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In Europa bestand Handelsverkehr und damit auch Handelswege bereits seit der prähistorischen Zeit. Schon in der Jungsteinzeit wurde z.B. von Schonen aus auf weite Entfernung Schweden mit Feuerstein versorgt.

Geschichte

Nordische Feuersteinwerkzeuge, Steinhämmer samt Bernstein gingen in verschiedene Richtungen bis über die Niederlausitz hinaus, nach Thüringen und Hannover-Westfalen, nach Süddeutschland bis in die Schweiz, von Süden her Schmucksachen aus Marmor und Kupfer nach Thüringen, während von Thüringen aus Steinhämmer u. a. Geräte nordwärts an die Ostseeküste, nach Holstein und an den Mittelrhein gelangten.

Am Mittelrhein wurden Steinsachen aus Frankreich, nach Norddeutschland vom Oberrhein gebracht. Zwischen den weit entlegenen Küstengebieten der nördlichen Meere und des Mittelmeeres begannen sich langsam Verkehrsbeziehungen zu knüpfen.

Das Vordringen des im Norden längst geschätzten Bernsteins südwärts bis in die Alpenvorlande (Schweiz, Bodensee), des Muschelschmucks, der seit der Bronzezeit in Mitteleuropa weit verbreiteten, aus den Mittelmeerländern stammenden Glasperlen, des Kupfers in Form von Doppeläxten aus dem östlichen Mittelmeer an den Rhein und nach Norden bildete den Anfang eines handelsgeschichtlich allmählich bedeutsamer werdenden Güteraustausches.

Bronzezeit

Auch die Grabfunde von Hallstatt (8.-5. Jh. v. Chr.) zeigen bereits weitreichende Verkehrverbindungen und ein Zusammenströmen gewerblicher Produkte von vielen Seiten und weit entlegenen Völkerschaften. Dabei hoben sich bestimmte Gebiete durch größeren Wohlstand und regeren Handelsverkehr hervor. In Nordeuropa verdankten die an die Bernsteinfundstätten angrenzenden Gebiete eine frühe Kulturblüte.

Im Südosten beweisen später die auffallend reichen Funde, besonders der Schmucksachen aus Bronze, Gold, Glas und Bernstein, des Hallstatter Gräberfeldes, daß das Salz in hohem Wert stand und ansehnlichen Gewinn abwarf. Italische Ware (getriebene Bronzesachen, Glas, Elfenbein, Muscheln) und Erzeugnisse der Balkanhalbinsel trafen hier zusammen mit Produkten der nordischen Küstenländer (Bernstein). Als Gebiet mannigfacher Verkehrsbeziehungen erscheinen die Landschaften am Mittelrhein einschließlich Hessen.

In früher Metallzeit nach Ausweis der Bronze- und Goldsachen sowie der Tonwaren den Einflüssen des Donaugebiets, in später Bronzezeit wieder mehr den südlichen vom Oberrhein, den Alpenländern und Italien ausgehenden Einwirkungen ausgesetzt, sandte es eigene Erzeugnisse (Radnadel) nach Süd- und Norddeutschland bis über die Elbe nach Jütland, östlich in die Donauländer bis Ungarn. Depotfunde der Erzarbeiter bezeugen in diesen Gebieten die im Verkehr erfolgende Auswechselung der metallenen Rohstoffe oder fertiger Waren.

Kostbarere Waffen, Pferdegeschirre oder Bronzegefäße kamen in der jüngeren Bronzezeit aus dem Süden an den Mittelrhein. Die Formengestaltungen der Bronzesachen Südwestdeutschlands weisen damals auf Oberitalien und die Schweiz hin, die die Vorbilder herstellten oder Importstücke lieferten. Von der Schweiz her zogen Erzhändler und -arbeiter (Schmiede) von der Westschweiz zu beiden Seiten des Rheins bis in das früh kultivierte Gebiet des inneren Rheinknies bei Mainz hinab; sie lassen sich von dort an weiter auf den alten Handels- und Völkerwegen durch die Wetterau und das Lahntal oder Kinzigtal in das Elbegebiet oder nach Thüringen verfolgen.

Andere Gegenstände, wie gewisse in der Rheinebene vorkommende Absatzkelte, stammten aus Mittel- und Westfrankreich. Nach den Donauländern bestanden Verkehrsbeziehungen den Neckar und den Main aufwärts. In den österreichischen Donauländern reicht die Ausbeutung der Kupferlager auf der Mitterbergalp im Salzkammergut u. a. Stellen an, bzw. in die neolithische Periode. Seit der Hallstatt- (Eisen)zeit und bis auf die römische Herrschaft war dieses Gebiet durch seinen Salz- und Erzbergbau ein Schauplatz regsamen Verkehrs.

Andere Gebiete Deutschlands, wie im Nordwesten der größte Teil des rechtsrheinischen Flachlandes, wurden dagegen von früh an viel weniger vom Verkehr berührt. Die Einfuhr der Bronze oder ihrer Hauptbestandteile, Kupfer und Zinn, nach Norden erfolgte anscheinend in der früheren Metallzeit vornehmlich vom Südwesten und Westen her über die Schweiz und das Gebiet an der oberen Donau. Auch die italischen Bronzewaren kamen hauptsächlich die Rhone aufwärts zunächst in die Landschaften, wo die Oberläufe der Rhone, des Rheins und der Donau sich einander nähern.

Eisenzeit

Seit dem Bekanntwerden des Eisens in Mitteleuropa treten, besonders in den letzten Jahrhunderten der vorrömischen Periode, d.h. in der Latènezeit (450 v. Chr.– Ende 1.), die Verkehrsverhältnisse vielfach in helleres Licht. Erzeugnisse italischer und griechischer Kunst gelangten nach Nordeuropa. Die Vermittler des Verkehrs zwischen dem Norden und dem Mittelmeer wurden die Kelten, bei denen sich während der Laténezeit ein bedeutender Goldreichtum ansammelte.

Die wichtigste Eingangspforte des Handels vom Mittelmeer nach Mitteleuropa, besonders auch für die Erzeugnisse griechischen und italischen Kunstgewerbes, bildete die Rhonemündung, hauptsächlich Massalia, nicht die Landschaften an der Adria. Die griechische Kolonisation versuchte sich hier im Wesentlichen erfolglos. Erst das Vordringen der römischen Eroberung, die Entdeckung reicher Goldbergwerke bei den Tauriskern und die Gründung Aquilejas bahnten dem italischen Handel hier seit dem 2. Jh. v. Chr. die für Mitteleuropa und Germanien später bedeutungsvollen Wege in die mittleren Donauländer.

Erst zu derselben Zeit begann die etwas häufigere Benutzung der Alpenpässe im Verkehr. Der Hauptzug des Handels mit den Erzeugnissen griechischen und italischen Kunstgewerbes ging über Massalia nord- und nordwestwärts. Seit der Hallstattzeit (800-450 v. Chr.) wurde der Verkehr in Mitteleuropa leichter, sicherer und vielfältiger. Damit wuchs auch der Wohlstand. Der Handel brachte Silber, Glasgefäße und Elfenbein nach Mittel- und Nordeuropa, in der Latènezeit dann häufiger Silber. Er verbreitete aus den Alpen und den Alpenvorländern das wichtigste Metall, das Eisen, nordwärts, rascher nach Nordost- als nach Südwestdeutschland.

Auch Goldsachen gelangten nach Südwestdeutschland und durch Mitteldeutschland bis über das Gebiet der unteren Elbe hinaus, sowie Bronze und Bronzesachen, z.B. in später Laténezeit Eimer und Kasserolen aus Capua, in vielfachen Richtungen. Die Beeinflussung der mitteleuropäischen Hallstattkultur durch die hauptsächlich auf Etrurien und die Keltenländer wirkende griechische Kultur erfolgte von der Rhone und den westkeltischen Ländern her.

Antike

Der Grenzverkehr führte bei den Germanen schon in vorrömischer Zeit zur Nachahmung der Verkehrsgewohnheiten der Nachbarvölker, wie der Münzprägung nach keltischem Vorbild, am Rhein und an der Donau. Für das Innere Germaniens ergeben bereits die ältesten Nachrichten über die Weineinfuhr, daß ein und dieselbe Warengattung bei der einen Völkerschaft über die Grenze gelangte, während sie bei der anderen die Grenze nicht überschritt.

Der Metalleinfuhr, die vielfach durch wandernde Erzarbeiter erfolgte, wird sich die Grenze leicht geöffnet haben. Die Bedeutung der Rhönemündung und seit der Gründung Massalias (um 600 v. Chr.) ebenso die Bedeutung dieser Stadt für den mitteleuropäischen Handelsverkehr seit der Bronzezeit und vor allem in der Periode keltischer Vorherrschaft läßt auf die eine Richtung der Herkunft schließen.

Andererseits führt schon nach dem Ende der neolithischen Zeit ein Kulturstrom die Donaumündungsländer aufwärts in das Herz Mitteleuropas und in die Gebiete an der Südostküste der Ostsee. Die Entdeckungsreise des Pytheas von Massalia bezweckte wahrscheinlich auch die Erforschung des Seeweges in das nördliche (bzw. westliche) Bernsteingebiet im Interesse des massaliotischen Handels. Doch erst die römische Literatur gestattet genaueren Einblick in den Fremdhandel.

Römische Kaiserzeit / Spätantike (bis ca. 500)

Während der Römischen Kaiserzeit (1 bis 375 n. Chr) beherrschten die Römer den gesamten Lauf der drei großen Ströme Mitteleuropas, deren Lauf die Richtung des Handels im allgemeinen bestimmte und daher den Uferlandschaften einen Verkehrsvorzug gewährte: Rhone, Rhein und Donau (siehe Wasserstraßen). Ebenso dominierten sie alle Verkehrsverbindungen, die von Westen und Süden nach Germanien und dem Norden führten. Der Limes ließ dem Grenzverkehr Spielraum auf den altgewohnten Straßen, die ihn schnitten und an den Durchgangsstellen unter dem Schutz der Kastelle lagen.

Ausgangspunkte des römischen Handels

Von welchen Orten jenseits der Reichsgrenze der römische Handel ins innere Germanien ausging, weiß man nur in seltenen Fällen. Der Zufall der literarischen Überlieferung nennt unter Nero Carnuntum, kurz vor dem Ende der römischen Herrschaft Passau a. d. Donau. Carnuntum a. d. Donau (heute Petronell zwischen Wien und Preßburg) war, auch nach Ausweis der Münzfunde, in frührömischer Zeit (der Bau des Lagers fällt in die Zeit des Claudius) der Hauptausgangspunkt des römischen Handels zur Ostseeküste.

Der Handelsverkehr lief von dort die March aufwärts, führte durch die mährische Pforte, Oberschlesien und den südlichsten Teil der Provinz Posen, und erreichte über Kalisch und Goplo-See die Weichsel bei Thorn, von dort weiter die Seeküste und die Mündungsgebiete. Seit dem 3. Jahrhundert änderte sich die Richtung der Verkehrsanverbindung der preußischen Küste an den Süden, indem sie, wegen der Abwanderung der Goten, nach Südosten gelenkt wurde und somit die alte südliche Verbindung abriß.

Im Inneren, des römischen Reiches liefen die von der germanischen Donaugrenze führenden Straßen in Aquileja zusammen, dem bedeutendsten Platz des über die Ostalpen nach den Donauländern und Ostgermanien gerichteten römischen Handels. Durch diese Stadt ging wohl der größte Teil des für Italien bestimmten Exports Ostgermaniens. Unter den römischen Städten am Rhein und an der Mosel erweist die inschriftliche und die monumentale Überlieferung Mainz und Trier als die bedeutendsten Handelsplätze in einiger Entfernung von der Grenze, weniger Köln. Daher wird Mainz in erster Linie in Frage kommen. Die Terra Sigillata-Funde in den Pfahlbauten von Fulda bezeugen die Benutzung des uralten Verkehrsweges vom Mittelrhein (Mainz) zum Norden in römischer Zeit.

Frühmittelalter

Im Frühmittelalter zur Zeit der Karolinger zeichneten sich die Landschaften am Rhein, an der Donau, und die in der weiteren Umgebung der Elbemündung als bedeutende Handelswege aus. Am weitesten entwickelt war der Rheinhandel (mercibus innumeris opifex). Die bedeutendsten Handelsplätze am Rhein waren Mainz und während der Blütezeit des Friesenhandels Dorstat (Wijk bij Duurstede) bei der Abzweigung des Kremmen Ryn vom Lek.

Mainz im westdeutschen Binnenland bildete dabei den Ausgangspunkt für den zur Ostgrenze gerichteten Handelsverkehr. Auch der uralte Handelsweg von Thüringen über die Fulda nach Mainz war weiterhin von wichtiger Bedeutung. Wein, Getreide, Holz zum Bau von Pfalzen, Kirchen, Häusern und Schiffen wurden über den Oberrhein zur See hinab verkauft und verschifft; besonders der Weinhandel, den die Friesen und die Kaufleute an der See betrieben, beförderte den Warenaustausch und machten Städte wie Worms berühmt.

Frankenreich

Im Frühmittelalter, zur Zeit Ludwigs des Frommen (778-840 n.Chr.), werden in der Urkunden zugunsten königlicher Schutzkaufleute Zollstätten in den Alpentälern von Aosta und Susa erwähnt [1]. Darin sehen Forscher den Beweis, daß der Hauptteil des Handelsverkehrs zur dieser Zeit zwischen Oberitalien und dem transalpinen Frankenreich über jene Pässe, besonders über den ersteren, ging.

Dazu lehrt das Empfehlungsschreiben Alkuins an Bischof Remedius von Chur (zwischen 791 und 96) für einen nach Italien reisenden Kaufmann, daß die Kaufleute auch den Septimerpaß benutzten [2]. Auf die Benutzung des Lukmanier im Verkehr weist ein Münzfund (bei Ilanz) hin. Durch Gütererwerbungen oberdeutscher u.a. Klöster und Stifter jenseits des Gebirgskammes belebte sich auch der Handelsverkehr über die Alpenpässe.

Bozener Wein erscheint 908 in Freising. Chur bildete eine wichtige Station für den Übergangs verkehr, zu dessen Erleichterung auf der nördlichen Seite schon damals Schifffahrtsorganisationen am Rhein und am Walensee dienten. Direkte Handelsbeziehungen mit Venedig bestanden z.B. von Mainz aus.

Ostfrankenreich

Die Ausdehnung des Ostfrankenreiches unter den Ottonen (ab 919 bis 1024) und seiner Machtsphäre gab dem Handel kräftige Antriebe. Die dürftigen Quellen dieser Periode geben zwar kaum einen Begriff von der Leistungsfähigkeit und Ausdehnungskraft der Zeit und ermöglichen nur selten deutlichere Einblicke in das Werden des Verkehrslebens.

Doch reichen die Quellen aus zum Beweis dafür, daß die in fränkischer Zeit zuvor gelegten Grundlagen des inneren Verkehrslebens nicht zerstört wurden: während der Dynastie der sächsischen Ottonen schritt die Entfaltung des inneren Verkehrs konsequent fort. Der Verkehr wuchs an zahlreichen Stellen verhältnismäßig schnell. Der innere Handel nahm nun ununterbrochen zu.

Die größte Bedeutung dieser Periode für die deutsche Handelsgeschichte lag darin, daß sich nun auch auf dem Boden des rechtsrheinischen ostfränkisch-deutschen Reich, die Anfänge eines Städtewesens und stadtartige Verkehrsformen zu bilden begannen. Außerdem: In fränkisch-karolingischer Zeit traten Kaufmannsansiedlungen auf deutschem Boden nur selten auf, hauptsächlich bei den Friesen und besonders in den Niederlassungen der Friesen.

Das änderte sich im 10. Jh. mit den Ottonen. Nun erschienen an vielen Stellen des Reiches Kaufmannsansiedlungen, in größerer Zahl auch schon in Ostsachsen. So setzten sich Innerer und äußerer Handel und Verkehr in engere und festere Beziehungen zueinander.

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Quellen

  • Zu den nordeuropäischen Verkehrswegen im frühen Mittelalter. Vierteljahrschrift. für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. S. Bugge. 4, 227 ff.
  • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 2. Von Johannes Hoops, 1918—1919. S. 373.

Einzelnachweise

  1. Monumenta Germaniae historica. Form. S. 314 f.
  2. Monumenta Germaniae historica. Ep. 4, 118 f. n. 77.

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