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Als Kettenrüstung, Kettenpanzer oder Maschenpanzer (auch: Ringpanzer, Ringbrünne oder Panzerhemd; lat. lorica hamata) bezeichnet man eine Rüstung, die aus zahlreichen – feuergeschweißten bzw. vernieteten – ineinander verflochtenen kleinen Metallringen besteht.

Arten

Man unterscheidet u.a. folgende Kettenrüstungen:

  • Beketteter Panzer - s.u. Ringelpanzer, Single Mail.
  • Beringter Panzer - Kettenpanzer, bei dem die Ringe einzeln nebeneinander auf eine Unterlage aus Leder oder Stoff aufgenäht sind.
  • Halsberge (halsberc) - Teil, der den Hals schützt. Siehe: Halsbrünne, Ringkragen.
  • Hauberk (Hauberc) - Kettenhemd (langärmelig, knielang).
  • Haubergeon - Kettenhemd (halbärmelig, oberschenkellang).
  • Kettenarmschutz - Spätmittelalter. Zubehör für z.B. Gambesons
  • Kettenbeinlinge - Beinlinge aus Kettengeflecht
  • Kettenhandschuhe - Entweder gefingert oder in Form von Maschenfäustlingen.
  • Kettenhaube - Spätmittelalter. Zubehör zu Helmen. Siehe auch: Helmbrünne, Ringhaube.
  • Kettenkragen - Spätmittelalter. Zubehör für z.B. Gambesons. Siehe: Bischofskragen (Bishops mantle).
  • Kettenrock - Spätmittelalter. Zubehör zu Plattenrüstungen [1]
  • Lorica Hamata - Römisches Kettenhemd.
  • Panzerhemd - Allgemeine Bezeichnung einer Brünne (vgl. Kettenpanzerhemd).
  • Panzerschurz - Teil, der den Unterleib und die Oberschenkel schützt.
  • Ringelpanzer (engl. Single Mail) - Kettenpanzer, bei dem die Ringe einzeln, aber überlappend auf eine Unterlage aus Leder oder Stoff aufgenäht sind.

Entwicklung

Früheste Nachweise von Kettenhemden sind bisher aus dem 4. Jh. v. Chr. aus keltischen Gräbern bezeugt. Die vielen kleinen Bestandteile der Kettenrüstung absorbieren die meisten Schläge und Stöße durch Waffen wie beispielsweise das Schwert, und wurden im Hochmittelalter dadurch zur gängigsten Körperpanzerung.

Zur Zeit der Römischen Republik (509-27 v.Chr.) trugen die Hastati (schwere Infanterie) ärmellose Kettenpanzer und seit dem 3. Jh.v.Chr. bis zum Untergang des Reiches war die Lorica Hamata in der römischen Armee in Gebrauch. Um das Jahr 160 v.Chr. sind Ringpanzer als Rüstung der Principes bezeugt.

Völkerwanderungszeit

Ringbrünne von Gammertingen, Heid. Hs. 3989 IV B - 1

Alamannische Ringbrünne von Gammertingen (6. Jh.)

Fragmente von Panzerrüstungen sind gegenüber der Masse von Speeren, Schwertern und Schilden aus germanischen Funden des 5. bis 8. Jhs. außerordentlich spärlich. Die bei weitem gebräuchlichste Art ist jedoch auch in dieser Epoche der leichte eiserne Kettenpanzer.

Ein vollständig erhaltenes Stück, die alamannische Ringbrünne von Gammertingen (6. Jh.), ist ein Panzerhemd mit Kapuze (Halsberge) und kurzen Ärmeln. Doch wurde hier gegenüber den nordischen Ringbrünnen ein Fortschritt in der Festigkeit dadurch erreicht, dass die gestanzten Ringe einen geringeren äußeren Durchmesser und eine größere Breite der Ringperipherie haben, wodurch die Zwischenräume verdeckt oder verkleinert werden.

Frühmittelalter

Zur fränkischen Zeit (5.-9. Jh.) war die Ringbrünne offenbar nur im Besitz hervorragender und wohlhabender Krieger.

Während der Dichter des Beowulfliedes zu Beginn des 8. Jhds. die Ringe des Kettenpanzers noch als mit der Hand zusammengebogen beschreibt, heben die altnordischen Skalden der Wikingerzeit (um 800-1066) die Wirksamkeit des Hammers bei der Verfertigung der Kettenbrünne hervor. Die altnordischen Brünnen bestanden somit aus zusammengeschmiedeten Ringen. Genietete Panzerringe werden nur einmal in der Völundarkvidha erwähnt (6: negldar brynjur).

Mit dem Beginn der Wikingerzeit (793-1066) trat allmählich eine durchgreifende Umwandlung in der Ausrüstung auf und das Kettenhemd mit Halbärmeln, die bis zu den Ellenbogen gingen, wurde ein fester Bestandteil der Rüstung - für jene, die es sich leisten konnten. Es bestand aus feinen Eisenringen, die teils zusammengeschmiedet, teils genietet waren, in wechselnden Reihen und so zusammengekettet, dass jeder Ring immer in mindestens vier andere eingriff. Eines der gefundenen Kettenhemden zählte ca. 2000 solcher Ringe.

Hochmittelalter

11. Jahrhundert

Die Ringbrünne (hringabrynja) scheint noch im 11. Jh. in Nordeuropa der einzige gebräuchliche Leibharnisch gewesen zu sein. Diese Ringpanzer waren verhältnismäßig leicht, ließen die Luft durch und schmiegten sich an den Körper an, gestatteten daher ungehemmte Bewegung und konnten zudem mit geringer Mühe an und wieder abgelegt werden. Im Gegensatz zum Plattenpanzer, der mit Hilfe anderer angeschnallt werden musste, zog man die Ringpanzer an wie ein Kleidungsstück, daher der Ausdruck: si schuten sich ûz dem gewaffen nâch grôzer müede, oder si sluffen in wîges gewâte und abe schute er sîn îsengewant. Die Ringe ließen sich zudem ineinanderschieben, sodass die abgelegte Brünne bequem in einem Waffensack (sârbalc) oder in einem Schild nachgetragen werden konnte.

12. Jahrhundert

Während des 12. Jhs. prägten Kettenrüstungen das Bild der gehobenen Fußkämpfer und Ritter. [2] Da die Ringe bei diesen Körperpanzerungen geschmiedet und genietet waren (es sind Reste solcher Panzer gefunden, deren Ringe nur 5 mm Durchmesser haben), gehörten die Ringelpanzer jener Zeit wegen ihrer aufwendigen Herstellung zu den kostbaren Rüstungen wohlhabender Ritter. Erst nach Erfindung des Drahtziehens (1306 durch Rudolf von Nürnberg) wurden sie allgemeiner und so dicht gefertigt, dass die Misérecordia und andere Panzerstecher nicht hindurchdringen konnten.

Ab dem Ende des 12. Jhs. versuchte man Schultern, Hals, Arme, Schenkel und besonders die Knie besser zu schützen, indem man Platten und Schienen durch Aufnieten oder Nageln auf den betreffenden Stellen des Ringpanzers befestigte - Die Zeit der Plattenrüstungen begann. Anfänglich verwendete man für diese Verstärkungen Leder, das durch Sieden eigens zubereitet und durch metallene Buckel und Bänder verstärkt wurde. Diese Veränderungen nahmen in der Folgezeit immer mehr zu. Wo die Ringe genagelt erscheinen, da gehören sie mindestens schon dem 12. Jh. an.

13. Jahrhundert

Maschengeflecht eines Panzerärmels MgKL Rüstung 170335a

Genietetes Maschengeflecht eines Panzerärmels mit Wappenschildchen (um 1530)

Am Ende des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jhs. trugen Ritter eine vollständige Kettenpanzerung (genannt Brünne, hauberc bzw. Haubert). Bei den Normannen war zu dieser Zeit eine Art Kettenwerk verbreitet, welches bei ihnen single mail hieß und aus nebeneinander gelegten enggliedrigen Ketten bestand, die auf eine lederne Unterlage genäht waren. Aus dieser Art von Panzerung bestand nicht nur die Kettenbrünne, sondern sie wurde in jener Zeit auch zum Schutz der Beine und Füsse verwendet.

Diese Ketten ersetzten seit Anfang des 13. Jhs. die früher gebräuchlichen nebeneinander befestigten Ringe, Schuppen und Platten, und wurden ihrerseits wieder gegen das Ende jenes Jahrhunderts durch eine andere Anordnung verdrängt, wo vier Ringe, durch einen fünften zusammengehalten, ein selbstständiges Geflecht bildeten, das keine Unterlage mehr brauchte. Ab dem 13. Jh. trugen die Ritter über den Kettenbeinlingen einen ledernen Knieschirm, der besonders in England gefunden wurde. [3]

Wie fest aber diese Ringe auch sein mochten, die Sänger wissen viel zu berichten von vortrefflich gezielten Speerwürfen und ritterlichen Schwertschlägen und Stichen. So heißt es z.B. im großen Rosengarten zu Worms (13. Jh.): "do sniet im durch die ringe der küene Wolfhart", und weiter: "Die ringe begunden rîsen in der rôsen schîn, Sie lâgent dô geströwet, als sie werint gesêt dar în." Daher hatte man bereits früh begonnen, jene Stellen, die dem feindlichen Angriff besonders ausgesetzt waren, noch mit einem weiteren Schutz in Form von aufgenieteten Platten zu versehen, mit sog. Buckeln.

Galerie

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Quellen

Wikipedia lexikon3e
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Kettenrüstung“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 2. Apr. 2015‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Einzelnachweise

  1. Kayserstuhl: Unvernietetes Kettenzeug
  2. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke. aaO. Bd. II, S. 14, Tafel 99
  3. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke. aaO. Bd. II, S. 18, Tafel 109