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Ein Heer im modernen Sinn kannten die germanischen Stämme noch nicht. Es gab keinen berufsmäßigen Kriegerstand. In der germanischen Zeit und bis nach dem Ende der Völkerwanderungszeit war jeder, der überhaupt Waffen tragen konnte, ein Krieger.

Beschreibung

Von der Antike bis zum Ende der Völkerwanderungszeit war bei den germanischen Stämmen das Volk in seiner Gesamtheit auch gleichzeitig das Heer bzw. die Armee (lat. exercitus). Ausgenommen waren die Frauen, die damals allerdings rechtlich nicht zum Volk zählten außerdem die Männer, die zu jung oder zu alt waren, um Waffen zu tragen. Auch jene, die durch entehrende Verbrechen ihre Ehre verloren hatten, und die Unfreien und Hörigen, die auch nicht zum Volk im engeren Sinne gehörten.

Auch später im fränkischen Reich war die Wehrpflicht allgemeine Untertanenpflicht (s. Wehrverfassung). Erst allmählich bildete sich seit dem Ende der fränkischen Periode unter dem Einfluß der aufkommenden Reiterheere ein besonderer Kriegerstand aus. Dagegen kann man in Nordeuropa insofern von einem Heere sprechen, als dort das Landheer, wenn man von dem zur Landwehr aufgebotenen Volke absieht, aus einem Stand berufsmäßiger Krieger, den königlichen Dienstleuten und Lehnsleuten, besteht. (s. Heerwesen).

Truppengattungen

Die germanischen Völker verwendeten im Krieg (s. Kriegsführung) fast alle mit überwiegender Bedeutung Fußkämpfer (burg. unthfenthai = auserlesene Fußkämpfer). Geringere Bedeutung hatte, war aber bei den meisten Völkern vorhanden, die Reiterei. Fremd war den Germanen dagegen der Kampf vom Streitwagen aus, was bei den Kelten weit verbreitet war.

Dagegen erscheint als Besonderheit eine Parabatenreiterei, eine Truppe, die zur Hälfte aus Reiterei, zur Hälfte aus Fußkämpfern bestand, von Tacitus schlechthin die "Hundert" (centeni) genannt. Küstennahe Völkerstämme, wie z.B. Friesen und Sachsen bedienten sich auch Flotten aus Kriegsschiffen für den Kampf. Sogar in Binnengewässern finden Kämpfe zu Schiff statt.

Die nordeuropäischen Reiche weisen dieselben Truppengattungen auf wie dem Kontinent, aber in anderer Verteilung. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Kriegsflotte. Auf sie bezieht sich die Wehrpflicht und Dienstpflicht des Volkes. Die Fußtruppen kamen nur bei Landwehr, also bei feindlichem Einfall, zum Einsatz, bilden also nur eine gelegentliche Truppengattung. Die Reiterei aber war ein Kontingent meist berufsmäßiger Krieger. Weiteres unter Kriegsführung und Heerwesen. [1]

Heereseinteilung

Lange vertraten Forscher die Meinung, dass die germanischen Heere in Hundertschaften und Tausendschaften gegliedert waren. Aus den Quellen aber ergeben sich hierfür keine, jedenfalls nicht genügende Anhaltspunkte. Auch die Rückschlüsse der Heereseinteilung auf Grundlage eines Zentesimalsystems aus den späteren Verhältnissen leiden unter der Tatsache, dass diese von neu eingeführten Heeresgliederungen ihren Ausgang nahmen.

Die Quellen lassen dagegen für die germanische Zeit ersehen, daß sich das Heer aus verwandtschaftlichen Gruppen zusammensetzte, denn noch später bezeichnete das langob. fara das Geschlecht wie auch die Heeresabteilung. Doch nahmen die ostgermanischen Stämme während der Völkerwanderungszeit (375/376 bis 568) durchaus auch Einflüsse der römischen zentesimalen Heeresorganisation bei sich auf.

Bei den Westgoten war das Heer gegliedert in:

  • Tausendschaften (lat. millenaria) unter dem millenarius,
  • Hundertschaften (lat. centenae) unter dem Centenarius,
  • Zehntschaften (lat. decaniae) unter dem decanus.
  • Sogar ein quingentarius wird erwähnt.

Die Millenarii als Vorsteher einer Tausendschaft kennen auch Ostgoten und Vandalen.

Franken

Über die Organisation der fränkischen Heere gibt es vor Karl dem Großen (747-814) wenige Quellen. Die aus den einzelnen Gebieten ausgehobenen Truppen standen unter dem Befehl der Bezirksbeamten, des Grafen und des Zentenarius, oder in den Stammesherzogtümern dem des Herzogs. In Bayern finden sich militärische Zehntschaften unter decani, bei den Franken unter dem Namen der contubernia. Hierdurch ergab sich eine zwanglose Organisation des Heeres. Dabei bildeten auch die einzelnen Vasallentruppen, sobald sie zahlreicher waren, besondere Heeresabteilungen; und je mehr sich das Volksheer in ein Söldnerheer verwandelte, nahmen gerade auch solche Truppenverbände zu.

Nordeuropa

In den skandinavischen Ländern erfolgte bei der geringen Bedeutung der Landmacht so gut wie keine Einteilung des Heeres. Die Landwehr kämpfte - territorial geordnet - unter dem Befehl der königlichen Beamten. Das Reiterheer empfing seine Ordnung durch die Klassenbildung innerhalb der Gefolgschaft, und das von einzelnen Lehnsleuten gestellte Kontingent stand wie auf dem Kontinent unter seinem Herren. Über eine besondere Einteilung der Kriegsflotte ist den Quellen nichts Bestimmtes zu entnehmen, doch lassen einzelne Andeutungen darauf schließen, daß sich die Schiffe aus den zu einem größeren Bezirk gehörenden Unterbezirken zu Abteilungen zusammengeschlossen haben. (s. Heerwesen)

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Deutsche Altertumskunde - Band 2 (Internet Archive). Karl Müllenhoff. Berlin 1870-1908. Bd. IV, S. 173 ff.

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