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Keltische und germanische Frauentrachten im Spiegel römischer Darstellungen

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Die folgende Abhandlung beschreibt Keltische 'und germanische Frauentrachten im Spiegel römischer Darstellungen. [1]

Topos und Wirklichkeit

Auf einem Blockquader aus Mainz findet sich eine Abbildung einer trauernden Barbarin. Sie zeigt eine trauende Frau mit Kopfschleier und barbarisch bunt gemustertem Hosenanzug. Es ist ganz offensichtlich eine Allegorie der „Germania“. Da dies ein weibliches Wort ist, wird sie als Frau charakterisiert durch Schleier und Busen, und der Hosenanzug mit Rautenmuster versinnbildlicht das Barbarische. Die Abbildung stellt also keine wirkliche Tracht dar.

Andere Darstellungen scheinen näher an der Wirklichkeit der germanischen Tracht zu sein, da sie eindeutig Frauen abbilden. Als Beispiel wähle ich die sogenannte „trauernde Thusnelda“ (in einer Umzeichnung des bekannten Bildwerks). Die Frau steht da mit aufgelöstem Haar und entblößter Brust, gewandet in Hemdkleid und Umhang, mit Carbatinae an den Füßen.

Eine ähnliche Darstellungen gibt es auch von der Theodosiussäule (Abb. 3), wo eine offenbar gefangene Frau mit derangierter Frisur und Kleidung gezeigt ist. Solche Frauendarstellungen sind verschiedentlich Vorlage für Zinnfigurentypen gewesen. Misstrauisch muss einen aber machen, dass auf dem Siegesmonument von La Turbie, das einen Sieg über die Gallier feiert, eine ganz ähnliche Frauendarstellung erscheint.

Hier scheint es sich folglich nicht um Darstellungen realer Trachten zu handeln, sondern eher um den Topos der besiegten (und missbrauchten) Barbarin. Seine Elemente sind derangierte Kleidung, entblößte Brust und aufgelöstes Haar. Wieweit im übrigen reale Trachtelemente in die Darstellung eingeflossen sind, ist nicht feststellbar. Als Vorlage für Rekonstruktionen sind diese Darstellungen jedenfalls ungeeignet.

Trachtbestandteile und Terminologie

Bevor ich mich nun den überlieferten Trachten keltischer und germanischer Frauen im Grenzbereich des Römischen Imperiums zuwende, möchte ich kurz die erkennbaren Trachtbestandteile bestimmen und eine Terminologie entwickeln. Neben den verschiedenen charakteristischen Kopfbedeckungen – Kopftüchern, Hauben und Hüten - vermutlich verheirateter Frauen, die später jeweils mit der entsprechenden Tracht beschrieben werden, lassen sich folgende Kleidungsstücke identifizieren:

  • Die Chamisia, das langärmlige keltisch-germanische Hemd mit den charakteristischen Ärmelumschlägen, das auch Bestandteil der Männertracht ist. Seine Länge ist bei dem Kleidungsstück der Frauen nicht bestimmbar, da darüber stets weitere Trachtstücke angelegt wurden. Im übrigen ist es das einzige typisch „nordische“ Gewand. Die übrigen Trachtbestandteile finden sich auch bei z.B. Griechen und Römern, weswegen hier die griechischen bzw. lateinischen Termini gewählt werden.
  • Der enge Chiton, ein aus zwei rechteckigen Stoffbahnen zusammengenähtes Kleid mit Öffnungen für Kopf und Arme, das durch entsprechende Gürtung und Raffung verschiedenes Aussehen erhalten kann.
  • Der weite Chiton, ein voluminöses zylindrisches Kleidungsstück, das auf den Armen

und Schultern durch Fibeln zusammengehalten oder zugenäht ist und das durch entsprechende Gürtung weite Scheinärmel aufweist.

  • Der Peplos, ein röhrenförmiges Kleidungsstück, das auf den Schultern durch Fibeln - mit und ohne Umschlag – zusammengehalten und durch Gürtung in verschiedener

Weise gebauscht werden kann.

  • Der Chlamys, ein halbkreisförmiger Umhang, der - mit verschiedenen Fibeln

geschlossen und arrangiert – als Übergewand getragen wird.

  • Daneben kommen auch rechteckige Stoffbahnen als Umhänge vor, die man vielleicht

als Palla ansprechen dürfte.

Bauschung

Ein Detail der Trachten verdient noch besondere Beachtung: Die Bauschung der Kleider. Der Bausch liegt, anders als bei griechischen und römischen Frauentrachten, nicht in der Mitte des Körpers (mit sichtbaren Gürteln), wie dies auch in den stereotypen Barbarinnendarstellungen fälschlich der Fall ist. Der Bausch befindet sich vielmehr in Höhe der Unterschenkel. Dies ist dadurch zu erreichen, dass das Gewand die doppelte Länge der Körpergröße hat und dann mit zwei übereinanderliegenden Gürteln gerafft wird. Dabei ist es gleichgültig, ob das Arrangement an einem Peplos oder Chiton vorgenommen wird. Ein paar Zeichnungen zur ubischen Tracht (mit dem weiten Chiton) mögen das Beschriebene verdeutlichen: Anlegen des ubischen Chitons.

Die Tracht der Nehalennia

Wenden wir uns nun den konkreten Trachten zu. Eine Karte zeigt die Verbreitungsgebiete keltischer und germanischer Frauentrachten im Randbereich des Imperium Romanum. Wir beginnen im Norden auf der Insel Walcheren in den Niederlanden. Dort ist in der Kleidung der einheimischen Göttin Nehalennia die Tracht der germanischen Frauen überliefert. Sie besteht aus der Chamisia, einem weiten Chiton mit tiefliegendem Bausch, dem auf der Brust von einer Fibel zusammengehaltenen Chlamys und einer typischen Haube. Gelegentlich kommt noch ein Schultercape mit zwei charakteristischen Ausschnitten hinzu, das – den Ausschnitten nach zu urteilen - aus Pelz oder Leder bestand. Die Haube hat zwei Wülste um den Kopf, die Zöpfe verbergen dürften, und einen Knoten am Hinterkopf. Interessant ist, dass ein ähnliches Schultercape aus Rehfell in einem Moor bei Osterby, Kreis Rendsburg-Eckernförde gefunden wurde. Dies lässt vermuten, dass eine ähnliche Tracht auch bei den Nordseegermanen im freien Germanien vorkam.

Die Tracht der Ubierinnen

Die nächste überlieferte germanische Tracht stammt aus dem Siedlungsgebiet der Ubier weiter rheinaufwärts. Ursprünglich siedelte dieser römerfreundliche Stamm auf der rechten Rheinseite beidseits der Lahn, bis er von MARCUS VIPSANIUS AGRIPPA ab 38 v.Chr. in dem durch die Ausrottung des keltischen Stammes der Eburonen durch C. Julius Caesar (53-51) entvölkerten Gebiet angesiedelt wurde.

Die Tracht besteht aus Chamisia und darüber getragenem weitem Chiton mit tiefliegendem Bausch, dem auf der Brust gefibelten Chlamys und einer voluminösen Haube, unter der sich um den Kopf geschlungene Zöpfe verbergen dürften. Auf manchen Steinen kann man einen breiten, vermutlich textilen, Gürtel erkennen, der den Chiton zusammenhält und der auf dem Rücken geknotet zu sein scheint. Diese Tracht wird sowohl von den einheimischen Göttinnen der Matronae (Mütter) wie auch von profanen Frauen auf diversen Bilddokumenten getragen. Unter der Dreieinigkeit der Matronae findet sich auch eine offenbar jüngere (weil häufig kleiner dargestellte) Frau mit unbedecktem bis auf die Schultern fallendem Haar. Sie dürfte die Frisur der unverheirateten jungen Mädchen repräsentieren.

Auch diese Tracht unterscheidet sich auffällig von den Klischees der Barbarinnendarstellungen. Da sie viele Gemeinsamkeiten mit der Tracht von Walcheren hat, ist es sicher nicht abwegig, ähnliche Trachten zumindest für den ganzen Bereich des Niederrheins anzunehmen. Dabei dürften die Unterschiede vor allem in der Form der Hauben bestanden haben, wie ein Bronzekopf zu belegen scheint, der vermutlich bei Baggerarbeiten im Rheinkies gefunden wurde. Die Frau trägt ein eng anliegendes Haarnetz, das unter dem unteren Wulst mit Zierverschnürung ihre um den Kopf geschlungenen Zöpfe verbergen dürfte.

Die Tracht der Menimane

Noch etwas weiter rheinaufwärts, im Siedlungsgebiet der keltischen Treverer und Mediomatriker findet sich eine andere kleidsame Tracht. Sie hat ihren Namen nach der Frau des Reeders Blussus, der mit Lieferungen für das römische Militär in Mainz offenbar zu Wohlstand kam. Das Ensemble besteht aus vorne offener, mit Fibeln geschlossener Chamisia, einem mit einem Satz Fibeln befestigten Peplos und eine rechteckige Palla. Die Zopf-Frisur ist wiederum von einem Netz bedeckt, nur junge Mädchen trugen dieses nicht, wie ein Grabstein belegt. Typisch ist für diese Tracht der reiche Fibelschmuck, der nur zum Teil rein funktional ist, und mit weiteren Schmuck in Form von Halsbändern und Ohrringen einhergeht.

Eine Karte von Funden dieses Fibel-Ensembles zeigt, dass einige bis nach England gelangt sind – vermutlich mit Soldatenfrauen. Das eigentliche Verbreitungsgebiet ist klar umrissen. Aus dem Gebiet von Neumagen östlich von Trier ist außerdem noch eine einfache, die Haare bedeckende Haube bildlich belegt. Ob diese erst in römischer Zeit in Gebrauch kam, ist nicht sicher zu sagen, da sie meist mit einer simpleren Kittelkleidung getragen wird, die sich deutlich von der dekorativen Tracht der Menimane unterscheidet.

Trachten aus Noricum und Pannonien

Die nächsten „barbarischen“ Trachten finden sich bei Frauen der römischen Provinz Noricum und der weiter östlich gelegenen Provinz Pannonia. Auffällig ist in dem relativ großen Gebiet das Bestehen einer weithin einheitlichen Grundtracht mit örtlichen Differenzierungen im Bereich der Kopfbedeckungen und des Schmucks.

Die Grundtracht besteht aus Chamisia und einem Peplos, der mit charakteristischen Flügelund Doppelknopffibeln auf den Schultern befestigt ist, deren Zierenden weit empor ragen. Dazu kommt bei verheirateten Frauen häufig die Palla als Umhang und – je nach Region verschieden - eine Kopfbedeckung. Soweit Ganzfiguren dargestellt sind, ist der Peplos mit tiefliegendem Bausch getragen worden, wie er sich am besten bei den Mädchendarstellungen studieren lässt.

Regionales Trachtenelement ist ein dekorativer Gürtel mit Metallbeschlägen, der gut auf den Abbildungen von Mädchen ohne Umhang zu sehen und dessen Rekonstruktion durch Funde der Metallteile möglich ist. In Anbetracht der Überlieferungslage (viele Frauendarstellungen befinden sich in Medaillons) kann man nur sagen, dass er nachweislich von den Mädchen in Noricum und Pannonien und zumindest teilweise auch von Frauen in Pannonien getragen wurde. Daneben gab es offenbar Schnurgürtel.

Kopfbedeckungen

Wenden wir uns nun den Kopfbedeckungen zu:

Norische Haube 1

Die norische Haube besteht aus einem gefalteten Tuch - viereckig und diagonal auf die Hälfte gelegt oder von vornherein dreieckig -, das an der Längsseite zu einem schmalen Wulst gefaltet oder gerollt ist und, ausgehend vom Haaransatz über der Stirn, um den Kopf gelegt wird. Die Enden wurden rückwärts über dem das Haar bedeckenden Zipfel des Dreiecktuches geknotet und dann seitlich wieder nach vorn geführt und untergesteckt.“ (Garbsch)

Die erste Variante dieser Haube hat einen sehr breiten Wulst, der den Kopf, etwas unterhalb des Haaransatzes beginnend, in gleichbleibend horizontaler Lage umgibt. Die Enden sind über den Ohren meist weit heruntergezogen, so dass die Haare darunter breit hervorquellen. Das die Haare bedeckende Tuch ist flach oder nur schwach gewölbt und ragt in den Darstellungen nur wenig über den Randwulst empor. Der sonstige Schmuck dieser Frauen besteht aus Halsring mit Lunula, häufig einer zusätzlichen breiten Halskette und Armbändern sowie jeweils gleich oft aus zwei Fibeln und einer Brosche oder Brustschmuck.

Die Verbreitungskarte zeigt eine Konzentration im Gebiet von Virunum, mit vereinzeltem Ausstreuen nach Celeia, Poetovio, Flavia Solva in der einen und Iuvavum, Ovilava, Lentia in der anderen Richtung.

Eine zweite Form der norischen Haube besitzt einen schmäleren Wulst, der von der Stirn zu den Ohren mäßig gekrümmt erscheint. Die Enden sind meist nicht mehr bis zur Stirn hin sichtbar, sondern verschwinden schon bei den Ohren unter dem Wulst, der jedoch durch seine Wölbung die Haare breit unter der Haube hervortreten lässt. Der Schmuck besteht wieder aus Halsring mit Lunula, dazu fast immer einer Halskette; seltener sind Armring, Brosche und Brustschmuck. An den Schultern wurden zwei Fibeln getragen Die zweite Haubenform ist auf das Gebiet von Flavia Solva beschränkt, mit einzelnen Ausläufern nach Virunum, Celeia und Poetovio.

Norische Haube 2: Modiusmütze

Die Modiusmütze bestand wohl aus einem steifen Material wie Leder, Pelz oder Filz. Das Verbreitungszentrum ist Virunum, sie tritt gehäuft im norischen Kerngebiet, dem Zollfeld, auf.

Pelzhut

Der Pelzhut war im nordwestpannonischen Leithawinkel zwischen Donau und Neusiedler See verbreitet. Die Namen auf den Steinen sind ausnahmslos keltisch, wahrscheinlich handelt es sich um ein Trachtbestandteil der Boierinnen. Dazu gehört der Gürtel mit herabhängendem beschlagenen Band.

Schleierhauben

Die nordwestpannonische Schleierhaube stammt ebenfalls aus dem Leithawinkel. Es ist eine Haube oder ein Turban mit darüber gelegtem kurzen Schleier, der, zu beiden Seiten des Kopfes sichtbar, über der Schulter spitzzipflig endet. Dazu wurden Flügelfibeln sowie Hals- und Armringe getragen und Gürtel mit herabhängendem beschlagenen Band. Bei den Mädchendarstellungen lässt sich nicht sicher ausmachen, ob es sich nur um einen Schleier oder ein Tuch handelt, dessen Zipfel über den Schultern nach beiden Seiten abstehen, oder ob unter diesem Schleier noch eine Kappe oder eine Art Turban getragen wurde, also die nordwestpannonische Schleierhaube. Der übrige Schmuck besteht in der Regel aus einem Halsring.

Die nordostpannonische Schleierhaube ähnelt im Umriss der norischen Haube, wird jedoch im Gegensatz zu jener stets mit einem Schleier getragen. Der Wulst ist sehr breit, so dass man sie auch als Ballonhaube bezeichnet hat. Die übrige Trachtausstattung der Frauen mit dieser Haube ist sehr einheitlich; wir sehen stets Flügelfibeln, einen dicken, bis auf die Brust herabhängenden Torques, der hier ähnlich stereotyp erscheint wie in Noricum Halsringe mit Lunula-Anhänger, und doppelte Armbänder. In die Fibeln sind manchmal Ringe eingehängt, auch Halsketten mit Anhängern kommen vor. Zuweilen begegnet ein breiter Gürtel. Auf den Steinen erscheinen keltische oder illyrische Namen.

Nordostpannonischer Turban

Der nordostpannonische Turban mit Schleier kommt neben der Schleierhaube vor. Er ist jedoch niedriger als die eigentliche Schleierhaube. Mit wenigen Ausnahmen werden auch von diesen Frauen Flügelfibeln getragen, zu den Schulterfibeln trägt man in Intercisa zuweilen eine Brosche. Häufiger sind weite Halsketten mit einem oder mehreren Anhängern sowie der Torques; fast durchweg werden Armbänder getragen. Gelegentlich begegnen ein keilförmig zulaufendes Kleid und eine Schürze, neben dem Schnurgürtel auch der breite Gürtel, sogar mit herabhängendem Band. Die Namen sind größtenteils wieder einheimisch, darunter auch azalische Namen.

Der Pannonische Turban wurde auch ohne Schleier getragen. Diese einfache Kopfbedeckung scheint lange und vielerorts üblich gewesen zu sein. Zusammen mit ihm findet sich entsprechend unterschiedliches Trachtzubehör, bald Flügelfibeln, bald Scheibenfibeln oder andere Typen, dazu ab und zu eine Kette mit Anhänger, einen Torques oder ein Armband.

Einen Überblick über die norischen und pannonischen Trachtzentren mag eine Kartenskizze von Garsch geben. Er schreibt dazu: [2]

Noricum

  • Virunum: (im wesentlichen Kärnten) In der Gegend von Virunum sehen wir im 1. Jahrhundert Modiusmütze und norische Haube 1 verbreitet. Hier lag vermutlich das Kernland der Noriker mit dem Zollfeld als Zentrum. Flavia Solva: In dem Landstrich um FLAVIA SOLVA ist die norische Haube 2 konzentriert.
  • Iuvavum: (also Chiemgau, Stadt und Land Salzburg und Teile Oberösterreichs, dazu von Fall zu Fall auch der Streifen am südlichen Donauufer von Wels bis zum Wienerwald) Im Territorium von Iuvavum und dem östlich anschließenden Gebiet südlich der Donau fehlen charakteristische Kopfbedeckungen, abgesehen von der auch um Virunum üblichen norischen Haube1. Hier (im Chiemgau) ist das Siedlungsgebiet der Alauni

Pannonia

  • Südwestpannonien: (mit NEVIODUNUM, PRAETORIUM LATOBICORUM sowie stellenweise POETOVIO und EMONA) Wie im nordwestlichen Noricum fehlen auch in Südwestpannonien charakteristische Kopfbedeckungen. Hier siedelten die Latobici.
  • Nordwestpannonien: (zwischen Wienerwald und Neusiedler See) Im Leithawinkel treffen wir im 1. Jahrhundert Pelzhut und nordwestpannonische Schleierhaube an, beide in Verbindung mit Flügelfibeln getragen, ebenso die Tracht mit dem Gürtel mit herabhängendem beschlagenen Band. Neben dem Gürtel sehen wir bei den vollständig erhaltenen Stücken Flügelfibeln, z.T. mit darin eingehängtem Ring, Halskette und Armband. Auch die Tracht der Mädchen gehört hierher. Dies dürfte das Siedlungsgebiet der keltischen Boier sein.
  • Nordostpannonien: Im nördlichen und östlichen Teil Pannoniens trug man im 1. Jahrhundert die breite Schleierhaube, zusammen mit Flügelfibeln. Breite Gürtel erscheinen in diesem Gebiet häufig auf Grabsteindarstellungen. Im westlichen Teil siedelten die Azali, im östlichen, an der Donau, die Eravisci.

An der Zunahme an Schmuck bei den östlichen Trachten mag man vielleicht einen Einfluss von Trachten aus dem Osten (Palmyra) erkennen.

Dass manche Trachten über die Grenzen des Römischen Reichs hinaus getragen worden sein könnten, ergibt sich aus der Kartierung der norisch-pannonischen Fibeln in der Germania Libra. Da sie im wesentlichen entlang der Flüsse auftauchen, wird man an Exportartikel zu denken haben. Aber warum sollen sie nicht ähnlichen Zwecken gedient haben, wie in den römischen Donauprovinzen? Zumindest für die Konzentration der Funde nördlich des Leithawinkels gibt es eine plausible Erklärung: Dort lag das ursprüngliche boische Siedlungsgebiet, und die dort unter markomannischer Herrschaft Lebenden werden die Kontakte zu ihren ausgewanderten Vettern jenseits der Donau nicht haben abreißen lassen.

Frauentrachten aus Dacia

Ein Grabdenkmal eines Paares zeigt die Frau in einem schlichten, von einem breiten Gürtel mit lang herabhängendem Ende zusammengehaltenen engen Chiton (unter dem wahrscheinlich eine Chamisia getragen wurde), Umhang und kopftuchartigen Haube. Darstellungen von der Trajanssäule zeigen eine ähnliche Tracht, nur dass Kleider und Kopfbedeckungen nicht ganz so schlicht dargestellt sind. Die Säule könnte also die Trachten dakischer Frauen durchaus zutreffend wiedergeben.

Resumé

Der Blick auf die verschiedenen germanischen und keltischen Frauentrachten im Nordwesten des Imperium Romanum zeigt, dass die Kleidung „barbarischer“ Trachten keineswegs so primitiv war, wie uns die Propagandamonumente der römischen Sieger glauben machen wollen. Nimmt man Textilfunde hinzu, so ergibt sich ein noch reicheres Bild. Allerdings haben die Kleidungsstücke, die aus Moorfunden stammen, eher die Ansehnlichkeit von Putzlumpen, und man muss schon seine Phantasie zu Hilfe nehmen, um sich ihre ursprüngliche Pracht vorzustellen. Soweit man eine ethnische Unterscheidung von Germaninnen und Keltinnen in der Tracht erkennen will, scheint als Obergewand bei den nordseegermanischen Frauen der weite Chiton vorzuherrschen und bei den keltischen Trachten der gefibelte Peplos. Auch bei der Verwendung von Schmuck scheinen die Keltinnen der nototischen Putzsucht ihrer Männer in keiner Weise nachgestanden zu haben.

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Quellen

  1. Friedrich Giesler, Keltische und germanische Frauentrachten im Spiegel römischer Darstellungen, Bonn, 2001
  2. (s. Literatur Garsch)

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