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Handelswesen des Hochmittelalters

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Das Handelswesen des Hochmittelalters (10./11. Jh. bis ca. 1250) folgte auf das Handelswesen des Frühmittelalters (568 - ca. 10./11. Jh.) und der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches.

Beschreibung

Im Hochmittelalter entwickelte sich der Handel in Mitteleuropa unter der Herrschaft der Ottonen, Salier und Staufer. Der Handelsverkehr auf den Märkten und in den Marktorten war nicht lokal oder landschaftlich beschränkt, sondern oft auch ein Fernhandelsverkehr innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Die Magdeburger Kaufleute erhielten 975 Zollfreiheit im ganzen Reich außer an den Zollstätten in Mainz, Köln, Tiel und Bardowiek.

Die Privilegien Ottos I. und Otto II. für Gandersheim, deren Inhalt vermutlich in karolingische Zeit zurückreicht, sprechen von Kaufleuten, die vom Rhein her zur Elbe und Saale reisten und in Gandersheim Zoll entrichteten. Das Dortmunder Kaufmannsrecht erscheint als Vorbild für Gandersheim und zugleich mit dem Kaufmannsrecht von Mainz und Köln als Vorbild für Heimarshausen (bei der Mündung der Diemel in die Weser).

Wahrscheinlich bildete Gandersheim eine Station an einem von Kaufleuten häufig besuchten Heer- und Reiseweg vom Rhein über Dortmund nach Magdeburg oder zur Saale. Auf diese Route traf vermutlich bei dem dicht bei Heimarshausen gelegenen Herstelle oder etwas abwärts bei dem Weserübergang Höxter der Verkehr, der von Mainz über Fulda und das Diemeltal abwärts zur Weser ging.

Hanse

Im 13. Jh. entstand auch die Hanse als Städtevereinigung zur Sicherung von Handel und Seefahrt, mit Kontoren von London bis Nowgorod. Sie wurde zur größten wirtschaftlichen Macht in Nord-Europa, die sogar eigene Kriege führte. Sie umfasste ca. 70 Städte als feste Mitglieder und weitere ca. 130 assoziierte Städte (ca., weil teils nicht ausreichend belegt, z.B. Korbach). Der Widerstand der Reichsfürsten aber und die Verlagerung des Handels zum Atlantik bewirkten im 16. Jh. ihren Niedergang. [1]

Silberhandel

Der wechselseitige Rhein-Elbe-Handelsverkehr reicht also bis in karolingische Zeit zurück, und ist damit älter als die Entdeckung der Silberadern im Harz (Rammelsberg bei Goslar) in der letzten Regierungszeit Ottos I. (912-973). Die Berichte von Widukind von Corvey (um 925-973) und Thietmar von Merseburg (975-1018) bestätigen, dass dieses Ereignis großes Aufsehen erregte und dem Handelsverkehr vom Rhein nach Ostfalen verstärkten Antrieb gab. An dieser Handelsstraße lag auch Soest, was schon damals als weitbekannter, volkreicher Ort erwähnt wurde.

Geographischer Überblick

Mainz

An den alten von Mainz ausgehenden Handelswegen, durch die Täler der Lahn und der Kinzig hin zu den unteren Weser- und Elbegebieten und nach Thüringen, entstanden wichtige Königspfalzen und reiche Klöster. Die Bedeutung von Mainz tritt wie in der Politik, so auch im Handelsverkehr des 10. Jh. deutlich hervor. Es nahm unter den Handelsplätzen im Gebiet des heutigen Deutschlands damals den ersten Rang ein und behauptete seine uralte Stellung als die in Deutschland wichtigste Station des Handels zwischen den östlichen Mittelmeerländern und dem nördlichen Mitteleuropa... Weiterlesen.

Italien

In der sächsischen Periode (919-1024) mehren sich die Nachrichten über den Handel zwischen Deutschland und Italien. Sicher förderten die Kaiserpolitik der Ottonen und die Angliederung Italiens an das Heilige Römische Reich den Handelsverkehr. Während nur unsichere Spuren auf eine Handelstätigkeit italienischer Kaufleute in Deutschland deuten, begegnen deutsche Kaufleute in Italien häufiger.

In den Landschaften um den Bodensee findet man viele Zeugnisse des Handels nach Italien. Dem Verkehr dienten als Gebirgspässe u.a. Mont Cenis, der Große St. Bernhard und hauptsächlich der Septimerpass, wo kaiserliche Privilegien für das Bistum Chur den lebhaften Handels- und Reiseverkehr bekunden, und einzelne Ostalpenpässe. Von großer Bedeutung für den deutschen Handel war Venedig als wichtigster Importhafen West- und Nordwesteuropas für die Produkte des Orients.

Im Westen des Heiligen Römischen Reiches lässt sich ein starker Gebrauch von Gewürzen nachweisen. Im deutsch-venezianischen Handelsverkehr fiel Treviso, wo der Wasser- in den Landweg überging, eine wichtige Rolle zu. Auch in andere Orten Italiens kamen deutsche Kaufleute. Gegenstände der Einfuhr nach Italien waren Metalle und Waffen, Zügel und Sättel (sächsische), wohl auch Pelzwerk u. a.

Donau und Böhmen

Während aus der durch die Ungarneinfälle verwüsteten Ostmark an der Donau keine Nachrichten über den Handel vorliegen, begann sich der Handelsverkehr nach Ungarn erst gegen Ende der sächsischen Zeit wieder zu beleben. Bei Regensburg verrät die örtliche Entwicklung der Stadt die Bedeutung seines Handels. Den Passauer Grundbesitzern erließ Otto II. im Jahre 976 den Zoll auf allen Gewässern im Heiligen Römischen Reich bei Berg- und Talfahrt, was sich allerdings tatsächlich auf die Donau und ihre Nebenflüsse beschränkt haben wird.

Mehr Licht fällt auf den Handel Böhmens durch den Bericht eines jüdischen Kaufmanns aus dem letzten Jahrzehnt der Regierung Ottos I. (wahrscheinlich 965). Er nennt Prag "die an Handel reichste der Städte", schildert den Verkehr der Rus und Slawen von Krakau, der Türken und Juden nach Prag, die Ausfuhr von Sklaven, Zinn und Blei (und Tierfellen), die Herstellung von Sätteln, Zäumen und Schilden in Prag, und erwähnt das landesübliche Tuchgeld.

Nordöstliche Slawengrenze

An der Slawengrenze nördlich des Mittelgebirges nahmen Merseburg und hauptsächlich Magdeburg die ersten Stellen ein. Der Magdeburger Markt erscheint als Vorbild für Quedlinburg und Halberstadt. Magdeburg war der Hauptverkehrsplatz für den Handel aus dem Westen des Reiches nach den Slawenländern zwischen Ostsee und Mittelgebirge.

Auch die Juden und Kaufleute in Merseburg standen laut der Chronik des Bischof Thietmar von Merseburg (975-1018) mit den Slawenländern im Handelsverkehr. [2] Den Handel an der Elbe in der Gegend von Meißen und Belgern erwähnt eine Urkunde Ottos II. von 983 (DO. II n. 184) [3]. Auch die Münzfunde bezeugen das Eindringen des deutschen Handels in die Slawenländer.

Dänemark

Dürftig und vereinzelt sind auch die Nachrichten über den Handel von Sachsen nach Norden hin, nach Dänemark und die Ostseeländer. Zwischen Sachsen und Nordeuropa bestanden Handelsbeziehungen zu Land und zur See. Die Belebung des nordischen Verkehrswesens durch die besonders nach Westen und Osten ausgreifenden Normannenzüge zog auch die Deutschen immer stärker an.

Die besonders an deutschen und englischen Münzen des 10. und 11. Jhs. reichen Funde auf Gotland gestatten allerdings keinen Schluss auf eine Teilnahme der Deutschen am Handelsverkehr auf Gotland schon in sächsischer Zeit. Eine Nachricht von 962 oder 963 spricht im sächsisch-dänischen Grenzgebiet lediglich von einem durchreisenden Kaufmann (Widukind 3 c. 64). Bardowiek und Bremen dürften als die wichtigsten Handelsplätze Sachsens für den dänisch-nordischen Verkehr in Betracht kommen.

Über Schleswigs Handel im 10. Jh. und seine Bedeutung für die Deutschen fehlen gleichzeitige und zuverlässige Nachrichten. Doch gehörte wahrscheinlich auch Schleswig zu den Orten, mit denen Handelsverkehr von Sachsen aus bestand, und von denen aus Deutsche die Ostsee befuhren.

Friesland, Utrecht, England

Nach der Befreiung Frieslands von der Normannenherrschaft und während der spätkarolingischen und sächsischen Zeit blieb der Handel von den Rheinmündungsgebieten nach Norden und England infolge der noch unsicheren Lage jener Gebiete und der fortdauernden Kämpfe zwischen Angelsachsen und Normannen in England zunächst unregelmäßig und ohne viel Bedeutung (s. Friesenhandel).

Über den Handel Utrechts, des wichtigsten Ausgangshafens für den nordischen Verkehr, nach Norden ist aus sächsischer Zeit keine direkte Nachricht vorhanden. Fest steht, dass Schifffahrt auf der Zuidersee und durch diese in die Nordsee bestand. Das Utrechter Bistum erwarb 948 den Schiffszoll (cogsculd) zu Muiden am Einfluss der Vecht in die Zuidersee, der wahrscheinlich einige Jahrzehnte später nach Utrecht verlegt wurde, sowie den Zehnten vom Strandgut auf Wieringen und in dessen Nachbarschaft.

Auf den Handelsverkehr der Rheinmündungslande nach England wirft erst eine wahrscheinlich in die Zeit König Aethelreds II. (um 991-1002) zu setzende Aufzeichnung Licht [4]. Sie enthält Angaben über den Verkehr der fremden Kaufleute in London, erwähnt die Kaufleute aus Ronen, Flandern, Ponthieu, Normandie, Frankreich und dem Bistum Lüttich, sowie die aus dem Heiligen Römischen Reich.

Tiel und Köln

Tiel am Waal im Rheinmündungsgebiet teilte sich mit Utrecht das zerrüttete Erbe Dorstats: Utrecht für den Norden, wie es scheint, und Tiel für England. Der Handelsverkehr Tiels mit England und anderen Gebieten [5] bezeugen für die Zeit Heinrichs II. (973-1024) verschiedene Berichte, besonders De diversitate temporum des Alpert von Metz [6]. Hiernach fand wechselseitiger Handelsverkehr zwischen Tiel und England statt.

Kölns Handel und seine Verkehrsbedeutung bezeugen seine Eigenschaft als Reichszollstätte und sein Markt. In jüdischen Quellen erscheint die Kölner Messe mindestens ab dem späten 10. Jh. als weitbekannte Handelsgelegenheit. Bedeutender sind in Köln die Ergebnisse der topographischen Forschungen. Schon vor 948 erfolgte über die alte Römermauer hinaus eine erste Stadterweiterung in die Uferniederung des Rheins hin, die durch Befestigungen gesichert wurde und die das Marktviertel und die dort am Flussufer siedelnde handeltreibende Bevölkerung in sich schloss.

Ob neben Köln schon der Handel der Schelde- und der Maasstädte damals namhaftere Bedeutung besaß, steht dahin. Am ehesten könnte man es für Verdun vermuten. Der Handelsverkehr jener Städte nach England ist bezeugt. In Cambrai kaufte man Wachs und Gewürze in ansehnlichen Quantitäten, und über den Handel der Kaufleute von Verdun nach Spanien liegen mehrere Nachrichten vor.

Handelsbetrieb

Insgesamt zeigt die Überlieferung, dass die Entwicklung des inneren und äußeren Handels im Heiligen Römischen Reich seit der zweiten Hälfte des 10. Jhs. rasch und allseitig fortschritt. Sie gestattet in dieser Zeit auch zum ersten Male gelegentliche Einblicke in das kaufmännische Leben und den Handelsverkehr. Einzelne einwandfreie Nachrichten liegen darüber vor; andere tragen die besonderen Züge der neuen sozialen Erscheinung.

In den neu-entstehenden und von alters oder später durch die Verkehrslage und Verkehrsgestaltung begünstigten Markt- und Kaufmannsansiedlungen entwickelte sich eine in ihren Interessen und Gewohnheiten gleichartige, für den Handel und hauptsächlich im Handel tätige Bevölkerung. Nach der für die meisten Marktbewohner charakteristischen und wichtigsten Tätigkeit, dem gewerbsmäßigen Handel, bezeichnete man damals und Jahrhunderte später die Gesamtheit der Einwohner dieser handeltreibenden Marktorte als „mercatores", „Kaufleute".

Der Handel konnte Wohlstand und Reichtum verschaffen. So bezeichnete z.B. der Historiker und Bischof Liutprand von Cremona (920-972) den Kaufmann Liutfred in Mainz, der im Auftrag Ottos des Großen nach Konstantinopel reiste, als "sehr reich". Ebenso schenkte der Kaufmann Willihalm, dem der Vorgänger Ottos II. die Freiheit verliehen hatte und der wahrscheinlich als Kaufmann in königlichen Diensten tätig war, zusammen mit seiner Frau Heilräd dem Kloster St. Emmeram in Regensburg (983) einen stattlichen Grundbesitz samt Hörigen in Regensburg, sowie im Donau- und Nordgau. [7] ... Weiterlesen.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Geschichtsbaum Deutschland National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.
  2. Chronicon sive Gesta Saxonum (Chronik oder Geschichte der Sachsen). Thietmar von Merseburg, um 1012-1018. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB. 3 c. 1, 6 c. 16
  3. Ottonis II. et Ottonis III. Diplomata (Diplomata 13: Die Urkunden Otto des II. und Otto des III.). Hrsg. Theodor Sickel. Hannover 1893 (Digitalisat der Monumenta Germaniae Historica)
  4. Gesetze der Angelsachsen (Internet Archive). Felix Liebermann. Savigny-Stiftung. M. Niemeyer, 1906. Bd. I, S. 232-235
  5. vgl. Mir. S. Walb. Tiel. in Monumenta Germaniae Historica (MGH). Scriptores (in Folio) (SS). (ISSN 0343-2157). MG. SS. 15, 2, 765 f.
  6. Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici. Hrsg. Georg Heinrich Pertz u. a. VIII und 888 S. 4 Tafeln. 2º. 1841. Nachdruck 1982. 4º. ISBN 3-7772-6308-7 in MG. SS. 4, 718
  7. Ottonis II. et Ottonis III. Diplomata (Diplomata 13: Die Urkunden Otto des II. und Otto des III.). Hrsg. Theodor Sickel. Hannover 1893 (Digitalisat der Monumenta Germaniae Historica). DO. II n. 293-296

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