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Der Gebrauch von Köchern als Behälter für Pfeile, ist annähernd ebenso alt wie der Gebrauch von Bogen und Pfeil selbst. Trotzdem sind archäologische Funde vergleichsweise selten, da sie meist aus vergänglichem Material (wie Holz, Flechtwerk oder Leder) hergestellt wurden.

Beschreibung

Bei den Ägyptern, Persern, Griechen, Römern u. a. waren bereits zwei Arten von Köchern (mhd. tärkis; mittlat. tarkasius, tarchasius, tarcasia; lat. pharetra, franz. carquois, couire oder auch curie) gebräuchlich:

  • der Bogenköcher (lat. corylus) und
  • der Pfeilköcher (lat. pharetra, davon lat. pharetratus - Köcherträger).

Römische Kaiserzeit

Die Form der Köcher war bei den Germanen zur Römischen Kaiserzeit im Allgemeinen durch den Zweck vorgegeben: eine zylindrische Röhre, die auf einer Seite verschlossen ist, wie sie in einem mit Schnitzereien verzierten Exemplar aus Holz aus dem Nydammoor erhalten ist (Länge 38 cm). Dorther stammen auch die Bronzebeschläge eines zweiten Exemplares [1].

Auch auf römischen Monumenten sind vielfach germanische Köcher dieser Form aus der Kaiserzeit dargestellt. So z.B. auf der Gemma Augustea (Bild) und der Gemma Caesarea, auf den sog. Trophäen des Marius auf dem Kapitol, auf der Scheide von Vindonissa und auf dem Sockelstück des Grabmals von Neumagen. Einen germanischen Köcher aus etwas späterer Zeit mit Pfeilen gefüllt zeigt das Halberstädter Diptychon [2].

Frühmittelalter

Im Frühmittelalter wurde der Köcher wie Pfeil und Bogen von geringen und vornehmen Kriegern getragen. So auch noch in karolingischer Zeit. In dem Aufgebotsbrief an Abt Fulrad schrieb Karl der Große vor, dass jeder cabellarius einen Schild und einen Speer, ein Spatha, ein Semispatha, Bogen und einen Köcher mit Pfeilen haben sollte. Ebenso ordnete er für den gemeinen Mann im Capitulare de villis (cap. 64) als Ausrüstung "Schild und Speer in der Hand, Köcher und Bogen" an. Ein Köcher dieser Zeit - zylinderförmig, unten abgerundet, mit einem Deckel - ist im Psalterium Aureum dargestellt. [3]

Hochmittelalter

Auch die Bogenschützen im 12. Jh. des Hochmittelalters trugen Pfeil- und Bogenköcher, zu dieser Zeit hieß der Pfeilköcher im franz. couin, im engl. guiver. Solche Köcher bestanden oft nur aus Ledersäcken, aber auch aus hölzernen Behältern, die mit Leder überzogenen waren und waren sowohl bei den Angelsachsen, wie auch später bei den Engländern und schottischen Bogenschützen bis ins 16. Jh. hinein gebräuchlich.

Spätmittelalter

Köcher um 1510 handbuchderwaff00collgoog, Fig472

Rauchköcher (HRR, um 1510)

Köcher aus dem Spätmittelalter und der beginnenden Renaissance finden sich u.a. in den Zeugbüchern Kaiser Maximilian I. mit großer Sorgfalt abgebildet. Diese waren nach altdeutschen Brauch mit langhaarigem Pelzwerk überzogen und wurden „Rauchköcher" genannt.

Im Gegensatz zu Orientalischen Bögen wurden die Bögen in den europäischen Heeren nie im Köcher geführt. Bei Regenwetter wurde in der Regel nur die Sehne in einer Tasche verwahrt. Die Pfeile jedoch steckten in langen kegelförmigen oder auch prismatischen Behältnissen aus Holz, die entweder geschnitzt oder mit Pergament überzogen und bemalt waren. Es finden sich wie im Florentinischen auch zuweilen flache Köcher, die mit den orientalischen einige Ähnlichkeit hatten.

Orientalische Köcher

Die orientalischen Bogenschützen verwahrten auch den Bogen in einem Köcher; man unterscheidet demnach Bogenköcher (kemándán), und Pfeilköcher (tirkesch). Diese Behältnisse boten den orientalischen Kunsthandwerkern reiche Gelegenheit zur stilvollen Verzierung der Außenflächen. Man findet auch in Köchern des 15. Jhs. staunenswerte Proben orientalischer Kunst, besonders in Lederarbeit und Stickerei von wunderschöner Zeichnung. Die Köcher des 17. Jhs. bezeugen schon deutlich den Verfall der orientalischen Kunsttechnik, die bei aller hübscher Zeichnung das billigere Mittel des Gold- oder Silberbeschlages zu Hilfe nimmt, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Nydam Mosefund 1859 - 1863 (Europeana). H.C. Engelhardt, Bayerische Staatsbibliothek. XIII 63, 64
  2. W. Meyer in Abhandlungen der Bayerische Akademie der Wissenschaften (Wikisource). Ausgabe XV, 1879. S. 63 ff.
  3. Das Psalterium aureum von St. Gallen (Google Books) . J. Rudolf Rahn. Historischer Verein des Kantons St. Gallen, Zollikofer, 1878. Tafel 15
  4. nach einer Handschrift der mittelhochdeutschen Aeneis (dem Eneasroman, 1170-1188) von Heinrich von Veldeke, Staatsbibliothek zu Berlin
  5. Aus einem Gemälde von Vittore Carpaccios "Ursulazyklus: 8. Martyrium der Pilger und Begräbnis der Hl. Ursula" (1493). Galerie der Accademia (Venedig), Saal VIII, 27.
  6. Anmerkung: Tartarischer Pfeilköcher, um den Leib zu schnallen, aus Rehleder mit Applikationen aus farbigem Ziegenleder und mit vergoldeten Beschlägen.
  7. Anmerkung: Osmanische Köcher, beide aus grünem Korduanleder mit Stickerei in Silber und farbiger Seide, mit verzierten Beschlägen in kaltem Email. a) Der Bogenköcher wurde über die Achsel gehängt, der b) Pfeilköcher um den Leib geschnallt.
  8. 1683 vor Wien erbeutet. Museum: Rüstkammer, „Historisches Museum Dresden“ (Staatliche Kunstsammlungen Dresden)
  9. Anmerkung: Köcher der venetianischen Bogenschützen, aus Holz geschnitzt mit vergoldeten Arabesken auf rotem Grund. Kaiserliches Waffenmuseum in Zarskoe-Selo (Sankt Petersburg, Russland)

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