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Als Hallstattzeit bezeichnet man einen Abschnitt der Frühen oder Älteren (vorrömischen) Eisenzeit in Mitteleuropa. Sie reicht von etwa 800 bis 450 v. Chr. und ist in einigen Quellen mit dem Beginn der Antike identisch. Abgelöst wird sie ab ca. 450 v. Chr. von der Frühlatènezeit. Die Hallstattzeit wurde im Jahre 1874 von dem schwedischen Prähistoriker Hans Hildebrand nach dem Gräberfeld oberhalb des Ortes Hallstatt im Salzkammergut benannt. [1]

Übersicht

Die Hallstattzeit wird (nach Paul Reinecke, 1902) in 4 Perioden unterteilt (Hallstatt A–D), die sich vom Ende der Bronzezeit bis in die Frühe Eisenzeit erstrecken.

  • HaA (1200–1000 v. Chr.) - Späte Bronzezeit.
    • Ha A1 - 1200–1100 v. Chr.
    • Ha A2 - 1100–1050 v. Chr.
  • HaB (1000–800 v. Chr.) - Späte Bronzezeit.
    • Ha B1 - 1050–950 v. Chr.
    • Ha B2/3 - 950–800 v. Chr.

Der Übergang zur Latènezeit wird mit dem Auftreten von Tierfibeln, Certosafibeln und Marzabottofibeln verknüpft.

Beschreibung

Magdalenenberg collier Hallstattzeit

Schmuck der Hallstattzeit: Bernstein-Collier aus Magdalenenberg.

Während in Ägypten das Eisen bereits um 1500 v. Chr. bekannt war, kam es, wie die Funde von Hissarlik-Troja, Tiryns und Mykenä lehren, selbst in den nachfolgenden Jahrhunderten nach Europa und dem vordern Kleinasien nicht in merkbarer Menge.

Häufig und in Massen tritt es in Europa erst in der Zeit zwischen dem 10. und dem 8. Jh. v. Chr. auf, ähnlich wie früher die Bronze ebenfalls in Formen, die deutlich auf Südwestasien als das Ursprungsland hinweisen. Diesen gesamten Formenkomplex nennen wir nach der ersten, berühmtesten und ausgiebigsten Fundstätte, einem reichen Flachgräberfeld auf dem Salzberg bei Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut, die "Hallstattkultur".

Zeitliche Eingrenzung

Als "Hallstattzeit" bezeichnet man in variierender räumlicher Ausdehnung die erste Eisenzeit Mitteleuropas und angrenzender Gebiete des Westen, Süden und Norden von ca. 1.200 bis um 400 v. Chr. Über die absolute Zeitlage dieser Periode gehen die Ansichten heute nicht mehr sehr weit auseinander. Montelius, der von allen Autoren die entlegensten Zeiträume annimmt, geht selbst für Mittelitalien nicht über das 11. Jh.v.Chr., als der Zeit der ersten protoetruskischen Eisenzeit, hinaus.

Die Hauptentfaltung der Periode fällt dann für den ganzen südlichen Kulturkreis der Hallstattzeit, also Oberitalien und Illyrien, in die Zeit von 900–400 v.Chr. Im Norden dauert die Hallstattperiode in dem vom Mittelmeer leichter zugänglichen Westen nur bis ins 5. vorchristliche Jahrhundert, im schroffer abgeschlossenen Osten dagegen stellenweise bis ins 3. vorchristliche Jahrhundert. Hoernes unterscheidet diesen Nordkreis in vier Gruppen:

  • (1) eine südöstliche: Ostalpenländer von der Adria bis zur Drau,
  • (2) eine mittlere: nördliche Ostalpenländer, Westungarn, Nieder- und Oberösterreich, Südböhmen und Mähren,
  • (3) eine nordöstliche: Oberpfalz, Nordböhmen, Nordmähren, Schlesien, Posen,
  • (4) eine westliche: Süd- und Westdeutschland, Nordschweiz und Ostfrankreich

Ausbreitung

Der Formenkomplex der Hallstattkultur umfasst die Alpenländer, das Donaugebiet, das südliche und südwestliche Böhmen, Teile von Mähren und Schlesien, Südwestdeutschland mit Württemberg, Baden und Bayern sowie einen großen Teil Frankreichs bis an die Pyrenäen. Auch sind die Balkanländer, Oberitalien und die Schweiz (in letzterm Land weist die Bronzezeitkultur der westschweizerischen Pfahlbauten Anklänge an die Hallstattperiode auf) von ihrem Einfluss nicht unberührt geblieben.

Die Hallstattzeit ist nur noch für die weniger fortgeschrittenen Völker Europas rein vorgeschichtlich, für die übrigen, die Griechen, Italiker und Etrusker, bedeutet sie das Hineinragen in eine bereits halbhistorische Zeit; jedenfalls sind diese Völker in ihren spätern historischen Sitzen auch schon damals ansässig. Dasselbe gilt auch für die Kelten und für die Illyrier; dagegen ist die Zugehörigkeit der nördlich der Alpen und gerade um Hallstatt wohnenden Bevölkerung noch kaum festzustellen.

Dieses Gebiet ist, wie der gesamte Norden der Balkanhalbinsel, Bayern, Südwestdeutschland, die Schweiz, die Franche-Comté und Burgund, ausgezeichnet durch eine sehr lange dauernde Hallstattzeit, im Gegensatz zu Griechenland und Italien, wo die erste Eisenzeit nur den Übergang zu den historischen Epochen bildet. Sie macht in jenen Ländern erst um etwa 400 v.Chr. einer noch stärkern Verwendung des Eisens Platz, an der nunmehr auch der bisher von diesem Metall ziemlich unberührt gebliebene Norden Europas teilnimmt.

Charakter

Die Funde der Hallstattzeit - hauptsächlich Gräberfunde, teils aus Tumulis (Hügelgräbern), teils aus Flachgräbern mit brandloser oder Brandbestattung (oft gemischt), wobei der Leichenbrand im Allgemeinen zeitlich vorausgeht - sind technisch durch das erste Auftreten von Eisen und starken Hervortreten von Schmiedearbeit (auch in Bronze), gegenüber der früher vorherrschenden Gusstechnik, durch den Wiederbeginn der Gefäßmalerei und manche anderer Fertigkeit - stilistisch einerseits durch die Weiterentwicklung spätbronzezeitlicher Formen, oft im Sinne einer prunkhaften Überladung, anderseits durch das Auftreten ganz neuer Formen und Ornamente gekennzeichnet.

Die Hallstätter Funde bestehen aus ca. 6000 verschiedenen Objekten aus Bronze, Eisen, Gold, Gagat, Bernstein, Ton und Elfenbein, die aus 993 Flachgräbern mit meist unverbrannten Leichen zutage gefördert und von E. v. Sacken beschrieben wurden. Sie beweisen, dass während dieses Kulturstadiums, das nach Undset gegen 500 v. Chr. seinen Höhepunkt erreicht hat und von Tischler in eine ältere und jüngere Hallstattperiode eingeteilt wird, die Metallurgie bereits eine relativ hohe Entwickelungsstufe erreicht hatte, und dass die Völker Mitteleuropas damals eine entschiedene Vorliebe für Pracht und Luxus an den Tag legten.

Siehe auch:

Italien

Eine bei aller Kürze doch reiche Entwickelung hat die erste Eisenzeit auch in Italien erfahren. Hier sind die Italiker von ihrer rein bronzezeitlichen Terramarenkultur sehr rasch zur Bronze- und Eisenkultur übergegangen, von der noch heute eine ganze Reihe von Funden zeugen (Villanova, Benacci, Corneto-Tarquinii, Poggio-Renzo, Sarteano, Cäre, Cortona etc.). Diese Mischkultur wird in das 10. und 9. Jh.v.Chr. versetzt. Fortgeführt und selbständig weiterentwickelt wird sie in Mittelitalien von den Etruskern.

Hauptzeugen für deren Leistungen sind die großen Funde von Marzabotto und der Certosa bei Bologna, deren jüngste Gräber dem 5. Jh.v.Chr. angehören. Die verbrannten Gebeine sind zu Marzabotto bisweilen in jenen zylinderförmigen, gerippten Bronzecisten beigesetzt, die nach Helbig griechischen Ursprungs sind. Man fand bemalte Vasen und Statuetten, Bronzespiegel, Grabstelen mit etruskischen Inschriften sowie Bronzeklumpen von bestimmter Form (aes rude), die während jenes Abschnitts vielfach als Geld benutzt wurden.

Eiserne Schwerter, Dolche und Lanzenspitzen, Werkzeuge von Eisen und Bronze, Fibeln von Gold, Silber und Bronze und ganz bestimmter Form (z.B. die La Certosafibel) wurden ebenfalls in den beiden letzterwähnten Fundstätten angetroffen. Das in Marzabotto und La Certosa vertretene etruskische Element unterscheidet sich in mancher Hinsicht von demjenigen des südlich vom Apennin gelegenen Etrurien und wird daher als nordetruskische Kulturgruppe von der rein etruskischen unterschieden.

Keramik der Hallstattkultur

Hallstattkultur Keramik NHM Wien Abb Salz-Reich 2008 Seite 121 3

Keramik der Hallstattkultur

Die Keramik der südlichen Hallstattkultur steht in Formen und Ornamenten im Gegensatz zur Keramik der vorrömischen Eisenzeit in den nordischen Provinzen. Hier sonderten sich zwei größere Kreise, ein östlicher und westlicher, voneinander ab; ihr Berührungspunkt ist im links der Donau liegenden Bayern zu suchen.

  • a) Der Ostkreis
  • b) Der Westkreis

Der Ostkreis steht im Allgemeinen in der älteren Zeit unter dem Einfluß der ungarischen Rillen- und Buckelkeramik; die Buckel erscheinen in jüngerer Form als hornartige Ansätze in der Regel auf der Schulterfläche der Gefäße. Im Südosten (Küstenland, Krain) fallen neben lokalen, einheimischen Formen (Töpfe, Schalen, Tassen, Becher) die Umbildungen der italischen Villanova-Urne ("Halsurne") und die Nachahmungen italischer Bronzegefäße auf. Im jüngeren Abschnitt der Periode wird die Bronzesitula in Ton nachgeahmt und neben die einfache, geradlinige Tiefornamentik tritt die Graphitmalerei entweder als Überzug über das ganze Gefäß oder als Streifen dekoration mit Bändern, schraffierten Dreiecken und Mäanderhaken auf rotem Grund... → Hauptartikel. [2]

Entwicklungsreihen

Hallstatt Kultur Gräberfeld Ramsauer

Das Hallstätter Gräberfeld

Reichhaltige und chronologisch verwertbare Entwicklungsreihen liefern die Formen der Schwerter und Dolche, der Fibeln und allgemein der Schmucksachen, die in keiner älteren Periode desselben Gebietes einen so ausgedehnten Formenkreis umspannen. Während manche Gräberfelder, zumal in der Alpenzone und deren Nähe, in Österreich, Süddeutschland, Ostfrankreich, reichliche Beigaben enthalten, sind andere, weiter nördlich, im Durchschnitt viel ärmer.

An Edelmetall war man durchaus nicht entfernt so reich wie z. B, in Etrurien, und Silber kommt fast gar nicht vor. Größere Goldfunde tragen das Gepräge importierter italischer Ware oder besonderer südöstlicher Erzeugungsstätten, wie einige solche in Ungarn und Ostgalizien. Ein allgemeines Wachstum der Volkszahlen, industrielle Fortschritte und besonders Handelsbeziehungen zwischen dem mittleren und dem angrenzenden Südeuropa lassen sich aus den Funden der Hallstattzeit mit viel größerer Sicherheit herauslesen als etwa Völkerbewegungen oder die Zugehörigkeit einzelner lokaler Gruppen.

Diese lokalen Gruppen lassen sich allerdings gut unterscheiden, zu bestimmten, aus späterer Zeit besonders bekannten Stämmen der lllyrier, Rhäter, Kelten, Germanen usw., obwohl sicherlich alle diese Völker an der Kultur der Hallstattzeit näheren oder ferneren Anteil hatten.

Ältere Hallstattzeit (Bronzezeit)

Zu Beginn der Hallstattzeit zeigen die griechischen und mittel-italienischen Fundschichten einen neuen prunkhaften Stil wobei, nach der raschen Entwicklung spezifisch hellenischer und etruskischer Stilarten, Südeuropa führend vorangeht, allerdings mit Ausschluß Oberitaliens und der nördlichen Balkanhalbinsel. Durch diese neuen Formen wird auch die lokale Industrie der Nordvölker vielfach entscheidend beeinflusst, auch wenn ein eigentlicher Import aus den klassischen Ländern verhältnismäßig selten und vor 700 kaum nachweisbar ist.

In Skandinavien ist die jüngere nordische Bronzezeit stark hallstättisch beeinflusst, und auch in Norddeutschland gehen Hallstattformen dem ersten Auftreten des Eisens ziemlich weit voraus. Der Stil bricht sich früher Bahn als das neue Metall, für dessen Verwendung vielfach die Gewinnung im eigenen Lande, so in den Ostalpen, maßgebend war.

Jüngere Hallstattzeit (Eisenzeit)

In der jüngeren Hallstattzeit, gehen die Einflüsse mehr von Italien als von Griechenland aus, und im 5. Jh. erscheinen die Alpen- und Donauländer mehr oberitalisch-etruskisch, die Rheinländer mehr massaliotisch-griechisch beeinflusst. Daneben bewahrt das einheimische Handwerk aber immer noch größtenteils den alten gemein-europäischen Stil, in den es auch die fremden Formen gern übersetzt. Nur an der Südgrenze des Alpengürtels wird der orientalisierend-griechische Kunststil des 7. Jh.v.Chr. ziemlich treu erfasst und in technisch vollendeten Werken (der sog. "Situlenkunst", d.h. auf Bronzeeimern und ähnlichen kleinen Arbeiten (Gürtelblechen usw.) wiedergegeben.

Übergang zur Latènezeit

Während in der älteren Metallkultur Mitteleuropas, repräsentiert durch die Hallstattfunde, mit dem Gebrauch des Eisens derjenige der Bronze parallel läuft, wird der spätere Abschnitt der mitteleuropäischen Metallkultur, wo die Waffen aus Eisen, Schmuckgegenstände aus Bronze hergestellt wurden, durch die zu La Tène seit 1858 gemachten Funde gekennzeichnet, was der folgenden Periode ihren Namen gab... Die Latènezeit.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Hallstattzeit. Version vom 13:00, 3. Mär. 2014‎.
  2. RdgA, a.a.O.; Bd. III, S. 34 ff.