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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 12. September 2017 als Spotlight vorgestellt.

Der Harnischkragen (engl. gorget), der spätere Ringkragen, ist ein Rüstungsteil von Plattenharnischen, das sich ab dem 16. Jh. aus dem Helmbart entwickelte und die Halsberge in ihrer Funktion ablöste.

Beschreibung

Der Gebrauch, den Hals durch eiserne Schienen zu decken, wird bei den Plattenharnischen erst am Beginn zu 16. Jh. allgemein üblich. Nahezu ein Jahrhundert wurde der Plattenharnisch ohne Kragen getragen. Zwar finden sich schon vor dessen Einführung Anzeichen genug, welche darauf hinzielen, den Hals zu schützen.

So wurde das unter dem Lentner getragene Wams oder auch dieser selbst hoch in den Hals hinauf geschnitten und der Kragenteil vorn verschnürt. Darüber lag dann die Helmbrünne, welche bis zu den Schultern ausreichend deckte. Auch das unterhalb liegende Panzerhemd reichte anfänglich bis über den Hals hinauf und wurde vorne mit 2-3 Riemchen zusammengeschnallt. Diese Art des Halsschutzes blieb im Wesentlichen auch in jener Periode gleich, in welcher die ersten Geschlossenen Helme in Gebrauch kamen.

Aufbau

Der Harnischkragen besteht aus einem Brust- und Rückenblech, die auf der Brust und im Nacken aufliegen und dem Träger genau angepasst sein müssen. An diese schließt sich zum Hals hinauf ein 3-4 faches Geschübe an. Der vordere und hintere Teil sind getrennt; beide sind links nur mit Scharnieren in Verbindung; an der rechten Seite werden sie mittels Häspen geschlossen (Bild).

Wenn der Harnischkragen für einen burgundischen Helm diente, so war sein Oberrand nach oben gebogen und dieser aufgebogene Rand diente als Führungsschiene für den hohlen Wulst am Unterrand des Helmes, der sich darin zu den Seiten hin bewegen konnte, wie es in der alten Sprache heißt: „der im Kragen vmbgeet". Bei allen anderen Helm- und Harnischformen besaß der Kragen einen aufgeworfenen Rand, der häufig mit eingehauenen Linien verziert war, die ihm das Aussehen einer gedrehten Schnur verliehen, ein sogenannter „geschnürlter", im Gegensatz zum „glatten" Rand (Bild).

Nicht selten findet man an geschlossenen deutschen Sturmhauben unterhalb quere Auftreibungen, die dem Kragenrand entsprechen, um eine Verbindung der Haube mit dem Kragen zu erzielen. Über dem Kragen wurden nun zuerst Brust und Rücken, dann erst die Achseln mit den Armzeugen aufgelegt. Eine nicht unwichtige Aufgabe hatte der Kragen dadurch zu erfüllen, dass an seinen Seiten die Achselstücke mittels sogenannter Federzapfen oder auch mittels Riemchen befestigt wurden.

Entwicklung

15. Jahrhundert

Als etwa um 1450 die Kugelhelme in Aufnahme kamen, wurde der Hals durch den unteren Teil des Helmes, der bis auf die Brust und den Nacken hinabreichte, geschützt (Helmbart), aber aus dieser Form erwuchs die große Unbequemlichkeit, dass der Kämpfer nicht im stande war, seinen Kopf zu heben oder zu senken. Dieser Nachteil führte zunächst zur Einführung der Schaller.

Kinnreff, Rüstung von Maximilian I. um 1485, KHM A79

Helmbart (Kinnreff) von einem Harnisch Kaiser Maximilians I. (um 1485)

Die italienischen Kondottieri waren es zuerst, welche sich dieser bequemeren Kopfbedeckung bedienten. Der Hals wurde durch den vorn am Bruststück befestigten Bart geschützt, welcher bis in die Höhe der Augen reichte. Erst mit der Einführung des burgundischen Helmes erschien als wesentliche Beigabe der Harnischkragen, der als Bestandteil fortan beibehalten und selbst unter dem Geschlossenen Helm oder der Sturmhaube getragen wurde.

Als sich der Harnischkragen aus dem sog. Helmbart entwickelte, wurde dessen vorderer Teil hierzu derart verändert, dass er nur noch den Hals deckte; weiter hinauf erschien eine Deckung überflüssig, weil eine solche durch Kinnreff und Visier am Helm hinreichend vorhanden war. Der hintere Teil wurde zum Verschluss neu hinzugefügt.

16. Jahrhundert

Die ältesten Kragen wurden noch - genau wie der Helmbart - außerhalb am Bruststück mit Kloben befestigt (Bild). Bald aber änderte man diese Anordnung derart, dass zuerst der Kragen, dann erst Brust- und Rückenstück zum „Anlegen" kamen. Um 1540 erscheinen Kragen an deutschen Harnischen, deren Brust- und Rückenbleche bis über die Achseln hinabreichen. Die Veranlassung war nur, den Druck der Tragbänder des Bruststückes zu mäßigen. Die Form verschwand allerdings bereits wieder um 1550 (Bild).

Landsknechtharnisch

Diese Anwendung der Verbindung mit den Achseln hatte für den praktischen Gebrauch in der Truppe seine Nachteile schon dadurch, dass das Anlegen der vollständigen Harnischgarnituren bei den vielen einzelnen Stücken umständlich war und unverhältnismäßig viele Zeit erforderte. Diese Wahrnehmung und das Bestreben, dem Übelstand abzuhelfen, führte bei den Landsknechten zu einer besonderen Harnischform, die sich von jener des „ritterlichen“ Harnisches unterschied. Hauptsächlich durch die eigentümliche Form des Kragens und des Armzeuges bildete sich der sogenannte gemeine „Landsknechtharnisch“, der, den praktischen Bedürfnissen im Krieg besser entsprach, und im Krieg auch gern von der Ritterschaft getragen wurde.

Spangröls

Die Veränderung des Harnischkragens durch die Umbildung des Feldharnisches war dabei nicht gering. Zunächst wurde das Brust- und Rückenblech bedeutend größer, da Harnischbrust- und Harnischrücken zur Erleichterung geringere Dimensionen erhielten und mit (anfänglich) gerade laufenden Oberrändern nur bis etwa an die zweite Brustrippe hinaufreichten, bildeten nun Brust- und Rückenblech des Kragens einen bedeutenden Teil der Deckung des Oberkörpers. An den beiden Seiten des Kragens wurden geschobene Achselstücke (Spangröls") befestigt (Bild).

Mühlsteinkragen

Um 1570 erhielt der Kragen an ritterlichen Harnischen dadurch eine Veränderung, dass er, nun der Mode entsprechend, hoch hinaufgezogen erscheint. Über dem Rand tritt dabei anfänglich ein schmaler, später ein übermäßig breiter und hoher, weißer, gefalteter Kragen, aus feiner, gestreifter Leinwand hervor, der in seiner höchsten Übertreibung als „Mühlsteinkragen“ (vgl. Halskrause) bekannt ist. Nicht immer erscheint der Harnischkragen dabei als selbständiger Bestandteil der Rüstung, sondern wurde auch in Verbindung mit der Harnischbrust und Harnischrücken getragen.

Schon um 1550 wurde es unter den Kavalieren in Italien Sitte, im gewöhnlichen Verkehr in den Städten, um doch etwas vom Harnisch an sich zu haben, und vielleicht, um bei einem unvermuteten Angriff wenigstens die Schlagadern geschützt zu haben, nur den Kragen allein zu tragen. Das führte nicht nur zur besonderen Verzierung desselben, sondern auch dahin, Farbe und Zier des Wamses in Einklang mit der Dekoration des Kragens zu bringen.

17. Jahrhundert

Solche dekorativen Harnischkragen sind um 1620 schon ohne Geschübe, reichen auch etwas weiter über die Brust herab und erscheinen dort, weil nun sichtbar, mit geschmackvollerem Schnitt (Bild 1, Bild 2).

Diese Sitte erhielt sich in den italienischen Heeren unter den Offizieren, wurde später zum Dienstabzeichen und verbreitete sich in fast alle Armeen Europas. Im niederländischen Befreiungskrieg, unter Moriz von Oranien, im 30-jährigen Krieg (1618-1648) wurde der Harnischkragen von den Offizieren fast ausnahmslos über dem Lederkoller getragen (Bild). Um 1630 kam man beim Harnischkragen wieder auf die ursprüngliche Einrichtung zurück und verlegte den ihn über Brust und Rücken.

In der Zeit des Rokoko (1720-1780), in der alles zugeschnitten und zugestutzt wurde, verlor der Dienstkragen den unbequemen Halsteil und schrumpfte zum Ringkragen zusammen, als der er bis im Zweiten Weltkrieg hinein in vielen Armeen zu sehen war (Bild).

Galerie

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