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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2012 als Spotlight vorgestellt.

Der Gebrauch von Tierfellen zur Bekleidung war bereits in der Bronzezeit durch die Erfindungen des Spinnens und Webens stark eingeschränkt. Die Frage, ob zu dieser Zeit Wolle oder Flachs als Kleiderstoffe bevorzugt wurden, ist allerdings strittig, da diese leicht vergänglichen Stoffe kein zweifelsfrei genaues Bild aus archäologischen Funden zulassen.

Geschichte

Erwiesen ist, dass bereits in der älteren Bronzezeit in Schleswig-Holstein wollene Kleider den Toten mit ins Grab gelegt wurden, während Leinengewebe in Süddeutschland zuerst in Gräbern der Hallstattperiode auftaucht, also zu Beginn der Eisenzeit. In späterer Zeit sind diese ältesten drei Kleidungsstoffe - Wolle, Flachs und Leinen - in gleicher Weise bezeugt, und durch Musterung und Färbung verfeinert, womit sie sich höheren Ansprüchen anpassten. Pelzbekleidung wird bei Beschreibungen von Männertrachten seit dem 5. Jahrhundert zwar oft erwähnt, aber mehr als Luxus- denn als nötiger Gebrauchsgegenstand.

Wikinger - und Sagazeit

In Skandinavien und Nordeuropa hingegen verwendete man noch in der Wikinger- und Sagazeit (800-1200 n. Chr.) für Kleidung die Felle von Wild- und Haustieren, neben anderen Stoffen, in sehr ausgedehntem Maße. Das zumindest geht aus der einheimischen Literatur hervor, und so heißt es auch bei Adam von Bremen über die Isländer, daß sie in Schafpelze gekleidet seien („eorum [s. pecorum] vettere teguntur"). In diesem Zeitabschnitt jedoch wurden die einfacheren Fellstoffe zumeist von den niedrigeren Ständen benutzt, während vornehme und wohlhabende Leute neben den feineren Fellstoffen, also Pelzwerk, hauptsächlich verschiedene andere Kleiderstoffe, wie Wollstoffe, Leinen, Baumwolle, Seide, Seidensammt usw. benutzten.

Die Aufklärungen, die die Literatur über die vielen prachtvollen und kostbaren Stoffe gibt, werden durch verschiedene Grabfunde aus der Wikingerzeit bestätigt, indem man sowohl in Männer- als auch in Frauengräbern gemusterte oder gestickte Woll- und Seidenstoffe fand, die letzten in mehreren Fällen mit eingewebten Mustern in Silber und Gold. Auf einem der Wollstoffe stellen die Muster zusammengekettete Menschenhäupter dar. Viele dieser prächtigen Stoffe waren heimische Arbeit, denn neben den vielen Beschreibungen von gemusterten Decken mit eingewebten oder gestickten Ornamenten (mark) oder Bildern (skript) gibt es viele Schilderungen von der großen Fertigkeit der skandinavischen Frauen in Kunstweberei und Kunststickerei.

Meist werden sie als sitzend bei einer solchen Arbeit erwähnt, oder damit beschäftigt, Ornamente oder Bilder einzuweben. Oft verwenden sie dabei Gold- und Silberfäden oder sticken diese auf Decken, ebensooft werden Seide, Silber oder Gold erwähnt. Man kann aus einigen Stellen ersehen, daß die Kunstweberei von Borten und Decken von geringer Breite mit Brettchen ausgeführt wurde [1]. (Siehe auch: Brettchenweberei) Die eingewebten oder gestickten Bilder konnten nach den Schilderungen der Literatur alles mögliche darstellen: Vögel, Tiere, Menschen, Gebäude, Schiffe, Waffen, Spiele, Kämpfe usw. Auf einem solchen Teppich konnte so eine ganze Geschichte oder Mythen dargestellt werden, z.B. wie es auf dem berühmten Teppich von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert zu sehen ist, auf der die Frau Wilhelms des Eroberers die Geschichte von ihres Mannes Eroberung von England hat darstellen lassen.

Stoffarten

Wollstoffe

Von den aus Wolle gefertigten Stoffen war in Mitteleuropa der Loden mit der Wichtigste. Der Hauptanteil am Handel mit diesen Wollstoffen fällt in frühmittelalterlicher Zeit den Friesen und Angelsachsen zu, deren Erzeugnisse aus der Schafwolle den besten Ruf genossen. In Skandinavien war der Fries der gewöhnlichste Wollstoff. Dabei unterschied man den "Kleiderfries" zum Nähen von Kleidern, den "Handelsfries" zur Ausfuhr oder aber auch für Kleidung der niederen Stände und den "Figurenfries" mit eingewebten Figuren. Zu den ältesten Kleiderstoffen im Norden Europas zählt das Lodenzeug, das in Gräbern aus der Bronzezeit gefunden wurde.

Außer einheimischen Wollstoffen gebrauchte man auch einige fremde, mehr oder minder gemusterte Wollstoffe, für z.B. feinere Röcke, Mäntel oder Staatskleider. Von diesen war der Scharlach (skarlat, skallat) recht verbreitet. Das Gottesgewebe (gudvefr) war ein scharlachfarbiger, gemusterter und goldgewirkter Wollstoff, möglicherweise eine Art Brokat. Er war seltener und besonders kostbar, obwohl er oft erwähnt wird. Sehr kostbar war auch das Pfellel (pell, vgl. mittellateinisch. pallium und pallidum), ursprünglich ein schneeweißer, aber später auch verschiedenfarbiger und gemusterter Wollsamt. Er war eine Nachahmung des bischöflichen Palliums, das auch goldgewirkt sein konnte. Ein anderer feiner und dünner Wollstoff war auch der in den späteren Zeiten eingeführte Saey (saei, saeydūker).

Leinen

Eine bedeutende Rolle spielte auch das Leinen in der römischen und fränkischen Zeit (Spätantike und Frühmittelalter). Bei Tacitus wird besonders den germanischen Frauen Leinenkleidung zugeschrieben. Ähnliches berichten Walahfrid Strabo und Plinius, und bei den Goten waren im 4. Jahrhundert Leinenkleider so gebräuchlich, daß sie die Habsucht der Byzantiner erregten. Auch Paulus Diaconus bezeugt von den Langobarden und Angelsachsen, daß sie viel leinene weite Gewänder trugen mit breiten, buntfarbigen Streifen. Jedoch werden im Gegensatz zum Wollstoff nur wenige Arten von Leinenstoff aus dem Mittelalter erwähnt. Im Wesentlichen finden sich darunter die sog. Leinwand, der Bōk, das Namtuch und das Wachstuch.

Bast

Der Geograph und Kosmograph Pomponius Mela berichtete aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., daß die Germanen neben ihren Wollmänteln auch Bastmäntel trugen, und Valerius Flaccus sagte ähnliches von den Bastarnen. Näheres ist darüber allerdings nicht bekannt; möglicherweise handelte es sich um mattenartige Geflechte, wie sie z.B. im östlichen Europa als Schuhe aus Lindenbast Verwendung fanden, oder um Baumschwamm, der ebenfalls noch in der der Neuzeit zu Kopfbedeckungen verarbeitet wird.

Baumwollstoffe

Baumwollstoffe, die durch die Araber in Europa verbreitet wurden, kamen ziemlich spät nach Nordeuropa. Deshalb wurden sie auch selten in der altnordischen Literatur erwähnt. Bekannt sind zwei Arten: Der fūstan, mittellateinisch fustanum. Er stammte ursprünglich aus Fostat bei Kairo und war ein dünner Stoff von meist roter Farbe; zuweilen auch weiß. Und der būkran, mittellateinisch bucaranum. Dieser stammte von Bochara; allerdings ist nicht über dessen Beschaffenheit bekannt.

Seidenstoffe

Seidenstoffe werden im Mittelalter sehr häufig und in mehreren verschiedenen Arten erwähnt. Außer der gewöhnlichen Seide kannte man die Purpurseide, das Seidenpfellel, der Purpursamt, sowie der Baldikin.

Sonstige

Daß auch Filz als eine der einfachsten Arten von Wollstoff zur Bekleidung gebraucht wurde, geht aus dem althochdeutschen Wort filz, angelsächsisch felt hervor, welches Wort zugleich einen dicken, wollenen Mantel bezeichnet. Auf Einfuhr orientalischer Stoffe weisen das gotische saban, althochdeutsch sabo, als Bezeichnung von Leinentuch hin, das aus Saban bei Bagdad stammt, ferner das althochdeutsche phellol, angelsächsisch paell, der einen verschiedenfarbigen, auch mit Goldfäden durchwirkten Seidenstoff darstellt, wohl auch Zindal oder Zendal, ein leichter Taft im 9. Jahrhundert.

Stoffhandel

Im Frühmittelalter war der Kleiderluxus gestiegen. So bildeten Tuche z.B. einen der wichtigsten Gegenstände des friesischen Handels. Ausgezeichnet durch verschiedene Färbung, erschienen sie im Handel fertig zum Gebrauch als Mäntel in altüberlieferter Form. Trotz der bereits allgemeinen Verbreitung der Leinen- und der Wollweberei, mußte auch der Handel die Nachfrage befriedigen. Das Kloster Fulda erhielt 836 Zollfreiheit, um seinen großen Kleiderbedarf zu decken. Das Kloster St. Gallen ließ Tuche in Mainz kaufen. Das Land der Erzeugung der friesischen Tuche ist streitig. Einige Forscher nahmen England an, während andere zu Flandern und wieder andere für Friesland eintraten. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Friesen mit den Erzeugnissen sowohl des eigenen Landes wie mit fremden handelten. Die Einfuhr englischen Tuches ins Frankenreich, auch nach Mainz, wird erwähnt [2]. Sogar schottisches Tuch gelangte ins Frankenreich. Bestimmte Preise für Mäntel setzt eine Verordnung von 808 fest [3].

Tuchgeld

Kleiderstoffe wurde bei Kaufgeschäften durchaus auch als "Geld" für Handelswaren entrichtet, das sog. Zeuggeld, Tuchgeld [4].

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Quellen

Einzelnachweise

  1. vgl. M. Lehmann-Filhes. Über Brettchenweberei. Berlin 1901
  2. Monumenta Germaniae historica. Ep. I, 406; 4, 144 f.
  3. Cap. I n.52 § 5, 51 § 7; Handel mit vestes I n. 45 c. II, 2 n. 194 C.7.
  4. Nordgermanisches Obligationenrecht. Karl Von Amira. 1882; n 1895. Band I, S. 541 ff., 677 ff.

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