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Über die Kleidung der Bronzezeit (2200 v. Chr. bis 800 v. Chr.) in Mittel- u. Nordeuroa geben u.a. Funde von Eichenkisten in Jütland Auskunft, in denen sich nicht weniger als fünf vollständige Männertrachten und eine vollständige Frauentracht erhalten haben. Da Bearbeitung, Schnitt und Zusammensetzung dieser Kleidung mit anderen Funden aus Mitteleuropa zu vergleichen sind, können sich Forscher ein recht gutes Bild der allgemeinen Kleidung der Bronzezeit machen. Durch chemische und mikroskopische Untersuchungen konnte sogar die Farbe festgestellt werden.

Beschreibung

Die gegenständlichen Kleidungsfunde aus der älteren Nordische Bronzezeit (1800-530 v. Chr.) in Schleswig und Jütland zeigen als Männertracht ein viereckiges wollenes, nicht genähtes Stoffstück, das von einem Ledergürtel um den Leib zusammengehalten wurde und von der Brust bis zum Knie reichte, sowie ein weiter Mantel. Fuß und Knöchel waren mit Stoffbinden umwunden; auch Schuhe fehlten nicht. Außer aus Fellen bestanden die Kleiderstoffe in dieser Periode im allgemeinen aus einem dicken, zweischäftigen, grobem Wollzeug aus Schafswolle mit Zusatz von Hirschhaaren. Für kostbare Stücken, wie z.B. für Leibgürtel, verwendete man ausschließlich Wolle, und in einigen Fällen auch nur die allerfeinste Wolle, ebenso wie man bereits künstlich, gemustertes Gewebe anfertigte. Leinenstoff war seltenner, aber in Mittel- u. Nordeuropa bekannt, wie Funde der jüngeren Bronzezeit zeigen.

Kleiderfarbe

Die → Kleiderfarbe war in der Regel die natürliche Farbe der Wolle, indem man größtenteils die Wolle von braunen oder schwarzen Schafen verwendete, wogegen weiße Wolle vergleichsweise selten auftaucht. Allerdings ist in der Bronzezeit auch bereits das künstliche Färben von Stoffen zumindest in einzelnen Fällen nachgewiesen.

Männerkleidung

Die Männerkleidung der Bronzezeit bestand aus folgenden Kleidungsstücken:

Kopfbedeckung

Als Kopfbedeckung diente ein solider, dicker Hut mit rundem Kopfstück aus einer einzelnen oder doppelten Lage Wollzeug. Dieser wurde auf der Außenseite mit einer dichtknotigen, faserigen Lage aus vorstehenden Fäden gebildet, die durch einen oder zwei Knoten abgeschlossen wurden, also eine Art Lodenzeug. Neben diesen niedrigeren Hüten mit rundem Kopfstück fand man auch hohe Hauben von derselben Form wie Hauben, die heute noch auf den Färöer-Inseln getragen werden.

Oberbekleidung

Auf dem Oberkörper trug der Mann eine Art Rock, bestehend aus einem vierkantigen Stück Wollzeug, das unter den Achseln um den Leib geschlungen wurde und ungefähr bis zu den Knien reichte. Am oberen Rande liefen die Ecken des Rocks in Zipfel aus, zum Festnähen von Bändern oder Lederriemen, mit denen er wahrscheinlich über die Schultern gebunden wurde. Um den Leib wurde der Rock entweder durch ein gewebtes Band festgehalten oder durch einen Ledergürtel, der durch einen großen Bronzeknopf oder durch einen Holzknopf geschlossen wurde.

Über dem Rock trug man einen bis zu 1m langen, lose hängenden Mantel von einer länglich-runden, fast ovalen Form, der die nackten Schultern und Arme bedeckte und so weit war, dass er vorn ganz zusammengezogen werden konnte, wo er durch eine oder mehrere Gewandnadeln zusammengehalten wurde. An Stelle des Mantels trug man zuweilen eine Art Plaid oder Schal mit Schmuckfransen, wie man sie mehrfach in Männergräbern der Bronzezeit fand.

Beinkleider

Beinkleider kannte man nicht; die Beine selbst waren vollständig nackt vom Knie bis zu den Knöcheln.

Fußbekleidung

Die Fußbekleidung bestand aus Zeugstreifen, die um den Fuß und die Knöchel gewickelt und teilweise wiederum von einfachen Lederschuhen bedeckt wurden. Dieses Schuhwerk hat große Ähnlichkeit mit den Schuhen, die noch in der Neuzeit auf Island und den Färöern getragen werden.

Schmuck

Von Schmuck scheint der Mann der Bronzezeit nicht viel mehr gebraucht zu haben als die erwähnten Knöpfe und Gewandnadeln, aber dass er sorgfältig Haar und Bart gepflegt hat, geht aus den in Männergräbern gefundenen Kämmen und aus den vielen prächtigen Rasiermessern aus Bronze hervor.

Frauenkleidung

Die Frauenkleidung hatte folgende Zusammensetzung:

Kopfbedeckung

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Haarnetz aus Flechtgewebe aus dem Grabhügel von Borum Eshøj (bei Aarhus, Dänemark)

Als Kopfbedeckung trug man ein feines, künstlich gearbeitetes Haarnetz aus Flechtgewebe mit auslaufenden Schnüren, das über dem Vorderkopf gebunden wurde, während das Netz selbst den Hinterkopf bedeckte, wo das Haar mit einem Hornkamm aufgesteckt und im Netz gesammelt war.

Oberbekleidung

Auf dem Körper trug die Frau einen zweiteiligen Rock aus dickem Wollzeug, bestehend aus einem Leibchen und einem Unterteil, die nicht zusammengenäht waren, sondern jedes für sich ein besonderes Kleidungsstück ausmachten. Das Leibchen war aus einem einzigen Zeugstück geschnitten, mit Nähten auf dem Rücken und herunter die Ärmel entlang, während ein eingeschnittenes Loch die Halsöffnung bildete. Die Ärmel gingen bis zu den Ellenbogen, so dass der ganze Unterarm bloß war, aber dafür geziert mit Schmuck.

Der untere Rock war faltig, reichte bis zu den Füßen und wurde um den untersten Rand des Leibchens über die Hüften gebunden, wo er durch eine schmale Leibchenschnur festgehalten wurde. Über dem Leibchen trug die Frau außerdem, wohl hauptsächlich zur Zier, einen breiten Gürtel aus feinem, gemustertem Gewebe mit einem hellen Streifen in der Mitte und dunklen Rändern, der in besonders kunstfertigen Quasten endete.

Vorn am Gürtel war eine große, runde Bronzeplatte angebracht, mit vorstehender Spitze in der Mitte und geziert mit Spiralmustern. Zuweilen war diese Gürtelplatte noch umgeben von mehreren (bis zu 4) kleineren Schmuckplatten oder Buckeln. Solche kleine Bronzebuckel wurden zuweilen auch am Hals oder der Schulter gefunden und kommen auch in Männergräbern vor. Sie dienten entweder als Verzierung der Kleidung oder in einzelnen Fällen auch als Knöpfe. An den feineren Trachten waren auch Fransen angebracht, umgeben von einem Stück zusammengerollten Bronzeblechs, die zuweilen auf beiden Seiten der Gürtelplatte in Reihen gefunden wurden.

Schmuck

Wie die Funde zeigen, trugen die Frauen der Bronzezeit reichlich Schmuck. Um den Hals trug sie entweder einen runden, gedrehten Bronzehalsring oder eine große, gebogene Bronzeplatte, teils dicht ausgekehlt, teils bedeckt mit Spiralornamenten. An den Unterarmen hatte sie bereits Armringe, bestehend aus englaufenden Spiralwindungen, und an den Fingern hatte sie schmale Ringe aus entsprechenden Formen. Zur Aussteuer der Frau gehörten im übrigen prächtige Bügelnadeln, Kämme, ein Messer am Gürtel und verschiedene andere Sachen.

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Quellen

Einzelnachweise

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