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Kleidung

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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 10. Juli 2013 als Spotlight vorgestellt.

Wie auch heute war die Kleidung im Mittelalter eine Möglichkeit seine Stellung und seinen Reichtum zum Ausdruck zu bringen. Je nach gesellschaftlichem Stand wurden mehr oder weniger kostbare Stoffe und Farbstoffe verwendet. Die einfachen Menschen trugen hauptsächlich Kleidung aus Hanf, Leinen und Schafwolle.

Allgemeines

Die Kleidung bedeutete für den Menschen des Mittelalters zum einen Schutz vor Witterungseinflüssen, zum anderen war sie sichtbarer Ausdruck des Standes und des Rangs innerhalb des Standes. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht konnte somit an der Kleidung abgelesen werden. Die Quellen für die Darstellung der alten Trachten sind teils gegenständliche Funde, teils literarische oder künstlerische Überlieferung.

Zur Rekonstruktion der Entwicklung mittelalterlicher Kleidung werden jedoch vor allem schriftliche und bildliche Quellen herangezogen, denn originale Kleidungsstücke sind nur in geringer Zahl erhalten geblieben. Die meisten Abbildungen zeigen allerdings Personen mit hohem gesellschaftlichen Status, Angehörige der unteren Stände finden sich leider nur selten darunter.

Sprachliches

Die sprachlichen Zeugnisse für die Kleidung beziehen sich zum einen auf das ganze Gewand, wie z.B. das got. wasti, wastjós, ahd. wát, ags. wǣd, dazu ahd. giwant = Gewand. Zum anderen benennen sie einzelne Teilstücke; so taucht das Wort "Kleid" im Deutschen erst im mhd. kleit auf, dagegen wird es bereits im anord. klǣði und ags. cláð genannt. Von got. hama, ahd. asächs. hamo, ags. ham, hom, hama, homa ist das ahd. hemithi, hemidi (Hemd) abgeleitet. Im Angelsächsischen finden sich noch haetera, haeteru, dann hraegl, hraeglung, die dem ahd. hragil entsprechen, und außerdem réaf, sceorp (mit abgeleitetem gescierpla) und scrúd als Gesamtbezeichnungen für die Kleidung. Einzelbezeichnungen der Trachtenteile s. unter Handschuhe, Haube, Hemd, Hose, Hut, Rock, Mantel, Schuhe.

Unterscheidung der Stände

Cod. Pal. germ. 137, fol. 004v - Chronicon pontificum.jpg

Der Papst, ein Kardinal, ein weltlicher Fürst und der Kaiser im Gespräch (Cod. Pal. germ. 137, um 1460)

Zu Beginn des Mittelalters unterschied sich die Kleidung der wohlhabenden gegenüber der einfachen Bevölkerung fast nur in den verwendeten Materialien und den Verzierungen. Später konnte man anhand der Kleidung genau erkennen, wer zu welchem Stand gehörte. Dies konnte man anhand der Färbung, der verwendeten Stoffe und des Schnittes.

Materialien und Herstellung

Die Herstellung von Stoffen war im Mittelalter – vor allem auf dem Land – wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Die Produktion der Materialien und auch die Fertigung der Kleidungsstücke war im Wesentlichen Frauensache. Doch auch die Männer trugen ihren Teil dazu bei.

So gab es bestimmte kräftezehrende Aufbereitungsprozesse von Rohstoffen, die zwar auch von Frauen erledigt wurden, bei denen die Männer jedoch halfen wie beispielsweise beim Flachsbrechen. Da der Hauptanteil der zu erledigenden Arbeiten bei den Frauen lag, befanden sich die Produktionsstätten innerhalb des häuslichen Umfelds.

Unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung des Trägers waren Wolle und Leinen die vorherrschenden Kleiderstoffe. Die Unterbekleidung war zumeist aus Leinen, die Oberbekleidung aus Wolle gefertigt. Zusätzlich verfügten Klerus und Adel allerdings auch über kostbare Stoffe aus anderen Materialien, die beispielsweise aus dem Orient importiert wurden. Aber auch Hanf, Baumwolle, Barchent, Seide oder Brokat kamen zum Einsatz. Samt wurde wahrscheinlich seit dem 14. Jh. hergestellt.

Geschichte

Siehe auch:  •  Kleidung der Steinzeit  •  Kleidung der Bronzezeit  •  Kleidung der Römischen Kaiserzeit  •  Kleidung der Völkerwanderungszeit
Cees de steentijdman1.jpg

Rekonstruktion von Cees dem Steinzeitmann (Niederlande, ca. 2500 v.Chr.)

Die Kleidung der Steinzeit bestand in Mitteleuropa während der ersten Epochen größtenteils aus Fellen oder Tierhäuten, spätestens ab der Jungsteinzeit (5500 bis 2200 v. Chr.) bestätigen Bodenfunde aus der Schweiz die Verwendung von gewebten Textilien aus Flachs oder aus Wolle. Außerdem wurde Rindenbast (von Linde, Ulme und Eiche) gewebt.

Die Kleidung der Bronzezeit bestand außer aus Fellen im allgemeinen aus einem dicken, zweischäftigen Wollzeug aus Schafswolle mit Zusatz von Hirschhaaren. Für kostbare Stücken, wie z.B. für Leibgürtel, verwendete man ausschließlich Wolle, ebenso fertigte man bereits künstlich, gemustertes Gewebe an. Leinenstoff war seltener, aber bekannt, wie Funde zeigen, und auch das künstliche Färben von Stoffen konnte zumindest in einzelnen Fällen nachgewiesen werden.

Römische Kaiserzeit

Die Kleidung als Kostüm war ursprünglich Nationaltracht, die bei den Völkern der Alten Welt so lange für den strengen Unterschied der Rassen und Nationalitäten charakteristisch war, bis die römische Weltherrschaft die ganze antike Welt umspannte und Rom tonangebend für die Kleidung der zivilisierten, unter römischer Oberhoheit stehenden Bevölkerung des Morgen- und Abendlandes wurde. [1]

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Germanische Kleidung der Römischen Kaiserzeit (Gemma Augustea, KHM Wien)

Aus der Antike und Römischen Kaiserzeit berichten einige römische Schriftsteller einiges über die germanische Kleidung. So Cäsar in seinen Kommentaren, Sallust (86-35 v. Chr.) und Tacitus, oder auch Pomponius Mela. Auch einige Grabsteine röm. Soldaten, die am Rhein gefunden wurden, zeigen Abbilder der Kleidung der Germanen.

Sie lassen in der Darstellung der meist als Besiegte geschilderten Germanen ihre häufig fast völlige Nacktheit erkennen, die auch von den röm. Autoren betont wird. Ein meistens recht kleiner Mantel, der von den Schultern herabflattert, bildet die ganze Bekleidung. Im Gegensatz zu diesen rheinischen Darstellungen der Römischen Kaiserzeit zeigen Denkmäler aus Adamklissi (Rumänien), sowie einige Säulen in Rom die Germanen sämtlichst mit Beinbekleidung (Hosen im heutigen Sinne)... Weiterlesen.

Völkerwanderungszeit

Männerkleidung

Über die Männerkleidung der Völkerwanderungszeit in Mittel- u. Nordeuropa unterrichten mehrere besonders reiche Moorfunde, aus denen man sehen kann, wie ein Krieger damals gekleidet und von Kopf bis Fuß ausgerüstet war. Ebenso fand man in Gräbern dieser Zeit feine und gemusterte Stoffe, teils aus Wolle, teils aus Flachs, in denen mehrere verschiedene Farben nachgewiesen werden konnten.

Hilde van Castricum1.jpg

Rekonstruktion der Hilde von Castrium (Niederlande, 4. Jh.)

Neben Fellen und Wollstoffen waren auch Leinenstoffe recht verbreitet und die Farbvielfalt nahm zu. Das Oberteil war nun mit Ärmeln versehen, man hatte Beinkleider, und an Stelle von Stoffstreifen um den Fuß traten Strümpfe. Über die Rüstung und die Waffen des Mannes, die durchaus zu seiner allgemeinen Bekleidung gerechnet werden können, geben die Moorfunde eine recht gute Aufklärung (s. Art. Rüstung, Waffen).

Frauenkleidung

Von der Frauenbekleidung der Völkerwanderungszeit kennen Forscher vor allem eine große Menge verschiedener Schmucksachen, die in Frauengräbern gefunden wurden. Davon sind außer Hals-, Arm- und Fingerringen, Halsschmuck und Armbänder aus Bernstein und Glasperlen, die man zuweilen auch als Kopfputz trug, besonders zu betonen. Auch prächtige Fibeln und Schmucknadeln aus Gold, Silber und Bronze, häufig besetzt mit geschliffenen Steinen, Bronzeplatten zum Aufnähen auf die Kleider, sowie verschiedenes andere Schmucksachen, zeigen, dass die Frauentrachten sich, genauso wie die Kleidung der Männer, in Feinheit und Pracht entwickelten... Weiterlesen.

Frühmittelalter

Viking attire and jewellery - VIKING exhibition at the National Museum of Denmark.jpg

Wikinger Kleidung und Schmuck (National Museum Denmark).

Will man sich für die Kleidung des Frühmittelalters einen Überblick verschaffen, so sollte man die ganze Periode von ca. 800-1200 n. Chr. zunächst einheitlich behandeln und einen allgemeinen Umriss der Tracht in dieser Periode geben, ohne den genaueren Unterschied zwischen älteren und jüngeren Moden.

Dabei kommt es durchaus vor, dass Kleidungsstücke genannt werden, die vielleicht nicht alle gleichzeitig vorkamen und von denen einige vielleicht nur Variationen älterer Kleidungsstücke sind, die einen neuen Schnitt oder eine neue Farbe und ein neues Muster und damit einen neuen Namen bekamen. [2]

Psalterium aureum St. Gallen 0022 136.jpg

Psalterium Aureum von St. Gallen (22-136): Darstellung dreier Krieger

Ein verhältnismäßig vollständiges Bild der fränkischen Tracht ist in der Beschreibung von Karl dem Großen durch den Gelehrten Einhard (* um 770; † 840) überliefert. Einen Einblick in die Kleidung der Angelsachsen bieten Manuskriptillustrationen aus dem 9.-10. Jhd, wie z.B. eine Handschrift des Britischen Museums (Cotton library) [3].

Ähnlich erscheinen die Trachten in deutschen Handschriften dieser Periode, wie das Wessobrunner Gebet (anno 814) [4] und Evangelienbuch in München, das "Psalterium aureum" von St. Gallen [5] aus dem 9. Jh. u. a.

Im 10. Jhd. finden sich dann vermehrte Farbenteilungen, d. h. beide Hälften eines Kleidungsstückes werden verschieden gefärbt. Außerdem kommen Rangabzeichen auf in Form von andersfarbigen Stoffstücken, die auf den Mantel aufgenäht werden. Übrigens war der in höheren Kreisen allmählich eingerissene Luxus der Tracht keineswegs allgemein üblich.

Byzantinische Adlige sprachen z B. noch im 10. Jhd. von den "armen in Felle gekleideten Sachsen". Aber eine gewisse nationale Mode ist doch unverkennbar im Gegensatze zur römischen und byzantinischen Tracht. Ebenso sind Stammesunterschiede noch immer im Einzelnen bezeugt, z. B. im kurzen Überrock der Franken und dem langen der Sachsen. Außerdem war die Kniehose als Beinbekleidung gerade bei den westlichen Germanenstämmen, besonders den Franken, sehr beliebt, während in Nordeuropa und auch im Osten an der Donau die Langhose vorherrschte.

Männerkleidung

In der männlichen Tracht ist es in vielen Fällen nicht zu entscheiden, ob eine getrennte Bekleidung des Ober- und Unterschenkels vorliegt. Allmählich verschwindet die alte Unterschenkelbewickelung, und es bildet sich der gewirkte kürzere oder längere Strumpf aus. Die Männerkleidung (karlklæði) in Nordeuropa bestand in der Wikinger- und Sagazeit aus folgenden Kleidungsstücken:

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Frühmittelalterliche Kleidung mit Mantel der Ottonenzeit.

Die übliche Kopfbedeckung war ein Woll- oder Filzhut. Als besonders feine Hüte betrachtete man irische und russische Hüte, eine Art goldgewirkter Turban, sowie dänische Schalen- u. Kegelhüte.

Das Hemd des Mannes bestand aus Wolle oder Leinen, vereinzelt auch aus goldbestickter Seide. Die Halsöffnung der Männerhemden durfte nicht zu groß sein, dass die Brustwarzen zum Vorschein kamen, denn dann galt es als Frauenhemd. Diese Hemdöffnung wurde auch "Scheidungsöffnung" genannt, weil es für die Ehefrau ein rechtsgültiger Scheidungsgrund war, wenn der Mann ein solches Hemd trug.

Die Beinkleider bestanden üblicherweise aus Leinen, konnten aber auch ganz fehlen. Eine gemeinsame Bezeichnung für Hemd und Unterbeinkleider zusammen war "Leinenkleider", die man normalerweise nächtens trug. Sehr selten trug der Mann ein weißes, teils längeres, teils kürzeres Unterkleid. (Siehe: Hose: Frühmittelalter)

Als Überkleider trug der Mann für gewöhnlich einen Rock, der ebenso wie das Hemd durch eine Halsöffnung über den Kopf gezogen wurde, mit einer kleinen Spaltöffnung, die durch eine Nadel oder Spange zusammengehalten wurde. Dieser Überrock war in der Regel mit Ärmeln versehen, teils länger, teils kürzer, je nach der wechselnden Mode, teils lose, teils festgenäht. Das Leibchen des Rocks war meistens recht weit und wurde durch einen Gürtel am Leib gehalten.

Frauenkleidung

In der Frauentracht des Frühmittelalters bürgerte sich der lange Kopfschleier, die Stirnbinde oder das Kopftuch, das spätere Gebende, langsam immer mehr ein. Zudem trat der vordere Schluß des Mantels an die Stelle des früheren Schulterverschlusses.

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Bynzantinische Kleidung des 6.-8. Jh.

Die Kopfbedeckung der verheirateten Frau nannte man u.a. "Faltung" oder "Raule". Sie bestand gewöhnlich aus einem langen vierzipfligen Kopftuch aus weißen Leinen, das das Haar und einen Teil des Gesichtes bedeckte, während das eine Ende in einen langen, vom Hinterkopf herabhängenden Zipfel auslief, der zuweilen unten mit Fransen oder Quasten versehen war.

Im Gegensatz zur verheirateten Frau pflegte das junge Mädchen mit unbedecktem Kopf und lose hängenden, offenen Haar zu gehen, das von einem Stirnband zurückgehalten wurde.

Die Unterkleider der Frau bestanden aus einem Hemd, teils einem einfachen Leibhemd, das nur den Leib selbst von den Armhöhlen bis zur Hüfte deckte und ohne Ärmel war, aber oben durch breite Schulterbänder gehalten wurde, oder aus einem längeren und feineren Hemd mit Ärmeln, das bedeutend weiter ausgeschnitten und etwas länger als das Männerhemd, aber im übrigen von gleichem Stoff und Schnitt war. Nicht selten wird erwähnt, dass die Frau ein besonderes Nachthemd hatte.

Auch die Frau trug Unterbeinkleider, die sich nur darin von denen des Mannes unterschieden, dass sie kürzer und ohne Hinterstück waren.

Von den Überkleidern der Frau war der Rock das gewöhnlichste. Er unterschied sich vor allem darin vom Überrock des Mannes, dass das Unterteil weiter und länger war, häufig fußlang. Bei jungen Mädchen reichte er zuweilen nur bis zu den Knöcheln. Teilweise waren Leibchen und Unterteil eins, aber ebenso häufig war das Leibchen getrennt, und konnte dann aus einem anderem Stoff als das Unterteil sein, z.B. das Leibchen aus Fries, das Unterteil aus Namtuch (vgl. Kleiderstoff).

Die Ärmel waren teils Halbärmel, teils reichten sie bis zu den Handgelenken oder noch weiter. Um den Leib trug die Frau einen Gürtel, an dem gern eine lose Tasche hing, ein Messer, das gold- oder silberbeschlagen sein konnte, eine Schere und bei verheirateten Frauen ein Schlüsselbund. Als weibliche Überkleider werden auch des Schleppkleid und die Bluse genannt, ohne dass man jedoch sehen kann, ob sie von den entsprechenden, von den Männern getragenen Kleidungsstücken verschieden gewesen sind oder nicht.

Die Fußbekleidung der Frau wich nicht wesentlich von der des Mannes ab, außer dass sie an Stelle von Hosen Socken trug, die ein wenig über die Schenkel reichten und mit einem Strumpfband festgehalten wurden. [6]

Hochmittelalter

Die Kleidung des Hochmittelalters wurde im Zeitalter der Kreuzzüge durch einen ununterbrochenen Verkehr der Völker des Abend- und Morgenlandes beeinflusst. Dabei wurden die nationalen Verschiedenheiten in der Kleidung mehr und mehr beseitigt, und es bildete sich seit dem 11. Jh. eine Modetracht, die meist von Frankreich, zeitweilig (16. und 17. Jh.) auch von Spanien bestimmt wurde.

Als Kopfbedeckung kamen im 12./13. Jhd. die Schaprun auf, die teils mit prächtigen Hals- u. Hutkragen versehen waren. Bei den Hauben wurden neben den einfachen Fell- u. Pelzhauben auch solche aus Wachstuch, Leinen und Seide getragen. Besondere Arten waren Turmhauben und Spitzhauben, die von vornehmen geistlichen und weltlichen Personen getragen wurden. Vornehme Leute knüpften auch oft kostbare Stirn- oder Haarbänder (Schapel) um den Kopf, um das lange Haar nach hinten festzuhalten und gleichzeitig die Stirn zu schmücken.

Als Beinkleider wurde die sog. Brouche getragen und die Strumpfhosen lösten die Gamaschenhosen ab. Die Beinkleider wurden durch einen Hosengürtel festgehalten, an dem zuweilen eine lose Tasche befestigt war. (Siehe: Hose: Hochmittelalter)

Als Überkleider wurden Röcke aus den unterschiedlichsten Stoffen getragen. Sowohl das Leibchen des Rocks wie sein Unterteil war gewöhnlich mit prächtigen Borten besetzt, besonders an den Schößen, um die Halsöffnung und die Handgelenke herum. Der Gürtel, mit dem die Röcke am Leibe festgehalten wurden, war häufig aus Silber, und an diesem hing gern ein Messer an einem Riemen sowie eine lose Tasche, in der man Schmuckstücke aufbewahrte, oder die man als Geldbeutel benutzte.

Spätmittelalter

Bei der Kleidung des Spätmittelalters bilden die flandrische und burgundische Tracht besondere Kostümtypen, die das Modekostüm des 14. und 15. Jh. waren. Das 15. Jh. ist das Zeitalter der Ausschreitungen und Übertreibungen der Mode, wofür z.B. die Zattel- und Schellentracht ein bezeichnendes Beispiel bieten.

Adel

Im Spätmittelalter des 14./15. Jhs. war beim Adel eine eng anliegende Tracht charakteristisch: Bei den Herren das Wams und Strumpfhosen; bei den Damen die Cotte bardie.

  • Fig. 1. Edler Florentiner des 15. Jhs. mit roter, wulstartiger Kappe, von der die Sendelbinde herabhängt. Mehrfarbige Strumpfhosen (miparti). Nach einem Gemälde des 15. Jhs. in der Sammlung Guarrazzi zu Florenz.
  • Fig. 2. Edle Florentinerin des 15. Jhs. mit weißer, goldumsäumter Haube, deren Spitzen wulstartig zusammengedreht auf die Schultern herabfallen. Nach einem Freskogemälde des Domenico Ghirlandajo in Santa Maria Novella in Florenz. (Aus A.v. Heyden, Blätter für Kostümkunde, Bd. I, Berlin 1876, F. Lipperheide.)
  • Fig. 3. Johanna von Flandern, Gattin des Johann von Montfort, Herzogs von Bretagne (1341), mit zuckerhutförmiger Haube mit gesteiftem Untergestell (Hennin), von der ein Schleier herabfällt. Nach einer Miniatur in der Pariser Nationalbibliothek.
  • Fig. 4. Burgundisches Edelfräulein des 15. Jhs., aus einem burgundischen Hautelisse-Teppich in München. Goldbesatz des langen Kleides 10 cm breit. (Nach A.v. Heyden, a.a.O.)
  • Fig. 5. Französischer Edelmann (Karl von Montagne, gefallen bei Azincourt 1415), mit Schulterwülsten (Mahoîtres) und ausgezackten, lang herabfallenden Ärmeln (sogen. Zatteltracht). Nach einer Miniatur des 15. Jhs.

Bürgertum

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Das Bürgertum in seiner Kleidung

  • Fig. 6. Vornehmer deutscher Bürger um 1480. Damastschaube, mit Granatapfelornament gemustert. Haartracht: Kolbenschnitt.
  • Fig. 7. Vornehme deutsche Frau. Hohe, spitze Haube mit Spitze von Goldbrokat und mit turbanartigem Wulst. Die weiten Ärmel sind blau gefüttert. Unterkleid von hellblauem. Stoff.
  • Fig. 8. Nürnberger Bürger von 1500, in der mit breiter goldener Borte besetzten Schaube und mit Barett.
  • Fig. 9. Nürnberger Frau von 1500, nach der Unterschrift zum Tanz gehend. Barbette: Haube mit Kinnband. Lange Oberärmel, mit weißem Pelz gefüttert.

Renaissance

Bei der Kleidung der Renaissance behauptete sich in Deutschland (16. Jh.) und Holland (17. Jh.) in einzelnen Perioden eine gewisse Selbständigkeit in der Mode. Die französische Kleidung entwickelte sich im 15. und 16. Jh. dagegen wieder unter dem Einfluß der italienischen Mode, die ihre Selbständigkeit bis zum Anfang des 17. Jh. behielt.

  • Fig. 10. Landsknecht um 1520. Geschlitzte Rollhosen. Kurzes Wams mit Puffärmeln.
  • Fig. 11. Kathrina von Medici, Königin von Frankreich (1519–89). Italienische Tracht unter französischem Einfluß. Charakteristisch sind die Schulterwülste, die gepufften Unterärmel und die Halskrause. Letztere wurde von Italienern angefertigt.
  • Fig. 12. Don Juan d'Austria. Steife Halskrause, unter dem Küraß mit Gänsebauch ein eng anliegendes Kettenhemd, straff gepolsterte Oberschenkelhosen, Trikots. Kette des Ordens vom Goldenen Vlies.
  • Fig. 13. Vornehme Italienerin um 1530. Kleid von grünlichblauem Seidendamast, mit roten Samtstreifen besetzt und roten, geschlitzten Unterärmeln unter den gepufften Oberärmeln. Das Pelzchen über der rechten Hand diente dazu, das Ungeziefer vom Körper hineinzulocken.

Farben und Farbsymbolik

Im Gegensatz zu der Vorstellung vom dunklen Mittelalter kann man sich die Stoffe recht farbenfroh vorstellen. Braun, Blau, Grün, Gelb, Rot waren alles Farben, mit denen man in bestimmten Tönen recht günstig färben konnte. Die Kleiderfarbe selbst spielte im Mittelalter auch eine bedeutende Rolle. Diese Farben unterlagen einer gewissen Symbolik und kennzeichneten auch ganze Berufsgruppen.

Farbenfrohe Adelsgewänder

Das Prestige einer Farbe stand fast immer in einer Abhängigkeit zu ihrem Wert, der sich über den Preis verdeutlichte. Die Kleidung des fränkischen Adels war z.B. fast schreiend bunt. Die Kleidung der Karolinger z.B. bestand u.a. aus roten Hosen über die scharlachrote Wickelbinden gebunden waren, dazu ein grauer oder blauer Mantel, der über einem gelben oder grünen Rock getragen wurde. Auf dem Kopf trug man noch eine bunte Kappe. Erst durch den Einfluss des orientalischen Christentums wurde die Kleidung einfacher und geometrischer.

Kleiderfarbverordnung

Da die Farbenpracht der Kleider Zeichen der Macht seines Trägers war, dauerte es auch nicht lange, daß es die ersten Kleidervorschriften gab. So war es Karl der Große, der in seiner Landgüterverordnung um 800 festlegte, dass Färberwaid und Krapp angebaut und die Kermesschildlaus, die das Scharlachrot lieferte, gezüchtet werden solle. Doch durch seine christliche Neigung zu einfacher Kleidung genehmigte er dem einfachen trotzdem buntbekleideten Volk nur 6 Ellen graues oder braunes grobes Leinengewebe, das sind 3,60 m.

Ab dem 12. Jh., nach den ersten Kreuzzügen, konnten sich auch die reichgewordenen Kaufleute die farbenfrohe Kleidung des Adels leisten, was der Adel wieder mit strengen Kleidervorschriften verhindern wollte. So waren einige Farben ausschließlich dem Adel vorbehalten, wie Grün, Indigoblau, Goldgelb und Scharlachrot. Das Waidblau und das Krapprot war die Festfarbe für Bürger und Bauern. Blassgelb hingegen war die Schandfarbe für Juden und Prostituierte.

Um 1200 erforderte die Mode, dass die Kleider des Adels entweder rot, grün oder braun sein sollten. Zuweilen war das Kleid der Länge nach aus zwei verschieden gefärbten Stoffen zusammengenäht, z.B. die eine Hälfte rot, die andere weiß oder in braunem Scharlach. Solche Röcke als Oberbekleidung werden im 11. und 12. Jhd. erwähnt.

  • Blassgelb wurde Außenseitern als Kleiderfarbe zugewiesen, da ein fahles Gelb die Schandfarbe war.
  • Grün war als teure Mischfarbe ausschließlich dem Adel vorbehalten
  • Purpur wurde nur vom Hochadel und dem hohen Klerus getragen, da er der teuerste Farbstoff war.
  • Schwarz war dem niederen Klerus und den Magistern vorbehalten.

Doch Verbote und Kleidervorschriften hielten das Volk nicht davon ab, immer prunkvollere Gewänder zu tragen. So begann der Adel damit seine Wappenfarben zu tragen und sich sein Wappentier aufzusticken. So entstand die Mi-partie-Mode, die den Körper in 2 oder sogar 4 verschiedene Farbstreifen einteilte. Doch Bürger und sogar die Bauern ahmten selbst das nach.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 537-539.
  2. Nordische Altertumskunde (Internet Archive). Sophus Müller. Übersetzung. V. Jiriczek. 2 Bände. K.J. Trübner Verlag, Straßburg 1897-98.
  3. Cotton library: Claudius (B IV: Cotton Genesis). Sammlung Robert Bruce Cotton (Hs. Cott. Claud.); 11. Jhd., British Library.
  4. Die Bayerische Staatsbibliothek: Wessobrunner Gebet. Clm 22053, Pergament, 99 Blätter, Bistum Augsburg, vor oder um 814
  5. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 22 – Goldener Psalter (Psalterium aureum) von St. Gallen - Psalterium Gallicanum mit Kollekten u. Orationen
  6. Altnordisches Leben (Internet Archive). Karl Weinhold. 1856. S. 158 ff.
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907. 6. Auflage 1905–1909 Art: Kostüm

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