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Hermes Trismegistos

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Hermes Trismegistos, Der dreimal Größte, wurde bei den Ägyptern auch "Thot" genannt. Im Allgemeinen sieht man in dieser mythischen Gestalt die Verschmelzung des griechischen Gottes Hermes mit eben jenem altägyptischen Gott. Der Überlieferung zufolge soll Hermes in einer seiner Verkörperungen im Mittelalter auch Alchemie gelehrt haben.

Allgemeines

Hermes Trismegistos galt von der Spätantike durch das Mittelalter hindurch bis zur frühen Neuzeit als Verfasser einer Reihe von philosophischen, astrologischen, magischen und alchemistischen Schriften, die aufgrund seiner Gleichsetzung mit Thot als Zeugnisse uralten Wissens geschätzt wurden, das zumindest auf die Zeit des Moses zu datieren sei.

Thot und Hermes

Hermes war bei den Griechen der Gott der Reisenden, Hirten, Kaufleute und Diebe, Bote des Zeus und Totenbegleiter (Psychopompos). Bei den Ägyptern galt der ibisköpfige Thot als Gott des Mondes und der Mondphasen, der Magie, der Wissenschaft, der Schreiber, der Weisheit und des Kalenders. In den Pyramidentexten galt Thot als Gott des Westens. [1]

Eine explizite Identifikation findet sich bei dem ägyptischen Priester Manetho aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., zu Beginn der hellenistischen Ära in Ägypten. Das betreffende Fragment eines Werks von Manetho namens „Buch der Sothis“ ist von Georgios Synkellos, einem byzantinischen Mönch († nach 810) überliefert. Manetho schreibt an Ptolemaios II. und gibt als Quell seiner Kenntnisse an:

Inschriften aus dem Land Seir, stammend von Thot, dem ersten Hermes, mit Hieroglyphen in der heiligen Sprache, nach der Flut übersetzt in die griechische Sprache und in Büchern aufgezeichnet vom Sohn des Agathodaimon, dem zweiten Hermes, dem Vater des Tat, in den Schreinen der Tempel Ägyptens.[2]

In De natura deorum (III,56) zählt Cicero fünf Verkörperungen des Hermes auf und sagt über die fünfte:

Den fünften verehren die Pheneaten und er gilt als derjenige, welcher der Sage nach den Riesen Argus getötet hat, deshalb nach Ägypten floh und den Ägyptern ihre Gesetze gegeben und sie die Buchstabenschrift gelehrt hat. Die Ägypter nennen ihn Theuth, und mit demselben Namen wird bei ihnen auch der erste Monat des Jahres benannt.

Das heißt, dass die Identifikation von Hermes und Thot in Ägypten schon zu Beginn der Ptolemäerzeit etabliert war und auch bei den Römern als Mercurius-Teuth bekannt war.

Der Beiname „Trismegistos“

In der Vorrede seiner lateinischen Übersetzung des Poimanders erklärte der italienische Humanist und Philosoph Marsilio Ficino (1433 bis 1499), der Beiname Trismegistos ("der dreimal Größte") rühre daher, dass dieser ägyptische Hermes zugleich der größte der Philosophen, der größte Priester und größte König gewesen sei. [3] Auch bei dem schon erwähnten Priester Manetho wird der Name erwähnt.

„„Deinem Ptolemaios II. Befehl entsprechend werde ich dir die heiligen Schriften deines Vorfahren Hermes Trismegistos überliefern, von denen ich Kunde habe …““

Der römische Gott Mercurius wiederum wurde im Rahmen der Interpretatio Romana mit dem griechischen Hermes identifiziert, weshalb der Hermes Trismegistos zu Mercurius Termaximus latinisiert werden konnte.

Saurid / Idris

Im 14. Jahrhundert stellte der arabische Historiker Muhammad al-Maqriz (1364-1442) alt-arabische und koptische Manuskripte aus den Kairoer Bibliotheken zusammen, in einem Werk, dass er Hitat nannte. Dort beschrieb er einen König Saurid, einem der Könige Ägyptens vor der Sintflut, der die Pyramiden bauen ließ. Das Hitat sagte über Saurid, er sei ”Hermes, den die Araber Idris nennen”, gewesen.

Gott habe ihn in der Kenntnis der Sterne unterwiesen und ihm kundgetan, es werde eine Katastrophe über die Erde kommen, doch ein Rest der Welt übrigbleiben, in dem Wissenschaften nötig seien. Daraufhin habe Hermes alias Idris alias Saurid die Pyramiden erbaut, damit das gesamte Menschheitswissen der damaligen Zeit erhalten bliebe. Auf der Spitze der Pyramide lieb König Saurid eine Schrift anbringen: [4]

Ich, Saurid, der König, habe diese Pyramiden erbaut, und ich habe ihre Erbauung in sechs Jahren vollendet. Wer nach mir kommt und meint, er sei ein Kînig wie ich, der möge sie in 600 Jahren zerstören. Es ist bekannt, dab Zerstören leichter ist als Bauen. Auch habe ich sie, als sie fertig waren, mit Brokat überzogen, möge er sie mit Matten bekleiden...

Und im Hitat, 33. Kapitel heißt es:

Es gibt Leute die sagen: "Der erste Hermes, welcher der 'dreifache' in seiner Eigenschaft als Prophet, König und Weiser genannt wurde, es ist der, den die Hebräer Henoch, den Sohn des Jared, des Sohnes des Mahalalel, des Sohnes des Kennan, des Sohnes des Enos, des Sohnes Seths, des Sohnes Adams - über ihm sei Heil - nennen, und das ist Idris. Der las in den Sternen, dab die Sinflut kommen werde. Da lieb er die Pyramiden bauen und in ihnen Schätze, gelehrte Schriften und alles, um was er sich sorgte, dab es verlorengehen und verschwinden könnte, bergen, um die Dinge zu schützen und wohl zu bewahren.[5]

Überlieferungsgeschichte

Die Vorstellung der mythischen Figur des Hermes Trismegistos, aus dem Corpus Hermeticum, speist sich aus den unterschiedlichen Betonungen der Trias Thot-Hermes-Mercurius. Entsprechend zählt Cicero in De natura deorum nicht weniger als fünf Mercurii auf und führt den letzten, der dem des Hermes Trismegistos zu entsprechen scheint, auf Thot zurück, der den Ägyptern lange vor den Griechen und Römern Schrift und Gesetze gebracht haben soll:

Die griechische Figur des Hermes vereinigt sich dabei mit dem ägyptischen Schriftgott Thot. Dem resultierenden Amalgam wurden dann in der Spätantik unter dem Namen Hermes Trismegistos die Autorität und die magischen Fähigkeiten eines ägyptischen Priesters zugeschrieben. Er wurde ob seines sagenumwoben hohen Alters verehrt und bot als heiliger Begründer der Schrift eine ideale Projektionsfläche für die allgemein "religiösen" Schriften des Corpus Hermeticum. Die wohl bekannteste bildliche Darstellung des Hermes Trismegistos in einem Teil des Bodenreliefs der Kathedrale von Siena zeigt ihn als Gesetzgeber der Ägypter und Zeitgenossen des Moses.

Hermetische Schriften

Die bekannteste hermetische Schrift im Mittelalter war der Dialog Asclepius, der zusammen mit den Werken des Apuleius von Madauros überliefert wurde, da man diesen für den Übersetzer der verlorengegangenen griechischen Vorlage hielt. Fragmente aus dem Asclepius sind auch in den koptischen Nag-Hammadi-Codices' enthalten, die 1945 entdeckt wurden. Ähnlich populär war eine astrologische Aphorismensammlung mit dem Titel Centiloquium Hermetis, von der über 80 Manuskripte und mehrere Drucke aus dem Zeitraum zwischen 1484 und 1533 erhalten sind, die Tabula Smaragdina, sowie das Liber XXIV philosophorum.

Corpus Hermeticum

Die als Corpus Hermeticum bekannten Dialoge wurden erst in der Renaissance wiederentdeckt. Im Jahr 1462 kam Cosimo de Medici in den Besitz einer griechischen Handschrift, die er von Marsilio Ficino ins Lateinische übersetzen ließ. Aus der Auseinandersetzung mit den Texten des Corpus Hermeticum etablierten die Philosophen seit dem 15. Jahrhundert im Spätmittelalter, wie z.B. Marsilio Ficino oder Agrippa von Nettesheim, eine eigene Form von Philosophie. Im Einklang mit dem Urteil des Laktanz, der in Hermes einen heidnischen Philosophen des Christentums sah, ebneten Berührungspunkte zwischen dem Corpus Hermeticum und biblischen Passagen den vor-christlichen Texten den Weg in den Kanon der frühen Neuzeit.

Erst um 1614 kam Isaac Casaubonaus textkritischen Erwägungen zu dem Schluss, dass es sich bei den Texten des Corpus Hermeticums um hellenistische Traktate handeln müsse, die kaum vor dem 2. Jahrhundert geschrieben worden sein konnten. [6]

Hermes Trismegistos im Mittelalter

Als wichtige Bewahrer der altägyptischen Legenden um Hermes Trismegistos wirkten griechische und byzantinische Gelehrte bis zur Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Türken. Auch im Judentum wurden Teile der Mythen weitergegeben, speziell im Sohar. Hermes Trismegistos wurde später als Entdecker des „Steins der Weisen“ in der Alchemie beschrieben. So soll er in altägyptischer Zeit ein Element entdeckt haben, das zur Veredelung des Menschen (Religion, Philosophie und Körper) beitragen soll.

Verwandte Themen

Literatur

  • Hans Bonnet: Hermes Trismegistos. In: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Hamburg 2000, S. 289f. ISBN 3-937872-08-6
  • Florian Ebeling: Das Geheimnis des Hermes Trismegistos. Geschichte des Hermetismus. C.H. Beck, München 2005. ISBN 3-406-52816-3 (Gute Übersicht)
  • Maria M. Miller: Die Traktate des Corpus Hermetikum. Novalis, Schaffhausen 2004. ISBN 3-907260-29-5 (Deutsche Übersetzung des Corpus Hermetikum mit ausführlichen Kommentaren)

Quellen

Wikipedia
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Trismegistos Artikel „Hermes Trismegistos“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 21. Apr. 2012‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


  1. Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49707-1, S. 164.
  2. Gerald P. Verbrugghe, John Moore Wickersham: Berossos and Manetho, Introduced and Translated: Native Traditions in Ancient Mesopotamia and Egypt. University of Michigan Press, Ann Arbor 2001, S. 174. ISBN 0-472-08687-1
  3. Trismegistum vero inter maximum nuncuparunt quoniam et philosophus maximus et sacerdos maximus et rex maximus extitit.
  4. Das Pyramidenkapitel in Al-Makrizi`s "Hitat". Erich Graefe. 2003. ISBN-10: 3833011289.
  5. Erich von Däniken; Was stimmt nicht mit den Datierungen?,
  6. De rebus sacris et ecclesiasticis exercitationes XVI. London 1614.

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