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Der Kaufmann war im Mittelalter, wie auch heute noch, ein Händler, der regelmäßig Kaufgeschäfte betreibt. Während der Römischen Kaiserzeit (1 bis 375 n. Chr.) beschrieb das Wort speziell den Schenkwirt, der in den Hütten neben den Truppenlagern in römischen Ansiedlungen der Grenzprovinzen Germaniens zu finden war.

Allgemeines

Der Kaufmann treibt Handel über die Grenze zu Land und Wasser, zieht von Ort zu Ort und schließt Kaufgeschäfte ab, holt und bringt Handelswaren, zahlt Abgaben an gewissen Stellen des Landes bei Brücken, Zollstätten usw. Überall berühren die Zeugnisse die Wandertätigkeit oder setzen sie voraus. Somit ist besonders das Umherziehen eine charakteristische Eigenschaft seiner gewerblichen Tätigkeit als Kaufmann.

Sprachliches

Die Bezeichnung des römischen Kaufmanns (auch die in Germanien verkehrenden Händler) ist in den Inschriften und bei den römischen Schriftstellern lat. negotiator (auch lixae) und lat. mercator. Allerdings nannten sich römische Kaufleute in Germanien mitunter auch lat. caupones.

Der Sprachgebrauch wechselt nach den Schriftstellern. Die Inschriften der Rhein- und Donaugebiete haben nur lat. negotiator. Das Wort verbreitete sich bereits in frührömischer Zeit über ganz Germanien, z.B. als got. Verb kaupón. Erst in den Quellen der Karolingerzeit tritt der Kaufmann als berufsmäßiger Gewerbetreibender auf [1].

Die weitaus überwiegende Bezeichnung für den einheimischen und fremden Kaufmann ist in der fränkischen Zeit lat. negotiator (lat. negotiare = 'Handel treiben', lat. negotium = 'Handelsgeschäft', häufig 'Ware'). Nur als Ausnahme erscheint lat. mercator. In der sächsischen Zeit wird der Sprachgebrauch mannigfaltiger und der lat. Ausdruck mercator verdrängt im Sprachgebrauch lat. negotiator aus seiner bevorzugten Stellung.

Daneben traten ab dem 4. Jh, als verbreitete Ausdrücke für reisende Kaufleute, lat. institor (vor allem in Fluß- und Seestädten; institor = scefman, 10. Jh.) und emptor auf [2], deutsch: koufman, choufman, chouffari, choufo. Die Ausdrücke negotiator, institor und emptor erscheinen beschränkt auf die Kategorie gewerbsmäßiger Händler. Doch lagen die Handels- und Handwerksberufe vielfach noch ungetrennt beisammen; ihre Trennung vollzog sich erst im Laufe der Kaiserzeit.

Geschichte

Die Herkunft des Wortes "Kaufen" und "Kaufmann" von lat. caupo weist noch auf den regen Grenzhandelsverkehr zwischen Germanen und Römern in der Römischen Kaiserzeit hin. Das Wort bezeichnet im römischen Sprachgebrauch speziell den "Schenkwirt", der in den neben den Truppenlagern entstehenden und bis zur flavischen Zeit schon nach Art von Städten ausgewachsenen canabae (Hütte) und überall in römischen Ansiedlungen der Grenzprovinzen zu finden war.

Tacitus erwähnte in seiner Germania (c. 23) römischen Weinhandel nur bei den der Grenze benachbarten Germanen und schließt ihn für das innere Germanien aus. Später änderte sich das. Die Übernahme des Wortes caupones durch die Germanen und dessen rasche Verbreitung lassen sich also nicht aus dem Verkehr mit den römischen Händlern in Germanien erklären, sondern aus dem regen Handelsverkehr an der Grenze, der auch die Germanen oft in die Grenzmärkte und -orte, in die Buden und Schenken der caupones führte. Diese waren zugleich Kleinhändler und unterhielten ihre Geschäftsbeziehungen zu den benachbarten germanischen Ansiedlungen.

Völkerwanderungszeit

In der sächsischen Zeit (ca. 4. Jh.) entwickelte sich ein lebhafterer Marktverkehr auf deutschen Gebiet, als viele Märkte (mercatus) auch in Form von Ansiedlungsstätten gegründet wurden. Zu beachten ist, dass das Wort Kaufmann, mercator, nicht dazu diente, um den Kaufmann, der seinen Beruf im Umherziehen ausübte, gerade in dieser Eigenschaft zu bezeichnen.

Frühmittelalter

Der Sprachgebrauch bei Dichtern, Geschichtschreibern und Glossatoren zeigt, dass die Bezeichnung "Kaufmann" im Frühmittelalter auch auf Handwerker ausgedehnt war (so z.B. auch bei dem Dichter Otfrid von Weißenburg um 865). Die gesamte Einwohnerschaft der Marktorte und der heranwachsenden Städte wurde in ihrer Eigenschaft als Handel- und Gewerbetreibende generell als "Kaufleute" bezeichnet. Ihnen gegenüber standen die Bewohner des flachen Landes als geburen oder buliuten [3]

Der Kaufmann konnte seinem Stande nach frei oder hörig sein. Trat er in fränkischer Zeit in den besonderen Schutz des Königs, so genoss er die besonderen Vorteile des Königsschutzes, war aber auch dem König zu besonderen Leistungen verpflichtet. Die karolingischen Gesetze zum Verkehrswesen erlaubten z.B. Kaufleuten, die im besonderen Schutz des Königs standen und für ihn Handel trieben, u. a. ihre Beförderungsmittel (vehicula) zu vermehren, auch sollten ihre Schiffe nicht zum Königsdienst und sie selbst nicht zu öffentlichen Leistungen herangezogen werden [4]. [5] Eine Einrichtung, von der allgemein Gebrauch gemacht wurde oder werden konnte, war der Königsschutz für Kaufleute weder in fränkischer Zeit noch später.

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Deutsche Verfassungsgeschichte. George Waitz. Berlin 1880-96. Band 4 (2. Auflage), S. 42f.
  2. Hansische Geschichtsblätter. 1910, Ausgabe 16, S. 316 ff.
  3. Die Entstehung des deutschen Städtewesens. Karl Hegel. S. Hirzel, 1898. S. 104 ff.
  4. Monumenta Germaniae historica. Form. 315
  5. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 394 (Art. Verkehrswesen, § 5.)

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