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Bei der Kaufmannsgenossenschaft unterscheidet man zwischen jenen auf der Handelsreise und solchen, die in Markt- und Handelsorten ansässig waren. Nach den wenigen und kurzen darüber vorhandenen Nachrichten scheint die Existenz der ersteren eher verbürgt als die der letzteren.

Beschreibung

Kaufleute reisten allein oder in Gemeinschaft. Für gemeinschaftliche Reise bieten Beispiele der Bericht Fredegars über die Unternehmung des fränkischen Kaufmannes Samo in das Slavenland im Jahr 623/24, oder bei Seefahrt, ebenfalls aus fränkischer Zeit, die Erzählung von dem friesischen Kaufmann Ibbo.

Doch fehlt hier der Hinweis auf Organisation. Die Vorstellung einer geschlossenen Schar von Kaufleuten erweckt der Ausdruck einer Urkunde Kaiser Otto II. (HRR) von 983 über die Verleihung des Elbezolles von Belgern bis Meißen auf beiden Ufern des Flusses an das Bistum Meißen.

Die Erwähnung eines praepositus mercatorum (Händlergebühr) in der Nähe von Köln in der Lebensbeschreibung Erzbischofs Heribert von Köln († 1021) (SS. 4, 748) zeigt, daß Organisation bei Kaufleuten bekannt war. Zweck der gemeinschaftlichen Handelsreise war in erster Linie vermehrter Schutz in der Fremde gegen Feindseligkeiten, vielleicht auch eine gewisse Gemeinsamkeit des Handelsbetriebs (siehe Art. Handel).

Kaufmannsgilden

Kaufmannsgilden, d. h. in Handels- und Marktorten ansässige Kaufmannsgenossenschaften, sind im germanischen Altertum noch nicht bestimmt nachweisbar. Der friesische Handel erreichte in der Karolingerzeit eine Entwicklungsstufe, auf der die Bildung von Kaufmannsgenossenschaften denkbar wäre.

Aber weiter könnte sich eine Vermutung in dieser Richtung höchstens etwa darauf stützen, daß unter den in der fränkischen Gesetzgebung gegen die eidliche Verpflichtung bei Gilden (gildonia, geldonia) und Bruderschaften gerichteten Verboten einmal, im Heristaler Capitular von 779 [1], auch Vereinbarungen zum Zweck gegenseitiger Beihilfe bei Schiffbruch (de naufragio) erwähnt werden [2] (siehe Art. Gilde).

Entfaltung des Markthandels

In sächsischer Zeit dagegen ist mit Rücksicht auf die Entfaltung des Marktverkehrs und das Hervortreten einer Anzahl ansehnlicher Markt- und Handelsorte die Existenz von Kaufmannsgilden oder kaufmännischen Genossenschaften, z. B. in Tiel, anzunehmen.

Darauf läßt nicht nur die oben erwähnte Stelle der Vita sancti Heriberti [3] (Leben des heiligen Erzbischofs Heribert von Köln) schließen, sondern auch der Bericht des Alpert von Metz über die Gepflogenheiten der Kaufleute von Tiel a. Waal (z. Jahre 1018) bei Gewährung von Darlehen und vor allem bei ihren Gelagen, wo es heißt: "pecuniam simid conferunt et hanc partitam singulis ad lucra distribuunt et ex his quoscumque potus certis temporibus in anno cernunt". (Über die englischen und nordischen Verhältnisse vgl. Art. Angelsächsische Kaufleute und Handelsverkehr der Angelsachsen).

Nordische Kaufmannsgilden

→ Siehe Hauptartikel: Kaufmannsgilde (nordische)

Die älteste Spur von Nordischen Kaufmännischen Organisationen finden sich möglicherweise in den russischen „Gästen" (gostí), die unter dem Schutz des Großfürsten standen und mit Byzanz handelten; sie bildeten schon um 945 eine eigene Organisation und hatten, im Gegensatz zu den Abgesandten des Großfürsten, silberne Siegel. Nordische Kaufmannsgilden gab es schon im 11. Jh., denn der in Nowgorod im Jahre 1015 erwähnte warägische Kaufmannshof setzt eine Organisation von der Art der späteren Kaufmannsgilden voraus... Weiterlesen.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Cap. v. Franc. 1, 20 c. 16
  2. Vgl. Deutsche Verfassungsgeschichte. George Waitz. Band 4, 2. Auflage. Berlin 1880-96. S. 434 f.
  3. Vita sancti Heriberti archiepiscopi Coloniensis. (1046-1056). Lambertus abbas Leodiensis (Lantbert von Deutz). Repertorium Fontium 7, 113.

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