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Als Königshöfe (lat. curtes regiae) wurden früher königliche Kammergüter bezeichnet, z.B. eine königliche Burg mit ihrem Zubehör. [1] Allgemein wurde ein solcher Königshof als "Villa" bezeichnet. Funktion und Merkmale eines Königshofes werden in der karolingischen Schrift "Capitulare de villis vel curtis imperii" von Karl dem Großen beschrieben. [2]

Beschreibung

Ein Erlass Karls des Großen (Beneficiorum fiscorumque regalium describendorum formulae [3]) stellt das Muster auf für ein Inventar sämtlicher Krongüter. Asnapium, Grisio und Treola - von denen Forscher allerdings nicht wissen, wo sie gelegen haben - und mehrere nicht genannte werden bis ins Kleinste beschrieben: die Befestigung, die Häuser mit ihrer gesamten Ausstattung, der Garten mit seinen Bäumen und Pflanzen.

Literarische Überlieferung

Laut dem Erlaß aus der "Capitularia regum Francorum" [3] hat jeder Hof (curtis) ein kleines Gutshaus (curticula) und beide sind von einer Befestigung umgeben. Im Hof stehen die Wohnhäuser, Küche, Backhaus, Ställe, Speicher usw. Das Gutshaus ist systematisch geordnet mit verschiedenen Arten von Bäumen umgeben ("ordinabiliter disposita diversique generis plantata arborum"), also einem Obstgarten. Deneben wird auch ein Baumgarten bzw. Park (pomerium).

Für die Befestigung werden vier Hauptarten unterschieden. Nur einmal, bei Treola, heißt es, dass ein Hof von einer Mauer mit einem Tor aus Stein umgeben ist; sonst ist der Hof samt Garten immer von einer Mauer mit einem Turm umgeben. Dieser Turm wird einmal alleinstehend beschrieben (in Asnapium), ein andermal in Zusammenhang mit einem hölzernen Tor und einer umgebenden Dornenhecke, ein drittes Mal mit einen Flechtzaun. Der Hofzaun (ahd. hovazun) war jedoch keine bloße Pallisade oder Planke, sondern ein Erdwall (3-5 m dick) mit einer Holzabsteifung an der Front. Darauf konnte man sowohl eine Dornenhecke pflanzen, wie auch einen Flechtzaun als Brustwehr errichten.

Die einfachste Umhegung der Höfe war der alleinstehende Flechtzaun, der oft mit Holztoren versehen war; er tritt in den Quellen viermal auf (u.a. in der villa Grisio). Diese Königshöfe waren durchaus bedeutend, denn einer von ihnen hatte eine Kapelle, die aus gutem Stein gebaut war (capellam ex lapide bene construetam). Mit einem solchen Flechtwerk umgeben erscheint noch in der Schedel'schen Weltchronik (1493, S. CCLIII) die Festung Sabaz an der Sau. [4]

Beispiele für Königshöfe

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1705.
  2. Wikipedia: Kloster Rotaha - Sonstige Belege
  3. 3,0 3,1 Beneficiorum fiscorumque regalium describendorum formulae (Google Books) in MGH: Capitularia regum Francorum . Georg Heinrich Pertz. Hahn Verlag, München, 1835. Bayerische Staatsbibliothek. MGH. Leg. I S. 175 ff.
  4. Wikisource: Schedel'sche Weltchronik (Dgitalisat). Hartmann Schedel. (Nürnberg, 1493)

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