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Das Handelswesen der Völkerwanderungszeit (375/376 bis 568) folgte auf das Handelswesen der Römischen Kaiserzeit und Spätantike (ca. 1 bis 500 n.Chr.). Darauf wiederum folgte das Handelswesen des Frühmittelalters.

Beschreibung

Während der fränkischen Zeit beseitigte die Völkerwanderung die Scheidewand, die die äußere Reichsgrenze zwischen den römischen Provinzen und dem freien Germanien bildete. Die Rhein und Donaugebiete, bisher die Ausgangsgebiete des römisch-germanischen Handels, wurden Besitz germanischer Völker.

Obwohl sich dadurch der früher große Abstand des Kulturniveaus wesentlich ausglich, behielten dennoch diese Landschaften weiterhin eine erhebliche Überlegenheit im Verkehrsleben. Einerseits bewirkten dies natürliche Vorzüge, wie ihr Reichtum an Metallen, die bequemere Schiffbarkeit ihrer Ströme, ihre den alten Zentralländern des römischen Reiches und der Reichskultur benachbarte Lage.

Anderseits verschafften die den Untergang der Herrschaft überdauernden verkehrswirtschaftlichen Leistungen der Römer diesen Gebieten auf lange Zeiten einen sehr beträchtlichen Vorrang. Dahin gehörten Bauwerke, wie Gebäude, Mauern, Straßen, die Fortdauer gewisser Gewerbe, wie der Töpferei, der Glasfabrikation und a. Es ergibt sich daraus, daß mit dem Fall der römischen Herrschaft keineswegs der vor ihrem Beginn herrschende Zustand wiederhergestellt ward.

Auch das Verkehrsleben konnte nicht wieder auf den alten Stand zurückkehren. Gleichwohl brauchte es Zeit, um den Verlust seines mächtigsten Antriebes, der im westlichen Reichsteil zerstörten staatlichen Zentralgewalt, ohne deren tätige und überall eingreifende Wirksamkeit auch der das ganze Reich durchflutende Verkehr keine dauernde Lebenskraft behielt, langsam und wenigstens teilweise zu ersetzen.

Merowingerzeit

Ungeachtet dieser politischen Umwälzungen, Rückschritte und Hindernisse brach der Handel sich Bahn. Nicht einmal die Völkerwanderung vernichtete den Handelsverkehr. Zwar machte sie dem römisch-germanischen Grenzverkehr ein Ende, aber der Handel in und zwischen den Gebieten der germanischen Völker hörte nicht auf.

Die in spätrömischer Zeit bzw. der Merowingerzeit von den Goten im südlichen Russland ausgehende reiche und farbenprächtige Kultur hatte zuerst Ostgermanien ergriffen und drang dann, gefördert durch nach Westen gerichtete Wanderungen ostgermanischer Völkerschaften, auch weiter westwärts vor.

Die ostgotischen Überlieferungen von Jordanes und Cassiodor über den Import kostbaren Pelzwerks aus Schweden [1] ins römische Reich und über die Bernsteingeschenke der Aestier an Theoderich bekunden einen über weite Entfernungen reichenden Handelsverkehr. Selbst die dürftigen Berichte über Wanderungen bieten gelegentlich Züge des Verkehrslebens (Cassiodor. Var. 3, 50).

Westfrankenreich

Für das Fränkische Reich sind reichliche Nachrichten über den Handel überliefert. Die ergiebigste Quelle bildet Gregor von Tours. Innerer Handel und Fremdhandel erscheinen bedeutend und standen noch in Blüte. Die Verkehrszustände und -beziehungen der früheren Periode erhielten sich; man wirtschaftete weiter mit dem noch vorhandenen Goldvorrat und mit den Mitteln der Römerzeit.

Eigener und importierter Wein, Getreide [2], besonders Wertgegenstände von Gold, Silber und gewebtem Stoff waren allgemeine Handelsartikel, ebenso Sklavenhandel [3]. Wein, Honig und Krapp zum Färben von Stoffen als überseeische Exportartikel auf den Märkten von St. Denis nennt die in vor-karolingische Zeit zurückreichende Urkunde Dagoberts I. für St. Denis [4].

Gregor von Tours schildert das Handelstreiben an Festtagen oder in den Läden der Pariser Kaufleute. Junge Leute standen im Dienste von Kaufleuten (Historia Francorum 7, 46; 8, 34). An manchen Orten bestand lebhafter Marktverkehr, bei besonderen Gelegenheiten sogar mit Zollfreiheit. Einzelne Märkte, wie der von St. Denis, zogen überseeische Kaufleute an. Die Könige ließen, soweit man sieht, dem Handel freien Lauf, förderten ihn sogar.

Theuderich I. lieh den verarmten Bürgern von Verdun auf Bitte ihres Bischofs ein Kapital von 7000 Goldstücken zum Handelsbetrieb, mit dem Erfolge, daß durch diese Beihilfe die Bürger wieder reich und mächtig wurden [5].

Ehemaliges Germanien

Auch im ehemaligen Magna Germania gab es natürlich Handelsverkehr. Weinhandel betrieb man wegen der zunehmenden Ausdehnung des Weinbaus am Niederrhein z.B. in den Rheinlanden. Salzhandel erwähnt Gregor von Tours an der Mosel zwischen Trier und Metz. Sklavenhandel im Inneren Deutschlands erfolgte wie früher von einem Stamm zum andern.

Auch mancherlei Schmuckgegenstände importierte und verbreitete der Handel in den germanischen Reichsteilen: Bernstein aus dem Samland, der auch als Zaubermittel diente, Glasperlen, Glasarmringe u.a. Glasarbeiten, Kristalle, geschliffene Edelsteine, Gewandnadeln, Gürtel usw., die orientalischen, italischen und westfränkischen Werkstätten entstammten. Auch Gewürze gelangten nach Deutschland.

Slawen

Den Handel aus dem Inneren Deutschlands über die Ostgrenze in slawisches Gebiet bezeugt die aufgezeichnete Erzählung Fredegars über den fränkischen Kaufmann Samo, der im Jahre 632/24 mit anderen Kaufleuten, um Handel zu treiben, ins Slawenland reiste, sich dort als Kaufmann an einem Feldzug der Slawen gegen die Awaren beteiligte und später die Königsherrschaft errang.

Später verkehrten fränkische Kaufleute in großer Zahl im Reich des Samos, bis Streitigkeiten, die, wie früher im römisch germanischen Verkehr, mit der Ermordung der Kaufleute und dem Raub ihrer Waren begannen, diesem Handelsverkehr ein Ende machten. Auch weiterhin blieb der Handel über die Ostgrenze dunkel.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Jordanes. Get. 3, 21: per alias innumeras gentes
  2. Gregor von Tours, Historia Francorum 7, 45
  3. z.B. Fredegar 4,35; M. Gangerici ep. Camarac. c. 12, SS. rer. Mer, 3, 656
  4. Monumenta Germaniae historica. Dipl. 141 ; Rietschel. Markt und Stadt 10 ff.
  5. Gregor von Tours. Historia Francorum 3, 34

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