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Über die Kleidung der Völkerwanderungszeit in Mittel- u. Nordeuropa unterrichten mehrere besonders reiche Moorfunde, aus denen man sehen kann, wie die Menschen damals gekleidet und von Kopf bis Fuß ausgerüstet waren. Ebenso fand man in Gräbern dieser Zeit feine und gemusterte Stoffe, teils aus Wolle, teils aus Flachs, in denen mehrere verschiedene Farben nachgewiesen werden konnten. Neben Fellen und Wollstoffen waren auch Leinenstoffe recht verbreitet und die Farbvielfalt nahm zu.

Allgemeines

Mit dem Sturz des weströmischen Reiches gewann Byzanz die herrschende Stellung, die auch auf die Kleidung ihren Einfluß übte (Fig. 8 u. 9). Die antike Mode der römischen Kaiserzeit verfiel orientalischen Einflüssen, während in Germanien und Gallien, besonders bei den Franken, nationale Überlieferungen bestimmend einwirkten (Fig. 10).

Über die Kleidung der Germanen in der Völkerwanderungszeit und dem Frühmittelalter erwähnt Paulus Diakonus von den Langobarden und Angelsachsen, dass sie weite Gewänder aus Leinen liebten, die mit buntfarbigen Streifen geschmückt waren. Bei den Angelsachsen sind auch Leinenkleider durch Hügelgrabfunde in Greenwich Park bezeugt. Der als Rumpfbekleidung dienende Leibrock germanischer Stämme wird um die Mitte des 5. Jhds. als kurz, eng anliegend, buntgestreift und kaum bis zum Knie reichend geschildert, mit Ärmeln, die nur den Oberarm bedecken.

Männerkleidung

Alamannische Kleidung

Alamannische Kleidungsrekonstruktion eines Mannes (4./5. Jh.) im Alamannen-Museum Vörstetten.

Das Oberteil der Männerkleidung war in der Völkerwanderungszeit, im Gegensatz zu vorherigen Epochen, mit Ärmeln versehen, man hatte Beinkleider, und an Stelle von Stoffstreifen um den Fuß traten Strümpfe.

Dazu waren die Kleider mehr geschmückt, mit Borten, Fransen und Ornamenten versehen, die, wie es scheint, zur Bronzezeit noch hauptsächlich den Frauen vorbehalten waren, aber bis zur Völkerwanderungszeit auch auf die Männerkleidung übertragen wurden.

So trug nun auch der Mann mehrere kostbare Schmucksachen. Über die Rüstung und die Waffen des Mannes, die durchaus zu seiner allgemeinen Bekleidung gerechnet werden können, geben die Moorfunde eine recht gute Aufklärung (s. Art. → Rüstung u. → Waffen).

Oberteile

Zur Völkerwanderungszeit bestand die Männerkleidung in Mittel- u. Nordeuropa meist aus einem langärmligen, wollenen Oberteil, dessen Vor- und Rückseite aus getrennten Stoffstücken zusammengenäht waren. Diese Tunika reichte bis zu den Schenkeln, war aber etwas kürzer als zur Bronzezeit. Die Ärmel in den Funden bestehen aus einen separaten, gemusterten Stück Stoff, das später angenäht wurde. Die Kanten der Ärmel wurden aus gewebten oder gestickten Borten gebildet. Über dem Rock trug man einen großen, viereckigen, wollenen Mantel, der vorn unten mit langen Fransen und mit verschiedenfarbigen Borten versehen war. Einige der gefundenen Mäntel hatten ihre Farbe bewahrt, so war z.B. einer von ihnen grün, mit gelben und dunkelgrünen Borten.

Bein- und Fußbekleidung

Beinkleider, die bis zu den Knöcheln reichten, waren seit der mitteleuropäischen Eisenzeit üblich. Die Fußbekleidung selbst bestand aus Knöchelstrümpfen aus festen Stoff, der in manchen Fällen an die Beinkleider festgenäht war, so dass diese und die Strümpfe ein zusammenhängendes Ganzes bildeten. Die äußere Fußbekleidung bildete ein Lederschuh mit eingeprägten Ornamenten und so geschnitten, dass man ihn über dem Spann zubinden konnte.

Schmuck

Gürtelschnalle, Landesmuseum Mainz, Obj20144718

Gürtelschnalle mit Kerbschnitt-Technik (6. Jh., Landesmuseum Mainz)

Von Schmuckgegenständen des Mannes sind besonders Goldnadeln (für den Mantel) hervorzuheben, Gürtelspangen aus Silber, goldene Armringe (für den Oberarm) und goldene Fingerringe aus Spiralwindungen von denen einige Männer, mehr als einen an derselben Hand getragen haben, einen am Ringfinger und einen zweiten am Daumen.

Haartracht

In der Haartracht schien es nun auch Mode geworden zu sein, mit Vollbart zu gehen, denn die früher in den Männergräbern so allgemeinen Rasiermesser werden durch eine Schere zum Schneiden des Barts und des Haars abgelöst.

Frauenkleidung

Von der Frauenbekleidung der Völkerwanderungszeit kennen Forscher vor allem eine große Menge verschiedener Schmucksachen, die in Frauengräbern gefunden wurden. Davon sind außer Hals-, Arm- und Fingerringen, Halsschmuck und Armbänder aus Bernstein und Glasperlen, die man zuweilen auch als Kopfputz trug, besonders zu betonen. Auch prächtige Fibeln und Schmucknadeln aus Gold, Silber und Bronze, häufig besetzt mit geschliffenen Steinen, Bronzeplatten zum Aufnähen auf die Kleider, sowie verschiedenes andere Schmucksachen, zeigen, dass die Frauentrachten sich, genauso wie die Kleidung der Männer, in Feinheit und Pracht entwickelten.

Aus dem großen Torsberger Moorfund kennen wir einen hemdartigen roten Kittel mit Ärmeln, lange Hosen mit angenähter Fußbekleidung, Mäntel in Form viereckiger Tücher mit grünen, gelben und weißen Borten, Beinbinden, Gürtel und Schuhe, außer den letzteren alles aus Wolle gewebt. Bei den Moorleichen fanden sich hemdförmige Kittel mit und ohne Ärmel, kurze und lange Hosen, Mäntel von viereckiger Tuchform, Kapuze, Beinbinden, Schal, kurzer Pelzmantel, Taschen, Ledergurt und Lederschuhe. Zum Moorfund von Dätgen (Schleswig-Holstein), gehörte auch eine Kniehose, von der man vermutet, dass sie Teil einer Frauentracht war. Im Fund von Etzel im Friedeburger Moor in Ostfriesland war ein Rock aus gewalktem, grobem Stoff ohne Naht oder Knöpfe, nur mit Öffnungen für Hals und Arme versehen.

Aus dem 5.-8. Jhd. erfahren wir durch Sidonius Apollinaris, Agathias, Paulus Diakonus u. a. Einzelheiten über die Frauentrachten der verschiedenen germanischen Stämme, doch nicht hinreichend, um aus ihnen allein vollständige Bilder schaffen zu können. So bleibt vor allem unklar, wie sich die verschiedenen Beinbekleidungen zueinander verhielten. Eine andere Entwicklung ist die Verlängerung der zu Strümpfen ausgebildeten einzelnen Hosen bis an den Gürtel. Darunter wurde die Bruch beibehalten, bis man erst gegen Ende des 15. Jhds. diese Beinstrümpfe miteinander zu einem einzigen Kleidungsstück vereinigte.

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Quellen

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