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Bischof Gregor von Tours (* 30. November 538 / 539; † vermutlich 17. November 594 in Tours) war ein bedeutender Geschichtsschreiber und Hagiograph. Seine berühmten Decem libri historiarum (oft Historia Francorum) gehören zu den wichtigsten Quellen für die Übergangszeit zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter.

Beschreibung

Gregor von Tours, eigentlich Georgius Florentius, war von sehr vornehmer gallo-römischer Herkunft, die einen Aufstieg im fränkischen Staat nicht ausschloß. Geboren wurde er um 538 in Clermont-Ferrand in der Auvergne und genoß eine gute, aber weniger grammatisch-rhetorische als kirchliche Erziehung.

573 erhielt er das Bistum Tours, dem seine Familie schon zahlreiche Vorsteher gestellt hatte. Zu Ehren seines Großvaters mütterlicherseits, Bischof Gregor von Langres und Graf von Autun (506/07–539/540), nannte er sich von da an "Gregor" und versah sein Amt bis zu seinem Tod 594.

Gregor war nicht nur Eiferer für den orthodoxen Glauben, und die Verehrung des fränkischen Nationalheiligen St. Martin, der seinem Bistum hervorragende Bedeutung verlieh, sondern auch ein sorgsamer und tüchtiger Verwaltungsmann. Er war ein Kirchenfürst, der seine unabhängige Haltung in äußerst schwieriger Lage, besonders unter Chilperich I., selbst der Krone gegenüber unerschrocken behauptete. Zuletzt, unter Childebert II. diente er als einflußreicher Ratgeber des Königs, voll lebhaften Anteils am Schicksal des Fränkischen Reiches.

Als Historiker stand Gregor ebenso beherrschend am Anfang der fränkischen Geschichtsschreibung zur Zeit der Merowinger. Da er sich trotz seiner senatorialen Abstammung mehr als Franke fühlte, machte ihn gerade das so geeignet als Darsteller jener chaotischen Übergangszustände des Merowingerreichs. Seine Frankengeschichte (Historia Francorum) bis 591 ist nicht nur die farbenfroheste und stoffreichste Geschichtsdarstellung des gesamten germanischen Altertums, sondern sie wurde auch formell von vorbildlicher Bedeutung für das Mittelalter durch die Übertragung des eindringlichen alttestamentlichen Stils auf die Historie.

Für die weitere merowingische Geschichtsschreibung war es immens wichtig, daß ein Werk wie die Frankengeschichte Gregors am Anfgang stand. Denn wie in einer Stadt ein edler alter Kunstbau Nacheiferung weckt, so hatte auch Gregors Werk Einfluss auf die nachfolgenden Zeiten. [1]

Als Schriftsteller

Gregor von Tours wurde durch seine historiographischen Werke eine bedeutende Quelle für die mittelalterliche Geschichtschreibung. Beachtenswert dabei sind dabei außer kleineren theologisch-lithurgischen Schriften z.B. seine "Acht Bücher der Mirakel" (Libri octo miraculorum), darunter vier von den Wundern des St. Martin. Abgesehen davon, daß sie eine kulturgeschichtliche Fundgrube sind, stellen im 7. Buche, dem "Liber vitae patrum", die 23 kleinen Biographien von heiligen Persönlichkeiten der nächsten Vergangenheit Galliens eine beachtenswerte historiographische Leistung dar.

Gregors berühmtestes Werk sind allerdings die "Decem libri historiarum" (Zehn Bücher (fränkischer) Geschichten), die das bedeutendste vorkarolingische Geschichtswerk im Übergang zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter darstellen. Einige Forscher sprechen dabei von der sprachlichen Kunstlosigkeit oder Unbeholfenheit Gregors und führen zur Bekräftigung seine eigenen bescheidenen Äußerungen an, denen seine Sorge um eine unveränderte Erhaltung des Werkes "Decem libri historiarum" gegenübersteht.

Dabei messen sie der Qualität des Lateins, seiner größeren oder geringeren Angleichung an die Sprache der Klassiker, eine übermäßig große Bedeutung für die Beurteilung mittelalterlicher Historiker bei. Gewiß erscheint seine an das Vulgärlatein angelehnte, von grammatischen und stilistischen Fehlern strotzende Sprache einigen Gelehrten zunächst roh und schlicht; trotzdem ist die Handhabung der Sprache insgesamt keineswegs ungewandt.

Gregor von Tours ÖNB 7496406.jpg

Bischof Gregor von Tours (Österreichische Nationalbibliothek, ÖNB)

Und wenn Gregor sich von den Mustern spätrömischer Rhetorik im Sinne der schlichteren Legendensprache bewußt abwandte, so geschah es, um einem anderen künstlerischen Vorbild zu folgen: den historischen Schriften des Alten Testaments, deren Erzählerton er geschickt nachahmte. So ist es nicht Kunstlosigkeit, sondern schlichtere und realere Sprache gegenüber den vielfach verkünstelten Produkten der vorhergegangenen Zeiten, die Gregors geschichtliches Werk als Spiegelbild der merowingischen Gesellschaft, mit Spannung und Freude lesen läßt.

Und gerade durch das erzählerische Vorbild, das er so schuf, wurde er auch formell für die Historie von größter Bedeutung , so dass ihm einige Gelehrte die ehrenvolle Bezeichnung eines "Herodot des Mittelalters" beilegen. [2][3]

Werke

  • Decem libri historiarum - Zehn Bücher (fränkischer) Geschichten (oft auch Historiae oder Historia Francorum).
  • Libri octo miraculorum (Acht Bücher der Mirakel)
    • Buch 1: Liber in gloria martyrum (Buch zum Ruhm der Märtyrer)
    • Buch 2: Liber de passione et virtutibus sancti Iuliani martyris (Buch über das Leiden und die Wunder des heiligen Märtyrers Julianus)
    • Bücher 3–6: Libri IV de virtutibus sancti Martini (Vier Bücher über die Wunder des heiligen Martin)
    • Buch 7: Liber vitae patrum (Buch vom Leben der Väter), 23 Biographien von heiligen Persönlichkeiten Galliens
    • Buch 8: Liber in gloria confessorum (Buch zum Ruhm der Bekenner)
  • Liber de miraculis beati Andreae apostoli (Buch über die Wunder des seligen Apostels Andreas), kurz vor 593 verfasst
  • Passio sanctorum septem dormientium apud Ephesum (Leiden der heiligen sieben Schläfer von Ephesos), eine lateinische Fassung der orientalischen Siebenschläferlegende
  • De cursibus ecclesiasticis (auch De cursu stellarum ratio), eine Abhandlung über die Beobachtung der Gestirnsbewegungen zum Zweck der Bestimmung der Gebetszeiten; im Zeitraum 575–582 verfasst
  • In psalterii tractatum commentarius (Psalmenkommentar; von diesem Werk sind nur Fragmente erhalten geblieben)

Quellen

Einzelnachweise

  1. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 205 ff. Art. Geschichtsschreibung
  2. Historische Zeitschrift, Ausgabe 107 (Internet Archive). Hrsg. Friedrich Meinecke. München R. Oldenbourg, 1911. S. 1: Studien zur mittelalterlichen Geschichtschreibung. 1. Gregor von Tours. Von Siegmund Hellmann.
  3. Dr. Karl Hampe (1869-1936), ord. Professor an der Universität Heidelberg.

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