle und weitreichende Herrschaft. Ihr späterer Chronist Jordanis erwähnt ihre Oberhoheit auch „über ... Völker Germaniens“ [5].

Allein diese Formulierung zeigt deutlich daß sich die Goten selbst nicht als Germanen definierten. Es war erst die spätere Geschichtsschreibung die aus ihnen Ost-germanen machte. Griechische wie römische Autoren hefteten ihnen statt dessen gerne das Attribut "skytisch" an. Ihr Expansionsdrang brachte die Goten oft und gut documentiert mit den Römern in Konflikt. Ihre eigene Chronik bemerkt dabei mit Stolz dass es den römischen Legionen jedoch nie gelungen sei die aus Skandinavien stammenden blonden und hochgewachsenen Krieger zu unterwerfen und von Rom abhängig zu machen [6].

Die Amaler-Dynastie

Der Gotenkönig Amala wird um 200 n.Chr. zum Stammvater einer ruhmreichen Königsdynastie – die Amaler. Als Amelungen wird ihnen noch ein Jahrtausend später im Nibelungenlied ein literarisches Denkmal gesetzt werden. Schon dem römischen Autor Tacitus war aufgefallen daß die Goten bereits in Polen eine weit straffere Königsherrschaft als andere Germanenvölker ausgebildet hatten [7]. Am Schwarzmeer wurde dieses Königtum dann offenbar weiter ausgeformt und entwickelt.

König Ostro-Gota

Unter einem Amalerkönig Ostro-Gota erreichte die gotische Herrschaft um 240 n.Chr. wohl ihre Blütezeit. Einen „glücklichen Frieden, ... für das Gotenvolk notierte dazu ihr Chronist [8]. Nach diesem Herrscher wurde danach das von ihm regierte Gotenvolk insgesamt als die Ostro-Goten benannt. Dieses Attribut hatte jedoch mit Osten noch keinerlei Sprachverwandschaft. 'Ostrum' bedeutet in griechischer Sprache die Farbe der Purpurschnecke (= ostrea) mit welcher kaiserliche Textilien eingefärbt wurden (= Ostrinus).

Dieser Purpur war gleichzeitig das Synonym für kaiserlich und blieb deshalb stets nur dem allerhöchsten Herrscherhaus vorbehalten. König Ostro-Gota war somit ein Kaiser-gleicher Herrscher der Goten aus der Dynastie der Amaler, ein Kaiser- oder eben Purpur-Gote. Der für ihn geprägte Titel blieb dann auch an der ihm zugehörigen Gefolgschaft, seinen Ostro-Goten haften. In den römischen Annalen werden sie auch als Greuthungen genannt. [9]

Dacien

In Rivalität zu den Ostgoten erscheinen später die westlich der Karpaten siedelnden Thervingen-Goten. Im einst römischen Dacien östlich der Donau und an der Theiß hatten sie die Vandalen vertrieben und dort selbst ein machtvolles Königtum etabliert. Von den ostro-gotischen Purpurträgern waren sie dabei offensichtlich unabhängig geworden. Mit Roms Kaisern standen sie seit Konstantin der Große (324- 37) in wechselhafter Beziehung.

Krieg, Friedensverträge und Bündnisse wechselten sich dabei in regelloser Folge ab. Doch ihre Nähe zum ersten christlichen Kaiser-haus der Römer kamen auch sie mit dem Christentum in Kontakt. König Rothestes und sein Sohn Attanarich sind die zuletzt bei ihnen genannten und regierenden Fürsten.

Während die Römer in jenen Tagen der eintausendjährigen Existenz ihrer Metropole wie auch ihres Staates ehrend gedachten überfiel der kaisergleiche Ostro-Gota mit seinen Heerscharen die römischen Provinzen Moesien und Trakien an Donau und Schwarzmeerküste (um 248 n.Chr.). Sein Erbe und Nachfolger Kniva vernichtete kurz danach ein ganzes Heer der Römer wobei auch deren Kaiser Decius getötet wurde (251).

Diese Ostro-Goten waren in der Tat zu machtvollen Gegnern und Rivalen der römischen Purpur-träger herangewachsen. Es war wohl auch ein Zeichen ihres Selbstbewußtseins welches sie mit dieser ihrer Eigendefinition im Namen zum Ausdruck brachten. So kaiserlich wie die römischen Augusti waren die gotischen Purpur-Herrscher und Könige allemal.

Das Ende der Purpur-Goten

Trotzdem fand deren kaisergleiches Imperium ein jähes Ende. Doch nicht die Legionen Roms sondern Reiterkrieger aus der asiatischen Steppe vernichteten um 375 n.Chr. Herrschaft und Reich der Purpur-Goten. Im Zenit ostro-gotischer Machtentfaltung stand König Hermanerich [10].

Jordanis, ein Chronist der gotischen Völker beschreibt den kaisergleichen Herrschaftsberreich dieses vorläufig letzten Amaler-Königs Hermanerich. Ausgreifend von seinem Machtzentrum in der südlichen Ukraine hatte er eine Vielzahl anderer Völker unter seine Oberherrschaftt gezwungen. Bis zu den Aesten an der Ostsee reichte sein starker Arm. Alle Slawen (Veneter, Anten, Sklavenen) waren unter sein Szepter geraten. Ebenso alle Völker Germaniens [11].

Dieser machtvolle Gotenkönig soll gar mit dem Grossen Alexander verglichen worden sein. Als er einhundertzehnjährig (!) starb wurde sein Imperium zur Beute der Hunnen. Die Epoche der Völkerwanderungszeit hatte begonnen.

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Quellen

  1. Wikipedia: Goten
  2. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.
  3. Jordanis, Gotengeschichte, I + IV
  4. Karl Heinz Stoll, Das Deutsche Sein Ursprung Und Mythos. Ein etymologisch-historischer Report.
  5. Jordanis, Gotengeschichte, XXIII
  6. Jordanis sow. Isidor v. S. = Bericht z. Lobe d. Goten, 67
  7. Germania, 44
  8. Jordanis, XVII
  9. J.v. Aschenbach u.a.
  10. Hermin / Irmin ist nach Tacitus einer der drei mythischen und göttlichen Stammväter aller Germanen – Hermanerich ist demnach ein >reiks< (=rex) des Gottes Hermin/Irmin, ein Gott-könig.
  11. Jordanis, Gotengeschichte XXIII

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