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Jordanes bzw. Jornandes († nach 552) war ein spätantiker römisch-gotischer Gelehrter und Geschichtsschreiber des 6. Jhs. Als angesehener Ostgote heidnischer Abkunft war er als Notar der Gotenkönige in Italien tätig, ließ sich dann taufen und wurde Mönch. Er schrieb u.a. das berühmte Geschichtswerk "De origine actibusque Getarum" (Getica), ein Auszug aus Cassiodors Geschichte der Ostgoten.

Lebenslauf

Wie sein Großvater war Jordanes zunächst Notar eines Alanenfürsten, der in oströmischem Dienst stand. Was mit der von ihm selbst erwähnten Konversion gemeint ist, bleibt im Dunkeln; es könnte den Eintritt ins Kloster bedeuten, jedoch ebenso den Übergang in den Stand der Weltgeistlichen, und noch wahrscheinlicher der zum frommen Leben eines Laien (religiosus, conversus). Sein späterer Aufenthaltsort war wahrscheinlich Thessalonich.

Jordanes war der erste germanische Geschichtschreiber, der als oströmischer Untertan die kaiserlichen Interessen mit denen seines Volkes zu versöhnen versuchte. Doch begrub die völlige Vernichtung der Ostgoten kurz darauf solche Hoffnungen.

Kontroversen

Über Jordanes Leben und Persönlichkeit wurden zahlreiche Kontroversen geführt. Der deutsche Historiker und Paläograf Wilhelm Wattenbach [1] (1819–1897) und andere Forscher wollten ihn mit einem Bischof von Kroton oder einem Defensor der römischen Kirche, jenen Vigilius mit dem zeitgenössischen Papst (538-555) identifizieren. Der sicherste Führer durch Jordanes' Biographie bleibt der deutsche Historiker Theodor Mommsen [2] (1817–1903), im einzelnen ergänzt und berichtigt durch Erhardt, Cipolla, Friedrich u. a.. Ihm sind auch die kritisch brauchbaren Ausgaben zu verdanken.

Werke

Im Jahre 551 schrieb Jordanes auf Antrieb wißbegieriger Freunde zwei Geschichtswerke; zunächst die Gotengeschichte "De origine actibusque Getarum" (Getica), dann seine Chronik "De summa temporum vel origine aciibusqtie gentis Romanorum" (Historia Romana).

Getica

Um 550 schrieb Jordanes für einen gewissen Castalius die Gotengeschichte "De origine actibusque Getarum" (De Getarum sive Gothorum origine et rebus gestis = Getica). Hierbei handelt es sich um einen bis zur Gefangennehmung des Gotenkönigs Witiges reichenden Auszug aus Cassiodors verlorener Geschichte der Ostgoten mit eigenen und fremden Zusätzen. Trotz der kontroversen Beurteilung dieses Werkes, war es eine große Leistung, dass Jordanes sich als grammatisch unzureichend geschulter Gote an einer Geschichtschreibung größeren Stils versuchte. Und ihm ist es zu verdanken, dass das größere Werk Cassiodors mit den darin verarbeiteten älteren Quellen wenigstens im Auszug erhalten blieb, und damit eine Darstellung der Geschicke des gesamtgotischen Volkes mit sehr lebendigen Zügen überliefert und als oftmals einzige Quelle von unschätzbarem historischen Wert ist... Weiterlesen.

Historia Romana

Ferner verfaßte er für Vigilius, einen weltlichen Würdenträger des Reiches (wie aus der Anrede nobilissime et magnifice frater hervorgeht) eine Chronik ("Historia Romana"), die bis zum 24. Regierungsjahr Justinians reicht: die "De regnorum et temporum successione sive de origine mundi et actibus Romanorum" (auch "De summa temporum vel origine actibusque gentis Romanorum" = "Historia Romana" genannt). Es ist ein Abriß der römischen oder Weltgeschichte (die für den Verfasser gleichbedeutend sind) von Adam bis 551 n. Chr.. Das Werk stützt sich größtenteils auf Schriften anderer Autoren, wie z.B. Florus. Allerdings sind fast nur die letzten Nachrichten über die Gotenkämpfe bis 551 von historischem Wert. Das Latein des Jordanes hat wenig mit Ciceroʼs Sprache zu schaffen, doch besonders für seine Zeit bleibt er eine Hauptquelle der Geschichte.

Quellen

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