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Kelten

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Information Dieser Artikel wurde als Kandidat für den "Spotlight" vorgeschlagen. Eine Übersicht über die aktuellen Vorschläge findet sich "hier". Ein paar Hinweise, wie ein guter Artikel der Woche verfasst sein sollte, gibt "diese Anleitung".

Die Kelten waren für die Griechen und Römer ein barbarisches Volk. Zeitgenossen, die mit den Kelten in Kontakt kamen, berichteten jedoch auch über ihre Kenntnisse, ihre Tapferkeit, ihr Gemeinwesen, ihre Kreativität und Religion. Die Kelten waren hervorragende Ackerbauern, Viehzüchter und Eisenschmieder. Sie erfanden den Eisenbergbau.

Als keltische Errungenschaft gelten auch das Schottenmuster, die Pferdeschwanzfrisur bei Männern und die Seife. Pferde wurden sehr verehrt und man sagt, daß sie als Reitervolk die Hose erfunden haben sollen. Außerdem waren sie geschickt in der Herstellung von Tongefäßen, kannten bereits Geldmünzen und die Goldschmiedekunst. [1]

Allgemeines

In der Vorgeschichte Mitteleuropas und der Germanen kommt den Kelten besondere Bedeutung zu, nicht nur wegen der starken Kultureinflüsse, die von ihnen ausgingen, sondern auch weil sie auf einem großen Teil des deutschen Bodens die Vorgänger der Germanen sind. Bezeugt sind uns noch Boier in Böhmen und Helvetier südlich vom Main; ferner Volcae am hercynischen Wald, wahrscheinlich in Mähren und die Cotini im oberen Grantal.

Die Rakatai und Kampoi (Κάμποι) mit den Unterabteilungen Adrabai (Ἀδραβαί) und Parmai (Παρμαί) in Niederösterreich; die Karitanoi im Badischen, ferner die Teuriskoi in den westlichen Karpaten tragen keltische Namen und sind darum wohl von keltischer Nationalität; ausdrücklich wird diese den Cotini im oberen Grantal (Horehronie, Slowakai) zugesprochen. Die germanischen Teuriochaimai lassen auf einen kelt. Stamm der Teurier nördlich vom Erzgebirge schließen.

Am Niederrhein hatten nach Caesar (De bello Gallico 4, 4) die Menapier außer auf dem westlichen auch auf dem östlichen Ufer Besitzungen. Ja sogar an ausgedehnte Sitze keltischer Völkerschaften an der deutschen Nordseeküste hat sich eine Erinnerung erhalten in der bei Ammianus Marcellinus (15, 9) aus Timagenes mitgeteilten Überlieferung der Druiden, ein Teil des gallischen Volks sei durch Kriege und Überschwemmungen von entlegenen Inseln und Ländern jenseits des Rheins vertrieben nach Gallien gekommen.

Stämme und Unterteilungen

  • Boier - Ein keltischer Stamm in Böhmen
  • Cotini - Ein keltischer Stamm im oberen Grantal (Horehronie, Slowakai).
  • Galater - Bezeichnung für die Kelten in den Balkanländern.
  • Gallier - Bezeichnung für die Kelten im Gebiet von Oberitalien bis Spanien, sowie im Rheinland und in Frankreich (s. Gallien).
  • Helvetier - Ein keltischer Stamm südlich vom Main
  • Menapier - Ein keltischer Stamm am Niederrhein.
  • Sequaner - Ein keltischer Stamm in Gallien.
  • Volcae - Ein keltischer Stamm am hercynischen Wald, wahrscheinlich in Mähren, von deren Namen in älterer Zeit die germanische Bezeichnung aller Kelten und dann auch der Romanen, *Walha-, ausgegangen ist.

Städtnamen

Unter den Namen der Städte in der Germania Magna des Ptolemaeus, die zumeist in deren Süden gehören, sind sehr viele keltisch und darunter typisch keltische Zusammensetzungen wie Eboyro-doynon, Lokó-riton, Medio-lanion und Ableitungen wie Mattiakon vertreten. Keltische Gebirgsnamen sind unter anderem Soydéta oré und Gabréta ule. Von altüberlieferten Flußnamen sind Rénus, Vacalus, Moenus, Lupia, Nicer, Dánuvius, Marus keltisch oder zumindest den Germanen durch die Kelten überliefert, von solchen des römischen Rhein- und Donauufers nicht zu sprechen.

Sicher keltischer Abkunft ist z.B. auch Eisenach (mhd. Isenache) in Thüringen. Abgesehen von seiner ungermanischen Bildung wird der Name durch ein Eisenach, Ísinacha, im Trierischen als keltisch erwiesen. Er gewinnt noch an Bedeutung, weil er zeigt, daß in dieser Gegend die Germanen erst nach der Lautverschiebung siedelten.

Bodenfunde

Die Bodenfunde lassen zum Teil keltische und germanische Herkunft recht gut unterscheiden. So ist z. B. die Ansiedlung von Stradonitz in Böhmen (Okres Kladno, Tschechien) mit Bestimmtheit den Boiern zuzuweisen. In ausgedehntem Maße versuchte der Professor der deutschen Archäologie Gustaf Kossinna (1858-1931) die archäologischen Ergebnisse für die Keltenfrage zu verwerten.

Während man früher schon aus dem Vorkommen von Münzen auf Kelten geschlossen hat, nahm Kossinna auch eine gewisse Art der Emaillearbeit für sie in Anspruch und stellte vor allem die Körperbestattung der Kelten in der Latènezeit dem fortdauernden Leichenbrand der Germanen gegenüber. Auch die Keramik zeigte in dieser, Periode charakteristische Unterschiede. Nur mußte natürlich immer auch mit der Möglichkeit von Völkermischung in den Grenzländern gerechnet werden. [2]

Herkunft und Kultur

Celtic.jpg

Keltische Siedlung (Museum of Welsh Life, St. Fagans)

Woher die Kelten der vorhistorischen Hallstattzeit ursprünglich kamen, ist bis heute nicht schlüssig geklärt. Wahrscheinlich entstanden sie durch kulturelle Evolution aus Stämmen der Urnenfelderzeit (1200 bis 750 v.Chr.), doch gibt es darüber verschiedene Theorien. Manche sehen ihre Wurzeln in Indien, andere nennen sie gar die Nachkommen des versunkenen Kontinents Atlantis.

Im 8. Jh. v.Chr. bevölkerten die Kelten zunächst die Gebiete am Oberrhein und der oberen Donau. Erst in der frühen Latènezeit finden sich Gemeinsamkeiten für einen größeren, einheitlichen Kulturkreis. Ab hier, der Zeit der "historischen" Kelten gibt es auch überlieferte Beschreibungen anderer Völker - allen voran der Griechen und der Römer - über die Kelten. Die erste historische Weltkarte, auf der die Kelten auftauchen, ist wahrscheinlich die des Griechen Eratosthenes um 250 v.Chr. [3]

Wanderer und Sucher

Doch unabhängig davon, woher die Kelten ursprünglich stammten, sie waren ein Volk der Wanderer und Sucher. Wenn sie auch einige Jahre in vielen Gebieten sesshaft waren, so brachen sie doch immer wieder auf und breiteten sich über ganz Europa aus. Dabei nahmen sie das Wissen anderer Kulturen auf, eigneten sich neue Fähigkeiten an und entwickelten ein Wertesystem, das ihnen in der unruhigen Phase der Wanderschaft eine spirituelle Stütze bot. Ihre Mythen und Sagen erzählen von diesen Wanderungen, von Eroberungen und Abenteuern der Götter und Helden, der männlichen wie weiblichen. [4]

Handelswesen

In der Latènezeit (450 v. Chr.– Ende 1. Jh.) lag die keltische Kultur wie ein breiter Gürtel zwischen dem durch das Mittelgebirge getrennten Norden Europas und den Mittelmeerländern. Sie war eine an Handelsgütern und -mitteln reiche Kultur, blühend durch gewerbliche Technik, besonders in Gallien, und ausgezeichnet durch eine vielgestaltige Münzprägung, die ihre älteren Vorbilder (Goldmünzen Philipps v. Makedonien und Alexanders dem Großen) über Massalia empfing. Sie erfüllte Süddeutschland, die Donauländer und Frankreich. Rhone und Donau mit ihren Nebenflüssen bezeichnen die wichtigsten Verkehrsadern der Keltenländer. Auch nach Norddeutschland bestanden Handelsverbindungen... Weiterlesen. [5]

Keltisch-Germanische Nachbarschaft

Die keltischen Stämme in der Nachbarschaft der Germanen gehören sämtlich jener Dialektgruppe an, in der altes ku und cv (kv) in p verwandelt wird im Gegensatz zum Goidelischen (ursprünglich nur in Irland), das den Laut erst bewahrt und dann als k forterhält. Nähere Verwandtschaft zeigt das Keltische mit dem Italischen. Prof. Holger Pedersen (1867-1953) zufolge waren die Germanen Nachbarn des noch ungeteilten uritaliko -keltischen Volkes.

Doch gab es niemals eine vollständige italo-keltische Spracheinheit und im Germanischen finden sich sogar deutliche Spuren selbständiger Beziehungen zu den Italikern in ihren ältesten, noch nördlich der Alpen gelegenen Sitzen. Die fortdauernde Nachbarschaft von Kelten und Germanen macht sich besonders auf dem Gebiet des Wortschatzes bemerkbar. Ob es sich dabei aber um altererbten gemeinsamen Besitz oder jüngeren Kulturaustausch handelt, ist nur in wenigen Fällen entscheidbar.

So ist das von den Galliern den Römern vermittelte bráca und sápo dem Germanischen entlehnt, umgekehrt germ. *rík- 'Herrscher', *andbahta- 'Diener', *ísarna-, *ízarna- 'Eisen' dem Keltischen. Auch die germanischen Personennamen haben eine Reihe von Bildungselementen mit den keltischen gemeinsam, die aber zum Teil noch weiter verbreitet sind. Als entlehnt kann davon mit Bestimmtheit auch nur rík- angesprochen werden, abgesehen von etlichen aus dem Beginn der Römerzeit überlieferten keltischen Namen wie Ariovistus und Boiocalus, die sich indes nicht eingebürgert haben. [6]

Religiöse Verbindungen

Besonders bemerkenswert sind die alten Beziehungen der beiden Nachbarvölker auf religiösem Gebiet. Unter anderem wird bei Kelten und Germanen eine von den Römern ihrem Merkur gleichgesetzte Gottheit als höchste verehrt, und bei beiden wurde der alte Himmelsgott zum Kriegsgott. Beide kennen einen besonderen Donnergott, und einer seiner Namen ist kelt. Tanaros, germ. *þunaraz. Auch der Mütterkult ist ihnen gemeinsam.

Keltischer Kultureinfluß

Der keltische Kultureinfluß macht sich auch in der Verbreitung der Latène-Formen auf germanischen Gebiet bemerkbar. Er ist überhaupt in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, in der Eisenzeit, am stärksten, nachdem die Kelten sich weit nach Osten ausgebreitet und die Sudetenländer besetzt hatten. Sind doch nach dem bastarnischen Vorstoß (um 200 v. Chr.) von der Rhein- bis zur Donaumündung quer durch ganz Europa hindurch - abgesehen von einer kurzen Unterbrechung in den Karpaten - die Kelten überall die Grenznachbarn der Germanen. In den älteren vorgeschichtlichen Perioden waren sie es bloß zwischen dem deutschen Mittelgebirge und der Nordsee, und dementsprechend können sie damals, was auch die Funde erweisen, lange nicht die Bedeutung als Kulturvermittler für die Germanen gehabt haben wie später.

Der französische Keltologe und Historiker Henri d’Arbois de Jubainville (1827-1910) erklärte die Beziehungen des germanischen und keltischen Wortschatzes aus einer Herrschaft der Kelten über die Germanen, die im 4. Jh. v. Chr. begründet worden sei und bis gegen Ende des 3. Jh. v. Chr. dauerte. Allerdings existierte keine gemeinkeltische Anfangsbetonung, die von den Kelten als Herren auf die Germanen übertragen worden sein soll. Ebenso wurde die von Caesar behauptete einstige kriegerische Überlegenheit der Kelten über die Germanen nur aus ihrer Ausbreitung im südlichen Germanien erschlossen, von der man meinte, daß sie auf Kosten der Germanen erfolgt sei, und die sprachlichen und kulturellen Entlehnungen der Germanen sind aus den Grenzbeziehungen allein vollkommen verständlich.

Auch verträgt sich diese Annahme weder mit der Natur des Landes der Germanen, das die Begründung einer solchen 'Herrschaft' so gut wie ausschloß, noch mit ihrer Psyche; vgl. Tacitus (Germ. 43): Cotinos Gallica, Osos Pannonica lingua coarguit non esse Germanos, et quod tributa patiuntur - d.h. "Die gallische Sprache der Cotiner und die pannonische Sprache der Osen beweist, daß sie keine Germanen sind, und weil sie Tribut zahlen." [7]

Kelten im Mittelalter

Die Mehrheit von den Kelten wurden von den Römern unterworfen und assimiliert, eine nicht geringe Zahl führte jedoch zu Beginn des Mittelalters ein einständiges Leben. Durch die angelsächsische Eroberung Englands wurden die Briten nach Westen gedrängt, zu Beginn des 6. Jhs. entgültig besiegt und zum Verlassen ihres Landes gezwungen. Ein Teil ging in den örtlichen keltischen Stämmen von Wales und Cornwall auf, andere siedelten sich auf dem Kontinent in der Bretagne an, der sie auch den Namen gaben. Dort konvertierten sie zum Christentum, behielten aber ihre Sprache... Weiterlesen.

Irland

In Irland bestand das ursprüngliche Sozialsystem der Kelten auch nach der Christianisierung und bis zur englischen Eroberung von 1172 weiter. Die Kirche war an dieses System angepaßt und trug zu seiner Erhaltung auch in der Krisenzeit der Wikingereinfälle (9. bis 10. Jahrhundert) bei. Auch nach dem Zusammenbruch der Klans unter dem Druck des englischen Feudal- und Kirchensystems bewahrte die keltische Bevölkerung ihren ethnisch-sprachlichen Charakter.

Schottland

In Schottland errichteten die Kelten auf der Grundlage des Stammes-und Klansystems ein Königreich. Die südlichen Teile absorbierten das Feudalsystem des anglo-normannischen England, während der kaledonische Norden weiter seine ursprüngliche Sozialstruktur bewahrte. Die einzelnen keltischen Stämme haben sich im Laufe der Zeit mit der einheimischen Bevölkerung vermischt. Erhalten hat sich die keltische Sprache zum Teil noch in Wales, Schottland, Irland und in der französischen Bretagne, da die Kelten über 500 Jahre in Mitteleuropa seßhaft gewesen sind.

Allgäu

Die Kelten wanderten in der Jüngeren Eisenzeit, also etwa um 500 v. Chr. aus Frankreich kommend ins Allgäu ein. Sie siedelten hautpsächlich im Westallgäu und um Kempten. Das Allgäu zählt zu den Kerngebieten keltischer Siedlungskultur. Die Entschenburg bei Sonthofen und die Schöllanger Burg sollen einmal keltische Fliehburgen gewesen sein.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. U.a. Enzyklopädie des Mittelalters, Aryeh Grabois; Übersetzung von Michael Toch; M. Dillon-N. K.
  2. Die Grenzen der Kelten und Germanen in der La Tène-Zeit (Google Books). Prof. Gustaf Kossinna. Korresp. Bl. d. deutsch. Anthropologie. Ges. 1907, 57 ff.
  3. Gemeinde Böhmfeld, Die Geschichte der Kelten
  4. Ansha - Die magische Welt der Kelten, Ludwig, 1900.
  5. Hoops, J.: RdgA, aaO. Bd II, S. 379.
  6. Vergleichende Grammatik der keltischen Sprachen (Internet Archive). Holger Pedersen. Göttingen : Vandenhoeck und Ruprecht, 1909. Bd. I, S. 1
  7. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.

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