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Eine Hexe (aschwed. trulkona, wnord. trollkona, aengl. wicce, hægtesse, ahd. hagazussa) ist im Volksglauben eine mit Zauberkräften ausgestattete, meist weibliche, heil- oder unheilbringende Person, die im Rahmen der Christianisierung häufig mit Dämonen oder dem Teufel im Bunde geglaubt wurde. Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde der Begriff Hexe vereinzelt als Fremdbezeichnung auf Frauen und Männer angewandt, die unter dem Vorwurf der Zauberei verfolgt wurden.

Beschreibung

Der Begriff einer "Hexe" setzte sich erst spät im Laufe des Mittelalters und dann insbesondere in der wissenschaftlichen Untersuchung des Phänomens „Hexenverfolgung“ allgemein durch. Zur Anwendung des Begriffs auf Männer als „Hexer“ oder „Hexenmeister“. Unter dem Begriff Hexen sind auch Menschen mit besonderem Wissen, niedere mythische Wesen oder Göttinnen vor- bzw. nichtchristlicher Religionen zu verstehen. [1]

Doch unter den halbvergessenen Sitten, traditionellen Geschichten, alten Liedern, volkstümlichen Spielen und Tänzen sind die Schlüssel zu einem großen Schatz an Weisheit, ungeschriebener Überlieferung und magischen Künsten zu finden.

Verschiedene Arten der Hexerei (wnord. fordaeðuskapr, trolldómr, aengl. lyblác) zählten allerdings schon früh im Mittelalter strafrechtlich zur Zauberei, darunter z.B. die Wahrsagerei, Kannibalismus, das Wettermachen, die Abtreibung oder das Verabreichen von Tränken zur Vernichtung der Fruchtbarkeit. Die Hexe wurde in schwereren Fällen mit dem Tode, insbesondere Verbrennen bestraft, oder mit Verknechtung, in leichteren mit Buße. [2]

Wortgebrauch

Die Wurzeln des deutschen Wortes Hexe finden sich nur im westgermanischen Sprachraum: mhd. hecse, hesse, ahd. hagzissa, hagazussa, mndl. haghetisse, ae. hægtesse. Die genaue Wortbedeutung ist ungeklärt; der erste Bestandteil von hagazussa ist wahrscheinlich ahd. hag ‚Einhegung, Schanze; Gehege, Gebüsch‘, der zweite ist möglicherweise mit norwegisch tysja ‚Elbin‘ und tusul ‚Gespenst‘ (vgl. auch dän. tøs, schwed. tös ‚Mädchen‘, norw. (mdrtl.) taus ‚Dienstmädchen‘) verwandt, also vermutlich ein auf Hecken oder Grenzen befindlicher Geist. Eine andere Herleitung versteht zussa als „sitzen“, so dass eine hagazussa eine auf oder in der Hecke sitzende Person bezeichnen könnte... Weiterlesen.

Hexerei

Der Begriff "Hexereye" tauchte erstmals 1419 in einem Prozess gegen einen Mann im schweizerischen Luzern auf. Allerdings ist schon 1402/03 in einem Rechnungsbuch aus Schaffhausen von einem „hegsen brand“, also einer Hexenverbrennung, die Rede. [3] Der Malleus Maleficarum des Dominikaners Heinrich Kramer, gen. Institoris nennt die Hexen „maleficae“ anstelle des männlichen Äquivalents "malefici" [Pl.] ursprünglich „Übeltäter“, erst später „Zauberer“.

Der Humanist und Begründer der bayerischen Geschichtsschreibung Johannes Aventinus (1477–1534), eigentlich Johannes Turmair, meinte um 1526, der Begriff „Hexe“ für die alten Zauberinnen stamme von der "hauptmannin ... frau Häcs" ab, der Frau des sagenhaften Königs Theuer, die "ein grosse ärztin" und Anführerin der Amazonen gewesen und später vergöttert worden sein solle [4].

Andere Bezeichnungen

Eine ältere deutsche Bezeichnung der Hexe ist Unholde. Dieser Ausdruck bezeichnet auch Gespenster oder allgemein dämonische Wesen. In Süddeutschland wurden Drude oder Trude und Truderer, Trudner, in Norddeutschland die niederdeutschen Ausdrücke Töversche und Töverer (= "Zauberer“), Wickersche und Wicker (vgl. engl. witch, „Wahrsagende“), Galsterer (mhd. Galster bedeutet „Zauberlied“) oder Böter (= Gesund-„Betende“, Heilende) verwendet.

Nach den zugeschriebenen Eigenschaften und Fähigkeiten der Hexen wurden auch die Begriffe Milchstehlerin [5], Bockreiter, Gabelreiter, Weissager, Zeichendeuter, Mantelfahrerer, Kristallseher oder allgemein Böse Leute (Malefikanten) verwendet.

Zaunreiter

Einige Autoren sehen im Begriff Hexe - bezogen auf das ahd. hag - nicht die umzäunte Hecke, sondern die einzelne Zaunlatte, auf der das Hexenwesen reite und die sich in der volkstümlichen Vorstellung später zum typischen Besen entwickelt habe. Eine Theorie ist auch, dass sich in den später als Hexerei bezeichneten Kultpraktiken eine bronzezeitliche Naturreligion wiederspiegelt, die sich aus dem steinzeitlichen Schamanismus entwickelt hat, und dass hag ein weltweit verbreitetes Charakteristikum des Schamanismus ist.

Dies basiert auf dem Trommelschlegel der Schamanen, der tranceerzeugende Musik hervorbrachte, und über den es in den meisten Sprachen schamanistischer Kulturen wörtlich heißt, dass der Schamane auf diesem Schlegel in die Geisterwelt reitet. Dieser steinzeitliche Ritt auf dem Trommelschlegel hat sich dieser Theorie zufolge über Vermittlung der bronzezeitlichen Religion, durch die ab der Eisenzeit nach Europa einwandernden indogermanischen Stämmen, stark negativ umgedeutet und wurde bekämpft. Daraus entwickelte sich die Vorstellung eines auf einer Zaunlatte reitenden, zumeist weiblichen oder weibischen Zauberwesens entwickelt.

Für das Bild von der Zaunreiterin gibt es jedoch verschiedene Erklärungen: Es könnte sich einmal um eine Art archaischer (Wald)-Priesterinnen gehandelt haben, andererseits wird auch ein abstraktes Bild bemüht: Wesen, die auf Zäunen sitzen, befinden sich auf einer Grenze von kultiviertem Raum zur unkultivierten Natur. Wenn die Hecke vielleicht mit dem Bannkreis, der vorchristliche Kultorte umgab und eine Trennlinie zwischen der diesseitigen Welt und der jenseitigen Welt darstellt, identifiziert werden kann, so ist die Hexe eine Person, die zwischen beiden Welten vermitteln kann. Sie besitzt somit divinatorische, aber auch heilende Fähigkeiten und hohes Wissen, und hat damit die Eigenschaften der vorchristlichen Kultträger.

Glaubensinhalte

Die Hexenkunst war nicht einfach nur eine heidnische Religion, da sie mindestens zwei andere interessante Aspekte beinhaltet. Der eine ist die Magie, der andere umfaßt ein weites Spektrum traditioneller Fertigkeiten, die vom Gebrauch von Kräutern für Heilzwecke bis zur Herstellung von Talismanen und Amuletten reichten.

Die Hexenkunst als religiöser Impuls hatte nie das Bestreben, diejenigen, die einen anderen Glauben haben, für sich zu gewinnen oder sie zu bekehren; und die Ausübung einer solchen "Hexenkunst" schloss ebenso nicht aus, daß man gleichzeitig christlichen Glaubens war. Ihre Mythologie umfaßte viele Arten von Göttern und Göttinnen, von den klassisch-heidnischen wie dem Pantheon des alten Ägyptens, demjenigen Griechenlands, dem der Kelten und Normannen in den nördlichen Ländern bis hin zu den magisch geborenen Heldengöttern, die jedes Jahr sterben und geopfert werden und zu denen zum Beispiel Attis oder Jesus gehören.

Im allgemeinen verehrten Hexen die Mutter Natur, die Große Göttin, die auch über die dreifachen Mondphasen und über alle Gewässer herrschte - egal, ob es sich um Quellen, Flüsse oder Meere handelt. Beim Hexetum herrschte nicht das Gefühl vor, daß man an eine Erdgöttin oder einen Sonnengott »glauben müsse«, sondern die Menschen erlebten durch persönliche Offenbarung und religiöse Erfahrung, daß man mächtigen Kräften begegnen und zu ihnen beten konnte und daß Führung, Stärke und Heilung empfangen werden konnten.

Durch die jahreszeitlichen Feste, die den Ablauf des Jahres markieren, wurde das Leben der Göttin und ihres Sohnes/Gefährten dargestellt. Es gab kein Dogma, sondern lediglich eine Reihe von Mythen -und Legenden, die von den Menschen auf dem Lande in Form von Liedern und Reimen, von Tanz und Pantomime, von Erzählungen und halbvergessenen Kalenderbräuchen oder Jahrmärkten weitergegeben wurden.

Der Göttliche Funke

Ein anderes grundlegendes Prinzip des Heidentums der Hexen ist die Vorstellung, daß jedem Individuum ein Funken des Schöpfers innewohnt, der sich als Gott und als Göttin in jedem Menschen manifestiert. Einige Traditionen sprechen entweder nur von dem Gott oder der Göttin im Menschen, doch ist es so, daß aufgrund der Tatsache, daß die unsterbliche, sich reinkarnierende Seele weder männlich noch weiblich ist, das Wesen beider Geschlechter tief in jedem verwurzelt ist. Dabei ist nicht äußerliche Geschlechtlichkeit gemeint, sondern ein universelles männliches und weibliches Prinzip, das aktive und das passive, das gebende (schöpfende) und das nehmende (empfangende) Prinzip usw..

Diese männlichen und weiblichen Attribute, die Göttin und der Gott, zeigen sich in zusammengehörenden Paaren von Dualitäten, wie Namen, Attributen, Symbolen oder Titeln, wie z.B. die Göttin als Mond und das Gott als Sonne. Dazu gesellt sich häufig ein dritter, ausgleichender bzw. verbindender Pol (s. Dreifaltigkeit). Diese Dualität und ebenso die Dreiteilung (heilige Trinität) finden sich in vielen esoterischen Lehren (wie z.B. in der Kabbalah, dem Baum des Lebens oder dem asiatischen Ying-Yang-Prinzip).

Gesellschaftliches

In jedem Dorf gab es eine Reihe von Familien, die einem Handwerk nachgingen, das Familientradition war: der Schmied, der Bäcker, der Schuster und wahrscheinlich auch der Weise, der Naturheilkundige und die Hexe. So gelangte das Wissen innerhalb einer Familie sowohl an die Söhne als auch an die Töchter. Die männlichen Hexenmeister hatten ihre eigenen Geheimnisse, Geheimnisse ihres Faches, wenn Sie so wollen, genau wie die Frauen, die ihnen dabei halfen, verlorengegangenes Vieh wiederzufinden und Krankheiten, von denen Mensch, Tier oder Land betroffen waren, zu heilen.

Diese Frauen kümmerten sich um die Liebes- und Haßbeziehungen in ihrer Gemeinschaft und je nach den Wünschen des Kunden ihren Rat, ein Amulett, einen Bann oder einen Zaubertrank anboten. Sie hüteten die Lieder der Gemeinschaft, die seit keltischen Zeiten von der Herkunft eines jeden einzelnen, seinen Vorfahren und dem traditionellen Handwerk berichteten. Sie kannten die Kräuter, mit deren Hilfe man ein Kind empfangen oder eine Schwangerschaft verhindern konnte. Sie kannten die Pflanzen, die friedlichen Schlaf, den Tod oder Alpträume bringen konnten.

Sie beobachteten den Himmel und verzeichneten in ihrem ungeschriebenen Kode die Geburt von Kindern, den Tod der Alten, das Treffen und die Trennung von Liebenden. Ihre Finger waren immer am Puls des Dorflebens. Da sie wußten, was in den Herzen derjenigen vorging, die von ihnen ein Elixier der Liebe, der Rache oder des Glücks haben wollten, konnten sie die Ergebnisse ihrer Aktivitäten innerhalb ihres magisch abgesteckten Bereichs aushandeln, vorhersagen oder manipulieren. Sie kannten die Geheimnisse des Lebens und des Todes und wurden vor der Christianisierung ihrer Gaben und Fähigkeiten und ihrer Magie wegen geachtet.

Historische Quellen

Die Kulturgeschichte berichtet wenig über das Leben, die Überzeugungen und Aktivitäten des gemeinen Volkes und somit auch über die der Hexen. Historiker richteten ihre Aufmerksamkeit eher auf Könige und Bischöfe, auf Feldherren oder Mönche in Klöstern und zeichneten deren Sicht der Geschichte. Was die Bauern und andere einfache Menschen, die ihre Fertigkeiten im Dienste ihrer Gemeinschaft ausübten, betrifft, so hat sich bei ihnen niemand diese Mühe gemacht.

Kaum einer der einfachen Menschen des Mittelalters hat sich sehr weit von dem Ort wegbewegt, an dem er geboren wurde, außer wenn das Dienstverhältnis zum Gutsherrn, seine unfreiwillige Teilnahme an einer Schlacht oder einem Aufstand oder Arbeit auf den entfernt gelegenen Ländereien des Gutsherm dies erforderlich machten. Es gab nur wenige Freie, nämlich die Wandergesellen, meist Tischler oder Steinmetze, und die fahrenden Scholaren.

Diese legten in vielen Fällen riesige Strecken zurück, um ihr jeweiliges Handwerk zu erlernen und auszuüben, und sie behielten ihre Geheimnisse für sich. Viele jedoch schützten und bewahrten auch die alte Religion, egal wo sie hingingen. So findet sich in vielen alten Kirchen der grüne Gott der Natur in den Dachsparren als Grünen Mann oder die Göttin in ihrer Verkleidung als Hirsch oder Hase oder Rose der Welt.

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Quellen

  • Das Geheime Wissen der Hexen. Marian Green. Orginalverlag: Harper Collins, London, 1991. Übers. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, 1998. ISBN 3-426-77343-0.
Wikipedia
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Hexe“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 10. Apr. 2012‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


  1. Wikipedia: Hexe
  2. Johannes Hoops. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 4. 1918—1919. S. 582.
  3. Vgl. Erster Beleg für eine Hexenverbrennung 1402 im Stadtarchiv Schaffhausen
  4. Vgl. Johannes Aventinus: Bayerische Chronik Buch I, Kapitel 65 Von den kriegsweibern (Sämmtliche Werke 4/1), hrsg. von Matthias Lexer, München: Christian Kaiser 1882, S. 148–153. Hier klingen wohl die griechische Göttin Hekate oder das germanische Götterpaar Teut und Herta an.
  5. Auch Buttervögel, Schmiervögel oder Schmalzflügel, weil man meinte, dass Hexen sich zum Stehlen oder Vergiften der Milch und Butter in Schmetterlinge verwandeln können.

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