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Die Keramik der südlichen Hallstattkultur steht nach Formen und Ornamenten im Gegensatz zur Keramik der vorrömischen Eisenzeit in den nordischen Provinzen. Hier sonderen sich zwei größere Kreise, ein östlicher und westlicher, voneinander ab; ihr Berührungspunkt ist im links der Donau liegenden Bayern zu suchen.

  • a) Der Ostkreis
  • b) Der Westkreis

Ostkreis

Der Ostkreis steht im Allgemeinen in der älteren Zeit unter dem Einfluß der ungarischen Rillen- und Buckelkeramik; die Buckel erscheinen in jüngerer Form als hornartige Ansätze in der Regel auf der Schulterfläche der Gefäße. Im Südosten (Küstenland, Krain) fallen neben lokalen, einheimischen Formen (Töpfe, Schalen, Tassen, Becher) die Umbildungen der italischen Villanova-Urne ("Halsurne") und die Nachahmungen italischer Bronzegefäße auf.

Im jüngeren Abschnitt der Periode wird die Bronzesitula in Ton nachgeahmt und neben die einfache, geradlinige Tiefornamentik tritt die Graphitmalerei entweder als Überzug über das ganze Gefäß oder als Streifen dekoration mit Bändern, schraffierten Dreiecken und Mäanderhaken auf rotem Grund. [1]

Mittlere Gruppe

In der mittleren Gruppe des Ostkreises (nördliche Ostalpen und angrenzende Donau- und Sudetenländer) ist die monochrome Keramik des älteren Abschnitts der Hallstattperiode (Maria Rast in Steiermark, Stillfried (Bild) und Statzendorf in Niederösterreich) in Formen und Ornamenten der südöstlichen ähnlich, wenn auch die italischen Einflüsse nicht unmittelbar wirksam sind. In der jüngeren Entwicklungsphase geht die polychrome Keramik neben der monochromen her. Durch den Graphitüberzug wird der Glanz der Metallgefäße im Ton nachgeahmt. Zu der Schwarz-Rot-Malerei tritt die Tiefornamentik mit weißer Inkrustation und steigert noch die farbige Wirkung des Dekors.

Reichliche Verwendung findet auch die Reliefplastik bei der Flächendekoration, besonders in Bogen- und Spiralmotiven, die sich mit den hornartigen Buckeln und Rillen vielfach verbinden. So wird besonders die typische „Halsurne" reich ausgestattet. Sogar die figürliche Tonplastik wird für diesen Zweck herangezogen, indem Frauengestalten mit Töpfen auf dem Kopf, Reiterfigürchen, Vierfüßler und Vögel auf Rand und Schulter der Gefäße gesetzt werden (Bild). Selbst Bilder des täglichen Lebens, wie Opferszenen, Kulttänze, Wagenszenen, werden auf der Gefäßfläche dargestellt (Ödenburg).

Diese darstellende Kunst ist den oberitalischen Bronzesitulen nachgemacht, wie auch ihre Form in diesem Kreis in Ton vielfach wiederkehrt. Auch unter den Henkelnäpfen und Schalen mit hohem Fuß finden sich Anlehnungen an Metallformen.

Nordöstliche Gruppe

Inder nordöstlichen Gruppe (Schlesien und Posen) steht die Keramik zu Anfang der Eisenzeit im Zusammenhang mit den jüngeren Formen des „Lausitzer Typus". In der Folgezeit sind neben der graphitierten Hallstattkeramik mit Buckeln, Rillen und Tupfen bemalte Gefäße im Gebrauch, die in Formen und Technik eine Sondergruppe darstellen, in der auf Ausgestaltung von feinen Formen und Erfindung von zierlichen Mustern, wenn auch nicht ohne fremde Einflüsse, besonderer Wert gelegt wird.

Die Gefäße sind meist von hellgelbem, fein geglättetem Ton und mit Schwarz bemalt, wozu noch sekundär Rot tritt, seltener mit rotem Überzug versehen und schwarz bemalt. Daneben stehen, wenn auch seltner, tiefe Furchen, während breite, horizontale Hohlkehlen zwar dekorativ wirken, aber zur Gliederung der Gefäßprofile vielfach beitragen sollen.

Was die Formen betrifft, so sind besonders beliebt kleine, flache, breite Schalen mit zurückgesetztem, niedrigem Rand, selten mit Henkel versehen, dagegen vielfach mit zentralem Buckel auf der Innenseite des Bodens (Omphalos), ferner henkellose tiefe Näpfe mit hohlkehlenartigem Rand, höhere Töpfe mit geschweiftem Wandprofil und ausladendem Rand in mehreren Varianten, Schüsseln mit bogenförmig ausladendem Rand, kleine Schnurösentöpfe, bauchig mit enger Öffnung, Flaschen in mehreren Varianten mit langem und kurzem Hals, Becher mit hohem, breit ausladendem Fuß (singulare Form), Henkeltassen, mehrfach übereinander gesetzte Gefäße (sogen. Etagengefäße), Vogelfigürchen. [2]

Ornamentik

Die Ornamentik ist sehr zierlich, teils in Liniensystemen, teils in Einzelmotiven, oft in deutlicher Anlehnung an Flecht- und Webemotive: kleine Strichgruppen, Bandmuster, Dreiecke in vielfacher Anordnung und Kombination mit anderen Motiven, Zickzackbänder, Flechtbänder, oft in Verbindung mit plastischen Warzen oder kleinen Buckeln. Als Einzelmuster werden u. a. Triquetrum, Hakenkreuze, Kreuzbänder, Zweigmuster verwendet. [3]

Der Westkreis

Im Westkreis finden sich an seiner nordöstlichen Peripherie (Nordbayern: Oberpfalz und Oberfranken) neben der monochromen Keramik mit echtem „Hallstatt"-Charakter eine der schlesisch-posenschen Gruppe ähnliche, helltonige Keramik mit schwarz und rot gemalten Mustern, seltener mit Graphitmalerei auf rotem Überzug. [4]

Ansonsten ist im Westkreis (westlich vom Böhmerwald) die Entwicklung der Keramik insofern der des Ostkreises analog, als in dem älteren Abschnitt auch hier die monochrome Technik festgehalten wird, im jüngeren dagegen die Gefäßmalerei geübt wird. Jedoch ist der Formenkreis ein anderer und die Malerei von besonderer Eigenart. Es fehlt der unmittelbare Zusammenhang mit der Stilentwicklung der Buckelkeramik. Der Metallcharakter der Gefäße kommt vielfach in der Profilierung der Formen und in der Technik zum Ausdruck.

Stufe HaA

In der ältesten Phase (Süddeutschland = Stufe HaA; 1200–1050 v. Chr.) ist die Keramik meist dunkeltonig und setzt sich aus gröberen und feineren Gefäßgruppen zusammen Amphorenartige Gefäße stehen noch im Zusammenhang mit älteren, bronzezeitlichen Typen; sonst finden sich doppelkonische Töpfe, flaschenartige Krüge mit Umbruch der Bauchwandung, Näpfe, Teller, Becher, Schalen auf hohem Fuß. Die Ornamente bestehen in Hohlkehlen oder in einfachsten, geometrischen Mustern in Tieftechnik. Weiße Einlagen finden sich vereinzelt; in der Pfahlbaukultur der Schweiz werden sie durch Zinneinlagen ersetzt.

Stufe HaB

In einem jüngeren Abschnitt der älteren Hallstattzeit (Stufe HaB; 1050–800 v. Chr.) werden die Gefäße mit Graphit überzogen und poliert, oder auf rotbraunem Überzug mit Graphit bemalt, z. T. auch mit Linien oder feinen Kanneluren verziert. Die Muster sind einfache Streifen, Dreieckreihen, Vertikal Strichgruppen. An Formen sind rundliche, bauchige, meist henkellose Gefäße beliebt mit enger Öffnung und scharf abgesetztem Rand in vielfachen Variationen und Größen, Schalen mit geschweiftem Profil und sehr schmalem Boden, mit und ohne Henkel, konische Schüsseln mit treppenartiger Abstufung der Innenseite, Fußschalen und Becher, sowie Tassen in vielfachen Varianten.

Stufe HaC und HaD

In der zweiten Hälfte der Hallstattzeit (Stufe HaC und HaD; 800–450 v. Chr.) ist das hervorstechende Merkmal der Keramik im Westkreis die Polychromie, z. T. in Verbindung mit der Kerbschnittverzierung. Es kommen nebeneinander dunkeltonige, monochrome Gefäße mit Tiefornamenten und helltonige polychrome mit Graphit- und Rotmalerei nebst Tiefornamenten vor. Ihr Formenkreis lehnt sich direkt an die vorhergehenden Gefäße an. Die „geschnitzte", oft polychrome Keramik, deren Zentrum die schwäbische Alb ist, vertreten das letzte Stadium einer Entwicklung, die sich bis in die ältere Bronzezeit verfolgen läßt. Weiße Inkrustation der Tiefornamente fehlt auch jetzt nicht (Bild).

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Marchesetti: Necropoli di Sa. Lucia presso Tolmino. Tafel. III ff. - Mitteilungen der Wiener Anthroposophischen Gesellschaft, XVIII. Tafel. III
  2. M. Zimmer: Die bemalten Tongefäße Schlesiens, 1889.
  3. O. Mertins: Wegweiser durch die Urgeschichte Schlesiens. S. 62 ff. Fig. 129. 141 (Per. der jüngeren Urnenfelder = Montelius IV und z. T. V); 76 ff. Fig. 178—197 (Per. der jüngsten Umenfelder = Montelius Schluß V und VI).
  4. Scheidemandel: Hügelgräberfunde bei Parsberg Bd. I, 1886. Bd. II, 1902.

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