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In der Keramik der vorrömischen Eisenzeit kommt die Verschiedenheit der Kulturerscheinungen innerhalb des Gebiets von Deutschland und dem angrenzenden Skandinavien gerade in der Keramik in hervorragender Weise zum Ausdruck. In Norddeutschland, wo das Eisen nur ganz allmählich Einzug hält, beginnt sich die Entwicklung in zwei Gruppen zu teilen, die man als west- und ostgermanisch kennzeichnet.

Beschreibung

Größere Fortschritte werden im Süden, in der Rhein-Donau-Oder-Zone gemacht, wo sich die Hallstattkultur ausbreitet. Im Lauf der zweiten Hälfte des 1. Jhds. v. Chr. machten sich die von Westen vordringenden Einflüsse der keltischen Kultur überall geltend. (s. Art. Kelten: Bodenfunde und Keltischer Kultureinfluß) Die ganze Entwicklung schreitet aber in verschiedenen Stufen vorwärts, so daß zahlreiche lokale Gruppen im bunten Wechsel nebeneinander stehen und aufeinander folgen.

Germanischer Westkreis

Im germanischen Westen werden die bronzezeitlichen Formen der Keramik zunächst weiter entwickelt. Mit geringen Modifikationen finden sich noch die Amphoren mit hohem, konisch ablaufendem Hals, die doppelkonischen weitmündigen Töpfe in verschiedenen Varianten, einhenklige Kannen mit zylindrischem, abgesetztem Hals, Henkelschalen und Henkelbecher in vielfachen Varianten, einfache doppelhenklige Töpfe in mehreren Arten. Beliebt sind bei den größeren Gefäßen gerauhte Wandungen, die durch glatte Streifen gegliedert werden, eine Eigentümlichkeit, die bis in die Zeit des römischen Einflusses beibehalten wird.

Stufe I = Frühe Hallstatteisenzeit

Ornamente sind selten und einfachster geometrischer Art (Zickzackbänder, Dreiecke und dgl.). Neue Erscheinungen in der Formenbildung lassen sich auf den Einfluß der importierten Metall-(Bronze- und Gold-) gefäße zurückführen. So erklärt sich die scharfe Profilierung einer Urne mit niedrigem, ausladendem Bauch, scharf abgesetztem zylindrischem Hals und schräg ausbiegendem Rand, deren Oberfläche schwarzglänzend poliert ist ("Todendorfer Urne" in Schleswig-Holstein mit mehreren Arten und jüngeren Entwicklungsformen). Singular sind bemalte Gefäße (rot auf hellem Überzug) aus Jevenstedt (Schleswig-Holstein).

Stufe II = Nordische Hallstattkultur

In der Folgezeit sind die weiteren Entwicklungsstadien der Urnen vom Todendorfer Typus von typischer Bedeutung. Neben ihnen bleiben die gewöhnlichen Topfformen im Gebrauch. Gleichzeitig machen sich in den Beigaben (Latènefibeln) die Einflüsse der Latènekultur geltend. Lokale Verschiedenheiten haben eine verschiedene Gruppierung der Funde zur Folge.

Stufe III (IV) = Spätlatènezeit

In der Spätlatènezeit (190 v. Chr. bis 0) werden schließlich die Situla-artigen Gefäße (Bild) die Leitformen im Gräberinventar. Ihre Verzierungen bestehen aus Zickzackbändern, die von Punktreihen begleitet sind und in der Regel auf der scharf abgesetzten Schulter sitzen, während der Unterteil durch vertikale Strichgruppen und Kreuzbänder gegliedert wird. Schließlich kommen die mäanderartigen Zeichnungen auf und die Punktreihen, mit dem Rädchen eingedrückt, übernehmen die Vorherrschaft. (Bild)

Germanischer Ostkreis

Im germanischen Osten hielt sich zunächst der bronzezeitliche Typenvorrat unter dem Einfluß der Lausitzer Kultur. Erst in jüngeren Gruppen wurde dieser Einfluß überwunden. Unter zahlreichen Gefäßen, die in verschiedenartigen Gräbern (Hügelgräbern mit kistenförmigen Kammern, Steinkistengräbern unter der Erde und Urnenfeldern) als Beigaben auftreten, Terrinen, Schalen, Amphoren, Tassen, Kannen, ragen die den Steinkistengräbern eigentümlichen Gesichtsurnen als besondere Gruppe hervor.

Hallstattzeit

Ihr Verbreitungsgebiet ist auf Nordostdeutschland beschränkt, ihr Zentrum im besonderen Pommerellen, d. h. der größte Teil von Westpreußen links der Weichsel, das nordöstliche Hinterpommern, der nördliche Teil des Regierungsbezirks Bromberg; von da aus verbreiten sie sich rechts der Weichsel nur in einem schmalen Streifen bis in die Gegend von Marienburg und südwärts durch die Provinz Posen bis in den nördlichen Teil der Provinz Schlesien.

Außer ihnen finden sich in denselben Gräbern henkellose bauchige Töpfe, teils terrinenartig mit weiter Mündung, teils flaschenartig, gewöhnlich ohne Profilierung der Wandung, kleine flache Schalen und Henkelgefäße. Die Epoche der Gesichtsurnen beginnt in dem umschriebenen Gebiet etwa in der Mitte des älteren Abschnittes der vorrömischen Eisenzeit (Hallstattzeit) und geht erst am Anfang der folgenden Latènezeit mit dem Zunehmen der keltischen Einflüsse im Osten zu Ende.

Latènezeit

In der zweiten Hälfte der vorrömischen Eisenzeit (Latènezeit) läßt sich im gesamten germanischen Ostkreis ein Rückschritt in der keramischen Produktion gegenüber der vorigen Periode sowohl in der Formengebung als in der Ornamentik beobachten. Auch die Massen, mit denen die Gefäße im Grabinventar auftreten, nehmen beträchtlich ab oder verschwinden fast ganz. Nach dem Abflauen der weitreichenden Einflüsse der stilkräftigen „Lausitzer Gefäßformen" und der geschlossenen Hallstattkulturgruppen bilden sich kleinere landschaftliche Kreise ohne ausgeprägte Eigenart. Da finden sich:

  • hohe weitmündige Gefäße mit und ohne Henkel, teils kugelbauchig, teils schlauchförmig mit hohlkehlenartig eingezogenem Rand,
  • Töpfe mit geschweifter Wandung, deren Unterteil gerauht ist, und enger Öffnung, auch mit abgesetztem Hals oder mit schräg nach außen gerichtetem Rand (Pommern), oder
  • einfache Töpfe, Kannen und Schalen, meist glatt, schwarz und schlecht gebrannt, aber auch mit gelben, grauen und roten Tönungen (Westpreußen), oder
  • breite, weitmündige Terrinen mit abgesetztem, schrägem Rand und schmaler Standfläche,
  • größere Krüge in Eiform mit kurzem abgesetztem Hals und engem am Hals ansitzendem Henkel,
  • kleine einfache Henkeltöpfe und größere henkellose eiförmige, flaschenartige Gefäße mit kurzem abgesetztem Hals (Niederlausitz).

Währenddessen verbreiteten sich in Schlesien unter verschiedenen Einflüssen teils von Norden her die Gesichtsurnen mit mützenförmigem Deckel, teils wurden von Südwesten her sogar fremdartige Drehscheibengefäße importiert. Die Ornamentik ist in allen diesen Gruppen höchst spärlich; sie ist auf die einfachsten Linienmuster in Tieftechnik beschränkt, wie sie sich immer und überall finden (Sparrenmuster, Zickzackbänder, konzentrische Kreise, Tüpfelchen); charakteristisch sind aber auch im Ostkreis die Vertikalbänder, die die ganze untere Bauchfläche beleben.

Brandgrubenkultur

Wiederum neue Produkte bringt am Ende der Latènezeit aus dem skandinavischen Kreis die Brandgrubenkultur, die den Funden von Bornholm entspricht. Ihre Keramik besteht aus einfachen, aber gut gearbeiteten Gefäßen, deren Oberfläche vielfach durch Graphitüberzug geschwärzt ist, während andere bräunlich oder graugelb und naturfarben sind. Unter den Formen sind hauptsächlich zu nennen:

  • henkellose, hohe engmündige Töpfe mit birnförmigen oder ballonartigem Körper und Wulstrand, auch mit hohlkehlenartig ausladendem Rand oder mit zylindrischem, engem Hals,
  • weitmündige Näpfe mit und ohne Henkel, enger Standfläche und dickem, ausladendem Randwulst,
  • einfache Henkeltöpfe, seltener Becher mit geschweifter Wandung und enger Öffnung oder mit abgesetztem Hals und weiter Öffnung.

Verzierungen sind selten und einfacher Art in Ritztechnik. Das Inventar dieser vorrömischen Brandgrubengräber setzte sich in der folgenden Periode unmittelbar fort. [1]

Germanischer Nordkreis

Die Nordgermanen, die noch mehr als die West- und Ostgermanen an bronzezeitlichen Gewohnheiten festhielten, fertigten in der Zeit, als sich bei ihnen der Gebrauch des Eisens einbürgert, also in der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr., Tongefäße ohne alle Eigenart: bauchige Töpfe verschiedener Art mit Halsbildungen, teils mit, teils ohne Henkel, Henkelkännchen, Doppelgefäße und rohe, unten gerauhte Töpfe mit weiten Öffnungen.

Hallstattkultur

Hallstattkultur Keramik NHM Wien Abb Salz-Reich 2008 Seite 121 3

Keramik der Hallstattkultur

Im Gegensatz zu den nordischen Provinzen steht nach Formen und Ornamenten die Keramik der südlichen Hallstattkultur. Auch hier sonderten sich zwei größere Kreise, ein östlicher und westlicher, voneinander ab; ihr Berührungspunkt ist im links der Donau liegenden Bayern zu suchen.

  • a) Der Ostkreis
  • b) Der Westkreis

Der Ostkreis steht im Allgemeinen in der älteren Zeit unter dem Einfluß der ungarischen Rillen- und Buckelkeramik; die Buckel erscheinen in jüngerer Form als hornartige Ansätze in der Regel auf der Schulterfläche der Gefäße. Im Südosten (Küstenland, Krain) fallen neben lokalen, einheimischen Formen (Töpfe, Schalen, Tassen, Becher) die Umbildungen der italischen Villanova-Urne ("Halsurne") und die Nachahmungen italischer Bronzegefäße auf. Im jüngeren Abschnitt der Periode wird die Bronzesitula in Ton nachgeahmt und neben die einfache, geradlinige Tiefornamentik tritt die Graphitmalerei entweder als Überzug über das ganze Gefäß oder als Streifen dekoration mit Bändern, schraffierten Dreiecken und Mäanderhaken auf rotem Grund... Weiterlesen. [2]

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Schumann: Urnenfriedhöfe in Pommern (Balt. Stud. 39, 1889, S. 91 f.)
  2. Marchesetti: Necropoli di Sa. Lucia presso Tolmino. Tafel. III ff. - Mitteilungen der Wiener Anthroposophischen Gesellschaft, XVIII. Tafel. III

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