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Bischof Isidor von Sevilla (Hispalis), auch genannt Isidorus oder Isidorus Hispalensis, wurde um 560 zu Cartagena in der spanischen Provinz Murcia geboren und starb am 4. April 636 in Sevilla. Der Nachwelt blieb dieser Kirchenschriftsteller vor allem durch seine wissenschaftlichen Schriften "Etymologiarum sive originum, libri XXX" und "De Natura Rerum" in Erinnerung, die u.a. die astronomische Literatur (liber III) des Mittelalters eröffneten. Als Heiliger St. Isidorus wird er von den Bolognesen am 18. September verehrt [1], sein offizieller Gedenktag ist der 4. April.

Beschreibung

Isidor war ein Gote aus vornehmem Geschlecht und gehörte zu einer der angesehensten gotischen Familien, die sogar mit König Theoderich dem Großen verwandt gewesen sein soll. Sein Vater Severian war Präfekt von Cartagena und seine Mutter Theodora (auch Turtura) war einigen Quellen zufolge gar eine Tochter des Königs Theodorichs. Seine Geschwister waren die heiligen Bischöfe Leander und Fulgentius, so wie die heilige Jungfrau Florentina. Der deutscher Benediktiner und Gelehrte Gabriel Bucelinus (1599–1681) nennt noch eine weitere Schwester Isidors: Theodosia, die Gemahlin von König Leovigild der Westgoten († 586).

Isidor wurde zusammen mit zwei Brüdern geistlich und Nachfolger seines Bruders Leander als Bischof von Sevilla. Im Jahre 619 führte er den Vorsitz bei der Synode zu Sevilla und 633 bei der Synode zu Toledo. Isidor machte sich um die Bildung in Spanien sehr verdient, galt selbst als einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit und wurde wegen seiner Schriften auch als Kirchenlehrer (Doctor Ecclesiae) verehrt.

Als Gelehrter gab strebte Isidor wie kein anderer seiner Zeit danach, den gesamten Umfang der antiken Bildung zu umfassen und in Auszügen der Nachwelt zu übermitteln. Er gab den Westgoten eine zwar knappe, aber zuverlässige Königsgeschichte (bis 624), zugleich auch kurze Überblicke über die der Vandalen und Sueven (s.a. Geschichtsschreibung: Westgoten). [2]

Lebensweg

Schon frühzeitig zeigte Isidor eine große Vorliebe für das Studium alter Schriftsteller, die er mit unermüdetem Eifer las, da ihre Kenntniß aus seinen Schriften ersichtlich ist. Hiezu diente ihm der Umstand, daß er der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache mächtig war. Seine Erziehung verdankte er seinen älteren Brüdern, vor allem Bischof Leander von Sevilla, der ihn auch mit seinem Freund, Papst Gregorius I. dem Großen, bekannt machte. Um das Jahr 600 folgte Isidor ihm dann auf dem bischöflichen Stuhl nach.

Schon als Jüngling bekämpfte er die Lehre vom Arianismus, die durch die Goten im Jahre 412 nach Spanien gekommen war, öffentlich mit solcher Vehemenz, daß er von deren Vertretern beinahe getötet wurde. Nachdem er widerwillig, besonders auf Betreiben von König Rekkared I. der Westgoten, unter dem Beifall des Klerus und des ganzen Volkes, sowie mit Zustimmung von Papst Gregorius I. des Großen, der ihm auch gleich das Pallium schickte, Bischof von Sevilla (Hispalis) geworden war, zeichnete er sich nicht blos durch alle Tugenden aus, sondern gab sich auch alle Mühe, für den katholischen Glauben durch Wort und Schriften zu kämpfen.

Besonders eifrig war er in der Herstellung der Kirchenzucht in Spanien und wurde als die Seele der Kirchenversammlungen angesehen, die zu diesem Zweck gehalten wurden. Er sorgte für Heranbildung guter Priester, denen er Lehrer und Vater war. Unter seinen Schülern sind besonders ausgezeichnet Bischof Ildephonsus von Toledo, so wie Bischof Braulio von Saragossa, der auch sein Leben kurz beschrieb. Im Jahre 619 präsidierte er dem Konzil von Sevilla und im Jahre 633 dem Konzil von Toledo, dem berühmtesten von allen, die in Spanien gehalten wurden.

Als er die Nähe seines Todes fühlte, begab sich Isidor mit zwei Bischöfen in die Kirche, versammelte das Volk, ermahnte es zur Liebe und Einigkeit, betete laut um Vergebung seiner Sünden. Er teilte all seine Habe unter die Armen aus und starb dann zu Hause am 4. April 636, nachdem er mehr als 35 Jahre Bischof gewesen war. Das im Jahre 653, also 17 Jahre nach seinem Tode, gehaltene Konzil von Toledo nannte ihn, wie es auch im römischen Breviere steht, einen vortrefflichen Lehrer, die neueste Zierde der katholischen Kirche, den gelehrtesten Mann der letzten Jahrhunderte, dessen Name nur mit Ehrfurcht auszusprechen sei etc.

Wunder

Sowohl vor als nach Isidors Tod wurden viele Wunder auf seine Fürbitte gewirkt. Sein Leichnam wurde im Dom von Sevilla neben seinen Geschwistern Leander und Florentina beigesetzt, im Jahre 1063 aber vom König Ferdinand I. von Castilien und Leon in die Kirche des heiligen Johannes des Täufers (St. Juan) zu Leon übertragen, die von da an den Namen Sankt Isidro erhielt. Am 4. April steht der heilige Bischof auch im Mart. Rom. und im römischen Breviere. Bildlich dargestellt wird Isidor als Bischof mit einem Buch in der Hand etc.

Werke

Isidors theologische, historische und grammatische Schriften gelangten im Mittelalter zu hohem Ansehen. Der Wert seiner Schriften liegt vorallem darin, daß er Auszüge aus verlorenen nicht-christlichen und christlichen Schriften zusammentrug. Besonders das "Sententiarum libri III" (eine Glaubenslehre), das enzyklopädische Werk "Originum seu etymologiarum libri XX" (Weltchronik) und die "Historia (de regibus) Gotorum, Vandalorum et Suevorum" erlangten Berühmtheit. [3] Er hinterließ außerdem eine eine Schrift namens De viris illustribus, Gedichte u.a.m. [4]

Der gelehrte Bischof veröffentlichte u.a. eine Sammlung von Aussprüchen der Kirchenväter, die Regula monachorum, die den Anfang zu einem Lehrgebäude des Kirchenglaubens bildeten. Diese päpstlichen Dekrete über Rechtsstreitigkeiten, die als Gutachten und Antworten ein rechtsgültiges Ansehen erlangten, wurden von Dionysius dem Kleinen gesammelt und von Isidorus in einer erweiterten Sammlung herausgegeben.

Pseudoisidorischen Dekretalen

Einige Werke, die unter Isidors Namen veröffentlich wurden, waren allerdings zweifelhafter Herkunft. Im 8. Jahrhundert gab ein Freund der römischen Kirche eine neue Sammlung solcher Dekrete, die "Collectio canonum ecclesiae", unter Isidors Namen heraus. Diese entpuppten sich jedoch größtenteils als Fälschung und erhielten daher den Namen Pseudo-Isidorus bzw. Pseudoisidorische Dekretalen, wurden von den Päpsten aber fortwährend für echt und gültig behauptet. [5]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 3. Augsburg 1869, S. 78
  2. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 4 Bände (1. Aufl.). Johannes Hoops. 1918-1919. K. J. Trübner, Straßburg 1911–1919. Bd. II, S. 205 ff. Art. Geschichtsschreibung.
  3. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 875.
  4. Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 442.
  5. Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 464.

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