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Die Waren der Ein- und Ausfuhr sowie des inneren Handels lassen sich durch das gesamte Mittelalter hinweg in großer Vielfalt nachweisen. Gehandelt wurde seit jeher nicht nur mit Luxusgegenständen, denn gerade im Nahhandel zwischen Nachbarvölkern fand vorallem ein Austausch notwendiger Waren statt.

Beschreibung

Die Metalle wurden anfangs als Schmucksachen gehandelt, doch verloren bei den kriegerischen Völkern Mitteleuropas schon bald die Bedeutung von Luxuswaren, besonders später bei den Germanen.

Ihre Gewinnung durch Handel erlangte hier schon früh eine außerordentliche praktische Bedeutung, für den Erhalt von Wehrfähigkeit und für die größtmöglichste Qualität der Waffen. So kehrt sich hier bei Haupthandelsgütern während eines sehr großen Teiles der vorgeschichtlichen Periode das vielfach angenommene Verhältnis von Luxus- und praktischer Gebrauchsware teilweise geradezu um.

Umfang

Der Umfang des Handels war nach Ort und Zeit verschieden; auch es lassen sich auch verkehrsreichere neben verkehrsärmeren Gegenden erkennen. Eine oder wenige Saumlast Waren, Metalle u. a., genügten zwar, um Händlern einen Gewinn zu verschaffen. Doch gab es auch den Transport ansehnlicher Mengen bei günstigen Zeiten und Verkehrsverhältnissen anzunehmen.

Die stellenweise zutage getretenen Goldvorräte in einzelnen Gegenden bildeten einen beträchtlichen Handelswert. Im Allgemeinen gewähren zwar Depotfunde nur unsichere Maßstäbe, doch beweisen sie eine oft sehr ansehnliche Anhäufung von handels- oder geldmäßiger Ware (z.B. in Böhmen, Schlesien, Schweiz 542, über 700, c. 1200 Bronzeringe; in Thüringen 297 Bronzeäxte, 84 Bronzesicheln usw.).

Solche Depotfunde lassen sich aber nur zum geringen Teil als Händlervorräte deuten und man muss beachten, dass von der Gesamtmasse auch der wertvolleren Funde vielleicht nur ein geringer Teil dem Handelsverkehr entstammt. Und auch dieser Teil stellt wiederum nur einen Bruchteil der im Handel verbreiteten Gesamtwarenmenge dar, während einzelne Arten von Handelswaren gar nicht erhalten sind.

Seiner Gesamtwirkung nach kann man aber den vorgeschichtlichen Handel nicht hoch genug veranschlagen. Die Fortschritte, die er bewirkte, sind z.T. bedeutender und wichtiger als in den folgenden Perioden.

Zeitliche Unterscheidungen

Zu den ältesten Handelswaren Europas zählt der Bernstein der jütischen Halbinsel. Auch Feuerstein, Steinwerkzeuge, Tongeräte, Schmucksachen (z.B. aus Muscheln) wurde bereits in neolithischer Zeit (ab ca. 5500 v.Chr.) über weite Strecken hinweg gehandelt. Die keramische Forschung nimmt Austausch von keramischen Waren und Muster durch Handelsverkehr seit der jüngeren Steinzeit an; allerdings war dieser in der Regel auf die nahe Umgebung beschränkt, selten auf weitere Entfernung.

Bronzezeit

In der Bronzezeit (ca. 2200-800 v.Chr.) gelangte Bernstein vor allem aus dem Gebiet der Elbemündung auf den Handelswegen nach Skandinavien und durch ganz Mitteleuropa und bis zu den Mittelmeervölkern. Umgekehrt wanderten Metalle und Metallgegenstände dieselben Wege zurück in entfernte Länder von einem Volk zum anderen. Gegenstand der Ausfuhr blieb in erster Linie Bernstein; außerdem Sklaven, Pelzwerk und Felle, auch Geräte und Werkzeuge einheimischer Arbeit.

Wichtig war der Salzhandel schon in sehr früher Zeit: der berühmteste Ort der Salzgewinnung, dessen Wohlhabenheit die Einträglichkeit des Salzhandels bekundet, war Hallstatt im Salzkammergut; in derselben Landschaft lagen die schon in früher Bronzezeit ausgebeuteten Salzwerke von Hallein.

Die Einfuhr brachte Metalle (Kupfer, Zinn, fertige Bronzemischung, Gold, später Silber, Eisen / Stahl u.a.), Metallwaren in Form vielfältiger Schmucksachen, Waffen, Werkzeuge, Geräte und täglicher Gebrauchsgegenstände; in frühgeschichtlicher Zeit Muscheln, später auch Korallen als Schmucksachen, sowie Glaswaren.

Vorrömische Eisenzeit / Latènezeit

Die älteste über germanische Völker erhaltene schriftliche Nachricht stammt aus dem Reisebericht des Pytheas von Massalia (ca. 325 v. Chr.) und bekundet diesen Handel von Völkerschaft zu Völkerschaft [1] Beim Handel mit Pelzwerk wird dessen Transport von Volk zu Volk aus Schweden in den Süden noch in der Völkerwanderungszeit hervorgehoben [2].

Auch Metalle und Sklaven bildeten Gegenstände des Verkehrs zwischen den einzelnen Völkerschaften. Daß auch Lebensmittel, Vieh, Gerätschaften, Waldprodukte und dergleichen gelegentlich zum Austausch über die Völkerschaftsgrenzen gelangten, läßt sich annehmen. Im Gebiet der Saale weisen häufige Kupfer und Goldfunde für die Latènezeit (450 v.Chr. bis 15 n.Chr) Bernsteinfunde, auf einen großen Vertrieb der Produkte der Halleschen Salzwerke.

Südwestdeutschland besaß im Kochertal Salzwerke, deren Produkte ebenfalls sehr frühzeitig zum Rhein hin abgesetzt wurden. Allerdings bleiben so manche alte, aber längst erschöpfte Stellen des Salzbetriebs unbekannt.

Römerzeit

Cäsar hebt bei den Germanen und benachbarten Belgen die Rückständigkeit und Abneigung gegen den römischen Handel hervor (De Bello Gallico. 1,1; 2, 15). Cäsars Bericht, daß die Sueben nach irgendwelcher Einfuhr wenig Verlangen trugen, ist aus dem Zusammenhang dahin zu verstehen, daß sie den Gütererwerb durch Krieg dem Handel durch friedliche Mittel vorzogen, denn sie verkauften ihre Beute den fremden Kaufleuten nicht umsonst. [3]

Cäsars bemerkt über den Handel der Sueben, dass sie kein Vieh importierten, sondern sich mit dem einheimischen begnügten, was jedoch für andere Teile Deutschlands durchaus einen Viehaustausch anzunehmen gestattet.

Wein gelangte nach Südwestdeutschland und zu einzelnen germanischen Völkerschaften am Mittelrhein. Doch auch wenn die Sueben (wie die Nervier) dieses "gefährliche Getränk" ablehnten (BG. 4,2; 2, 15; s. Art. Ausfuhr), geschah es vermutlich hauptsächlich wegen seines damals im Verhältnis zu dem Preise sehr geringen volkswirtschaftlichen Nutzens. [3]

Frühmittelalter

Im Rhein- und Seehandel war Wein bereits seit Alters her ein wichtiger Handels- und Ausfuhrartikel. Besonders Elsässer Wein nennen die Quellen als Handelsware. Getreidehandel findet sich in den seit Urzeiten angebauten Gebieten am Mittelrhein und unteren Main. Im Frühmittelalter war auch der Kleiderluxus gestiegen. So bildeten Tuche z.B. einen der wichtigsten Gegenstände des friesischen Handels.

Häufig erscheint Handel mit Kostbarkeiten und Kleinodien, in deren Besitz sich besonders Kirchen und Klöster befanden (so z.B. goldene und silberne Gefäße, Perlen). Kostbare Seiden und Goldstoffe sowie Gewürze importierte der Handel aus dem Orient. Über die Einfuhr von Bernstein (lucida gemma) durch die Friesen rheinaufwärts nach Oberdeutschland berichtete z.B. der Dichter Ermoldus Nigellus († um 838).

Die Glaserei, und demgemäß auch ein Handel mit Glassachen, war bereits in karolingischer Zeit in Mitteleuropa verbreitet. Schmuckperlen aus Ton und Glas, die zahlreich in Gräbern der Karolingerzeit vorkommen, stammten aus dem Orient und besonders aus Venedig. Pelzhandel bezeugt die Festsetzung fester Preise für teure Pelzröcke durch Karl den Großen und der öfter erwähnte Gebrauch feinen Pelzwerks zur Kleidung.

Wachshandel (Bienenzucht in Bayern) nennt die Raffelstätter Zollordnung. Salzhandel fand, wie nachweislich die Salzgewinnung, an zahlreichen Orten statt; nicht wenige Klöster sicherten sich den Bezug von Salz aus bestimmten Salzwerken. Bedeutend vor allem war der Salzhandel an der Donau in der Nähe der alten reichen Salzwerke, auch schon von Hall in Tirol aus. Auch Pferdehandel wird zur Zeit Karls des Großen erwähnt, zusammen mit Viehhandel.

Für Handel mit unedlem Rohmetall liegt keine Nachricht vor. Um so häufiger findet Waffenhandel (auch zu den Nordgermanen, den Slawen und sonst.) Erwähnung. Er wurde gelegentlich beschränkt aus Gründen der äußeren Politik oder mit Rücksicht auf die Erhaltung der Wehrhaftigkeit der einzelnen Untertanen, blieb aber im übrigen frei.

Handel (zu Schiff) mit keramischer Ware fand am Rhein statt, mit Gefäßen aus buntem Stein (lapidea), vermutlich von St. Moritz in Wallis, in der Schweiz. Holz als Handelsartikel ist im Rheinland (aus den Wäldern der Vogesen) und an der Donau bezeugt.

Sklavenhandel

Sklavenhandel wurde im Europa auch im Frühmittelalter betrieben, im Inneren des Heiligen Römischen Reiches genauso wie auf den Wegen des Ex- und Imports. Die bedeutendsten Sklavenmärkte sind an und jenseits der Ost- und Nordgrenze des Reiches zu suchen. Den Hauptbedarf deckten die Slawenländer. Im Donaugebiet erscheinen auch jüdische Kaufleute als Sklavenhändler.

Ihr wichtigstes Absatzgebiet war Spanien. Der Sklavenhandel war allgemein und wurde auch von Christen ohne viel Skrupel betrieben [4]. Erzbischof Ansgar von Hamburg-Bremen und sein Nachfolger Rimbert konnten in Dänemark und dem Slawenland beliebig Sklaven, christliche und heidnische, Männer, Frauen und Kinder, kaufen oder loskaufen [5].

Die Gesetzgebung regelte den Sklavenhandel, indem sie den öffentlichen Verkauf der Sklaven vorschrieb. Sie beschränkte ihn zugunsten der christlichen Sklaven auf den Handel im Innern des Heiligen Römischen Reiches, während der Verkauf christlicher Sklaven an Heiden verboten war, und auf den Handel mit noch nicht angesiedelten Sklaven. Der Handel mit nicht-christlichen Sklaven blieb frei. Die Raffelstätter Zollordnung setzte die Abgaben vom Verkauf von Sklaven und Pferden gemeinsam fest.

Fazit

Es ist problematisch, für das gesamte germanische Altertum die einzelnen Haupthandelsartikel von den minder wichtigen Handelsartikeln bestimmter abzusondern. Die Wichtigkeit einzelner Waren im Handel wechselte nach den verschiedenen Perioden der älteren Handelsgeschichte.

Als wichtige Handelsartikel in allen Perioden bis etwa zum Jahre 1000 erscheinen Salz, Wein, Schmucksachen, Waffen, Sklaven (letztere in der späteren sächsischen Zeit vielleicht nicht mehr). Aber andere Waren treten nur in einzelnen Perioden als Handelsartikel stärker hervor, z. B. Bernstein in der prähistorischen und römischen, Tuche in der fränkischen Periode.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Die Natugeschichte des Cajus Plinius Secundus (Internet Archive): Ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen. Plinius der Ältere. Übersetzung: Wittstein, Georg Christian; Tippmann Collection. Leipzig : Gressner & Schramm, 1881. Kap. 37, 35.
  2. Jordanes: Getica - De origine actibusque Getarum. 3, 21
  3. 3,0 3,1 De Bello Gallico (Wikibooks): Liber I - Kapitel 1. Gaius Iulius Caesar. Paralleltext Lateinisch–Deutsch auf Gottwein.de.
  4. Papst Gregor III. an Bonifaz in der Monumenta Germaniae historica. Ep. 4, 280; Cap. 2, 419 c. 76; V. Ansk. c. 38.
  5. V. Ansk. c. 8, 10, S. 71, V. Rimberti c. 18.

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